Enteignet Springer!

25. November 2018 - 12:00 | | Politik | 1 Kommentare

1968 wandten sich zahlreiche Menschen gegen das Medienmonopol und die linksfeindliche Hetze des Axel-Springer-Konzerns. Der Kern der Kritik gilt heute nach wie vor und inzugespitzter Form.

Die 68er-Bewegung hatte viele Gegner. Besonders schonungslos und laut stand ihr die bürgerliche Presse, allen voran der Springer-Verlag,entgegen. Das Flaggschiff der medialen Hetze war BILD, die zahlreiche reißerische Artikel hervorbrachte, um vor allem die arbeitende Bevölkerung vor den „langhaarigen Arbeitsverweigerern“ zu warnen. Schon am 12. Dezember 1966 stellte die BILD fest: „Randalieren geht über Studieren“. Und auch später brachte sie viele Beispiele für den „Terror der randalierenden Studenten“: di eProteste gegen den persischen Schah, kritische Nachfragen bei einer RCDS-Veranstaltung mit dem südvietnamesischen Botschafter und das Universitätsleben ganz im Allgemeinen. Überall würden diese Studierenden nur stören und nichts als Krawall machen wollen. Nicht zuletzt war es diese denunziatorische Berichterstattung, die 1967 zu dem Mordversuch an Rudi Dutschke führte. Die Forderung nach der Enteignung Springers war aber mehr als eine Reaktion auf die zunehmende Hetze in den bürgerlichen Medien. Sie folgt vielmehr aus der radikalen Kritik der 68er. In ihren Kämpfen waren sie sich der emanzipierenden Wirkung von Bildung sehr bewusst. Sie befähigt die Menschen dazu, die Welt zu verstehen, Ausbeutung und Unterdrückung zu hinterfragen und sich gemeinsam dagegen zu organisieren. Neben der Schule und der Universität maßen sie konsequenterweise auch den Medien diesen gesellschaftlichen Bildungsauftrag bei und kritisierten, dass keine der Institutionen ihn wirklich erfüllte.Stattdessen förderten all diese Institutionen Angepasstheit und Unterwürfigkeit.Eine wichtige Rolle spielte dabei die Marktdominanz des Springer-Verlags in den 1960er Jahren. Mit einer Vielzahl von Publikationen hatte er sich ein Monopolgeschaffen, das es ihm ermöglichte, kritische Stimmen zu verdrängen und somit die öffentliche Meinung stark zu beeinflussen.

Nachrichten als Ware

Wenn wir uns die Presselandschaft heute anschauen, dann hat sich nur wenig verändert. Der Markt wird von wenigen, dafür riesigen Medienkonzernen wie Springer, Bertelsmann, Burda und Funke Medien beherrscht.Mittlerweile werden fast 60 % aller Zeitungen in Deutschland von gerade mal zehn Verlagen herausgebracht. Die Marktlogik dringt immer weiter in die Presselandschaft ein. Informationen werden mehr und mehr zu einer Ware, die sich schnell und günstig beschaffen und gut verkaufen lassen soll. Eine große Redaktion mit gut ausgebildeten und bezahlten Mitarbeiter steht dementgegen. Viele regionale Zeitungen werden von großen Medienkonzernen geschluckt – und das Personal anschließend halbiert. Die Nachrichten werden einmal zentral produziert und dann an die lokalen Ableger verteilt.Recherchieren und Argumentieren kostet Zeit und Platz, den man doch viel sinnvoller für Werbung nutzen könnte.

Aus dem Aufbau der Medienkonzerne ergibt sich auch ihre politische Ausrichtung: marktliberal und konservativ. Sie sind Gewinner des Marktes und glauben an die Überlegenheit der Marktwirtschaft. Es ist nur logisch, dass sie dieses System, das sie so mächtig gemacht hat, mit aller Kraft verteidigen, auch um die eigene Stellung zu schützen. Da verwundert es kaum mit welcher Einigkeit auch konkurrierende Zeitungen gegen alles Progressive hetzen.

Ob Süddeutsche, Spiegel, Zeit oder BILD – sie alle vermitteln mit ihren Berichten über linke Demonstrationen vorrangig das Bild der„krawallsuchenden Randalierer“. Ein Vergleich der Schlagzeilen über die 68er-Bewegung damals und die G-20-Demonstrationen in Hamburg 2017 zeigt erstaunliche Ähnlichkeiten. Auch Streikende bei der Bahn, der Post oder in den Krankenhäusern werden all zu oft als schlechte Menschen dargestellt, weil sie durch ihre vermeintlich egoistische Forderung nach fairen Arbeitsbedingungen ihre Mitmenschen leiden lassen würden. Eine wirkliche inhaltliche Auseinandersetzung fehlt in jedem Fall, denn diese könnte ja bei den Lesenden zu Zweifeln am herrschenden System führen.

Und nun?

Heute wie damals gilt: Progressive Kräfte können vonMedienkonzernen keine Hilfe erwarten. Wir müssen uns selbst ein Bild von derWelt machen und kritisch bleiben: Wer verbreitet welche Nachrichten mit welchen Interessen? Dazu muss ein progressives, linkes Mediennetzwerk entstehen, das in der Lage ist, viele Menschen unabhängig von Kapitalinteressen zu informieren.Wir müssen aus den kleinen Informationsblasen hinauswachsen, die sich bei facebook, twitter und den unzähligen Blogs gebildet haben, und starke linke Massenmedien aufbauen.

Über den Autor

Critica ist die Studierendenzeitung des SDS (http://www.linke-sds.org/media/critica/)

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