Sascha Lobo

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Der philosemitische Wahn des Sascha Lobo

Vom Experten, der das Internet erklärt, zum Verteidiger und Relativierer israelischer Verbrechen: Dan Weissmann zeichnet den Werdegang und die Ideologie von Sascha Lobo nach.

Nürnberg 2015: 400 Zuschauer erwarten den Gastredner des Forum Wellpappe auf der Fachpack 2015, dem Jahreskongress der deutschen Verpackungsindustrie. Der Gastredner, der vom Verband der Wellpappe-Industrie e.V. eingeladen wurde, ist Sascha Lobo, Deutschlands Digital-Experte, Internet-Erklärer und Alpha-Blogger, erklärt Herstellern von Wellpappe, warum sie sich auf die digitale Wirtschaft vorbereiten müssen. Der damals 40-Jährige ist auch heute noch ein gefragter Redner für alles Digitale. Er ist die prominenteste Stimme, die ihren Lebensunterhalt damit verdient, praktisch jedem, der ihn anheuert, die Gefahren und Chancen des digitalen Zeitalters zu erklären.

Gurke, Gespräch, Geschlechtsverkehr

Lobo ist eher unscheinbar und man könnte ihn leicht mit dem Vorsitzenden des örtlichen Schrebergartenvereins verwechseln, hätte er nicht seinen typischen Haarschnitt, einen rosa-roten Irokesenschnitt. Extravagantes Auftreten scheint schon immer Lobos Modus Operandi gewesen zu sein. Zeitgenossen berichten, dass er in jüngeren Jahren mit einer Sonnenbrille im Gesicht, einem Fuchsfell um den Hals und einer Gurke in der Hand zu Partys erschien: das Fuchsfell, um aufzufallen, die Gurke als Requisite, um Gespräche anzuregen. Laut Lobo der 3G-Plan: Gurke, Gespräch, Geschlechtsverkehr; ob er je erfolgreich war, ist nicht überliefert. Nach einer kurzen Zeit als erfolgloser Inhaber einer digitalen PR- und Werbeagentur in den frühen 2000er Jahren wurde Lobo freiberuflicher Marketing- und Strategieberater, Redner, Buchautor und seit 2011 Kolumnist für den Spiegel und erklärt seit dem seinen Leser*innen die (digitale) Welt.

In seiner Rolle als Kolumnist wandelte sich Lobo langsam vom Meister des Digitalen zum vermeintlichen Alleskönner, indem er begann, über alles zu schreiben, was ihm gerade so in den Sinn kam, oft mit äußerst wenig oder gar keinem Fachwissen. Kein Themengebiet macht dies deutlicher als die zehn Kolumnen, die er seit dem Angriff der Hamas am 7. Oktober über Israel und Gaza verfasst hat. Kurz gesagt, seine Äußerungen und Argumente sind eine Reihe von Copy-and-paste-Jobs, die aus Pressemitteilungen israelischer Militär- oder Regierungssprecher, jahrzehntealter, ahistorischer und längst widerlegter Propaganda aus Broschüren der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) und der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb)  zusammengeschustert sind, und das eingebettet in ein Phantasialand Israel, welches es so nur in Lobos Vorstellung gibt. Lobos Veröffentlichungen geben nicht den Eindruck, dass er sich jemals sinnvoll mit Literatur beschäftigt hat, die nicht der deutschen Staatsräson genehm ist.

Guter und schlechter Hass

In seinem ersten Beitrag nach dem 7. Oktober appelliert er an seine Leser*innen, dass der Angriff auf Israel nicht kontextualisiert werden dürfe und dass sie, wenn sie für Black Lives Matter und gegen die AfD seien, auch bedingungslos Israel unterstützen sollten. Im selben Text wird jedoch argumentiert, dass der wachsende Extremismus in der israelischen Gesellschaft durch die permanente Bedrohung durch palästinensische Raketenangriffe zu erklären ist und nicht beispielsweise durch den Militarismus, der zur Aufrechterhaltung einer 57-jährigen Besatzung der Westbank erforderlich ist. Die offensichtliche Frage, die seine eigene Behauptung aufwirft, wird nie gestellt und schon gar nicht beantwortet:

Wenn die Radikalisierung der israelischen Gesellschaft das Ergebnis palästinensischer Angriffe sein soll, welche Formen der Radikalisierung würden dann eine jahrzehntelange Besatzung und die Erschaffung eines Ghettos unter dessen Opfern hervorbringen? 

