Die Wiederbelebung der Geschichte des schwarz-asiatischen Internationalismus

16. August 2020 - 12:00 | | Politik | 0 Kommentare

Inmitten einer globalen Pandemie bietet der Internationalismus der Dritten Welt einen Rahmen, um die heutigen Bewegungen gegen Anti-Blackness, Imperialismus und antiasiatischen Rassismus zu verbinden.

Sax Rohmers Roman The Mystery of Fu Manchu aus dem Jahre 1913 faszinierte die Leser mit seiner Destillation von Jahrhunderten westlicher Begierde, Angst und Faszination des „Ostens“ zu einem einzigen Antagonisten: Dr. Fu Manchu, „die leibhaftige gelbe Gefahr“. Ausgestattet mit der „grausamen Gerissenheit einer ganzen östlichen Rasse“ und der Beherrschung der westlichen Wissenschaften, begeisterte und erschreckte der hinterhältige Chinese die Leser mit seinen spektakulären Taten.

Ein Kriminelles Genie, verrückter Wissenschaftler und meisterhafter Chemiker, bei dem ein Stich seiner Injektionsnadel ausreicht, um selbst den willensstärksten Hauptdarsteller in den Wahnsinn zu treiben. In Fu Manchu kristallisierte Rohmer westliche Vorstellung von östlicher Krankheit, Invasion, Korruption und Versklavung in einen abscheulichen Mann, den es zu fürchten, schmähen und letztlich zu bezwingen galt.

Die Rassifizierung von COVID-19 – als „chinesisches Virus“ oder „Kung-Flu“ – belebt diesen tief verwurzelten kulturellen Prüfstein wieder. Trotz auftauchender Beweise, die darauf hindeuten, dass das Virus vor dem ersten dokumentierten Ausbruch in Wuhan im Dezember 2019 jahrelang im Umlauf war, hat sich das Sündenbock-Narrativ, dass das Virus von den „wet markets“ der chinesischen Stadt stamme oder sogar aus einem hochgesicherten chinesischen Viruslabor entkommen sei, fest in der Vorstellungskraft der Menschen verankert und unterstreicht die dauerhafte rhetorische Verwendung des Tropus der „gelben Gefahr“.

Als die neue orientalische Invasion wurde COVID-19 zu einem geeigneten externen Feind, der in Zeiten sozialer Umwälzungen die nationale Einheit notwendig machte, ungeachtet der überproportionalen Auswirkungen von COVID-19 in schwarzen, indigenen und lateinamerikanischen Gemeinschaften. Wie die „Chinese Must Go!“-Arbeiterbewegungen, die Lynchmorde und die Selbstjustiz der 1870er Jahre, dient auch die jüngste anti-asiatische Gewalt – von einem Messerangriff in einem texanischen Lebensmittelgeschäft bis hin zu einem Säureangriff in Brooklyn – dazu, die nationale, wirtschaftliche und körperliche Gesundheit durch die gewaltsame Entfernung des „Fremden in unserer Mitte“ zu erhalten.

Doch als die Isolation des social distancing nach den Polizeimorden an George Floyd und Breonna Taylor, den Massenmobilisierungen von „Black Lives Matter“ wich, wurde eine weitere Version der „gelben Gefahr“ wiederbelebt. Protestschilder mit dem Slogan „Gelbe Gefahr unterstützt Black Power“ spielen auf die oppositionelle Politik der asiatisch-amerikanischen Bewegung der „langen Sechziger“ an: eine, in welcher der Albtraum von der orientalischen Invasion in einen Aufruf zur antikolonialen Revolte verwandelt wird. Eingebettet in diesen Slogan ist der Geist der schwarz-asiatischen internationalistischen Kritik am globalen Imperium und der weißen Vorherrschaft, welcher die Idee von der „Dritten Welt“ definiert hat.

Die sich überschneidenden sozialen Umwälzungen, einer als „orientalisch“ rassifizierten Pandemie und die schwarzen Aufstände gegen rassistische Polizeiarbeit erfordern eine Analyse, die die Diskurse von Anti-Blackness und Orientalismus nicht als gleichwertige, sondern konstitutive Bestandteile eines globalen rassistischen Kapitalismus verknüpft. Inmitten der Widersprüche, zwischen einem sich verschärfenden militärischen „Schwenk nach Asien“ und einer schwarzen abolitionistischen Vision sich von karzeralen Institutionen zu trennen, bietet die revolutionäre internationalistische Tradition schwarzer und asiatischer Antiimperialisten einen Wegweiser für die Vorstellung und den Aufbau einer anderen Welt.

