Der Terror von Tel Aviv und die „einzige Demokratie im Nahen Osten“

12. Juni 2016 - 14:38 | | Politik | 15 Kommentare
Blick von Nablus Richtung Mittelmeer. Freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Philipp Blank, Blankerman.

Bei einem Terroranschlag in Tel Aviv töteten zwei Palästinenser vier Israelis und verletzten sechs weitere zum Teil schwer. Die Reaktionen der rechtsextremen Netanyahu-Regierung auf das Attentat müssen als völkerrechtswidrig eingestuft werden, da sie eine Kollektivstrafe an der palästinensischen Bevölkerung darstellen.


In der Nacht auf Donnerstag ereignete sich in einem Café in der israelischen de facto-Hauptstadt Tel Aviv ein verheerender Terroranschlag, bei dem zwei Palästinenser wahllos vier Menschen getötet und sechs weitere teils schwer verletzt haben; drei von ihnen mussten notoperiert werden.

Das Attentat war der tödlichste Angriff von Palästinensern auf Israelis seit acht Monaten und stellt damit einen traurigen Höhepunkt in der aktuellen Welle israelisch-palästinensischer Gewalt dar, die im September letzten Jahres ihren Anfang nahm und von manchen Beobachtern bereits als Dritte Intifada bezeichnet wird.

Was ist geschehen?

Die Überwachungskamera des Cafés in Tel Aviv hat das Attentat aufgezeichnet.

VORSICHT: TEILS VERSTÖRENDE BILDER.

Die beiden Täter trugen schwarze Anzüge – manche Zeugen gaben an, sie waren als „orthodoxe Juden verkleidet“ – und gaben sich zunächst als Kunden des Cafés aus, bevor sie ihre Waffen zogen und wild um sich schossen. Die restlichen Gäste fliehen in Panik aus dem voll besuchten Restaurant. Einer der Täter schmettert wutentbrannt seine Waffe auf den Kopf eines am Boden liegenden Opfers, der zweite feuert noch eine weitere Kugel auf den leblosen Körper, bevor beide aus der Kamerasicht verschwinden.

Die Attentäter wurden als Khaled Mohammad Makhamrah, 22, und Mohammad Ahmad Makhamrah, 21, identifiziert, zwei Cousins aus Yatta, einer Stadt in der Hebron-Region im Westjordanland. Einer der beiden Attentäter wurde von der Polizei geschnappt und direkt zum Verhör gebracht, der andere wurde bei der Flucht angeschossen und später im Krankenhaus notoperiert (dieses Video zeigt vermeintlich die Schüsse des Polizisten).

Barak Ben-Zur vom israelischen Inlandsgeheimdienst Shin Bet erzählte Reportern, die Täter hätten „improvisierte automatische Waffen“ benutzt und schlussfolgerte: „Sie hatten Unterstützung, obwohl wir nicht sicher wissen, wer ihre Unterstützer sind.“

Ob diese Annahme zutrifft, ist aktuell das Objekt von Spekulationen. Bis jetzt ist nicht geklärt, ob die Angreifer alleine oder im größeren Kontext einer Palästinenser-Organisation handelten. Ein Sprecher der Hamas bezeichnete den feigen Mord in Tel Aviv zwar schändlicherweise als „heroischen Akt“, beanspruchte dabei jedoch nicht die Täterschaft für seine Partei.

Auch der Hamas-Führer Ismail Haniyya entsandte unmittelbar nach den Anschlägen seine Glückwünsche aus dem Gaza-Streifen: „Aller Ruhm und Anerkennung nach Hebron.“ (Der Post ist seit Samstagabend von Haniyyas Twitter-Account gelöscht).

Jeweils kleine Gruppen aus „einigen Dutzend“ Palästinensern haben in den Straßen Gazas, Ost-Jerusalems und mehrerer Städte der Westbank den Terror von Tel Aviv gefeiert, in Hebron – der Heimat-Region der Attentäter – wurde zur Feier ein Feuerwerk gezündet und Süßigkeiten an Kinder verteilt. Führende Vertreter der arabischen Bevölkerung in Israel haben den Anschlag hingegen aufs Schärfste verurteilt.

Die vier Ermordeten (v.l.n.r.): Mila Mishayev, Ilana Navaa, Dr. Michael Feige und Ido Ben Ari.

Ort des Verbrechens war ein Café im Sarona Market in Downtown Tel Aviv, einem populären Hotspot des Tel Aviver Nachtlebens. Einen besonders üblen Beigeschmack verschafft die Tatsache, dass sich das Attentat in unmittelbarer Nähe zum hochgesicherten Verteidigungsministerium im Herzen der israelischen Hauptstadt zugetragen hat – dem Arbeitsplatz also von Avigdor Lieberman, dem berühmt-berüchtigten, erst kürzlich wiedervereidigten Verteidigungsminister Israels.