Für Lobo ist klar: Der Hass und die Gewalt, die Israelis und der Staat Israel an den Tag legen, sind ein Ergebnis historischer, geografischer und materieller Bedingungen. Der Hass, den die Palästinenser auf Israel hegen, ist ihnen innewohnend, er ist ihnen scheinbar angeboren und daher ungerechtfertigt. Dies wird am deutlichsten, wenn jeder Akt des palästinensischen Widerstands gegen die Besatzung, ob friedlich oder gewaltsam, in erster Linie durch irrationalen Hass auf Juden erklärt wird, und nicht durch einen rationalen Hass auf die Besatzung und diejenigen, die sie aufrechterhalten. Lobo scheint zu glauben, dass Palästinenser*innen weniger Widerstand leisten würden, wenn ihre Besatzer einer anderen ethno-religiösen Gruppe angehören würden. 

Die Kolumne mit dem Titel „Die Hamas-Propaganda des Weglassens“ widmet sich den palästinensischen Opfern des israelischen Angriffs auf Gaza – nicht auf einfühlsame Weise, sondern auf eine Weise, die die Anzahl der vom Gesundheitsministerium des Gazastreifens gemeldeten Opferzahlen infrage stellt. Während Lobo es vermeidet, die Zahlen offen als falsch oder erfunden zu bezeichnen, stellt er die Zahlen der palästinensischen Opfer stattdessen als Hamas-Propaganda dar. In einer nicht überraschenden Wendung lässt der Artikel jedoch aus, dass das Gesundheitsministerium in Gaza seit langem nicht nur von den Vereinten Nationen und allen großen Menschenrechtsgruppen, sondern auch von den israelischen Geheimdiensten selbst als zuverlässige Quelle angesehen wird. 

In demselben Artikel wird argumentiert, dass die Unterbrechung der Wasser- und Stromversorgung für Gaza durch Israel keine Form kollektiver Bestrafung, also ein Kriegsverbrechen, sondern lediglich ein Entzug des guten Willens und der freiwilligen Hilfe seitens Israels bei der Wasserversorgung Gazas vor dem 7. Oktober sei. Denn laut Lobos Expertise ist Israel nicht für die Wasserversorgung des Gazastreifens verantwortlich, obwohl Israel die international anerkannte Besatzungsmacht ist, die die Wasserversorgung kontrolliert. Israel ist die international anerkannte Besatzungsmacht, die jeden Lebensaspekt in Gaza und im Westjordanland kontrolliert. Ironischerweise gelingt es Lobo, sich selbst davon zu überzeugen, dass andere sich der Propaganda des Weglassens schuldig gemacht haben, natürlich durch das Weglassen etablierter und weltweit anerkannter Fakten.

Lobo fordert die Auflösung von UNRWA

Sein bis jetzt menschenverachtendster Artikel erschien jedoch Mitte Februar 2024, als Lobo inmitten der von Israel verursachten humanitären Katastrophe und der aufkommenden Hungersnot in Gaza die Auflösung des Uno-Flüchtlingshilfswerk UNRWA unter der trotzigen Überschrift „Löst endlich das Palästinenserhilfswerk auf“ forderte. Darin bescheinigt er UNRWA, Interessen mit der Hamas zu teilen, welche Interessen das genau sind, bleibt er seinen Leser*innen schuldig. Ihn scheint es wenig zu interessieren, das UNRWA die einzige Organisation in Gaza ist, die in der Lage ist, die Hungersnot einzudämmen und weiteres Massensterben zu verhindern, vorausgesetzt sie wird weiterhin ausreichend finanziert und ihre Konvois und Helfer nicht vom israelischen Militär angegriffen und getötet. Seit Beginn der Offensive in Gaza hat Israel 220 humanitäre Helfer*innen getötet

