Österreich: Die gescheiterte Revolution und der Aufstieg der Rechten

16. Februar 2016 - 16:15 | | Politik | 3 Kommentare

Die deutsche Revolution von 1918 ist den meisten Geschichtsinteressierten in Deutschland ein Begriff, denn sie stürzte die Monarchie und etablierte die parlamentarische Demokratie, zeitweise lag sogar eine sozialistische Revolution nahe. Die österreichische Revolution, wie auch das Ende der ersten österreichischen Demokratie, sind dagegen fast in Vergessenheit geraten.

Diktator Engelbert Dollfuß, der am Vorabend des entscheidenden Schlags gegen die Sozialdemokratie erklärte, dass sich „der Umbau des Staates“ zum autoritär geführten Staat „in möglichster Raschheit vollziehen“ müsse, zog in Erwägung, die Arbeiterschaft in einem schnellen Schlag mit Giftgas zu ermorden. Die Heimwehren unter Emil Fey, berühmt-berüchtigt für seinen Satz „Wir werden morgen an die Arbeit gehen und wir werden ganze Arbeit leisten“, gingen besonders ruchlos gegen die Arbeiter_innenbewegung vor. Vier Tage lang stellten sich Arbeiter_innen vor allem in Oberösterreich, Wien und der Steiermark mit Waffengewalt gegen die Diktatur. Die Kämpfe forderten über 300 Todesopfer.

Der bewaffnete Widerstand war – nachdem Hitler in Deutschland beinahe ohne jegliche Gegenwehr die Macht übernehmen konnte – das leuchtende Beispiel für die weltweite Arbeiter_innenbewegung. Der antifaschistische Schlachtruf lautete „Lieber Wien als Berlin“.

Österreichische Revolution 1918

Die Wurzeln des Bürgerkriegs liegen in der österreichischen Revolution. Die österreichische Arbeiter_innenklasse war der Mittelpunkt des Widerstands gegen die Kriegstreiberei der Donaumonarchie Österreich-Ungarns im Ersten Weltkrieg. Der Schrecken des Krieges, Hunger und Krankheiten zerrütteten die Habsburgermonarchie. Arbeiter_innen stiegen auf die Barrikaden, jagten ihre Fabrikchefs davon und gründeten Arbeiterräte. Die Jännerstreiks 1918 wurden zum allgemeinen Aufstand.

Kriegsheimkehrer und Kriegsgefangene berichteten von der erfolgreichen Russischen Revolution, die Hoffnung auf einen baldigen Frieden machte. Kaiser Karl I. telegrafierte am 17. Jänner an seinen Außenminister Graf Czernin: „Ich muss nochmals eindringlichst versichern, dass das ganze Schicksal der Monarchie und der Dynastie von dem möglichst baldigen Friedensschluss in Brest-Litowsk abhängt … Kommt der Friede nicht zustande, so ist hier die Revolution, auch wenn noch so viel zu essen ist.“

Im Mai meuterten Soldaten in weiten Teilen der auseinanderbrechenden Monarchie und fachten die Bewegung weiter an. Im November dankte der Kaiser schließlich ab. Die Bourgeoisie war völlig gelähmt. „Arbeiter und Soldaten hätten jeden Tag die Diktatur des Proletariats aufrichten können. Es gab keine Gewalt, sie daran zu hindern“, schrieb Otto Bauer. Zwischen den Erwartungen der Arbeiter_innen und den Zielen ihrer politischen Führer klaffte jedoch ein tiefer Spalt.

Am 12. November wurde die Republik verkündet. Die Führung der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP) trat in eine gemeinsame Regierung mit den Deutschnationalen und Christlichsozialen ein und rief allgemeine Wahlen aus. Die Arbeiterführer schafften es die Revolution in parlamentarische Bahnen zu lenken und raubten ihr den sozialen Inhalt. Der Bourgeoisie blieb eine Verschnaufpause, ehe die Konterrevolution zum Gegenschlag ausholte.

Die Konterrevolution formiert sich

Bereits im November 1918 formierten ehemalige Offiziere aus der sich auflösenden Armee und Korpsstudenten (Burschenschafter) erste konterrevolutionäre Wehrverbände. Zugleich bildeten Bauern in den ländlichen Regionen Heimwehren, die als wirksame Streikbrecher-Gruppen von Großkonzernen wie der Österreichisch-Alpine Montangesellschaft finanziert und logistisch mit Waffen, Munition und Ausrüstung versorgt wurden. Sie wurden großteils in die bestehenden Wehrverbände integriert.

Diese konterrevolutionären Gruppen sollten den Achtstundentag, das Frauenwahlrecht und viele weitere soziale und politische Errungenschaften der Revolution, die den Unternehmern ein Dorn im Auge waren, rückgängig machen. Besonders das „Rote Wien“, das bei den Christlichsozialen als „gewalttätig, lebensfremd, unduldsam“, „kultur- und wirtschaftszerstörend“ galt, sollte bekämpft werden.

Der erste große Auftritt der Heimwehren war ihr blutiger Einsatz gegen Arbeiter_innen nach dem Justizpalastbrand am 15. Juli 1927. Kommandiert wurden sie von niemand geringerem als Waldemar Pabst, dem Mörder von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht. Der Streik der Eisenbahnen und Telekommunikationsbetriebe, ausgerufen nach dem Massaker der Wiener Polizei an 89 Arbeiter_innen, wurde innerhalb von vier Tagen von 20.000 schwer bewaffneten Heimwehrtruppen gebrochen.

Arbeitermacht in Bruck an der Mur

Der ausgerufene Generalstreik nach dem Justizpalastbrand wuchs in Bruck an der Mur, einem wichtigen Eisenbahn-Drehkreuz in der Industrieregion, zu einem vollständigen Aufstand aus. Arbeiter_innen gingen gegen die Polizei vor und brachten die Stadt vollständig unter ihre Kontrolle. Werktätige bildeten einen „Arbeiter-Exekutiv-Ausschuss“, der das Verbot der bürgerlichen Parteien anordnete und die Hauptverkehrsknoten blockieren ließ.

Dieser Beitrag wurde zuerst im österreichischen Magazin „Linkswende“ veröffentlicht, das hier bestellt werden kann. Der zweite Teil des Artikels beschäftigt sich mit der Zerstörung der parlamentarischen Demokratie durch die Rechten.

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3 Kommentare

  • 1
    Zuhörer sagt:

    Die Deutschen waren nach dem 1. Weltkrieg und ihrem Kaiserreich nocht nicht bereit für eine Demokratie.
    Deshalb hat die Weimarer Republik auch nicht auf Dauer bestanden – wenngleich die Verfassung für damalige Verhältnisse sehr fortschrittlich war und international Beachtung fand.

  • 2

    […] Woche veröffentlichten wir einen Beitrag, der sich mit der österreichischen Revolution und ihrem Scheitern auseinandersetzte, heute folgt ein Beitrag zur Übernahme des Landes durch die […]

  • 3
    Carina Baur sagt:

    Zeugenaussage des Darlehensangebotes

    Ich bin Frau Carina Baur ich war an der Forschung des Gelddarlehens seitdem
    mehrere Monate. Aber glücklicherweise sah ich Zeugenaussagen gemacht von
    viele Personen auf Frau Visentin Paola so habe ich es kontaktiert
    um mein Darlehen eines Betrages von 70.000€ zu erhalten, um meine Schulden zu regulieren und
    mein Projekt zu verwirklichen. Es ist mit Frau Visentin Paola mein lächelt an
    neuer es ist planiert von einfachem und sehr verständnisvollem Herzen. Hier sind
    elektronische Post: visentinpaola96@gmail.com