Abscheu oder Aufstand? Die Konkurrierenden Diskurse der „gelben Gefahr“

Der imperiale Diskurs der „gelben Gefahr“ funktioniert, indem ein Wesen erschaffen wird, das es zu Fürchten und auszulöschen gilt; ein äußerer Feind, um den sich die Idee des Westens als Einheit bildet. In Mask of Fu Manchu von 1932, einer der vielen Verfilmungen von Rohmers Romanen, heckt ein „Yellow Face“-tragender Boris Karloff einen Plan aus, um die verlorene Maske von Dschingis Khan wiederzufinden. Mit der Maske des legendären Eroberers kann er sich zum Erben des Khan aussprechen und die Völker Asiens und des Nahen Ostens in einen Krieg führen, um „den weißen Mann zu töten und ihm seine Frauen zu nehmen!“.

Das Genre der „gelben Gefahr“ stellt in seiner Bildsprache orientalische Horden und sinnlose Gewalt in den Vordergrund – was John Kuo Wei Tchen und Dylan Yeats eine „transhistorisch phantasierte Tradition des östlichen Antagonismus gegen den Westen“ nennen. Jedweder Subtext eines antikolonialen Aufstands wird zugunsten einer geheuchelten westlichen Unschuld, die einer männlichen Verteidigung gegen den terroristischen Osten bedarf, entfernt.

Die koloniale Vorherrschaft in Asien selbst wurde als vorbeugende Maßnahme gegen die Bedrohung durch die „gelbe Gefahr“ hingestellt. Als die imperialistischen Mächte Europas 1895 Asien in eine Reihe kolonialer Verwaltungen und Konzessionen aufteilten, veranschaulichte eine Lithographie Kaiser Wilhelms II. die göttliche Vision der kolonialen Eroberung. Ein leuchtender Buddha schwebt bedrohlich im Osten, während die Nationen Europas – personifiziert als engelsgleiche, hellenistische Krieger – gewarnt werden: „Völker Europas, hütet eure heiligsten Besitztümer.“ Als Japan 1905 die westliche Welt schockierte, indem es eine europäische Großmacht im russisch-japanischen Krieg besiegte, schien Wilhelms Albtraum eines antiimperialen Rassenkrieges unmittelbar bevorzustehen.

Auf der anderen Seite des Atlantiks jedoch, traf der durchschlagende Sieg Japans für einige einen vollkommen anderen Nerv. Der panafrikanische Sozialist und Soziologe W.E.B. Du Bois betrachtete es als „das Erwachen der gelben Rasse“, ein Ereignis das die „schwarzen und braunen Rassen“ unvermeidlich zur Nachfolge bewegte. „Dies,“ schrieb Du Bois, „ist das Problem der gelben Gefahr und der Rassenschranke, und es ist das Problem des amerikanischen Negers“.

Du Bois‘ These der „Rassenschranke“ identifizierte die globale Natur der weißen Vorherrschaft und verdeutlichte die Macht der schwarzen, braunen und gelben Mehrheit der Welt, um Imperialismus und Kapitalismus zu untergraben. Wo die westlichen Mächte eine Bedrohung für die globale Vorherrschaft der Weißen sahen, betrachtete Du Bois die „gelbe Gefahr“ als Leuchtfeuer des Potenzials der People of Color, die Rassenschranke ein für alle Mal zu überschreiten.

Und während die Geschichte beweisen würde, dass das japanische Militär die Kräfte des globalen Imperialismus nicht herausfordern, sondern in Wahrheit festigen würde, zeigt Du Bois‘ radikale Interpretation des japanischen Sieges, dass sich die „gelbe Gefahr“ auf zwei Weisen verwenden lässt: sowohl als Werkzeug des Imperiums, als auch als Aufruf, die Waffen dagegen zu erheben.

