Putins Vorbild – Die US Außenpolitik

11. Dezember 2015 - 14:32 | | Politik | 10 Kommentare
Für uns gilt: Weder Moskau noch Washington! Foto: Benny Krutschinna — hier: Düsseldorf.
Für uns gilt: Weder Moskau noch Washington! Foto: Benny Krutschinna — hier: Düsseldorf.

In Moskau findet heute ein Kongress von hohen Militärs und Mitgliedern des Verteidigungsministeriums statt. Auch der Präsident der Russischen Föderation Vladimir Putin ließ es sich nicht nehmen, im gut gefüllten Nationalverteidigungs-Management-Center eine Rede zu halten. Seine Botschaft: Wer Russland angreift, bezahlt einen hohen Blutzoll. Solche Aussagen kennen wir auch von anderen Politikern, allen voran US-Amerikanischen.

Auge um Auge, Zahn um Zahn. Nicht anders kann man Vladimir Putins harsche Worte auf dem Kongress in Moskau erklären. „Alle Einheiten, die unsere militärischen Streitkräfte oder unsere Infrastruktur bedrohen, müssen umgehend vernichtet werden“, zitiert der Staatssender Russia Today English den russischen Präsidenten. Wer bisher glaubte Russland verfolge nicht eine Politik, welche von geostrategischem Interesse geleitet wäre, der ist nach einer solchen Aussage eines besseren belehrt. Doch der Oberkommandierende Russlands setzt noch einen drauf. Bisher bombardiert die Atommacht nicht nur Stellungen des Daesh (Islamischer Staat), sondern vor allem Stellungen der Freien Syrischen Armee (FSA), jene Armee, die aus Islamisten, Oppositionellen und anderen zusammengewürfelte ist und sich Assad entgegenstellt. Dies begründet Putin mit der Aussage, bis zu 5.000 Kämpfer der FSA würden den Daesh unterstützen. Welche Beweise er dafür hat, ist nicht klar. Gleichzeitig prahlt der russische Präsident, ähnlich wie seine Amtskollegen in den USA und Frankreich, Russland habe bereits mehr als 600 Daesh Ziele zerstört. Doch nun müsse man mit aller Härte gegen alle restlichen vorgehen. Warum bombardieren dann die Russen auch den FSA, und die US-Amerikaner Assad?

Das neue Wettrüsten

Wie längst bekannt ist, rüstet das westliche Militärbündnis Nato nicht nur seine konventionellen Waffen auf, sondern erneuert auch für dutzende Milliarden Euro sein Atomwaffenprogramm. Hier will Russland nun nachziehen.  Russland müsse alle Teile seiner Nuklearen Komponenten neu ausrüsten sowie die Effizienz der Raketenwarnanlagen und der Luftverteidigung verbessern“, so Putin in Moskau.

Russlands Militärschläge treffen in überwältigender Mehrheit von Rebellen kontrolliertes Gebiet im Westen Syriens, Angriffe auf IS-Stellungen bleiben die Ausnahme. Quelle: Institute for the Study of War – CC-BY ND 2.0

Geostrategische Interessen

Russland verfolgt in Syrien, wie auch andere Länder, geostrategische Interessen und ist nicht aus humanitären Gründen vor Ort. Zu einem sind imperialistische

Kriege, Bombardements oder Luftschläge in fast allen Fällen sowieso nicht dazu geeignet, Kriege zu beenden oder Terroristische Gruppen zurückzudrängen. Zum Beispiel sind die Taliban in Afghanistan so stark wie nie zuvor und das nach 14 Jahren Besatzung. Das was in Syrien geschieht, ist ein Kampf von regionalen, mittleren und großen imperialistischen Staaten um Einfluss und Ressourcen. Russland verteidigt seinen Verbündeten Assad, während die Nato mit allen Mitteln versucht die gemäßigte und säkulare Rebellen zu verteidigen, während dritte Wiederum die Situation nutzen, um Profite für sich herauszuschlagen, wie es der türkische Staat tut. Dieser bombardierte die einzigen progressiven Kräfte im Konflikt, die kurdischen YPG Einheiten, und unterstützt durch Rohölkäufe bzw. der nicht Unterbindung des Schmuggels den Daesh zumindest indirekt.

