Teil 1: Soziale und ökologische Krise

25. Mai 2020 - 14:11 | | Politik | 1 Kommentare

Auf der Erde spielen sich dramatische Zustände mit Tendenz zu weiteren negativen Entwicklungen im sozialen und ökologischen Bereich ab. Acht Menschen besitzen so viel Vermögen wie die ärmere Hälfte des Planeten,[1] gleichzeitig leiden circa eine Milliarde Menschen an Unterernährung, eine Milliarde Personen haben keinen Stromzugang und 900 Millionen bleibt sauberes Trinkwasser verwehrt.[2]

Teil 1 unserer Reihe zum Grünen Kapitalismus.

Auch in Deutschland spitzt sich die soziale Frage zu: Durch den neoliberalen Umbau der Gesellschaft seit den 1980ern, besonders beschleunigt durch die rot-grüne Bundesregierung und deren Agenda 2010, stieg die soziale Ungleichheit rasant an.[3] Die Privatisierungen im Gesundheits- und Rentensektor sowie die Senkung des Spitzensteuersatzes waren Geschenke an die Reichen. Während 1970 die reichsten zehn Prozent Deutschlands noch 44 Prozent der Vermögen besaßen, wuchs dieser Anteil bis 2010 bereits auf 66 Prozent.[4]

Die soziale Ungleichheit scheint so riesig wie nie zu sein. Doch wie sieht es mit unserem Klima aus? Auch dort haben wir es mit verheerenden Zuständen und Prognosen zu tun: Mehr Dürreperioden, mehr Wüstenbildung, mehr Entwaldung, mehr Waldbrände, mehr Hurricanes, mehr ausgestorbene Tierarten und weniger trinkbares Wasser. Der brasilianische Regenwald – die Lunge der Welt – brannte im Sommer 2019 lichterloh, während der rechtsextreme Präsident Jair Bolsonaro an das große Geld dachte und fest an der Seite des Agrarkapitals stand. Schuld am Brand seien Umweltschützerinnen und Umweltschützer, nicht die wirtschaftliche Ausbeutung der Natur und der Klimawandel.[5]

Der menschengemachte Klimawandel verschärft die soziale Ungleichheit um ein Vielfaches und zerstört weite Teile des Planeten. Bei einem weiteren Anstieg um 2,8 Grad Celsius bis 2050 würden laut Prognosen 100–150 Millionen Menschen Opfer von Überschwemmungen durch den Meeresspiegelanstieg werden. Zusätzliche 600 Millionen könnten von Hungersnöten auf Grund von Dürreperioden und unfruchtbaren Böden betroffen sein, 300 Millionen Individuen mehr an Malaria erkranken und bis zu 3 Milliarden Personen würden unter anderem wegen des Gletscherschmelzens von Süßwassermangel berührt werden.[6] Um die 200 Millionen Klimaflüchtlinge werden vorausgesagt, die nahezu alle aus Entwicklungsländern des Globalen Südens stammen.[7] Das Konfliktpotenzial um lebensnotwendige Ressourcen wie Trinkwasser nimmt zu.

All diese Gegebenheiten müssen in einem globalen Rahmen gedacht werden: Der Wettbewerb zwischen den Unternehmen verschiedener Länder verschärft sich und das nicht ohne Folgen: In den Sozialversicherungssystemen wird gekürzt und der Umweltschutz schrittweise abgebaut.[8] Beides wird der Kosten- und Profitlogik für die Wettbewerbsfähigkeit unterworfen. Es scheint wie ein Kreislauf zu sein, an dessen Ende die Profiteure immer weniger, aber reicher, und die Opfer zahlreicher und ärmer werden. Der Klimawandel vergrößert die Kluft zwischen Globalem Norden und Süden.