„Gelbe Gefahr“ unterstützt Black Power

Als 1968 die jungen Mitglieder der Asian American Political Alliance von Berkeley zu einem Protest in San Francisco gegen die Inhaftierung des Vorsitzenden der Black Panther Party, Huey Newton, erschienen, trugen sie Schilder mit dem nun ikonischen Slogan: „Gelbe Gefahr unterstützt Black Power.“

In Du Boisscher Manier wurde ihre Umdeutung des imperialen Diskurses der gelben Gefahr zur Kurzform für eine Praxis gemeinsamer Rebellion gegen Rassismus, Imperialismus und Kapitalismus.

Für asiatisch-amerikanische Radikale inmitten der „Black Power“-Bewegung und eines imperialistischen Vietnam-Krieges gegen einen „unsichtbaren“ orientalischen Feind, wurde der Tropus, der Asiaten in den USA als „ewige Ausländer“ und „feindliche Fremde“ verdammte, zu eben jenem Diskurs, der Fremdheit als Kritik am US-Imperium besetzte. Er verdeutlichte die Verpflichtung zu einem revolutionären internationalistischen Auftrag, der die Logik der weißen Vorherrschaft, des Imperialismus und der Vereinigten Staaten selbst untergraben konnte.

In der wiederauflebenden „Black Lives Matter“-Bewegung ist „Gelbe Gefahr unterstützt Black Power“ als klarer Aufruf zu asiatisch-amerikanischer Solidarität wieder aufgetaucht. Während einige sich über den Slogan „Gelbe Gefahr“ beschwert haben, weil er die schwarzen Kämpfe dezentrieren würde, sollten wir nicht vergessen, dass es die Anführer der schwarzen Befreiungsbewegung selbst waren, die frühe asiatisch-amerikanische Aktivisten ermutigten, sich global zu orientieren.

Als beispielsweise „Black Panther Party“-Mitglied, David Hilliard, den Roten Garden sagte: „Wenn ihr euch nicht auf China beziehen könnt, könnt ihr euch nicht auf die Panthers beziehen“, bestand er darauf, dass die kommunistischen und antiimperialistischen Bewegungen in Asien entscheidende Ergänzungen im Kampf der Panther gegen Anti-Blackness und weiße Vormachtstellung waren. Um den Panthers beistehen zu können, mussten asiatische Amerikaner ihren Blick über assimilatorische Ansprüche auf US-Zugehörigkeit hinaus auf die steigende Flut von Revolutionen der Dritten Welt im Osten richten.

Die Rufe nach schwarz-asiatischer internationalistischer Solidarität ließen in den radikalen Bewegungen des 20. Jahrhunderts nach. 1943 schrieb der Dichter und Aktivist Langston Hughes das antikoloniale Gedicht „Roar, China!“ das danach verlangte, „die Drehtüren des Jim Crow Y.M.C.A. zu zerschlagen“ – und verknüpfte so die Jim-Crow-Segregation im Süden der USA mit den rein weißen Unternehmen in den imperialistischen Konzessionen Shanghais. 1964 erklärte Malcolm X Vietnam zum „Kampf der gesamten Dritten Welt.“

Und dann leitete die „Anti-Imperialist Delegation“ 1979 – unter der Führung des Parteivorsitzenden der Black Panther, Eldridge Cleaver – eine „volksdiplomatische“ Rundreise durch die Demokratische Volksrepublik Korea, Nordvietnam und die Volksrepublik China. Die multiethnische Delegation selbst war eine Kritik des sogenannten Westens. Cleaver suchte nach revolutionären Taktiken im Osten, um sie an das Herz der Bestie anzupassen und forderte „die unterdrückten und revolutionären Völker der Welt auf, dem Beispiel des heldenhaften koreanischen Volkes zu folgen“.

Das Imperium war der Kern der Kritik dieser Delegation, die feststellte wie die Rassifizierung der Kartographierung der Welt folgte. Als Symbole der Idee der Dritten Welt stellten Mao Zedong, Ho Chi Minh und Kim Il Sung eine andere Art von Führung und politischer Philosophie dar, die die Massen von kapitalistischer Ausbeutung und kolonialem Trauma befreien konnte. In ihrer Identifikation mit dem Projekt der Dritten Welt schmiedeten diasporische Gemeinschaften – einschließlich schwarzer und asiatisch-amerikanischer Radikaler – Solidaritäten, die nicht auf Gleichwertigkeit beruhten, sondern auf den Allianzen und Koalitionen, die notwendig waren, um in einer Zeit der Entkolonialisierung eine blockfreie Weltordnung zu schaffen.

