Brasiliens neuer Präsident Bolsonaro ist ein Nazi – hören wir ihm kurz zu

4. November 2018 - 15:25 | | Politik | 0 Kommentare
Based on Agência Brasil Fotografias, Flickr, licensed under CC BY 2.0 (edited by Jakob Reimann, JusticeNow!).

Jair Bolsonaro hat die brasilianischen Präsidentschaftswahlen gewonnen. Eine Auswahl einiger seiner Zitate lässt klar erkennen, was für ein Mensch Bolsonaro ist: ein gewaltverherrlichender, homophober, rassistischer, frauenfeindlicher Faschist. Ein Nazi durch und durch.

Am vergangenen Sonntag wurde Jair Bolsonaro zum Präsidenten Brasiliens gewählt, der viertgrößten Demokratie der Welt. In der Stichwahl gegen den Kandidaten der Arbeiterpartei (PT) konnte Bolsonaro – ein ehemaliger Offizier der Ära der brasilianischen Militärdiktatur – 55 Prozent der Stimmen auf sich vereinen. Der Wahlverlierer Fernando Haddad war der Ersatzkandidat für den populären Luiz Inácio Lula da Silva, bekannt als Lula, der das Land zwischen 2003 und 2011 regierte, aufgrund fragwürdiger Korruptionsvorwürfe im Gefängnis sitzt und aus der Zeller heraus erneut für die Präsidentschaft kandidieren wollte – die er klar gewonnen hätte.

Lula wurde 2011 von seiner Parteikollegin Dilma Rousseff als Präsidentin abgelöst, die wiederum 2016 in einem Staatsreich von Rechtsaußen hinweggeputscht wurde. Seitdem regierte der historisch unbeliebte, hochkorrupte Michel Temer, der einzig und allein die Interessen der neoliberalen Oligarchenkaste des Landes vertritt. Mit der Machtübernahme von Bolsonaro ist Brasilien nun innerhalb weniger Jahre von einer Mitte-Links-Regierung, die Millionen Menschen aus der Armut hieven konnte, über einen korrupten Oligarchen, zu einem offenen Faschisten hin abgestürzt.

Bolsonaro wird gerne mit Donald Trump verglichen, „der brasilianische Trump“ oder „Trump of the Tropics“ sind die griffigen Labels der Medien, mit deren Hilfe sie Bolsonaro verständlich machen wollen – ein Mediendilettantismus, der in die Irre führt, da dieser Vergleich viel zu kurz greift: Bolsonaro potenziert die Abscheulichkeiten seines US-Kollegen, ist noch giftiger und hasserfüllter als der giftige und hasserfüllte Despot im Weißen Haus. Politikwissenschaftler Martin Dudenhöffer fand auf Die Freiheitsliebe eine passendere Einordnung, als er Bolsonaro als eine Verschmelzung aus dem „demagogischen US-Präsidenten Donald Trump, dem militaristischen ägyptischen Diktator al-Sisi und dem philippinischen Tyrannen, Präsident Rodrigo Duterte“ bezeichnete.

Jair Bolsonaro war Offizier in der Ära der brasilianischen Militärdiktatur. Der rechtsextreme Hardliner wird am treffendsten als Mischung aus Amerikas Donald Trump, Ägyptens General Fattah el-Sisi und Rodrigo Duterte von den Philipinen charakterisiert. By  Antonio Cruz/Agência Brasil, Wikimedia Commons, licensed under CC BY 3.0.

Bolsonaro ist durch und durch ein strammer Nazi. Ein Bilderbuch-Faschist. Ein homophober Frauenfeind, ein Rassist. 29 seiner eigenen Statements geben einen Einblick in Bolsonaros menschenfeindliches Weltbild:

 

Faschismus/Diktatur

1. „Ich bin für eine Diktatur, ein Regime der Ausnahme.“ – 1993.

2. „Pinochet hätte mehr Menschen töten sollen.“ – Bolsonaro im Dezember 1998 über den faschistischen General Pinochet, der 1973 mit Hilfe der CIA in Chile an die Macht geputscht wurde.

3. „Ich bin für Folter, das wisst ihr. Und die Leute sind auch dafür. “ – Bolsonaro in einer Fernsehsendung, 23. Mai 1999

4. „Die Situation des Landes wäre heute besser, wenn die Diktatur mehr Menschen getötet hätte.“ – Bolsonaro im Juni 1999.

5. TV-Interviewer: Wenn Sie heute der Präsident der Republik wären, würden Sie den Nationalkongress schließen?

Bolsonaro: „Es gibt nicht den geringsten Zweifel! Ich würde am selben Tag einen Putsch organisieren. Am selben Tag! … dann lasst uns schnell einen Putsch machen und direkt die Diktatur einführen“ – 23. Mai 1999.