Lobos größter Groll gegen UNRWA besteht jedoch darin, dass es sich um eine Institution handelt, welche die rechtlichen Ansprüche palästinensischer Flüchtlinge auf Rückkehr in ihr Heimatland, aus dem sie seit 1947 von Israel ethnisch gesäubert wurden, aufrechterhält. Wenn es nach ihm ginge, würde UNRWA palästinensischen Flüchtlingen helfen, sich in den Gesellschaften der umliegenden Staaten zu assimilieren. Da Palästina kein von den UN anerkannter Staat ist, verfügen Palästinenser in der Regel nicht über einen offiziellen Pass, der ihre nationale Identität nachweisen könnte. Zugegebenermaßen stellt die Palästinensische Autonomiebehörde Pässe aus, dabei handelt es sich jedoch im Wesentlichen um glorifizierte Reisegenehmigungen, die nur Bewohnern des Gazastreifens und des Westjordanlandes (mit Ausnahme von Ostjerusalem) erteilt werden, vorausgesetzt, sie verfügen auch über einen von der israelischen Zivilverwaltung, welche dem israelischen Militär und Inlandsgeheimdienst unterstellt ist,  ausgestellten Ausweis. Ohne UNRWA gibt es keine international anerkannte Organisation, die die Existenz der Palästinenser als Ganzes bescheinigt. Auch wenn die Motivation hinter Lobos Forderung, die UNRWA aufzulösen, oberflächlich betrachtet eine andere sein mag als die von Netanyahu, wird das Ergebnis das sein, was Netanyahu beabsichtigt: die kulturelle Zerstörung der palästinensischen Diaspora als anerkannte nationale Gruppe mit anerkannten Rechten und territorialen Ansprüchen. Lobo entschloss sich, diesen Artikel zwei Wochen, nachdem der Internationale Gerichtshof entschieden hatte, dass ein Völkermord in Gaza plausibel ist, und Israel daher angewiesen hatte, Maßnahmen zu dessen Verhinderung zu ergreifen, veröffentlicht.

Antisemitismus als Antrieb

Wer auf all dies hinweist, sei, so Lobo antisemitisch motiviert. Antisemitismus ist in Lobos verdrehter Logik die treibende Kraft des palästinensischen Widerstands. Es sei auch die treibende Kraft all jener, die es wagen zu fordern, dass die Menschlichkeit und die universellen Rechte von Palästinenser*innen als solche bedingungslos anerkannt werden müssen. Sascha Lobo ist in den letzten sechs Monaten nicht nur zum „Experten“ für Palästina und Israel, sondern auch für Antisemitismus geworden. Wenn jemand Antisemitismus als Hauptmotivation jedes sozialen Phänomens im Zusammenhang mit Palästina und Israel sieht, dann muss Antisemitismus natürlich überall diagnostiziert werden, und Lobo versichert seinen Lesern*innen, dass dies tatsächlich der Fall ist:

“Judenhass schafft das schier unglaubliche Kunststück, sich zugleich überall zu verstecken und ganz offen zutage zu treten. Immer wieder kommen neue Varianten hinzu und uralte Judenhasspraktiken werden neu interpretiert: nazistischer Antisemitismus, islamistischer Antisemitismus, rechter Antisemitismus, linker Antisemitismus, christlicher Antisemitismus, muslimischer Antisemitismus, völkischer Antisemitismus, postkolonialer Antisemitismus, bürgerlicher Antisemitismus, woker Antisemitismus, verschwörungstheoretischer Antisemitismus, vulgärantikapitalistischer Antisemitismus, pseudoantirassistischer Antisemitismus, intellektueller Antisemitismus, akzeptierender Antisemitismus, Selbstentlastungsantisemitismus und neben vielen weiteren als derzeit größte Strömung: israelbezogener Antisemitismus. Oft angereichert mit einem neuen, altbekannten Vernichtungsantisemitismus.”