Der rechtsextreme, ultranationalistische Lieberman hat noch im letzten Jahr auf einer öffentlichen Kundgebung verlautbart, man müsse illoyalen Arabern „mit einer Axt den Schädel abschlagen“ und ist wegen solch unmenschlich rassistischer Äußerungen in der palästinensischen Gesellschaft verhasst wie kaum ein anderer Politiker. Die konkrete Wahl des Cafés in Tel Aviv hat also sicher Symbolcharakter.

Nüchterne Erklärung oder „Relativierung von Terror“?

Die systematische Gewalt der israelischen Besatzung Palästinas wird von gewaltbereiten Palästinensern immer wieder als Rechtfertigung für ihre feigen Angriffe auf israelische Zivilisten missbraucht.

Sie stehen mit dieser Einschätzung der Kausalitäten jedoch nicht allein da.

Der Bürgermeister von Tel Aviv Ron Huldai sorgte am Donnerstag kurze Zeit nach den Anschlägen für internationales Aufsehen und Unverständnis, Relativierung von Terrorismus wurde ihm reflexartig vorgeworfen.

„Seit 49 Jahren gibt es diese Besatzung, ich war ein Teil von ihr und kenne die Realität“, sagte Huldai in einem Radiointerview. „Wir sind vielleicht das einzige Land der Welt, in dem eine andere Nation ohne Bürgerrechte unter Besatzung leben muss“, so Huldai weiter. Er schließt mit den Worten: „Du kannst Menschen nicht unter Besatzung halten und dann darauf hoffen, sie kommen zur Schlussfolgerung, alles sei in Ordnung.“

Obwohl Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas die Anschläge offiziell scharf verurteilt, stellt auch seine Fatah-Partei einen direkten Zusammenhang zwischen Israels Besatzung und dem Terror von Tel Aviv her:

„Israel muss die Folgen seiner Politik verstehen: die fortwährende Gewalt, die Zerstörung von Wohnhäusern, die gewalttätige Vertreibung von Palästinensern, die Überfälle der israelischen Siedler auf die Al-Aqsa-Moschee und die kaltblütige Ermordung von Palästinensern an den Checkpoints.“ Die Anschläge von Tel Aviv seien eine „natürliche Antwort“ auf die systematische Gewalt Israels.

Bereits im Januar hat sich auch der UN-Generalsekretär Ban Ki-moon inhaltlich ähnlich über Israel-Palästina geäußert und dafür Schmähung und Diffamierung vom israelischen Präsidenten Netanyahu einstecken müssen. Vor dem UN-Sicherheitsrat in New York sagte Ban:

„Wie unterdrückte Völker in der Geschichte immer wieder gezeigt haben,
liegt es in der menschlichen Natur, auf Besatzung zu reagieren,
die oft als mächtiger Brutkasten für Hass und Extremismus dient.“

Wenn also nicht nur die Palästinenserführung den Zusammenhang zwischen israelischer Besatzung und Terroranschlägen aufstellt, sondern auch der Generalsekretär der Vereinten Nationen und selbst der Bürgermeister des einen Tag vorher noch vom Terror heimgesuchten Tel Aviv, sollten diese Bedenken und Kausalitäten ernst genommen und nicht als „Terrorrelativierung“ diffamiert werden.

Ich hoffe zutiefst, die unvoreingenommene Leserschaft dieses Artikels hat den Unterschied zwischen einer Erklärung und einer Rechtfertigung verinnerlicht und weiß, sich die scharfe Trennlinie zwischen beiden konsequent vor Augen zu halten.

Die Reaktionen Israels verstoßen gegen das Völkerrecht

Eine besonders perfide Art der Kollektivbestrafung ist die Zerstörung von palästinensischen Wohnhäusern durch das israelische Militär. Wie hier in Dahamash im Mai 2015. By Hiba Dahamash, wikimedia commons, licensed under CC BY-SA 4.0 (edited).

Die israelische Regierung ist berühmt-berüchtigt für ihre illegale Praxis der Kollektivstrafe: nach vermeintlichen Terrorangriffen führt das israelische Militär oft kollektive Zwangsmaßnahmen durch, die sich gegen die Familien der Täter oder die Palästinenser in ihrer Gesamtheit richten.

