In Wuppertal treffen Rechte und Salafisten aufeinander

13. März 2015 - 23:04 | | Gesellschaft,Politik | 7 Kommentare
Demo Teilnehmer des Pegida-Ablegers „Duigida“

Am morgigen Samstag treffen Pegida und Salafismus in Wuppertal aufeinander. Beide haben eine Demo angemeldet. Die Polizei wird mit über 1000 Einsatzkräften vor Ort sein, unter anderem mit Wasserwerfern und Helikoptern. 

 

Nun ist es endlich so weit. Das Spektakel kann beginnen: rund 400 Salafisten und bis zu 2000 Pegida-Sympathisanten schlagen sich gegenseitig die Köpfe ein. Natürlich nur sinnbildlich. Dass es nicht zu Ausschreitungen kommt, versucht die Polizei mit einem Großaufgebot zu verhindern. Wuppertals Polizeichefin Birgitta Radermacher formulierte es so: „Der Einsatz wird brisant und schwer werden. Ich bin mir aber sicher, dass wir gut aufgestellt sind.“ Anders sehen das Aktivisten von der Antifa. Auf Facebook beklagen sie die Nähe der „der juden­feind­lichen Salafisten um Sven Lau“ zu der Begegnungsstätte „alte Synagoge“. Sven lau ist Konvertit und Initiator der „Scharia-Polizei“ in Wuppertal, die für einen überregionalen Aufschrei sorgte. Er wird dem salafistischen Spektrum zugeordnet. Eine Richtung, zu der sich rund 6000 Personen in Deutschland bekennen und die eine fundamentalistische und wörtliche Auslegung des Korans fordert und praktiziert.

 

Auf der anderen Seite ist Pegida. Pegida ist bekannt und hatte zuletzt mit einem starken Schwund an Mitgliedern zu kämpfen. Die Debatte um Pegida in Dresden war wohl zu viel. Lutz Bachmann, ehemaliger Vorzeige-besorgter-Bürger hatte seinen Rücktritt bei Pegida bekannt gegeben, nachdem er mit rassistischen Kommentaren in Verbindung gebracht wurde und er sich wie Hitler kostümierte und diese Fotos ins Netzt stellte. Ich verkneife mir das Wortspiel mit „Er ist wieder da“ und sage einfach ganz neutral: Lutz Bachmann wird in Wuppertal auftreten. Und bis zu 2000 Leute werden ihm zuhören, wovon 1800 aus anderen Orten anreisen. Auch Hooligans werden dabei sein. Die Seite „Wuppertal – Kein Platz für Neonazis“ bedauert, dass „gewalt­be­reite Nazihools seit einer Woche eine unange­meldete Demonstration ankün­digen“ und die Polizei nichts dagegen unternähme. Dass gewaltbereite Hooligans anwesend sein werden, steht wohl außer Frage. Dafür hat die Rechte Hooligan-Gruppe „Gemeinsam Stark“, die eine Abspaltung von „HoGeSa“ist, extra ihre Kundgebung am gleichen Tag in Erfurt verschoben, zu der bis zu 1500 gewaltbereite Hooligans auftauchen wollten, und alle dazu aufgerufen, nach Wuppertal zu kommen.

Ob es aber zu derartigen Ausschreitungen wie im vergangenen Jahr in Köln kommen wird, wo gewalttätige rechte Hooligans die Innenstadt der größten Stadt in NRW lahm legten, wird sich zeigen. Sueddeutsche.de beschreibt die Lage in dem Artikel „Klassentreffen der Provokateure“ (toller Titel wie ich finde) so:

„Salafisten demonstrieren gegen das Abendland, Pegida für das Abendland, und Linke und andere Gegner Pegidas gegen die hysterische Verteidigung des Abendlandes. Alles zur gleichen Zeit, am Nachmittag und frühen Abend. Eine Art Bermuda-Dreieck der Meinungsfreiheit, die Polizei verspricht den Bürgern, dass sie darin nicht verloren gehen.“

Über den Autor

Themenschwerpunkt: Demos (aktuell vor allem Pegida), Gesellschaft, Antisemitismus, Flüchtlinge Ich schreibe für die Freiheitsliebe, da ich auf gesellschaftliche Probleme aufmerksam machen will. Zum Beispiel Antisemitismus. Etwas, was eigentlich seit 70 Jahren nichtmehr existieren sollte, wird wieder salonfähig. Die vielen Anschläge auf Synagogen in Deutschland beweisen das. Außerdem geht mir der Rassismus, der vielen Flüchtlingen entgegenschlägt, ziemlich auf die Nerven. Dort will ich aufklären und zeigen, dass Leute, die Asylsuchende „Sozialschmarotzer“ nennen eindeutig rechte Parolen nachplappern. Daher mag ich so Aktionen, wo Flüchtlingen mit Blumen und dem Satz „Nice to have you here“ begrüßt werden. In ihrem Herkunftsland hatten sie schon genug Leid, das muss nicht in Deutschland weitergehen!

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