Diese Proklamation schürt nicht nur noch mehr Angst in den ohnehin schon verängstigten jüdischen Gemeinden, sie verharmlost zudem rechten Antisemitismus als eine von unzähligen Formen des Antisemitismus, obwohl er bei weitem die häufigste und gewalttätigste Form des Antisemitismus in Deutschland ist. Letztendlich ist diese Auflistung nichts anderes als ein Eingeständnis, die Ängste und das Leid jüdischer Menschen zu missbrauchen, um Antisemitismus für jedes Problem zu instrumentalisieren, welches ihm nicht passt, ob berechtigt oder nicht.

Methode Mundtotmachen

Wer sich mit Lobos Gesamtwerk nach dem 7. Oktober beschäftigt, wird feststellen, dass sein vorrangiges Ziel nicht darin besteht, jüdisches Leben zu verteidigen, sondern Israel vor Kritik zu schützen. Er zeigt in seinen Schriften und Podcast-Auftritten, dass er offensichtlich nicht in der Lage ist, zwischen Juden und Jüdinnen als Einzelpersonen oder Gemeinden und dem Staat Israel zu unterscheiden. Es ist nicht einmal klar, ob er die Existenz anti-zionistischer Juden und Jüdinnen anerkennt. Lobo projiziert die katastrophale Geschichte europäischer Juden und Jüdinnen auf Israel, einen nuklear bewaffneten Staat und regionalen Militär-Goliath, und erklärt es unabhängig von den Umständen zum ewigen Opfer. Wer dem widerspricht und sich dieser Logik verweigert, wird mit Lobos Lieblingsphrase, Täter-Opfer-Umkehr, mundtot gemacht.

Zwei Jahre vor seinem Tod im Jahr 1969 diagnostizierte Theodor Adorno der deutschen Nachkriegsgesellschaft (er nannte sie das „nachhitlersche Deutschland“, obwohl er von dieser Formulierung nicht ganz überzeugt war) einen Philosemitismus, der sich aus den Folgen des Holocausts entwickelte, jedoch  nichts anderes als die Fortsetzung des Antisemitismus ist, da er die Entmenschlichung der Juden und Jüdinnen am Leben erhielt. Es ist dieser Philosemitismus, die Entmenschlichung von Juden durch die Erhebung zu einem eindimensionalen Monolithen und Objekt mit höherem Status, die Schutz verdienen, weil sie Juden und nicht weil sie Menschen sind, der sich wie ein roter Faden durch Lobos Schriften zieht. Philosemitismus ist der rote Faden, der sich durch den gesamten deutschen Mainstreamdiskurs zu Palästina und Israel zieht.  So werden unter dem Deckmantel der angeblichen Bekämpfung des Antisemitismus universale Werte durch partikularistische ersetzt.

Infolgedessen positioniert es Israel nicht nur als das Äquivalent und die Summe aller Juden, und somit als einen Staat, der ständig von der Vernichtung (d. h. einem weiteren Holocaust) bedroht ist, und rechtfertigt damit nicht nur die Notwendigkeit Israels, als Ethnostaat zu existieren, sondern auch die inhärente Gewalt eines solchen Staates als gerechtfertigt und notwendig, um genau dieses Schicksal abzuwenden. Die Annahme, dass Juden und Jüdinnen nur in einem Ethnostaat sicher sein können, der Gewalt gegen andere ausübt, ist ein implizites und angesichts Lobos Weltanschauung, in der Israel qua Definition das ewige Opfer ist, paradoxes Eingeständnis, dass Juden nur dann sicher sein können, wenn sie selbst zu Tätern von Massengewalt in Palästina und der Region werden. Um die Sicherheit von Juden und Jüdinnen im Rest der Welt nicht zu gefährden, und um den Opferstatus einer nuklearen Militärmacht aufrechtzuerhalten, muss diese Massengewalt geleugnet oder beschönigt werden. Ein Teufelskreis, der keine Seele unversehrt lässt.