Diese internationalistischen, antiimperialen Allianzen fochten die globale Rassenschranke an, die Du Bois bekanntermaßen als das bestimmende Problem des 20. Jahrhunderts bezeichnete. Unsere gegenwärtigen Krisen zeigen sowohl die Langlebigkeit dieser globalen Machtanordnung als auch ihre Flexibilität.

Das lineare Farbschema einer Ära der De-jure-Segregation, der Aufteilung und der Kolonialherrschaft wurde weitgehend in einen Diskurs multikultureller Inklusion umgewandelt, der „Unterschiede“ toleriert oder sogar feiert, während die Strukturen beibehalten werden, die rassenbasierte Verletzlichkeit erzeugen. Die Anpassungsfähigkeit der Rassenschranke ist paradigmatisch für den zeitgenössischen Rassismus, da Multikulturalismus und ethnischer Liberalismus als das dominante Narrativ der US-Politik hervorgegangen sind, das den anhaltenden Rassismus und Imperialismus in einer scheinbar „post-rassischen“ Ära verschleiert.

Mitte des 20. Jahrhunderts entstand ein neues Narrativ, um asiatische Rassenunterschiede in das Projekt des Imperiums einzubeziehen: der Mythos der „vorbildlichen Minderheit“. Im Gegensatz zu schwarzen Amerikanern, die sich für Rassengleichheit und antikoloniale, kommunistische nationale Befreiungsbewegungen der Dritten Welt einsetzten, wurden asiatische Amerikaner als unpolitisch, aufstiegswillig und daher als Beweis des Wohlwollens der kapitalistischen liberalen Demokratie in den USA dargestellt.

Wo die „gelbe Gefahr“ die globale Rassenschranke durch die imaginäre Bedrohung der Überschreitung auswies, hält der Mythos der vorbildlichen Minderheit das postrassische Hirngespinst der vermeintlichen Irrelevanz der Rassenschranke aufrecht. Das Narrativ der vorbildlichen Minderheit domestiziert den internationalistischen Geist der radikalen Ursprünge des asiatischen Amerika und verhindert Möglichkeiten für eine oppositionelle, antiimperialistische Politik, die zu unserem gegenwärtigen Zeitpunkt so dringend nötig ist.

Die konterrevolutionäre Funktion der vorbildlichen Minderheit

Die erneute Anziehungskraft von „Gelbe Gefahr unterstützt Black Power“ beruht auf der Ablehnung des Narrativs der vorbildlichen Minderheit, das die asiatisch-amerikanische Entpolitisierung, Anti-Blackness sowie eine assimilatorische Akzeptanz amerikanischer sozialer Normen voraussetzt. Der Slogan stellt seit langem eine Ablehnung dessen dar, was Frank Chin und Jeffrey Paul Chan als weiße „rassistische Liebe“ für asiatische Amerikaner im Dienste des „rassistischen Hasses“ gegen schwarze Amerikaner bezeichneten.

Gut dokumentiert ist die Entstehung des Mythos der vorbildlichen Minderheit, als Instrument zur Zurechtweisung schwarzer Forderungen nach Rassengerechtigkeit in den 1960er Jahren. William Petersens Artikel „Success Story: Japanese American Style“ aus dem Jahre 1966, der japanisch-amerikanische Familienwerte, Bildungserfolge und eine Kultur des Fleißes inmitten von Rassendiskriminierung verkündete, steht sinnbildlich für die Brauchbarkeit des Mythos, den asiatisch-amerikanischen „Erfolg“ der vermeintlichen, vom Moynihan-Bericht popularisierten, schwarzen Kulturpathologie gegenüberzustellen.

In der Tat ist das Anpreisen asiatisch-amerikanischer Errungenschafte –, als „Beweis“ für die US-amerikanische Meritokratie und den ethnischen Liberalismus – von zentraler Bedeutung für den Diskurs der vorbildlichen Minderheit, der häufig ausdrücklich geführt wird, um schwarze Amerikaner für ihr eigenes Versäumnis zu tadeln. In diesem Sinne fungiert der Mythos der vorbildlichen Minderheit als konterrevolutionärer Diskurs: die von Schwarzen angeführten Forderungen nach einer antirassistischen Umverteilung und Umstrukturierung einer fundamental rassistischen US-Gesellschaft zu entkräften, indem auf asiatisch-amerikanische „Erfolgsgeschichten“ als Beweis für die Chancengleichheit der USA verwiesen wird.

