Pegida – „Schlecht getarnter Rassismus“

17. Dezember 2014 - 17:45 | | Politik | 4 Kommentare

 „Man muss die Sorgen der Menschen ernst nehmen“, erklärt Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) über die PEGIDA Demonstrationen. Natürlich muss man die Sorgen der Menschen vor Verarmung, der wachsenden Schere zwischen Arm und Reich und massiven Zukunftsängsten aufgrund von Globaler Erwärmung etc. ernst nehmen. Doch die CDU ist hier Mitverursacher der Probleme und kein geeigneter Ansprechpartner für Menschen, die durch das Spardiktat von Merkel & Co. an den Rand der Existenz gedrängt wurden. Doch diese „Sorgen“ meinte Thomas de Maizière wohl eher nicht.

Die CDU bedient rassistische Ressentiments wo sie nur kann. Ihre Schwesterpartei, die bayrische CSU, geht sogar noch Steiler. Egal in welcher Dikussion, immer wieder werden künstliche Differenzen zwischen „deutschen“ und EinwanderInnen und ihren Nachgeborenen gezogen. Der größte Clou der CSU diesen Jahres waren wohl die „Verteidigung der europäischen Grenzen bis zur letzten Patrone“ und die, im Nachhinein abgeänderte, Parteitagsvorlage, Ausländer sollten gefälligst vorwiegend deutsch in der Familie und im öffentlichem Raum reden. Da sehen wir wieder, was unter Integration verstanden wird: Erst wenn jeder Mensch in Bayern sich wie der letzte Oktoberfestidiot verhält, wäre man voll integriert.

Rassismus und Diskriminierung sind keine Meinungsfreiheit

Es gibt so vieles gegen das man in diesem Land aktiv werden könnte, lasst euch doch nicht auf diesen scheiß von Pegida & Co. ein und hört auf von Meinungsfreiheit zu faseln, wenn ihr rassistischen Dünnpfiff von euch gebt. Rassismus ist nie mit Meinungsfreiheit begründbar. Man kann nicht ernsthaft glauben, das Zufällige Merkmal Religion und die Geburtsorte der Menschen entscheiden wie wir werden oder was wir sind. Ersteres ist im Kapitalismus leider der Fall, denn in Deutschland hat man mit ausländisch klingenden Namen 25 Prozent weniger Chancen eine Stelle zu bekommen. Mit Kopftuch sieht es da noch schlimmer aus. Aber warum glaube so viele, dass der Rassismus, den sie von sich geben, eine Meinung wäre die Legitim ist? „Den Ausländern“ wird vorgeworfen, sie würden in das Sozialsystem einwandern – Das ist schlichtweg falsch. Menschen mit ausländischen Pässen erwirtschaften jedes Jahr ein Plus von 22 Milliarden Euro in den deutschen Kassen. Pegida AnhängerInnen sprechen von einer Islamisierung Deutschlands? Dabei sind nicht einmal drei Prozent der Gesamtbevölkerung Deutschlands MuslimInnen. Es wird gegen Menschen gehetzt, die seit Generationen in Deutschland leben – Für die deutsche Nationalmannschaft spielen, in Wissenschaft und Politik Positionen bekleiden. Menschen mit Migrationshintergrund arbeiten und leben ebenso wie alle anderen Menschen, häufig sind sie mit massivem Altagsrassismus konfrontiert. Das ist ein Problem das gelöst werden muss, denn hier entsteht überhaupt erst der Pool an Menschen, die sich konservativen Wertvorstellungen hingeben, da sie keinen Anschluss an die Mehrheitsgesellschaft finden, abgedrängt und zurückgelassen. Deutschland ist ein Einwanderungsland, das müssen wir akzeptieren und uns daran erfreuen.

Keine ernsthaften Vergleiche mit autoritären Staaten

„Geht mal nach Saudi Arabien und schaut wie die da mit ChristInnen umgehen“ ist wohl einer der bekanntesten Vergleiche von „IslamisierungsgegnerInnen“. Die behandeln ChristInnen doof, also müssen wir Muslime mit der Ruhte schlagen. Interessanterweise sind VertreterInnen dieser These häufig AtheistInnen. Aber, ist Saudi Arabien etwa der Standard an dem wir den Umgang mit Menschen messen Wollen? Ist Saudi Arabien vom System her das Ziel zu dem Deutschland hin möchte? Ein Autoritär-Klerikaler Staat? Ein christlicher Gottesstaat der Ketzerei wieder auf die Straftatbestandsliste setzt? Ich glaube kaum. Und genau deshalb ist der Vergleich schlichtweg Falsch und nur ein weiterer Versuch, rassistische Äußerungen in humanistisches Gewand zu zwängen.