Die Akzeptanz dieses Teufelskreises schwindet in der westlichen Öffentlichkeit zunehmend. Im Globalen Süden wurde diese Logik von vornherein nie wirklich akzeptiert. Selbst in Deutschland sind nur zwei Gruppen dagegen, Druck auf Israel auszuüben, damit es seinen Krieg gegen Gaza beendet: die protofaschistische AfD, einschließlich ihrer Anhänger, sowie liberale Politiker und Meinungsmacher. Sascha Lobo ist der Archetyp dieser sogenannten liberalen Meinungsmacher, die in Deutschland stolz auf ihre vermeintliche antifaschistische, antirassistische und LGBTQ+-freundliche Haltung verweisen, im Kontext von Palästina jedoch zunehmend fanatische Züge entwickeln, wenn es um die Unterstützung Israels geht. Sie leugnen die Verbrechen des israelischen Regimes und fordern paradoxerweise im Namen der Bekämpfung des Antisemitismus mehr davon. Dies ist der logische Endpunkt einer fehlgeleiteten und letztlich reaktionären Erinnerungskultur, die sich für Partikularismus entschieden hat, obwohl sie sich für Universalismus hätte entscheiden müssen, und nun im Resultat den Völkermord in Gaza als neuestes Ritual liberaler Holocaust-Sühne feiert.

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9 Antworten

  1. Ich nenne solche Menschen schlicht und einfach einen Deppen. Studieren Sie die Webseiten von endederrevolutionen und hier zum Einstieg vielleicht die Webseite endederrevolutionen.de/docs/wende.html
    Ob es uns gelingt, die Deppen -man könnte sie, falls man sich in ethymologischer Hinsicht der Herkunft wichtiger weltbewegender Begriffe vertraut ist – auch als Idioten bezeichnen, was allerdings nicht dasselbe ist. Dieser Sascha Lobo muss ein armer, verzweifelter Mensch sein. Spendet ihm Gurken.

  2. Wenn die Zitate von Sascha Lobo stimmen, teile ich die Auffassung des Artikels. Allerdings bin ich erstaunt, dass Israsel in dem Artikel als „international anerkannte Besatzungsmacht“ für Gaza anerkannt sei. Das ist mir neu, denn die HAMAS ist doch in Gaza als stärkste Kraft gewählt worden.

  3. @Herr Prosch,

    Dass die Hamas als Stärkste Kraft in Gaza gewählt wurde, hat nichts damit zu tun, ob Israel immer noch als Besatzer gilt, obwohl es ja 2005 den Gaza Streifen „freigegeben“ hat.
    Ich kann sie nur auf diesen Artikel verweisen, der gut aufzeigt warum das nicht der Fall ist und internationale Organisationen Israel weiterhin als Besatzer ansehen.
    Denn es kontrolliert wirklich alles, Seeweg, Luft, Land. Ein und Ausfuhr von Gütern.

  4. https://www.atlanticcouncil.org/blogs/menasource/gaza-israel-occupied-international-law/

    However, the Geneva Academy of International Humanitarian Law and Human Rights has said “the majority of international opinion” holds that Israel maintains effective control, even without armed forces present. While legal experts acknowledge that the lack of a military presence does not follow the “traditional approach” to analyzing effective control, they find that military presence is an “evidentiary test only.” They point to authorities such as the Israeli High Court, which have held that occupation status hinges on the exercise of effective control. They, therefore, find that technology has made it possible for Israel to use ongoing force to exercise effective control—imposing authority and preventing local authorities from exercising control—without a military presence.

    Specifically, experts from the UN Independent International Commission of Inquiry on the Occupied Palestinian Territory found “noting” positions held by the UN Security Council, UNGA, a 2014 declaration adopted by the Conference of High Contracting Parties to the Fourth Geneva Convention, the ICRC, and “positions of previous commissions of inquiry,” that Israel has “control exercised over, inter alia, [Gaza’s] airspace and territorial waters, land crossings at the borders, supply of civilian infrastructure, including water and electricity, and key governmental functions such as the management of the Palestinian population registry.” They also point to “other forms of force, such as military incursions and firing missiles.”