Was bei der „Ursprungsgeschichte“ der vorbildlichen Minderheit oft übersehen wird, ist die andere konterrevolutionäre Funktion des Mythos: als imperiale Propaganda im Kontext des Kalten Krieges, in dessen Verlauf der US-Rassismus drohte das geopolitische Projekt, die „Herzen und Köpfe“ in der Dritten Welt zu gewinnen, scheitern zu lassen. Wo die „gelbe Gefahr“ das Gespenst der orientalischen Aggression mit sich führt und kolonialistische und imperialistische US-Siedler als strahlende Ritter der westlichen Zivilisation darstellt, subsumiert die vorbildliche Minderheit die Existenz des US-Imperialismus unter dem Anschein multikultureller Harmonie.

Dies ist sichtbar im Falle mehrerer US-Besatzungen im Pazifik. Laut Dean Saranillio bot die Darstellung der hawaiianischen Staatlichkeit als Erringung asiatisch-amerikanischer Bürgerrechte eine liberale Tarnung, für die Verankerung des Siedlerkolonialismus im Land der Kanaka Maoli, im Dienste der strategischen Positionierung Hawaiis an der Pazifikfront des US-Militärs. 1952 führte der Propagandist Edward Bernays Hawaiis strategische Position als „Schmelztiegel“ einer „orientalischen Assimilation“ an, was den Inselarchipel zu einem „psychologischen Wall in der nationalen Verteidigung der Vereinigten Staaten von unschätzbarem Wert“ machen würde, gegen „kommunistische Anklagen“ von US-Rassismus und Imperialismus.

Ebenso erforderte die US-amerikanische Besatzung Japans nach dem Krieg und dessen Ausformung zu einem Juniorpartner der US-Agenda des Kalten Kriegs in Asien, die ethnische Rehabilitierung der Japaner von ihrem Image als „Kamikaze“-Aggressoren aus dem Zweiten Weltkrieg, zu einer, wie der Historiker Naoko Shibusawa argumentiert, feminisierten, fügsamen Position als „internationale vorbildliche Minderheit“.

Wie die Beschwörung einer „Problem“-Minderheit durch die vorbildliche Minderheit, existiert die Aufwertung vorbildlicher geopolitischer Verbündeter in einer produktiven Spannung mit „Feindnationen“. Aus dieser Sicht könnte die jüngste Darstellung internationaler Reaktionen auf die Pandemie in den Mainstreammedien produktiv als eine Geographie von US-Agenden in Asien im Rahmen eines neuen Kalten Krieges gelesen werden. Während Südkorea, Taiwan und Japan als Vorbilder für den „richtigen Weg“ der öffentlichen Gesundheit Asiens verkündet wurden, richtete man fadenscheinige Behauptungen über gefälschte Zahlen, Massengräber und andere Kennzeichen von „Autoritarismus“ gegen die Regierungen Chinas, der DVRK und des Iran.

Während die „gelbe Gefahr“ das Bild einer isolierten und von Sanktionen ausgehungerten Demokratischen Volksrepublik Korea als kriegerische nukleare Bedrohung für das amerikanische Volk zeichnet und die US-Militärpräsenz, von Südkorea bis Okinawa, Guam, Hawaii und den Philippinen, als einen gerechten Kreuzzug rechtfertigt, um China „in Schach zu halten“, stellt die Internationalisierung der vorbildlichen Minderheit Japan, Südkorea und andere, als „Erfolgsgeschichten“ der westlichen kapitalistischen Moderne und Rechtfertigung der US-Hegemonie in Asien, im Namen der antikommunistischen Eindämmung und kapitalistischen Integration, dar.

Um asiatische „Erfolgsgeschichten“ von „Feindnationen“ abzugrenzen, arbeiten die „gelbe Gefahr“ und die Narrative von vorbildlichen Minderheiten weiterhin zusammen, um die geopolitische Vormachtstellung der USA zu legitimieren.