Zum Repertoire gehören hierbei Ausgangssperren, Abschalten der Handy-, Internet-, Strom- und Wassernetze (was ich alles selbst erlebt habe), Planspielchen Netanyahus zur Deportation von Familien mutmaßlicher Verbrecher aus dem Westjordanland ins Freiluftgefängnis Gaza, und vor allem die besonders schändliche Politik der Hauszerstörung, durch die seit dem 6-Tage-Krieg 1967 mehr als 28.000 palästinensische Wohnhäuser zerstört und Hunderttausende Menschen obdachlos wurden.

Davon abgesehen, dass kollektive Bestrafung absolut unvereinbar mit Rechtsstaatlichkeit und einem authentischen Demokratieverständnis ist, so ist sie nach Art. 33 der Genfer Konventionen auch strengstens verboten und damit völkerrechtswidrig.

Im 21. Jahrhundert wird Kollektivstrafe in nennenswertem Maße durch Staaten so gut wie kaum mehr angewandt und Israel teilt sich die sehr überschaubare Liste mit Ländern wie Syrien, Südafrika, Pakistan und Nordkorea.

Ein Kommentator der israelischen Zeitung Ha’aretz beurteilt die Praxis der Kollektivstrafe der israelischen Regierung höchst zutreffend: „Ein Staat, der die rechtlichen Verfahren und Gesetze von totalitären Staaten übernimmt, sieht bald so aus wie einer dieser Staaten, auch wenn er sich selber „einzige Demokratie im Nahen Osten“ nennt.“

Seit Donnerstag wird Yatta, die Heimatstadt der beiden Attentäter von Tel Aviv, vom Militär hermetisch abgeriegelt. Die gesamte Stadt mit einer Bevölkerung von rund 65.000 Einwohnern wurde zum militärischen Sperrgebiet erklärt.

Bei einer Reihe von Übergriffen im gesamten Westjordanland wurde auch das Familienhaus der beiden Todesschützen in Yatta in der Nacht zu Donnerstag von Dutzenden Soldaten gestürmt.

Der Vater einer der beiden Attentäter befürchtet nun, dass das Haus der Familie vom israelischen Militär dem Erdboden gleichgemacht wird – eine Sorge, die nur allzu berechtigt ist, da dies wie oben erwähnt in der Vergangenheit unzählige Male der Fall war.

In einem Akt der Sippenhaft wurde auch die Arbeitserlaubnis von 204 Menschen aus dem persönlichen Umfeld der Attentäter eingezogen.

Als Reaktion auf die Anschläge hat die israelische Regierung weiterhin 83.000 bereits ausgestellte Reisegenehmigungen wiedereingezogen, mit denen Palästinenser des Westjordanlands während des Heiligen Monats Ramadan Familienangehörige in Israel besuchen wollten. (Allen voran galten diese Genehmigungen weniger für das israelische Kernland als für Ost-Jerusalem. Denn irrwitzigerweise ist es den Palästinensern des Westjordanlands nicht gestattet, die Hauptstadt ihres eigenen Landes zu betreten.)

Lediglich 18% der Fläche des Westjordanlands befinden sich unter vollständiger Kontrolle der Palästinensischen Autonomiebehörde (dunkelgrünes Terrain).

Durch diese Maßnahme werden nun Tausende Menschen daran gehindert, während des Ramadan mit ihren Familienangehörigen in der Al-Aqsa-Moschee in Jerusalem zu beten – der nach Mekka und Medina drittheiligsten Stätte des Islams.

Als weitere Vegeltungsmaßnahme entsendet das israelische Militär zwei zusätzliche Bataillone zu je rund 300 Soldaten ins Westjordanland.

Dazu sollte erwähnt werden, dass ein „Palästinensergebiet“ im Westjordanland nicht existiert. Es gibt 165 palästinensische Enklaven in der Westbank, die unter voller Kontrolle der Palästinensischen Autonomiebehörde stehen und schmale 18% des Gesamtgebiets ausmachen. Der Rest steht unter israelischer Militärkontrolle. Sämtliches Gebiet und vor allem die Straßen zwischen diesen palästinensischen Inseln sind de facto israelisches Staatsgebiet und von schwerbewaffneten Soldaten belagert, die für Palästinenser außer Verachtung, Schikane und physische Gewalt meist nicht allzu viel übrig haben (auch das habe ich oft genug selbst erlebt).

Was Hunderte zusätzliche Soldaten auf den Straßen in einem durch Tel Aviv nun ohnehin extrem aufgeheizten Klima für den Alltag der Palästinenser bedeuten wird, lässt sich schemenhaft erahnen.

