Amen, Salem Aleikum und Shalom

20. Februar 2015 - 12:19 | | Gesellschaft,Kultur | 1 Kommentare

Das neue Blumio Album Blumiologie ist erschienen. In gewohnt kritischen Worten prangert er gesellschaftliche Missstände an. Mit dem Song Religion setzt er ein Ausrufezeichen gegen den Missbrauch von Religion, falschen Hochmut und amerikanischen Drohnenterror: „Einen Krieg hat der Mensch noch nie gewonnen“.

Wir werden ausspioniert, unsere Bürgerrechte mit Füßen getreten. Amerika schickt mit Drohnen nach Pakistan, Jemen, Somalia oder andere Länder. Im Schatten der Drohnentoten nimmt der totgesagte Patient Religion Fahrt auf: Anstelle eines Leitfadens für Frieden wird Religion zum Instrument von Kriegspropheten, die sie nutzen, um ihre Wert- und Weltvorstellung durchzusetzen: Egal ob es die amerikanische Tea Party ist, die mit Religion die Außenpolitik der USA rechtfertigt oder ein wahabitischer Prediger, der allen nicht Sunnitischen Muslimen den Tod wünscht.

Keine Stadt ist für so viele gläubige Menschen so wichtig wie Jerusalem: Allen abrahamistische Religionen gilt sie als eines oder das Zentrum ihres Glaubens. Hier stand der erste und zweite Tempel des Judentums. Hier steht die Grabeskirche Jesu, die Stelle an der er gekreuzigt geworden sein soll. Hier steht die al-Aqsa-Moschee auf dem Tempelberg, das drittwichtigste Heiligtum im Islam. Hier dreht Blumio seinen Spot: Bedeutungsschwanger.

Religion ist mehr als die Summe seiner Teile, schrieb der Soziologe Durkheim. Für Bordieu war Religion ein Zusammenspiel von verschiedenen Akteuren mit einem bestimmten Setting. Für den Marxisten Gramcsi ist Reliigion ein Konsens stifftendes Mittel, „auf Überzeugung setzendes, die Zustimmung der Beherrschten förderndes Moment im Ringen um kulturelle Hegemonie in der Zivilgesellschaft auf.“ Was sie in jedem Fall ist: Nicht tot, nicht verschwunden und nicht auf dem Rückzug. Und mit Menschen wie Dietrich Bonhoeffer oder den christlichen SozialistInnen gab und gibt es auch immer wieder fortschrittliche Auslegungen.

Religion galt im 19. & 20. Jahrhundert als überholtes Konzept

Im 19. & 20. Jahrhundert galt Religion als überholtes Erklärungskonzept. Naturwissenschaften und politisch-wirtschaftliche Ideologien wie Kapitalismus, Kommunismus und Faschismus schienen dem „Gotteswahn“ abgeschafft zu haben. Fortschritt und Wissenschaft waren die neuen Leitlinien. Wenn man sich den Kult um Fortschrittsglaube und Naturwissenschaften anschaut, hat sich das Bürgertum in seinem Aufstieg eine eigene Religion erschaffen, in der sie die technische Entwicklung und den Mammon zum Primus inter pari erklärte. Wobei: So richtig war die Religion außerhalb Europas und der kommunistischen Staaten nie verschwunden. Sie geriet lediglich in den Hintergrund.

Spätesten mit dem Ende des kalten Krieges 1991 kam das Revival der Religion. In Jugoslawien bekämpften sich Muslime, Katholiken und Orthodoxe. In Afrika versuchen seit dem immer wieder Christen oder Muslime einen Gottesstaat zu errichten. Häufig ist die Religion nur der Deckmantel der wahren Kriegsgründe: Öl, Geld, Ackerland oder andere wirtschaftliche Gründe sind zumeist die Auslöser. Religion ist nur ein Argumentationsmuster um einfache Schwarz-Weiß Welten zu schaffen. Wenn der IS heute im Irak kämpft, war der Auslöser die wirtschaftliche und machtpolitische Spannung zwischen Sunniten und Schiiten im Irak. Gleiche galt auch in Jugoslawien, als Slowenien und Kroatien nicht mehr bereit waren, den Länderfinanzausgleich zu bedienen.

Wie rapt Blumio? „Religion ein Leitfaden, Hoffnung für die Einsamen, Leittragenden. Für die die keinen haben. Sie kann ein Lichtblick sein, für die, die keinen haben.“ Denn gegen die Gewalt und die aggressive Auslegung von Religion, hilft kein stumpfer Atheismus.

Über den Autor

Graswurzel-Aktivist bei die Linke und Redakteur für Freiheitsliebe & Balkan21. Wortakrobat für Medien wie Marx21 und junge Welt.
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Ein Kommentar

  • 1
    K.O-O.K sagt:

    Die Autoren von “DieFreiheitsliebe” sind Rassisten!
    Sie werten den Mord an Moslem mehr Bedeutung zu, als Morden, die von Moslems begangen wurden! Das ist rasssistisch!
    Tatsächlich streben die Autoren sogar an, dass islamischer Rassismus nicht als solcher anerkannt wird.

    Hinterhältig und heuchlerisch wird hier versucht, propagandistische Hetze zu betreiben.

    Lasst euch nicht aufhetzen!

    Stellt euch gegen Rassismus und somit gegen “DieFreiheitsliebe”!