Gegen eine Politik der „Einforderung Amerikas“

Die einander ergänzenden konterrevolutionären Funktionen der Tropen der „gelben Gefahr“ und der vorbildlichen Minderheit machen es schwierig, das eine zu widerlegen, ohne das andere zu vergegenständlichen. Der durch die Pandemie ausgelöste Anstieg anti-asiatischer Gewalt, hat beispielsweise einige asiatische Amerikaner dazu inspiriert, dem imperialen Diskurs der „gelben Gefahr“ durch Ansprüche auf eine imperiale US-Staatsbürgerschaft zu entgehen. Am bekanntesten verkörperte der frühere Präsidentschaftskandidat Andrew Yang diesen Impuls der vorbildlichen Minderheit in seiner Forderung an asiatische Amerikaner, „ohne Zweifel zu zeigen, dass wir Amerikaner sind, die unseren Beitrag für unser Land leisten werden“.

Trotz der weit verbreiteten Kritik des asiatisch-amerikanischen Mainstreams unterschied sich Yangs Argument nicht allzu sehr von den Ansprüchen, die viele asiatische Amerikaner seit langem in Bezug auf Sicherheit, Inklusion und Zugehörigkeit gestellt haben. Prominente asiatisch-amerikanische Schriftsteller verfassten Erklärungen und organisierten ganztägige Workshops wie „United Against Hate: A Day of Solidarity“. Die Lehrenden regten kritische Gespräche an, über asiatische und asiatisch-amerikanische Erfahrungen auf dem Campus. Kommentatoren – sogar Prominente wie John Chobemerkten die Leichtigkeit, mit der die bequeme, wenn auch unsichtbar machende Position der vorbildlichen Minderheit, der rassistischen Sichtbarkeit und Kontrolle der „gelben Gefahr“ weichen konnte.

Viele dieser Reaktionen auf eine orientalistische Rhetorik und Gewalt verlangten eine ausgedehntere Staatsbürgerkunde, um den Tropus der Invasion mit denen von  Staatsbürgerschaft und Zugehörigkeit zu bekämpfen. Diese Einforderung des Status der vorbildlichen Minderheit wiesen eine tiefergehende Kritik an den USA zurück und suchten stattdessen Zuflucht vor dem staatlichen Diskurs über die „gelbe Gefahr“ in den Armen des Staates selbst. Viele haben sich der Gesetzgebung zu Hassverbrechen und ihrer Durchsetzung durch die Polizei zugewandt und die Rolle karzeraler Gewalt, als Linderung zunehmender anti-asiatischer Hassverbrechen, legitimiert.

Zum Beispiel startete New York City im Mai eine Aktion zur Bekämpfung anti-asiatischer Diskriminierung durch Öffentlichkeitsarbeit mit Kosten von 100.000 US-Dollar, einschließlich Schildern mit der Aufschrift: „Diskriminierung und Belästigung aufgrund von COVID-19 sind in New York City illegal.“ In ähnlicher Weise beschwört der Leitfaden über anti-asiatische Gewalt der „Japanese American Citizens‘ League“, Zeugen und Opfer von Hassverbrechen „uneingeschränkt mit der Polizei zusammenzuarbeiten“. Diese Forderungen nach Sicherheit durch die Begrüßung des karzeralen Staates sind Teil einer längeren Geschichte der Vereinnahmung anti-asiatischer Gewalt zur Stärkung der Gesetzgebung zu Hassverbrechen auf Bundesebene – um eine antiimperialistische Haltung, die die USA selbst als den „größten Gewaltlieferanten der Welt“ identifiziert, zurückzuweisen.

Wenn Assimilation historisch die Beziehung zwischen „gelber Gefahr“ und vorbildlicher Minderheit vermittelt hat, dann tauscht die Einforderung des Amerikanischen unweigerlich den imperialen Albtraum eines antikolonialen „Rassenkrieges“ gegen die legitimierende imperiale Fantasie einer „post-rassischen“ Harmonie ein. Anstatt sich der imperialen Logik der „gelben Gefahr“ zu widersetzen, fungieren asiatisch-amerikanische Zugehörigkeitsansprüche häufig als einfache Umleitung imperialistischer Gewalt. T-Shirts mit der stolzen Aufschrift „Ich bin Asiate, aber ich bin kein Chinese“ zeigen dies am deutlichsten.