    For the Gaza-Egypt border, they hold that while the Palestinian Authority operates the crossing under the supervision of EU monitors, Israel ultimately has control. Israeli security forces supervise the passenger lists—deciding who can cross—and monitor the operations and can withhold the “consent and cooperation” required to keep the crossing open. In that vein, experts note that Israel’s “coercive measures” have further “impeded efforts to build proper democratic institutions,” and that Israel still has not transferred sovereign powers and instead maintains control over “the [Palestinian Authority]’s ability to function effectively.” Based on the actual exercise of effective control, they, therefore, find that Israel has occupied Gaza since the broader occupation of Palestine began in 1967.

  5. Hut ab! Auf den Punkt gebracht. Lobo-tom-isiert. Der Mann hat m.E. immerzu seit seiner Zeit beim Spiggl sehr fragwürdigen Krams zusammengetippelt. Das Prunkstück seiner geistigen Ergüsse in vermutlich führender Dienerschaft ist das Lumpenproletariat. Und dadurch hat er für mein Teil ein Lumpentippeltippfuzzi verdient.

  6. „(…) Philosemitismus ist der rote Faden, der sich durch den gesamten deutschen Mainstreamdiskurs zu Palästina und Israel zieht. So werden unter dem Deckmantel der angeblichen Bekämpfung des Antisemitismus universale Werte durch partikularistische ersetzt. (…)“

    Israel Shahak, ein emeritierter Chemie-Professor in Israel und Menschenrechtler, untersuchte 1994 in seinem Werk „Jewish Religion – Jewish History The Weight of Three Thousand Years“ genau dieses Fehlen „universaler Werte“ in der israelischen Staatspraxis. Damit hat er sich in Israel kräftig in die Nesseln gesetzt. Führt er doch Israels Besatzungspraktiken auf die religiösen Gesetze zurück, wie sie im TALMUD niedergeschrieben sind. Darin geht es explizit um das Verhältnis zwischen Juden und Nicht-Juden „in many domains of life, of which I regard three as being most important: residency rights, the right to work and the right to equality before the law (Seite 12 ff. in https://yplus.ps/wp-content/uploads/2021/01/Shahak-Israel-Jewish-History-Jewish-Religion-The-Weight-of-Three-Thousand-Years.pdf).

    1985 verabschiedete die Knesset eine Verfassung, derzufolge „no party whose programme openly opposes the principle of ‚a Jewish state‘, or proposes to change it by democratic means, is allowed to participate in the elections to the Knesset. (…)“ (Seite 14)

    „Even this example shows that the State of Israel is not a democracy due to the application of a Jewish ideology directed against all non-Jews and those Jews who oppose this ideology.
    But the danger which this dominant ideology represents is not limited to domestic affairs. It also influences Israeli foreign policies. This danger will continue to grow, as long as two
    currently operating developments are being strengthened: the increase in the Jewish character of Israel and the increase in its power, particularly in nuclear power. Another ominous factor is that Israeli influence in the USA political establishment is also increasing. Hence accurate information about Judaism and especially about the treatment of non-Jews by Israel, is now not only important, but politically vital as well. (…)“ (Seite 14)

    Zur deutschen Fassung: „Israel Shahak: Jüdische Geschichte, Jüdische Religion. Israel – Ein Utopia für Auserwählte? Neu Isenburg 2009“ gibt es eine Würdigung unter:
    https://www.novstudgen.de/file/Diskussion_I_Shahak_B.pdf

    Lange habe ich dieser ‚großen Erzählung‘ im Sinne von „Die Juden haben ein Recht auf Rückkehr ins Gelobte Land angesichts ihrer Leiden in Europa“ geglaubt, nicht zuletzt aufgrund der Schullektüre von Leon Uris‘ EXODUS, dessen spannend geschriebene Story von Hollywood mit Paul Newman in der Hauptrolle verfilmt wurde. Und lange glaubte ich, Israel sei ein ‚demokratischer Rechtsstaat‘, so eine Art ‚Leuchtturm‘ in einem ‚Meer der Unfreiheit und Unwissenheit‘. Langsam kamen mir daran Zweifel und seit dem bewaffneten Hamas-Angriff vom 07. Oktober 2023 bin ich von dieser Propaganda kuriert.

