Die revolutionären Ideen von Karl Marx

„Mit diesem Buch möchte ich eine Lücke in der Literatur über Marx schließen und eine zugängliche, moderne Einführung in sein Leben und seine Gedanken unterbreiten, geschrieben von jemandem, der seine grundlegenden Ansichten über Geschichte, Gesellschaft und Revolution teilt“, so, Alex Callinicos, der Autor des Buches „Die revolutionären Ideen von Karl Marx“. Callinicos ist Professor für European Studies am King’s College in London.

Das Buch sieht tatsächlich nicht nur modern aus, es bietet auch auf insgesamt 277 Seiten dem Leser von heute einen zugänglichen Einstieg in die Ideen des Revolutionärs. Der Autor schafft bei Einsteigern schnell Klarheit über Marx und den Marxismus und räumt häufige Vorurteile und Missverständnisse aus. Die acht Kapitel sind thematisch gut geordnet und führen jeweils in einen Bereich der Marxschen Betätigung ein. Literaturtipps zum Weiterlesen runden die Einführung ab.

So wird dem Leben des Revolutionärs das erste Kapitel gewidmet. Die Darstellung der Verbindung von humorvollem Geist und ernsthaftem Engagement macht Marx menschlich sympathisch. Marx wird weiterhin als Mensch mit Fehlern, aber auch als Schule machender Vordenker der Revolution porträtiert. Trotz finanzieller Probleme schaffte er es, sich über Jahrzehnte mit den verschiedensten sozialen Problemen zu befassen und sie oft auch theoretisch zu bewältigen, um ihre praktische Bewältigung zu fördern.

Das zweite Kapitel behandelt die verschiedenen Ideen des Sozialismus vor Marx und die politischen Bewegungen, die hinter diesen Ideen standen. Hier wird klar, dass der Sozialismus aus der bürgerlichen Aufklärungsphilosophie, also aus der aufklärerischen Hoffnung auf eine wirklich humane Gesellschaft einerseits und der Kritik am Kapitalismus andererseits hervorging. Die Sozialisten übernahmen die Hoffnung der Aufklärungsphilosophie, aber kritisierten ihre Idealisierung der kapitalistischen Gesellschaft. Doch der Sozialismus blieb bis dahin immer nur eine unerreichbare Utopie, ein utopischer Sozialismus.

Kapitel drei und vier zeigen, wie Marx die wirklichkeitsfremde Philosophie und den utopischen Sozialismus kritisierte und statt dessen eine Philosophie der Praxis entwickelte, deren Ziel es sein sollte, die Welt nicht nur zu interpretieren, sondern wirklich zu verändern. Diese praktische Philosophie sollte zugleich die Grundlagen für einen wissenschaftlichen Sozialismus bieten. Sozialismus ist bei Marx nicht mehr nur eine schöne Utopie, sondern die echte politische Bewegung in Richtung einer solidarischen Gesellschaft, bestehend aus engagierten Menschen.

Im fünften Kapitel geht es um die Auffassung von Marx über Geschichte und Klassenkampf. Hier wird deutlich, dass nicht der Mensch „an sich“ unfähig ist, eine solidarische und gerechtere Gesellschaft hervorzubringen und dass es den Menschen “an sich” gar nicht gibt. Hingegen wird klar, dass viele soziale Probleme wie Unterdrückung, Kriege und Entdemokratisierung aus der Spaltung der Gesellschaft in unterdrückende und unterdrückte Klassen hervorgehen und dass der Streit zwischen den Klassen, der Klassenkampf, mit Fortschritt und Freiheit eng zusammenhängt. Der Kampf der Menschen um eine Verbesserung der Gesellschaft wird bei Marx mit geschichtlichem Fortschritt identifiziert. Die Analyse der unterschiedlichen Bedingungen und Formen dieses Kampfes hebt den Sozialismus auf wissenschaftliches Niveau.

Es dreht sich im sechsten Kapitel alles um die Marxsche Kritik der politischen Ökonomie, der damals führenden ökonomischen Wissenschaft, die Marx für dogmatisch hielt. Komplizierte ökonomische Begriffe wie Lohnarbeit, Wert, Mehrwert, Ausbeutung, Preis, Profit und Krise werden hier verständlich gemacht. Weiterhin wird erklärt, wie der Kapitalismus entstand, wie er funktioniert, was seine Probleme sind und wie er ständig Widerstand und Protest provoziert.

Das siebte Kapitel ist mit „Arbeitermacht“ überschrieben und zeigt, wieso Marx gerade die Klasse des Proletariats, die modernen Lohnarbeiter, als „Totengräber des Kapitalismus“ bezeichnete, wie diese Klasse den Kapitalismus überwinden und zum Kommunismus führen kann. Dabei werden umstrittene Fragen wie die der Partei, der „Diktatur des Proletariats“ und der Revolution thematisiert. In diesem Kapitel zeigt sich, dass Sozialismus nicht Terror und Totalitarismus bedeuten kann, sondern auf eine Ausweitung der Demokratie angewiesen ist und dass umgekehrt eine umfassende Demokratisierung den Sozialismus benötigt.

Im letzten Kapitel wird gezeigt, wie Marx auch nach seinem Tod und heute noch Relevanz beansprucht. Der Autor versucht zu erklären, wieso der „real existierende Sozialismus“ à la Ostblock gar kein Sozialismus oder Kommunismus war und worin der Unterschied zum Sozialismus von Marx bestand. Auch wird gezeigt, dass die revolutionären Ideen von Karl Marx heute sogar noch aktueller denn je geworden sind. Die Arbeiterklasse ist nicht kleiner geworden, sondern hat sich verändert und ist noch viel größer und bedeutender geworden. Die Widersprüche des Kapitalismus sind nicht verschwunden, sondern spitzen sich mit der weltweiten Krise, mit Entdemokratisierung, Verarmung und Kriegen immer weiter zu. Eine Kenntnis der revolutionären Ideen von Karl Marx ist daher nicht von gestern, sondern gehört zum Verständnis des modernen Kapitalismus.

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