In der Zwischenzeit forderte die „Asian American Journalists Association“ die Medien auf, in ihrer COVID-19-Berichterstattung „generische Bilder von Chinatown“ zu vermeiden, davor warnend, dass dies „Stereotype verstärken und ein Gefühl von ‚Andersartigkeit‘ erzeugen könne“. Während derartige Reaktionen sicherlich gut gemeint sind, naturalisieren sie imperiale Gewalt in Asien, indem vor allem der Missbrauch „unschuldiger“ asiatischer Amerikaner bemängelt wird, anstatt Fremdheit als Kritik zu behandeln, die die Aufwertung alles Amerikanischen destabilisiert und geltend macht, dass die USA imperiale Gewalt verankern. Die bloße Befürwortung erweiterter Parameter, um das amerikanische „Wir“ zu definieren, bestätigt implizit die Dichotomie zwischen „Uns“ und „Ihnen“.

Interessanterweise verschleiert die Wiederbelebung des Slogans „Gelbe Gefahr unterstützt Black Power“ diesen internationalistischen Kontext weitgehend, trotz der scheinbaren Anrufung des Gespenstes orientalischer anti-kolonialer Revolte, zugunsten einer domestizierten Version asiatisch-amerikanischer Solidarität, modelliert nach einem Muster weißer Mitstreiterschaft.

Kontraintuitiv geschieht die Memeifizierung von „Gelbe Gefahr unterstützt Black Power“ entlang einer Variante des asiatisch-amerikanischen Diskurses, die davon ausgeht, dass das Asiatische den Werten sozialer Gerechtigkeit widerspricht, auf denen die asiatisch-amerikanische Unterstützung schwarzer Leben mutmaßlich beruht. Zum Beispiel stellt das neueste „Sprich mit deinen asiatischen Eltern über Anti-Blackness“-Genre, die zweite Generation asiatischer Amerikaner, meist mit Hochschulabschluss, als die notwendigen Brücken dar, um ihre Eltern in das Milieu der Anerkennung von Privilegien, des Sichtbarmachens rassistischer Diskriminierung und der Widerlegung des Mythos der vorbildlichen Minderheit einzuführen.

Trotz seiner Intention assoziiert dieses Genre das Asiatische mit Ignoranz und Rassismus und das asiatisch-amerikanische mit Progressivismus und Solidarität – eine Annahme, die Gefahr läuft, die antikolonialen, antiimperialen und kommunistischen Kämpfe, die viele unserer Eltern und Großeltern durchlebten, als irrelevant für die Aufgabe des Kampfes gegen Anti-Blackness und die weiße Vorherrschaft zu entfernen. Wo die asiatisch-amerikanische Mitstreiterschaft auf dasselbe Terrain von Liberalismus und Multikulturalismus beschränkt ist, die zusammen die Fassade des US-Postrassismus bilden, ermöglicht eine Rückkehr zum Internationalismus eine grundlegende Kritik des Amerikanischen, die nicht motiviert ist durch Nächstenliebe oder Empathie, sondern durch eine Analyse der miteinander verflochtenen Systeme von Anti-Blackness, Orientalismus und globaler weißer Vorherrschaft.

Trotz der Thesen, wonach COVID-19 den Schleier der vorbildlichen Minderheit gelüftet hat, um die „gelbe Gefahr“ zu enthüllen, wäre es eindeutiger zu sagen, dass die Pandemie klargestellt hat, wie entscheidend die Koexistenz beider Diskurse für deren Kohärenz ist. In dem Versuch, die „gelbe Gefahr“ zurückzuerobern, stellen diese Bemühungen unwissentlich eine neue vorbildliche Minderheit her, die den radikalen Internationalismus im Zentrum asiatisch-amerikanischer Identitätsbildung entstellt, zugunsten eines vorbildlichen Subjekts des US-Progressivismus und des ethnischen Liberalismus.

Die Dritte Welt wartet

Der Historiker Vijay Prashad drängt: „Die Dritte Welt wartet auf … Auferstehung, nicht in Form von Nostalgie, sondern als Projekt, das unseren gegenwärtigen Dilemmata entspricht.“ In der Tat ist der Geist des Internationalismus der Dritten Welt in der heutigen Black-Lives-Matter-Bewegung gesund und munter – wenn er auch übersehen wird.

Die überwältigende politische Plattform „Vision for Black Lives“ aus dem Jahr 2016 hat in ihrem Aufruf, sich von karzeralen Strukturen zu trennen und in schwarze Gemeinden zu investieren, den US-Militarismus direkt angeklagt. Unter Berufung auf die „zunehmende Militarisierung Afrikas“ im Rahmen von US-Militärprogrammen wie AFRICOM, verurteilte das Dokument den US-Imperialismus als „direkte Bedrohung der globalen Befreiung der Schwarzen“ und identifizierte Entmilitarisierung als Voraussetzung für Investitionen in schwarze Gemeinden.