Weder Moskau noch Washington

Putin als Heilsbringer für den Weltfrieden zu sehen ist falsch. Er vertritt, wie auch andere Herrschende, die Interessen der Eliten des eigenen Landes. Auf der militärischen Konferenz in Moskau kann man einmal mehr sehen, dass sowohl Russland, als auch die USA, ihre Außenpolitik nach ähnlichen Maßstäben gestalten. Versteht mich nicht falsch, die USA ist nach wie vor der größte imperialistische Staat dieser Welt und hat ein zehnmal so hohes Militärbudget wie Russland. Demnach kann es keine Äquidistanz geben, also die gleiche Beurteilung bzw. der gleiche Maßstab angelegt werden. Jedoch: Nur weil Russland aktuell die Möglichkeiten nicht hat dieselbe Politik wie die USA voranzutreiben, heißt dies nicht, dass die Russische Föderation nicht auch gerne ein Nato ähnliches Militärbündnis besäße oder einen Ländergürtel um sich spannen würde, wie es Deutschland in der EU getan hat.

Über den Autor

Graswurzel-Aktivist bei die Linke und Redakteur für Freiheitsliebe & Balkan21. Wortakrobat für Medien wie Marx21 und junge Welt.
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10 Kommentare

  • 1
    Cegarzi sagt:

    Die USA und nie NATO bestreben nichts anderes als den Sturz von Assad der ja achso so angeblich böse ist wie es bei seinen nicht bewiesenen Vorgängern in Lybien und Irak war. Da man ja Assad als (Russlands) verbündeter nicht attakieren kann, da man ja sonst einen Weltkrieg mit Russland riskiert, muss man natürlich die Rebellen unterstützen und den IS gewähren lassen. Aber das ist ein genau gleiches abscheuliches Verbrechen.
    Dass Russland nicht eben so eigene Intressen der Elite verfolgt ist klar. Aber Russland ist kein offener Agressor in der Welt. Alle die nicht das tun was Amerika wünscht ist böse, besitzt Massenvernichtungswaffen, oder hat abscheuliche Menschenverbrechen begangen. Das Gute daran ist dass mittlerweile niemand mehr Amerika glaubt.
    Welche Außenpolitik Amerika mit seiner neuen Weltordnung verfolgt, und vor allem was dahinter tatsächlich steckt ist heute zu Tag Gott sei Dank fast jedem klar.
    Was man aber vor allem immer daran im Auge beachten sollte ist, dass solch ein Machtstreben immer in einem Weltkrieg endete. Und das haben wir auch eigentlich in Syrien schon. Nur noch mit dem Unterschied dass der Konflikt selber von allen Seiten verdeckt und überwiegend dort ausgetragen wird.
    Selbst die aller Naivste Person sollte begreifen, dass selbst wenn sich die Nato in einem 3ten Weltkrieg durchsetzen sollte es die Welt von heute nicht mehr geben wird. Das was dann als Fragment der Welt übrigleibt wird dann eine zerstörte Welt der Machtbesessenen sein.
    Die Sache ist so, dass es keinen Vorstoß der Nato mehr geben wird. Nicht um einen 3ten Weltkrieg herum. Es braucht niemand glauben dass sich Russland mit Stärke einschüchtern liese. Assad wird nicht zu radieren sein. Und jeder der das Ziel verfolgt muss sich eingestehen, dass er einen 3ten Weltkrieg herbei provoziert. Und der steht vor der Tür.

  • 2
    Fritz Huber sagt:

    Man sollte tunlichst vermeiden eigene geopolitische Interessen mit Imperialismus zu verwechseln! Putin sagt selbst, dass die primären Interessen Russland in Syrien die Eliminierung des radikalen Islamismus ist – denn dies nach Russland übergeschwappt bedeutet eine Gefahr für die innere Sicherheit. —- Und dies ist ein legitimes Interesse!

    Und es gibt für Russland ein weiteres unausgesprochenes Interesse, Syrien zu halten, denn fällt Syrien, fällt unweigerlich der Iran und damit wäre Russland vollständig eingekreist und die Nato wäre Erstschlagsfähig. —– Und dieses zu Verhindern, ist auch ein legitimes Interesse!

    Zum anderen von moderaten Rebellen zu reden ist purer Unsinn. Rebellen, Terroristen, Untergrundkämpfer, Partisanen und wie auch immer sind nach der Hager Landkriegsordnung verboten – es sind keine Helden, sondern ein Mordgesindel – welche in Syrien von den Natoländern finanziert und gefördert werden.