6. „Durch Wahlen werden Sie in diesem Land nichts ändern, oder? Nichts! Absolut gar nichts! Sie werden erst an dem Tag etwas ändern, an dem wir hier einen Bürgerkrieg beginnen. Und die Arbeit erledigen, die das Militärregime nicht getan hat: dreißigtausend Tote! Beginnend mit FHC! [Damaliger Präsident Fernando Henrique Cardoso] Nicht rauswerfen, töten!“ – 23. Mai 1999.

7. „Der große Fehler war zu foltern und nicht zu töten. Fickt sie! Fickt sie!“ – Bolsonaro im August 2008 über die mögliche Änderung eines Amnestiegesetzes, wonach die Folterer der Militärdiktatur-Ära bestraft werden könnten.

8. Interviewer: Mögen sie ihn [Hitler]?

Bolsonaro: „Nein. Was Sie verstehen müssen, ist folgendes: Krieg ist Krieg. Er war ein großartiger Stratege.“ – CQC, TV Bandeirantes, 26. März 2012.

9. „Ich gebe der Polizei einen Freibrief zu töten.“ – Veranstaltung in Deerfield Beach, FL, 8. Oktober 2017.

Der brasilianische Nationalkongress, links zum Putsch der Militärdiktatur 1964, die sich Bolsonaro zurückwünscht, rechts eine Demonstration 2016. By Obviousmag, Wikimedia Commons, public domain (1964), and Senado Federal, Flickr, licensed under CC BY 2.0.

 

Umweltvernichtung

10. Bereits im Wahlkampf beklagte Bolsonaro, „dass mehr als 50 Prozent [von Brasiliens] Territorium als indigenes Land, Umweltschutzgebiete oder Nationalparks ausgewiesen sind.“ Es sind in Wahrheit 30 Prozent. Doch Bolsonaro kündigt einen regelrechten Kampf gegen die Umwelt an: „Wenn ich Präsident werde, gibt es keinen einzigen Quadratzentimeter mehr.“

Eine Kampfansage an den Amazonas, die grüne Lunge der Erde: Als würden grönländische Politiker versprechen, das gesamte Grönlandeis im Atlantik zu versenken.

11. Bolsonaros höchster Berater will sich mit dem Weltklimavertrag „den Hintern abwischen“. Welche Ironie: Auf dem Klimagipfel 2015 in Paris war Brasilien eines jener Länder, die sich vehement für einen ehrgeizigeren Klimavertrag starkmachten.

„Wir laufen auf eine dunkle Zeit in Brasiliens Geschichte zu“, meint Paulo Artaxo, Klimaexperte der Universität São Paulo, „Bolsonaro ist das Schlimmste, das der Umwelt passieren konnte.“

 

Gewalt

12. „Gewalt wird mit Gewalt bekämpft.“ – The Noite mit Danilo Gentili, SBT, 20. März 2017.

13. „Wenn ich Präsident werde … hat jeder Bürger eine Waffe bei sich zu Hause. Es wird keinen Zentimeter für indigene Reservate oder Quilombolas geben [geschützte Siedlungen für Nachkommen entflohener und befreiter Sklaven].“ – Rede in Rio de Janeiro, 3. April 2017.

14. Während eines Wahltreffens der Arbeiterpartei (PT) am 1. September 2018 in Acre im Westen Brasiliens: „Wir werden die PT-Anhänger in Acre erschießen!“

Religion/Säkularismus

15. „Gott über alle! Diese Geschichte eines säkularen Staates existiert nicht, nein. Es ist ein christlicher Staat. Und wenn eine Minderheit dagegen ist, dann haut ab! Lasst uns ein Brasilien für die Mehrheit sein. Minderheiten müssen sich der Mehrheit unterwerfen!“ – Bolsonaro auf einer Veranstaltung in Paraiba, im Februar 2017.

 

Steuerhinterziehung

16. „Mein Rat und ich mache es selbst: Bei meinen Steuern betrüge ich so viel wie möglich.“ Programa Câmera Aberta, Band RJ, 23. Mai 1999.

 

Hass auf LGBTQs

17. „Wenn dein Sohn anfängt, sich so zu benehmen, irgendwie schwul, schlag ihm mit dem Leder und er wird sein Verhalten ändern.“ – am 17. Oktober 2010, TV Câmara.

18. „Ich wäre nicht in der Lage, einen schwulen Sohn zu lieben. Ich werde hier kein Heuchler sein: Ich würde es vorziehen, dass mein Sohn bei einem Unfall stirbt, anstatt mit einem Schnurrbart aufzutauchen. Für mich wäre er tot. “ Bolsonaro gegenüber dem Playboy, 2011.

19. „Wenn ein homosexuelles Paar neben mir einzieht, wird es mein Zuhause entwerten! Wenn sie händchenhaltend herumlaufen und sich küssen, entwertet das mein Haus.“ – Playboy Magazine, 7. Juni 2011.