    Der Hamas-Angriff wurde stellenweise als Israels „Pearl Habour“ oder „9/11“ betitelt, ich glaube, die Bedeutung ist weit schlimmer: Er war ein Menetekel für Israel. Was passieren kann oder passieren wird, wenn Israel und der geopolitische Westen nicht endlich Einsicht in das Unvermeidliche zeigen, dass die seit Jahrhunderten unter wechselnder Oberherrschaft ansässigen Palästinenser ein genuines Recht auf ihr Land und ihre Rückkehr dahin haben.

  7. Eine sehr entschiedene Kritik am aggressiven Anti-Antisemitismus Lobos. Wenn Dan Weissmann schreibt: „Dies ist der logische Endpunkt einer fehlgeleiteten und letztlich reaktionären Erinnerungskultur, die sich für Partikularismus entschieden hat, obwohl sie sich für Universalismus hätte entscheiden müssen, und nun im Resultat den Völkermord in Gaza als neuestes Ritual liberaler Holocaust-Sühne feiert.“, dann ist das leider noch viel zu milde ausgedrückt.
    Es geht um eine buchstäblich in teuren Holocaust-Mahnmalen versteinerte „Erinnerungskultur“, die formell an „die Juden“ als Opfer erinnert, aber viel mehr ewig daran erinnern soll, daß das „nachhitlersche Deutschland“ (Adorno) seine Verbrechen „bewältigt“ habe, wobei in der Regel die 26 Millionen ermordeten „jüdische Bolschewisten“ allein in der UdSSR ausgeklammert werden, was bereits alles über den Kern dieser „letztlich reaktionären
    Erinnerungskultur“ aussagt.
    Denn es geht nicht um eine fundamentale (universale) Abrechnung mit dem Faschismus, der auch im zionistischen Israel betrieben wird, wie breits 1948 Hannah Arendt et al. angeprangert haben, siehe https://www.lebenshaus-alb.de/magazin/005057.html, sondern um eine partikulare allein auf „die Juden“ fokusierte Selbstentschuldung der häßlichen Deutschen. Im „nachhitlerschen Deutschland“ waren bis zu den 2000er Jahren Altfaschisten an der Macht (Globke, Lübke, Kiesinger, Filbinger – um nur die bekanntesten zu nennen) und die angebliche „Bewältigung“ wurde gegen heftigsten Widerstand der „nachhitlerschen häßlichen Deutschen“
    von überlebenden „jüdischen Bolschewisten“ geleistet, von „Staat gegen Fritz Bauer“ über Giordano und Weiss und Hochhuth bis hin zu den 68ern, zu denen ich mich zähle.
    Der „philosemitische“ aggressive Anti-Antisemitismus der BRD, der letztlich die übelste Form von prozionistischem Antisemitismus ist, muß unbedingt als bodenlose Heuchelei entlarvt werden, damit die Beteiligung am Völkermord im Namen der damit noch einmal geopferten „Holocaust-Opfer“ ein für allemal beendet wird.
    Nicht nur, weil auch die Palästinenser Semiten sind, sondern weil dieser prozionistische Anti-Antisemitismus des häßlichen deutschen Israelfreunds erstens darauf beruht, daß das „nachhitlersche Deutschland“ erfolgreich weitgehend „judenfrei“ ist und Israel wie ein externes KZ behandelt, wo „die Juden“ als nützliche Idioten des NATO-Westens konzentriert sind und sich als atomar bewaffneter Wachhund über Handelswege und Energiereserven in Nahost gegen gemeinsam verhasste Araber und Iraner betätigen sollen. Wenn bei dadurch entstehenden „Konflikten“ nur Juden und Moslems sterben – umso besser – der Führer a.d. dankt.