Es gibt weitere kollektive Strafmaßnahmen. So mussten Facebook, Twitter & Co. auf Drängen des israelischen Justizministeriums Tausende Seiten und Accounts mit pro-palästinensischem Content dauerhaft löschen. Die verantwortliche Justizministerin Ayelet Shaked kommentierte: „Wir konnten erfolgreich hetzerische Inhalte löschen, die zu Tod und Gewalt über das Internet aufrufen.“

Justizministerin Shaked weiß aus eigener Erfahrung um die Wichtigkeit der sozialen Medien. Im Gaza-Krieg 2014 hat sie selbst auf ihrer Facebook-Seite zum Genozid an den Palästinensern aufgerufen: „Das gesamte palästinensische Volk ist unser Feind. Ihr Blut soll an unseren Händen kleben.“

Und der bereits erwähnte Verteidigungsminister Lieberman missbraucht im Wettrennen der Schikane gar die Toten als makabren Faustpfand: am Donnerstag verhängte er die Order, die Leichen von einem Dutzend in letzter Zeit getöteter Palästinenser nicht an ihre Familien auszuhändigen; erneut ein klarer Bruch des Humanitären Völkerrechts.

Kurzgefasst: die Liste der kollektiven Vergeltungsmaßnahmen ist sehr lang.

Ein Foto aufgenommen von den wunderschönen Hügeln um Nablus. Am Horizont ist die Sonne bereits ins Mittelmeer getaucht. Bei gutem Wetter sind die Mittelmeerküste, Tel Aviv und Netanya von Nablus aus gut sichtbar. Obwohl bloß knapp 30km Luftlinie entfernt, gibt es in Nablus nur eine verschwindend geringe Anzahl von Menschen, die je in ihrem Leben am Mittelmeer waren. Freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Philipp Blank, Blankerman.


Menschenhass und Lebenslügen

Die Reaktionen der israelischen Regierung auf die feigen Morde von Tel Aviv waren vorhersehbar, nicht en detail aber sicher in der Gesamttendenz. Die Geschichte zeigt, dass das aktuelle Handeln der Netanyahu-Regierung – die rechtsradikalste Regierung in der 68-jährigen Geschichte Israels, unter der das Land endgültig zum Apartheids-Staat verkommen ist – die Regel ist.

Auch die beiden Mörder von Tel Aviv wussten das.

Wie viel blinder Menschenhass steckt hinter diesen zwei Männern, wenn sie nicht „nur“ vier unschuldige Zivilisten töten und sechs weitere schwer verletzen, sondern wohlwissend auch die gesamte palästinensische Bevölkerung bestrafen, und so ihren ohnehin oft von israelischer Willkür geprägten Alltag weiter verschärfen?

Mit ihren kollektivbestrafenden Maßnahmen hat die Netanyahu-Regierung erneut unter Beweis gestellt, dass das so oft bemühte Gerede von „Israel – die einzige Demokratie im Nahen Osten“ eine Farce ist. In Relation zu den meisten anderen Staaten der Region herrschen in Israel natürlich gewisse demokratische Grundregeln vor – Wer würde das abstreiten? – doch mit einem Demokratieverständnis europäischer, amerikanischer (Nord und Süd) oder ostasiatischer Coleur haben die israelischen Staatenlenker nichts gemein.

Die jüngsten Ereignisse belegen diesen Umstand bilderbuchartig: der schändliche Vierfachmord zweier Palästinenser wird durch die israelische Regierung auf nicht weniger schändliche Art und Weise gerächt, indem Millionen Palästinenser, die Bevölkerung in ihrer Gesamtheit, kollektiv bestraft werden. Trauer um die Opfer von Tel Aviv wird zu staatlich verordneter Rache, zu kollektiver Vergeltung.

Das ist keine Demokratie.


Dieser Artikel erschien auch auf Jakobs Blog JusticeNow! – connect critical journalism!

Über den Autor

15 Kommentare

  • 1
    günter says:

    Gestern abend wurde auch in einem schwulen Nachtclub in Orlando, USA ein Attentat verübt. Kein Palästinenser, aber ein junger Muslim mit Verbindungen zur Isis. Mind.50 Schwule tot, mind. 53 weitere schwer verletzt.

  • 2
    Maria von Finnentrop says:

    In einer Moschee in Orlando predigt ein Imam, Homosexuelle gehörten zum Tode verurteilt.
    Ein Mann tötet 50 Menschen in einer Schwulenbar und verletzt 53 weitere. In Orlando.
    Die islamische Gemeinde warnt danach vor „Vorverurteilungen“.
    Und Israel ist böse. Weil es sich wehrt. Weil es sich schützt. Weil es frei leben will.
    Weil die Juden sich nicht wehrlos abschlachten lassen wollen.
    Und hier wird Israel diskreditiert als eine Art faschistisches System.
    „Freiheitsliebe“ ???!!! Freiheit und Liebe sind fundamentale menschliche Begriffe.
    Sie sollten nicht missbraucht werden von Antisemiten und Verharmlosern und Leugnern eines islamischen Faschismus. Das tut weh.