Zusätzlich zu diesem Problem tritt zunehmend das Faktum der endlichen Ressourcen auf.[9] Die Erde stellt nicht unbegrenzte Mittel aus der Natur zur Verfügung. Zum Teil dauert es einige Jahrhunderte, bis bestimmte Naturstoffe wieder abbaubar sind. Besonders im Bereich der fossilen Brennstoffe bereitet diese Tatsache für viel Unbehagen. 95 Prozent aller hergestellten Produkte aus der Industrie basieren auf der Verwendung von Erdöl.[10] Der Umgang mit der Endlichkeit von Ressourcen muss also in nächster Zeit bewusst, wiederverwendbar und nachhaltig geschehen, wenn nicht alles verbraucht werden soll. Angesichts der hohen Abhängigkeit der Wirtschaft, erscheint dies nicht als ein geringfügiges Problem.

Welche sind die zentralen Ursachen stärker werdender Umweltzerstörungen? Welche Länder sind in welchem Maße daran beteiligt?

Der Großteil der weltweiten CO2-Emissionen beruht auf der Energieerzeugung (42 Prozent), gefolgt von Transport (24 Prozent) und Industrie (19 Prozent), während die Haushalte nur an sechs Prozent des gesamten Ausstoßes beteiligt sind.[11] In Deutschland sieht es ähnlich aus: Auch hier stößt der Energiesektor mit 50 Prozent am meisten Kohlenstoffdioxid aus. Dem folgen der Verkehrsbereich (20 Prozent), Industrie (15 Prozent) und die Haushalte (10 Prozent).[12] Der Grund für den hohen Anteil der Energiewirtschaft beruht auf der Verbrennung von fossilen Brennstoffen wie Kohle, Erdöl und Gas, die allesamt billiger, standortungebunden und ertragsreicher erscheinen als erneuerbare Energien, weil sie jedoch auch staatlich subventioniert werden.[13] Für das Klima ist das allerdings verheerend.

In einer Statistik über die hauptverantwortlichen Länder für den weltweiten CO2-Ausstoß stellt China mit Abstand den ersten Platz dar (28,2 Prozent), gefolgt von den USA (16,0 Prozent). Deutschland belegt den sechsten Platz (2,23 Prozent).[14] Hierbei dürfen zwei Fakten nicht unbeachtet bleiben: Wer konsumiert die produzierten Güter und wie sieht die historische Dimension der Kohlenstoffdioxidemissionen aus?

Zum einen werden viele Produkte aus den wachsenden Schwellenländern wie zum Beispiel Indien und China von den Industrienationen konsumiert. Der CO2-Ausstoß, der zwar in den genannten Ländern verursacht wird, stellt somit eine direkte Verbindung zum Globalen Norden her.[15] Zum Beispiel entfällt ein Drittel der CO2-Emissionen Chinas auf für den Export in den Globalen Norden bestimmte Produkte.[16] Der Vergleich des Pro-Kopf-CO2-Ausstoßes unterstreicht dies noch einmal eindrücklich, da China hier deutlich weiter unten angesiedelt ist als einige Staaten des Globalen Nordens.[17]

Ein Kommentar

  • 1
    cource says:

    die retter des kapitalismus sind schon fleißig am basteln, sie erfinden einfach die „glokalisierung“ und haben es auch schon geschafft die weltweite bevölkerung mit einem grippevirus zu mehr bescheidenheit in ihren ansprüchen zu bewegen z.b. werden die lohnsklaven angehalten doch im nasskalten/verregneten deutschland ihren sommerurlaub zu verbringen und nur die besserverdiener dürfen dann auch mal in malle urlaub machen, solche einschränkungen sind nur durchsetzbar wenn gleichzeitig die wochenarbeit auf 35 stunden bei vollen lohnsausgleich, gesenkt wird, wenn der lohnsklave genügend freizeit hat um seine sozialen kontakte zu pflegen und sich gesund/fit zu halten könnte die glokalisierung klappen aber da werden die kapitaleigner sicher nicht mitspielen, deshalb bleibt nur eine änderung des systems übrig