    Man stelle sich nur vergleichsweise vor, die NPD würde Kämpfer rekrutieren und einen Aufstand gegen die BRD Regierung veranstalten und Assad oder eine andere Macht würde dies finanzieren und dann davon sprechen: moderate Rebellen versuchen die Kanzlerin zu stürzen

  • 3
    Bandolero sagt:

    Der Artikel liest sich, als werde hier nun die russophobe Propaganda der Bild-Zeitung nachgeplappert. Behauptungen der Israel-Lobby werden hier unhinterfragt übernommen, und das gleich auch noch mit einer irreführenden Grafik von Kagans ISW garniert.

    Beispiel:

    „Bisher bombardiert die Atommacht nicht nur Stellungen des Daesh (Islamischer Staat), sondern vor allem Stellungen der Freien Syrischen Armee (FSA)“

    Das ist falsch und wird durch die ISW-Grafik nicht richtiger. Russland bombardiert in Westsyrien vornehmlich terroristische Kräfte, die unter dem Kommando von Al Kaida stehen, insbesondere die Jaish Al Fatah. Dass es da in der gegend eine FSA geben soll, die irgendwie was zu sagen haben soll, ist kaum mehr als ein Ammenmärchen. Das letzte mal, als das Pentagon frisch ausgebildete Kämpfer nach Nordwestsyrien zur Unterstützung einer angeblichen FSA im Kampf gegen ISIS geschickt hat, sind die prompt von Al Kaida verfolgt und verhaftet worden – womit die Theorie definitiv widerlegt worden war, dass in Nordwestsyrien die FSA herrscht. DIe zionistische Lügenpropaganda lügt dieses Faktum bloß weg, weil, wenn das allenim Westen klar ist, die zionistische Lobby den Regime Change in Syrien vergeigt hat. Und nun findet sich die imperialistisch-zionistische Lügenpropaganda bei der Freiheitsliebe, um damit Russland zu bashen. Echt traurig.

  • 4
    bobo sagt:

    Selbstverständlich verfolgt Rußland eigene Interessen. Der IS kann sich sehr wohl zu einer direkten Gefahr für Rußland entwickeln. In wiefern werden die USA von Assad bedroht? Wer diese Frage nichr beantworten kann sollte nicht USA und Rußland gleich setzen. Rußland agiert übrigends im Irak wie auch in Syrien im Einklang m it dem Völkerrecht. Bei der Ukraine war das Völkerrecht so ungeheuer wichtig, zumindest die Auslegung der NATO,. Jetzt ist es der NATO plötzlich völlig egal (außer natürlich bei der Krim). Bei der Bundeswehrr in Syrien kommt noch ein Verfassungsbruch dazu. Ginge es um den IS, hätte man diesen Krieg, der ums Europäern michts angeht, den Russen überlassen können.
    Die USA – „Elite“ will die NWO mit aller Gewalt durchsetzen. Da weder Rußland noch China über ausreichend Macht verfügen wollen sie natürlich eine multipolare Welt. Man muß Putin nicht mögen, aber wer sich nicht versklaven lassen will (gilt auch für das amerikanische Volk) kann nur für die russische Seite sein. Wenn die USA nicht ständig und überall zündeln würden wären wir dem Weltfrieden sehr nahe.

  • 5
    Bernd Engelking sagt:

    So kann man das nicht sehen. Wo ständen wir denn jetzt, wenn es das Gegengewicht zu den USA-System nicht gäbe?
    Zu unterstellen, derjenige, der sich gerade an das Völkerrecht hält und einem Verbündeten hilft, sei möglicherweise in der Zukunft auch nicht besser als der Imperialist und Aggressor, ist reine Spekulation.
    Man könnte genauso sagen, es gäbe keine Alternative zum Kapitalismus, also müsse man ihn beibehalten, auch wenn er den Planeten privatisieren will und ins Verderben führt. Es kann genauso gut sein, dass die Alternativen zum Kapitalismus zu einer besseren Welt führen, wie auch Russland die Welt näher zum Frieden und zu mehr Moral und Verantwortung insbesondere gegenüber dem Völkerrecht bringen kann. Zumindest kann Russland als Beispiel dienen für eine nachhaltigere Wirtschaft, mit gesünderen Nahrungsmitteln, gestärkten Selbstversorgungsstrukturen, die der eigenen Bevölkerung dient.
    Die Gegenseite dient im Moment ausschließlich den Großkonzern und Investoreninteressen. Ich sehe große Chancen für alle Menschen, sollten sich Russland und seine Verbündeten durchsetzen, da ich die Gegenseite nicht für fähig halte, sich zu ändern.