    • 2.1
      Martin Dudenhöffer says:

      Liebe Maria,

      es gibt keinen wirklichen Zusammenhang zwischen dem Anschlag in Orlando und dem Israelisch-Palästinensischen Konflikt, sodass man zwei relativ unterschiedliche Themenkomplexe hier nicht parallel erwähnen müsste.

      Außerdem wird in dem Artikel, der im Übrigen sehr differenziert, sachlich, und detailliert ausfällt, dem Land Israel ein faschistischer Charakter zugewiesen. Die Regierung Netanyahu ist seit Jahren äußerst rechtslastig, geht AKTIV repressiv und völkerrechtswidrig in den Besetzten Gebieten vor, das sind Fakten, die nichts damit zu tun haben, dass man „den Juden“ das Recht auf Selbstverteidigung abspräche. Der Staat Israel verletzt bei den oben aufgelisteten Aktivitäten Internationales Recht, übt verhältnislose Militärgewalt aus, die der Rechtsstaatlichkeit einer Demokratie diametral widerspricht. Road blocks, housing demolitions, die Siedlungen, das „präventive“ Ingewahrsamnehmen von Zivilpersonen ohne vorausgehenden Straftatbestand, usw sind einige Beispiele dafür, die juristisch gesehen ziemlich gut in die Apartheid-Definition passen. Das bedeutet nicht, dass israelische Staatsbürger*Innen nicht auch Opfer von schändlicher Gewalt wurden und immer noch werden.

      Es ist kein Kampf von „Juden“ gegen „Muslime“, das ist eine völlig vereinfachte, ungenaue, und wenig zielführende Verfälschung der eigentlichen Konfliktlinien und der politisch-verantwortlichen Faktoren. Angesichts der Aufreihung äußerst feindlich gesinnter Staaten in der direkten Nachbarschaft wurde dem Staat Israel das Recht auf Selbstverteidigung nie abgesprochen, alles andere wäre eine fahrlässige Inkaufnahme von großem Schaden für die israelische Bevölkerung. Aktionen und Gegenaktionen auf Befehl der israelischen Regierungen verstießen aber regelmäßig gegen jene von ihnen zitierten Begriffe von „Freiheit“ und „Liebe“.

      Und die Aussage, Israel möchte einfach nur „frei leben“ ist falsch, Israel ist als Regionalmacht im Nahen Osten interessiert seine relative Macht zu erhalten (status quo) oder gar auszubauen, das tut der Staat seit Jahrzehnten, in dem er einen laut UN-Teilungsplan vorgesehenen palästinensischen Staat verhindert. Richtig ist, Menschen wie jene in Tel Aviv, die bei dem Attentat ums Leben kamen, wollen frei leben fern von (islamistischen) Terror, der Konflikt wird aber bewusst von gewissen Gruppierungen geschürt, da er ihnen politisch hohen Nutzen verspricht.

      In der Freiheitsliebe wird mit keinem Wort antisemitisch argumentiert, islamistische Gewalt verharmlost und Terror geleugnet, hier wurden korrelierende Kontexte präsentiert: Islamistischer Terror, wie der von der Hamas propagierte und die unzähligen Anschläge auf Zivilisten beider Seiten, und Aspekten des Konflikts. Daher auch die Differenzierung zwischen „Erklärung“ eines Anschlages und „Rechtfertigung“ solcher Taten!

      • 2.1.1
        Maria von Finnentrop says:

        Danke für die sachliche und differenzierte Gegenargumentation. Ich habe bewusst polemisch zugespitzt und gebe Ihnen in vielen Punkten recht.
        Freundliche Grüsse
        Maria

      • 2.1.2
        Martin Dudenhöffer says:

        Gerne, für ein solchen Gegenaustausch von Argumentation sollte diese Plattform ja da sein! Grüße, Martin

        PS: Ich meinte in meiner Antwort natürlich, der Artikel weise dem Staat Israel „keinen“ faschistischen Charakter zu, hatte aber versehentlich das Gegenteil geschrieben.

  • 3

    Ich schließe mich im Wesentlichen dem an, was Martin geschrieben hat.