    Zweitens ist die staatsräsonale Israelfreundschaft für die BRD der letzte Ausweis für sonst verpöntes Gutmenschentum. Israel ist auch hier nur nützlicher Idiot, der dem „nachhitlerschen Deutschland“ bereitwillig bescheinigt, daß es „gut“ geworden ist, ohne jemals „die Juden“ für das grauenhafte faschistische Verbrechen „ent“-schädigt haben zu müssen. Dafür werden Waffen geliefert gegen Spionage- und Vernichtungs-Software made in Israel.
    Drittens bedeutet das „Nie wieder“ für die meisten Juden in Israel, daß sie als Juden b.z.w. Israelis nie wieder von wem auch immer angegriffen werden sollen, es bedeutet gerade nicht, daß Menschen überhaupt, dazu zählen auch Palästinenser, nie wieder von wem auch immer faschistisch unterdrückt werden sollen. Genauso sehen es die häßlichen Deutschen Israelfreunde, die hierzulande Moselems mit allen Mitteln von der Einreise abhalten wollen, das Asylrecht als Waffe betrachten und verschärfen und möglichst wie die AFD wieder repatriieren wollen, und sei
    es als Leichen, wie es der NSU mit freundlicher Unterstützung durch den VS vorgelebt hat, angefeuert von dem CDU-Slogan „Kinder statt Inder“, was nur die christliche Übersetzung für „Deutschland den Deutschen – Ausländer raus“ bedeutet. Heute heißt es mehr als je zuvor kumpelhaft: „Israel den Juden – Palästinenser raus“. Das ist der Kern der deutschen Staatsräson für Israel.
    Was wirklich von der deutschen „Staatsräson“ für Israel zu halten ist, kann folgendes Gedankenspiel verdeutlichen:
    Man stelle sich vor, weder der Marshall-Plan, noch der Morgenthau-Plan noch der „Plan-A“ (siehe dazu die unten angegebenen Quellen) seien nach der Niederlage des Hitler-Faschismus verwirklicht worden. Stattdessen hätten die Siegermächte einen Judenstaat unter UN-Aufsicht auf deutschem Boden gegründet. Alle bis in die 2000er
    Jahre politich aktiv gewesenen Nazis und späteren Israel-Freunde wären hingerichtet worden. Die nicht-jüdische deutsche Bevölkerung wäre auf einen schmalen Grenzstreifen zwischen Polen und dem „deutschen“ Israel eingezwängt worden, ähnlich wie heute die „menschlichen Tiere“ (Israels Kriegsminister Yoav Gallant) in Gaza. Und da Arbeit frei macht, hätte Israel einigen Deutschen gnädigerweise erlaubt, in Israel für Mindestlohn zu jobben. Gäbe es unter diesen Bedingungen eine deutsche „Staatsräson“ für Israel ?
    Viel eher gäbe es eine deutsche HAMAS („Hitlers Armselige Machtlose Arische Selbstmordattentäter“), die Israel hätt vernichten wollen, ohne je die geringste Chance dafür zu haben, wie die HAMAS in Gaza.
    Siehe auch:
    de.wikipedia.org/wiki/Marshallplan
    de.wikipedia.org/wiki/Morgenthau-Plan
    de.wikipedia.org/wiki/Plan_A_%E2%80%93_Was_w%C3%BCrdest_du_tun%3F
    telepolis.de/features/Die-zionistische-Idee-als-koloniale-Idee-Herzl-und-Rhodes-9340586.html
    telepolis.de/features/Israel-und-das-Phaenomen-der-Herrenvolkdemokratie-9641168.html
    telepolis.de/features/NS-Verbrechen-Viele-Moerder-und-ihre-Helfer-konnten-in-Frieden-sterben-8984479.html

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