20. „Ich habe die Immunität, um zu sagen, dass ich homophob bin, ja, und ich bin sehr stolz darauf. Es geht darum, Schulkinder zu verteidigen.“ – TWTV 5. Juni 2013.

Bolsonaro (Mitte) and Friends fotografieren zwei Frauen, die sich küssen. By PT – Partido dos Trabalhadores, Flickr, licensed under CC BY 2.0.

Rassismus

21. Im März 2011 fragt Schauspielerin und Sängerin Preta Gil auf TV Bandeirantes: Was würden Sie tun, wenn sich Ihr Sohn in eine schwarze Frau verlieben würde? Bolsonaro darauf: „Oh Preta, ich werde hier nicht über Promiskuität reden. Ich würde dieses Risiko nicht eingehen. Und meine Kinder sind sehr gut erzogen. Sie lebten nie in einer derartigen Umgebung, in der Sie leider leben.“

22. Bolsonaro über eine Siedlung, die überwiegend von Menschen afrikanischer Abstammung bewohnt wird, Rede in Rio de Janeiro, 3. April 2017: „Sehen Sie, der leichteste afrikanische Nachkomme wog 100 kg. Sie machen nichts. Sie dienen noch nicht einmal der Fortpflanzung.“

23. „Habt ihr jemals einen Japaner gesehen, der um Almosen bettelt? Weil es eine Rasse mit Schamgefühl ist.“ – Rede in Rio de Janeiro, 3. April 2017.

24. „Welche historische Schuld haben wir gegenüber den Schwarzen? Ich habe sie nie versklavt. Die Portugiesen haben nie Afrika betreten. Die Schwarzen wurden von Schwarzen hierher geliefert.“ – Im Programm Roda Viva,  30. Juli 2018.

Frauenhass

25. „Ich habe meine Exfrau nie geschlagen. Aber ich habe mehrere Male daran gedacht, sie zu erschießen.“ – Im Februar 2000.

26. Bolsonaro im November 2003 bei einem Streit mit der Kongressabgeordneten Maria do Rosário von der Arbeiterpartei, spätere Ministerin für Menschenrechte: „Ich bin jetzt ein Vergewaltiger. Ich würde dich nie vergewaltigen, du hast es nicht verdient … Schlampe!“ Im Dezember 2014 wird Bolsonaro in der Sendung Zero Hora auf den Vorfall angesprochen und erklärt: „Sie hat es nicht verdient, vergewaltigt zu werden, weil sie sehr hässlich ist. Sie ist nicht mein Typ, ich würde sie nie vergewaltigen.“

27. „Es macht mich traurig, die Unternehmerwelt in Brasilien zu sehen. Es ist ein Unglück, in unserem Land ein Chef zu sein, mit all diesen Arbeitsgesetzen. Der Unternehmer sieht einen Mann und eine junge Frau – was wird er denken? ‘Verdammt, die Frau hier hat einen Ring am Finger, sie wird bald schwanger sein‘ Wer wird die Rechnung bezahlen? Der Arbeitgeber. … Und wenn sie zurückkommt, macht sie erstmal einen Monat Urlaub.“ Bolsonaro im Interview mit der Zeitung Zero Hora, im Dezember 2014.

28. „Ich würde [eine Frau] nicht mit dem gleichen Gehalt [eines Mannes] beschäftigen.“ – SuperPop, RedeTV!, 15. Februar 2016.

29. Bolsonaro über seine fünf Kinder in einer Rede in Rio de Janeiro, April 2017: „Ich habe fünf Kinder. Vier waren Jungen, beim fünften hatte ich einen Moment der Schwäche und eine Tochter kam heraus.“

Dieser Mann wird nun Brasilien regieren. Dieses wunderschöne Land, Lateinamerika und die Welt haben etwas Besseres verdient.

Dieses wunderbare Land hat etwas Besseres verdient. By Agência Brasil Fotografias, Flickr, licensed under CC BY 2.0.

Über den Autor

Ich bin seit Ende 2015 bei Die Freiheitsliebe mit dabei. Als studierter Biochemiker habe ich ein Jahr in Nablus, Palästina gelebt und dort an der Uni die Auswirkungen israelischer Industrieanlagen auf die Umwelt und die Gesundheit der Menschen in der Westbank erforscht. Nach einiger Zeit in Tel Aviv, Haifa, Prag und Sunny Beach (Bulgarien) lebe ich jetzt wieder in Israel und kenne daher „beide Seiten“ des Konflikts und die jeweiligen Mentalitäten recht gut. Soweit ich zurückblicken kann, bin ich ein politisch denkender Mensch und verabscheue Ungerechtigkeiten jeglicher Art. Aus bedingungslos pazifistischer Sicht schreibe ich gegen den Krieg an und versuche so, meinen kleinen Beitrag zu leisten. Meine Themenschwerpunkte sind Terrorismus, das US Empire, Krieg (Frieden?) und speziell der Nahe Osten.