    Ich kann es nicht verstehen, warum günter und Maria die miesen Anschläge von Orlando mit dem Israel-Palästina-Konflikt in einen Topf werfen. Ich denke, es muss nicht erwähnt werden, dass jedeR hier die Anschläge in Orlando auf Schärfste verurteilt (genau wie die jährlich Dutzenden ähnlicher Ereignisse in den USA, die bei uns jedoch kaum mehr berichtet werden). Und ich denke, ich habe im Artikel ebenso deutlich gemacht, dass ich die Anschläge in Tel Aviv auf Schärfste verurteile. Doch was haben beide Ereignisse mit einander zu tun?

    Niemand spricht Israel das Recht ab, seine Bevölkerung zu verteidigen und zu schützen. Ich lebe selbst die Hälfte meiner Zeit in Israel und möchte dort natürlich in Sicherheit leben. Doch die Reaktionen der israelischen Regierung bewirken nicht mehr Sicherheit, sondern drehen weiter an der Eskalationsschraube. Es gab ein Attentat, die Polizei hat die Täter geschnappt. Sie müssen vor Gericht gestellt, ihre Schuld bewiesen und dann hoffentlich lebenslänglich verurteilt werden. So, sollte (!) es in einem Rechtsstaat ablaufen. Warum die 65.000-Heimatstadt der Mörder abriegeln? Warum 83.000 Reisegenehmigungen widerrufen? Warum Hunderte Soldaten stationieren? Was hat das mit Israels Sicherheit zu tun? Willkür provoziert immer Racheakte (Erklärung, nicht Rechtfertigung).

    Wer Vergeltung übt, ist an Frieden und Sicherheit nicht interessiert, sondern an Eskalation.

    Zurück zum Thema, ich denke schicht, dass es gefährlich ist, einen mörderischen Schwulenhasser in Orlando konzeptuell als Rechtfertigung für Israels völkerrechtswidriges Verhalten zu instrumentalisieren, oder wie es große Teile der deutschen braunen Internet-Gemeinde jetzt machen, für ihre anti-Flüchtlingsrhetorik zu missbrauchen.

    Beste Grüße!

    • 3.1
      günter says:

      Zurück zum Thema, ich denke schicht, dass es gefährlich ist, einen mörderischen Schwulenhasser in Orlando konzeptuell als Rechtfertigung für Israels völkerrechtswidriges Verhalten zu instrumentalisieren, oder wie es große Teile der deutschen braunen Internet-Gemeinde jetzt machen, für ihre anti-Flüchtlingsrhetorik zu missbrauchen.
      ———————————————————————————————-
      das habe ich nicht getan, zumal ich rot und nicht braun bin.
      falls du aber hier vielleicht seit Monaten viele Artikel verfolgt haben solltest, kann dir nicht entgangen sein, in welch ungeheurem,grotesken und lächerlichem ausmaß der Islam hier tatsächlich verharmlost wird sowie fundamentale Kritik daran diffamiert wird, ohne sich inhaltlich damit auseinanderzusetzen.

      • 3.1.1
        günter says:

        nochmal :ich wollte nichts vermischen, sondern nur die Nachricht bringen, weil es mich ärgerte daß noch kein Artikel zu Orlando da war. möchte erst mal jemand recherchieren, ob es nicht eine verdeckte FBI-aktion war?
        zum Thema Islam treffen es Kommentare Problem.websites tatsächlich manchmal besser als die K.linker Websites.der hier z.B.:

        Orlando: Die Predigt und der Massenmord

        Omar Seddique Mateen bekennt sich zum „Islamischen Staat“. Den Sicherheitsbehörden ist er durch Kontakte zu islamistischen Selbstmordattentätern aufgefallen. Dieser Mann erschießt nun 50 Menschen in einem Schwulenclub in Orlando. Wie erklärt man das nun politisch korrekt, ohne Islamophobie zu schüren? Den Satz „Das hat nichts mit dem Islam zu tun“ kann ja schon niemand mehr hören. Zu oft musste er wiederholt werden, nachdem im Namen Allahs und des Propheten gemordet wurde. Jetzt heißt es stattdessen in der Berichterstattung, beispielsweise im Deutschlandfunk:

        Nach dem Überfall auf einen Nachtclub in Orlando mit 50 Toten suchen die US-Ermittler weiter nach dem Motiv des Schützen. Demnach gibt es derzeit keine Beweise, dass der 29-Jährige direkt im Auftrag des IS gehandelt hat. Es wird aber nicht ausgeschlossen, dass er sich selbst radikalisiert hat. Nach Angaben der Bundespolizei FBI hatte er kurz vor dem Überfall auf den Nachtclub bei der Polizei angerufen und sich zum IS bekannt. Das FBI hatte den Attentäter 2013 und 2014 im Visier, unter anderem wegen einer Verbindung zu einem amerikanischen Selbstmordattentäter in Syrien. Der Kontakt sei jedoch nicht als Bedrohung eingestuft worden. Die Familie des Angreifers geht eher von einem Hassverbrechen gegen Homosexuelle aus und beschreibt den Mann als nicht besonders religiös.