Andere haben den internationalen Polizeiaustausch und den Verkauf militärischer Ausrüstung an Polizeidienststellen als weiteren Beweis für die miteinander verkoppelten karzeralen Funktionen von innerstaatlicher Polizei und internationaler militärischer Hegemonie identifiziert, welche eine verbundene abolitionistische und antiimperialistische Bewegung erfordern.

Die entscheidenden Verbindungen von „Black Lives Matter“ zum antiimperialistischen Kampf wurden in den Mainstream-Diskussionen weitgehend zum Schweigen gebracht. Dies spricht für eine historische Wahrheit: Schwarze Befreiungsbewegungen haben schon immer ein besonderes Problem für die Aufrechterhaltung des US-Imperiums dargestellt. Die Außenministerien haben beklagt, dass die brutale Unterdrückung von Demonstranten die „moralische Autorität“ der USA für Projekte zur Ausdehnung ihrer geopolitischen Agenda untergräbt. Währenddessen stellte die US-Botschaft in Seoul demonstrativ ein „Black Lives Matter“-Banner zur Schau, während das US-Militär seine 70-jährige Besetzung der koreanischen Halbinsel fortsetzt.

Während schwarze Internationalisten versucht haben, die Verbindungen zur Dritten Welt durch die Schließung strategischer Allianzen mit den kolonisierten Völkern in Afrika, Asien, Lateinamerika und darüber hinaus auszunutzen, haben die politischen Eliten der USA stattdessen den Fortschritt der Bürgerrechte vereinnahmt, als „Beweis“ für die demokratischen Werte der USA auf der Weltbühne. Die Nutznießer der heutigen globalen Rassenschranke haben ein begründetes Interesse daran, Kämpfe für Rassengerechtigkeit zu domestizieren, um innerstaatliche Rebellionen in das gleiche Narrativ des progressiven US-Exzeptionalismus einzuhegen, das eine globale Führung der USA notwendig macht.

Die erste Welle der COVID-19-Pandemie löste eine affektive Krise für asiatische Amerikaner aus, die zwischen der bequemen Unsichtbarkeit der vorbildlichen Minderheit und der rassistischen Beobachtung der „gelben Gefahr“ gefangen waren. Doch im Kontext einer erneuten Rebellion von „Black Lives Matter“ wurden die produktiven Widersprüche dieses emotionalen Aufruhrs weitgehend begraben unter den wichtigen aber einschränkenden Framings wie asiatisch-amerikanischer Privilegien, Mitstreiterschaft und Solidarität.

Sie bieten eine Möglichkeit, den rohen Orientalismus des „chinesischen Virus“ und die endemische Anti-Blackness unserer karzeralen Institutionen als komplementäre, konstitutive Elemente globaler weißer Vorherrschaft zu verstehen.

Die miteinander verflochtenen abolitionistischen und internationalistischen Traditionen bieten eine Alternative zur imperialen Hegemonie: die Zentrierung einer Politik der Ablehnung und Verpflichtung, die imperiale Herrschaft der USA durch internationalistische Solidaritäten zu demontieren, rückgängig zu machen, zu verlernen, abzulehnen, zu definanzieren und abzuschaffen. Wie die grundsätzlich abolitionistische Organisation „Critical Resistance“ auf ihrer Plattform für Pandemiepolitik erklärte: „Diese Pandemie ist nicht an Grenzen gebunden. Daher müssen unsere Solidarität und Reaktion international sein.“

Inmitten einer globalen Pandemie und eines globalen Aufstands fungiert die Geschichte des schwarz-asiatischen Internationalismus – zusammengefasst unter dem Motto „Gelbe Gefahr unterstützt Black Power“ – als entscheidender Rahmen für die Dekonstruktion der Systeme von Anti-Blackness und Orientalismus, Polizeiarbeit und immerwährendem Krieg, um diese unterdrückerische Weltordnung zu transformieren.

Dieser Aufsatz von Minju Bae und Mark Tseng-Putterman erschien zuerst hier auf dem ROAR Mag und wurde von Dominik Frielinghaus für Die Freiheitsliebe übersetzt.


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