Im WDR Radio sagte eine Frau, anlässlich einer Pegida Sondersenung, sie verstehe nicht warum MuslimInnen sich nicht klar von der IS und ihren Taten distanzieren und das öffentlich machen würden. Da frage ich mich: Distanzieren sich ChristInnen von Anti-Balaka, die in Zentralafrika Massenmorde im Namen Gottes begehen? Oder wenn mal wieder ein christlicher Stamm in Nigeria ein ganzes muslimisches Dorf ausgelöscht hat? Wenn Buddhistische Mönche in Myanmar MuslimInnen auf offener Straße zu Tode prügeln? Nein, hier wird weder eine Distanzierung gefordert, noch sehen wir diese Bilder in den öffentlich rechtlichen Medien. Es passt nicht zum inszenierten Bild des „bösen“ Muslimen, der guten „Christen“.

Humanismus ist dem Fremdenhass Feind

Der Humanismus ist eine der Waffen, den die sogenannte besorgte Mitte für sich beansprucht. Es ginge um den „Schutz der Aufklärung“ und die Rettung humanistischer Werte. Doch gerade der Fremdenhass den diese Menschen vertreten steht im absoluten Kontrast zum Humanismus. So ist auf der Seite des Humanistischen Verbands Deutschlands zu lesen: „Humanistinnen und Humanisten unterstützen eine plurale und offene Gesellschaft, sie bekämpfen autoritäre und rechtsextreme Einstellungen auf allen Ebenen des gesellschaftlichen Lebens.“

Wehren und Wut ja, aber gegen die Politik

Gerade Menschen mit Migrationshintergrund sind mindestens ebenso von Ausbeutung und Unterdrückung betroffen, mehr als jeder Vierte beklat tägliche Diskriminierung. Also dorthin mit eurer Wut wohin sie gehört: Gegen die Politik, gegen die etablierten Parteien und die neoliberale Politik. Doch weg mit dem Rassismus und der Menschenverachtung, auf den Müllhaufen der Geschichte wo es hingehört – zusammen mit NPD, AfD & Co. Nicht AusländerInnen, „der Islam“ oder ein sonst wie geartetes Feindbild zerstört Arbeitsplätze, das Sozialsystem und viele Errungenschaften, die sich ArbeiterInnen in den letzten 100 Jahren erkämpft haben. Es sind Parteien die unter dem Zugzwang stehen, den Kapitalismus am Laufen zu halten und so Reiche reicher und arme Ärmer zu machen. Und wenn Menschen aus der Unter- und Mittelschicht fragen, wer Schuld an der Misere ist, dann zeigen die Regierenden und Reichen gerne Mal mit dem Finger auf eine Minderheit.

Über den Autor

Bundessprecher der linksjugend ['solid] und Wortakrobat für die Freiheitsliebe, Balkan21 und andere Medien.
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4 Kommentare

  • 1
    Heinrich sagt:

    Guter Beitrag, schlecht gewählte Überschrift.
    Der rassistische Hintergrund bei Pegida ist nicht schlecht getarnt, er ist offensichtlich.

  • 2
    Marcus sagt:

    „Die behandeln ChristInnen doof, also müssen wir Muslime mit der Ruhte schlagen. Interessanterweise sind VertreterInnen dieser These häufig AtheistInnen.“ Woran wird diese Aussage festgemacht? Welche statistische Erhebung stützt diese selbst als „rassistisch“ einzustufende Behauptung?

  • 3
    so sieht gelenkte Presse und Obrigkeits-Hörigkeit aus. sagt:

    Man sollte vielleicht einmal die Forderungen von Pegida lesen anstatt der „Bildzeitung“ und andere Springerprodukte.Wenn man lange genug lügt wird auch die Lüge wahr. Glaubt Ihr wirklich das die Politiker Angst haben vor ein paar Demonstranten die gegen Hartz4 oder ähnliches sind?
    Pegida ist unzufrieden mit der Politik und Ihr lasst Euch dafür einspannen deren Dummheit zu verschleiern
    2014 sind 500 000 Leute zugewandert.
    Wenn 80% der Deutschen in prekären Jobs sind wwerden.erdet Ihr vielleicht wach

  • 4

    […] heutigen Montag möchte die islamfeindliche Pegida-Bewegung wieder an alte Erfolge anknüpfen, dafür haben sie den niederländischen Islamhasser […]