        Was möchte uns diese Meldung sagen? Dass Mateens Tat nicht das ist, wonach sie aussieht? Dass es nur ein von Mateens islamischem Glauben völlig unabhängiges „Hassverbrechen gegen Homosexuelle“ war? Woher kam der Hass denn dann? Ob er nun einen direkten Befehl des IS bekommen hat oder nicht – in jedem Fall gibt es einen ganz klaren Bezug zu den Islam-Ideologen, auch wenn wohlmeinende Schönredner diese Tatsache nach jedem islamistischen Anschlag gern weginterpretieren wollen.

        Bevor wir hier nun wiederholen, was man in einem solchen Falle den Verharmlosern an Argumenten so entgegenhält, bleiben wir doch heute einfach am Tatort in Orlando. In einer dortigen Moschee hörten die Gläubigen von ihrem Prediger in nicht interpretierbarer Klarheit, dass Schwule nach Allahs Willen zum Tode verurteilt werden müssten. Eine Botschaft, die nicht nur die Moscheegemeinde erreichte, denn auch TV-Sender berichteten von diesem kaum kaschierten Mordaufruf. Aber wahrscheinlich kann mir jetzt jemand erklären, warum Imame, die den notwendigen Tod der Homosexuellen in Moscheen predigen mit den Gläubigen, die dann Schwule erschießen, ebenso wenig zu tun haben, wie beide mit dem Islam selbst.

    • 3.2
      maria von Finnentrop says:

      Ist es tatsächlich die israelische Regierung, die die Eskalationsschraube ständig höher dreht ?!
      Und kann man palästinensische Attentäter wirklich so behandeln, als seien es durchgeknallte Einzeltäter, die entsprechend behandelt werden müssen ?! Im Gazastreifen ist die Erziehung zum Hass auf Israel, ja, auf DIE Juden seit Jahrzehnten Programm, bis in die Texte von Schulbüchern hinein. ich weiss auch nicht, wer diese Gewaltspirale endlich anhalten könnte. Persönlich hatte ich seinerzeit gewisse Hoffnungen in Tzipi Livni gesetzt.
      Wie günter bin ich das Gegenteil von braun, im Gegenteil bin ich politisch geworden, als mir die Gräuel der Nazizeit bewusst wurden und ich für mich beschlossen habe, jede Form von Faschismus zu bekämpfen so gut das ein einzelner tun kann. Aber ich bin auch Feind aller Ideologien, die für sich in Anspruch nehmen die Welt vollständig erklären und erlösen zu können. Und warum gerade Linke das faschistische Potenzial des Islam verleugnen, verharmlosen oder relativieren, das will mir nicht in den Kopf.
      Für mich hat das 21. Jhdt. zwei ganz grosse Probleme. das eine ist ein enthemmter, global operierender Kapitalismus, der Menschen nur als Humankapital betrachtet, wo Multimilliardäre auf Kosten schuftender und hungernder Menschen ihre schmutzigen deals machen, und das andere ist der politische Islam.
      Wenn mich das in den Augen mancher zum Nazi macht, dann kann ich darüber nur lächeln und die Stirne runzeln.
      Übrigens würde ich niemals der AfD beitreten, höchstwahrscheinlich sie nicht einmal wählen.
      Aber diese enthemmten Hasskampagnen gegen diese Partei finde ich unangemessen bis geschmacklos und verlogen. Im Westen haben sie sehr vernünftige Leute, im Osten einige Spackos.
      Wenn man unter ähnlichen Aspekten alle Parteien analysieren würde, stünde die AfD glänzend da.
      Innerhalb der Grünen gibt es beispielweise Positionen ( Stichwort: Gender), die schon grenzwertig sind und am Verstand ihrer Vertreter zweifeln lassen. Und die Blockade bei der Erklärung der Mahgrebstaaten zu sicheren herkunftsländern ist nichts anderes als Beihilfe zum massenhaften Asylmissbrauch, unter dem dann echte Kriegsflüchtlinge zu leiden haben, die meine volle Solidarität haben.
      Etwas mehr Differenzierung würde ich mir manchmal, vor allem beim Thema Islam, hier wünschen.
      Ansonsten werde ich immer mal wieder gerne den Spielverderber spielen.
      Nicht weil das mein Hobby ist, sondern wenn ich mich über ideologische Simplifizierungen ärgere.

