Israel fängt die Freiheit ab

4. August 2018 - 15:19 | | Politik | 3 Kommentare
Die Freedom beim Verlassen des Hafens von Brighton, Großbritanien.

Nach mehreren tausend Seemeilen, näherte sich jetzt das zweite Boot der kleinen Freedom Flotilla, die “Freedom”, dem Gazastreifen- und wurde wie der Vorgänger Al-Awda von der israelischen Marine in internationalem Gewässer gekapert.

Es gehört zur üblichen Praxis der Besatzungsarmee, alle Kommunikation von Bord der betroffenen Boote aus zu unterbinden und alle elektronischen Geräte zu beschlagnahmen- sie werden in den meisten Fällen auch später nicht zurückerstattet. Daher werden wir erst später durch die Crewmitglieder und Aktivistinnen erfahren, wie der Akt der Piraterie dieses Mal abgelaufen ist. Aktivisten der Al-Awda -das Schiff wurde am Sonntag den 29.7.2018 gekapert- berichteten bereits über die gewalttätige Übernahme durch israelischen Soldaten.

Was passiert jetzt?

Mit einiger Wahrscheinlichkeit werden die Aktivistinnen gegen ihren Willen nach Ashdod gebracht, untersucht, verhört und dann in ihre Herkunftsländer deportiert. Das Boot selbst wird beschlagnahmt und verkauft; ein israelisches Gericht hatte vorab beschlossen, dass die Gelder einer israelischen NGO zugute kommen sollen.

Beide Schiffe sollten nach dem Willen der Organisatoren ursprünglich  den Fischern Gazas zur Verfügung gestellt werden. An Bord der “Freedom” befinden sich dringend in Gaza benötigte Medikamente und Verbandsmaterial. Das symbolische Durchbrechen der Blockade Gazas durch Israel und Ägypten hätte auch ein entscheidendes Signal der Hoffnung für die mehr als zwei Millionen eingeschlossenen Bewohnerinnen des Gaza-Streifens bedeutet- das konnte Israel nicht zulassen.Die Freedom Flotilla 2018 startete ursprünglich in Bergen, Norwegen. Auf ihrem Weg nach Gaza steuerten sie viele europäische Häfen an und konnten wichtige Öffentlichkeitsarbeit leisten. Siehe das Interview mit Zohar Chamberlain Regev.

Wer das Ansinnen der Freedom Flotilla Coalition mit Sympathie verfolgt, konnte gestern nicht umhin, die Annäherung des letzten Schiffes als nervenraubendes Drama zu erleben. Die “Freedom” ist ein reines Segelboot und so verzögerte eine Windflaute die Ankunft in der Gefahrenzone um mehr als einen Tag. Auf der Homepage des schwedischen Teams der Flotilla (www.shiptogaza.se) ließ sich der Fortschritt per GPS-gesteuerter Karte nachvollziehen. 100 Seemeilen durchbrochen, dann 90, dann 68, dann 40; ein Punkt relativ weit hinter dem Seegebiet, in dem die Marine normalerweise zuschlägt. Sollten sie diesmal doch durchkommen? Irrational, natürlich, aber wer weiß?

Zugleich fiel es nicht all zu schwer, sich in die Lage der Aktivisten zu versetzen. Obwohl in der Vergangenheit das Erreichen Gazas als Überraschungscoups schon gelungen war- seitdem waren X Versuche gescheitert. 2010 wurden 10 Aktivisten an Bord des türkischen Schiffes Marvi Marmara durch israelische Kommandos erschossen.

Funkstille

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