      Beste Grüsse
      Maria

      Und Orlando habe ich aus exakt dem gleichen Grund ins Spiel gebracht wie günter es getan hat.

      Beste Grüsse
      Maria

      • 3.2.1
        günter says:

        Inzwischen ist es heraus:
        Der Attentäter von Orlando verkehrte schon länger in der Schwulenbar, hatte Profile auf schwulen Websites und traf Männer für Sex. Also wiedermal einer jener unzähligen, mir tausendfach wohlbekannten Muslime, die mit ihrer eigenen (Homo-)Sexualität nicht klarkommen und dann ihren Selbsthaß auf diejenigen projezieren, die „es“ offen zeigen können und diese dann töten, weil sie in den Spiegel geblickt haben und ihr Spiegelbild zertrümmern möchten. Welch weltweit einmalige Massenschizophrenie &Verwirrung des Denkens, für die ständig andere zahlen müssen.

        Übrigens wurde heute auch in Paris mal wieder jemand im namen Allahs ermordet und in Seligenstadt in hessen (Deutschland) wurden Christen von musl. Asylbewerbern mit Messern dafür angegriffen, keinen Ramadan zu machen und weil man „Ungläubige abschlachten“ nmüsse. Keine Erfindung einer braunen Website (die im übrigen nur r e a l e Vorgänge sowie Polizeiberichte wiedergeben) sondern auf Facebook von einer syrischen Mitarbeiterin dieser Einrichtung selbst berichtet!
        Täglich kann man überall Seiten füllen mit solchen Vorgängen, nur die Leser von Websites wie der Freiheitsliebe erfahren sowas nicht. Damit sind solche Pseudolinken mitschuld am Aufstieg der Rechten! Würdet ihr wahrheitsgemäß berichten, würden nicht immer mehr Leser zu zweifelhaften Websites greifen müssen. was bleibt informationssuchenden denn anderes übrig wenn ihr all das verschweigt um den Islam zu verharmlosen?

      • 3.2.2
        günter says:

        …und immer noch kein Artikel zu Orlando, als hätte der Massenmord an schwulen nicht stattgefunden oder wäre kein Thema für linke,
        und wie immer die völlige Unfähigkeit der Redaktion, sich mit unseren Argumenten zum Islam auseinanderzusetzen; kein arsch in der hose mal zuzugeben daß man falsch lag. stattdessen augen zu und durch und die nächsten proislamischen Artikel, die 1.000000000000000 variante des immergleichen wiederholenden, dem noch kein Leser je zustimmte.
        beides ist extrem beschämend.

  • 4
    günter says:

    (sorry, aber „dank“ eines fehlenden Artikels über Orlando erscheinen Kommentare dazu unter diesem Artikel).

    während einige linke websites heute schreiben,der Täter habe keine Verbindungen zur IS gehabt und sei lediglich in eine lange liste mit massenschießereien von gestörten, welche die USA selbst hervorbinge, einzureihen, sieht es so aus:

    Am 8. Juni erfuhr die USA von einer IS-Todestliste mit den Namen von amerikanischen Staatsbürgern. Einen Tag später, am 9. Juni, wurde auf IS-nahen Portalen ein „Schlachtfest“ angekündigt, dass IS-Unterstützer in Florida begehen sollten. Ein Imam erklärte vor laufender Kamera in Orlando, dass der Mord an Homosexuellen eine „barmherzige Tat“ sei. Es war also kein Anschlag, der die „Gunst der Stunde“ nutzte, weil alle Sicherheitskonzentration auf die europäische EM gerichtet war, die der IS ebenfalls Anschlägsankündigungen bedroht hat. Nein, Orlando wurde angekündigt. Von der IS.

    warum steht DAS wieder in keiner Website wie dieser hier?

  • 5
    menashe golan says:

    Echt schade das dein Vater nicht schwül war, Jako rEi man. Was den Jakobienern die Guilottine, ist dir der Blog wart.
    Dein „kritischer Journalismus“ ist objektiv Fakten-Freie-Propaganda.
    Der Neo-National-Sozialistische Antisemitismus verdient den Pulitzer Preis angesichts der Inter-NationalSozialistischen Gülle gülle, deines Schädelinhaltes.

    • 5.1

      Diskussions-Basiswissen 101:
      Die konstruktivsten Diskussionen fangen mit Beleidigungen an, gipfeln in haltlosen Unterstellungen und münden erneut in abrunden Beleidigungen.

      Sei gegrüßt vom Neo-National-Inter-NationalSozialistischen-Antisemiten
      Güle güle! (türkisch für Auf WIedersehen, das meintest du doch sicherlich, nicht wahr?)

      Peace!