Organizing und der Kampf um Demokratie

Die US-amerikanische Juristin, Gewerkschaftsaktivistin und Autorin Jane McAlevey ist eines der prominentesten Gesichter der neuen amerikanischen Gewerkschaftsbewegung und steht mit ihrem Werk beispielhaft für den Wiederaufschwung der amerikanischen ArbeiterInnenbewegung im Zuge des allgemeinen Linksrucks besonders unter jungen US-AmerikanerInnen nach Jahrzehnten von Niedergang und Tiefschlaf im Zeitalter der neoliberalen Dominanz.

Ihr Name steht dabei in erster Linie für das Konzept des „Deep Organizing“, d.h. des Aufbaus oder der Wiederbelebung gewerkschaftlicher Strukturen in bisher unorganisierten oder unterorganisierten Betrieben und Sparten durch gewerkschaftliche OrganizerInnen, die die Beschäftigten zu motivieren und anzuleiten versuchen beim eigenständigen Aufbau neuer Gewerkschaftszellen und bei Vorbereitung und Durchführung von Streiks und sonstigen Klassenkampfaktionen – ein Konzept, das nicht neu ist, sondern schon in der klassischen Blütephase der US-Gewerkschaften in der Ära des New Deal der 30er/40er Jahre praktiziert wurde, nach langem komatösem Dämmer der US-Gewerkschaften aber von McAlevey und anderen GewerkschaftsaktivistInnen quasi neuerfunden werden musste. Das Organizing-Konzept in der von McAlevey geprägten Form ist in den letzten Jahren auch weit außerhalb der USA breit rezipiert worden, auch und gerade in der deutschen ArbeiterInnenbewegung: Die von der Rosa Luxemburg-Stiftung initiierten und von verschiedenen GewerkschaftsaktivistInnen unterstützten Organizing-Seminare unter dem Titel „Organizing for Power“ haben bis zu 27.000 TeilnehmerInnen erreicht, und in verschiedenen deutschen Gewerkschaften gehören Organizing-Schulungen inzwischen zum Ausbildungsprogramm.

Notwendigkeit der Organisierung

McAleveys wahrscheinlich bekanntestes, 2016 erschienenes Buch „No Shortcuts: Organizing for Power in the New Gilded Age“ habe ich vor einer Weile schon gelesen und rezensiert. Nun habe ich auch ihr neuestes Buch „A collective bargain: Unions, Organizing&the Fight for Democracy“, das 2020 im englischen Original erschienen ist und 2021 gemeinsam von Rosa Luxemburg-Stiftung und IG Metall-Jugend in deutscher Übersetzung herausgegeben wurde, ergänzt durch eine Einleitung und einen Anhang zu Geschichte und jüngster Entwicklung der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung von Florian Wilde und Stefanie Holtz.

Das Buch besteht thematisch grob aus zwei Teilen: Einen, in dem McAlevey die Geschichte der amerikanischen ArbeiterInnenbewegung skizziert und die Notwendigkeit breiter gewerkschaftlicher Organisierung der ArbeiterInnenschaft argumentiert – nicht der für die amerikanische Rechte so identitätsstiftende radikale Individualismus, sondern im Gegenteil die massive gewerkschaftliche Organisierung, der erfolgreiche, solidarische Klassenkampf der amerikanischen ArbeiterInnen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts seien es gewesen, die dem „American dream“ von Massenwohlstand für normale ArbeiterInnen vorübergehend eine gewisse materielle Realität verschafften. Und zweitens einen, in dem sie erläutert, wie diese breite gewerkschaftliche Organisierung, deren Notwendigkeit sie zuvor dargelegt hat, in der Praxis erreicht werden soll, sprich: In dem sie ihr Organizing-Konzept erläutert und anhand konkreter, nach diesem Modell geführter Klassenkämpfe illustriert.

Ein Blick in die Geschicte

Der historische Teil ist insbesondere für europäische Leserinnen und Leser interessant, die meistens nicht viel über die Geschichte der amerikanischen ArbeiterInnenbewegung wissen und oft sogar überrascht davon sind, dass es überhaupt einmal eine Zeit mit einer mächtigen organisierten ArbeiterInnenbewegung in den USA gegeben hat – für alle, die seit Anbruch der neoliberalen Ära sozialisiert wurden, ist die Bedeutungslosigkeit der Gewerkschaften in den USA eine ewig scheinende Selbstverständlichkeit.

McAlevey zeichnet nun nach, dass es eben die Entschlossenheit und Größe der organisierten amerikanischen ArbeiterInnenbewegung war, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Grundlagen dafür schuf, dass die USA bis in die 1970er/80er Jahre einen global fast einzigartigen Massenwohlstand erlebten, in dem ein eigenes Haus mit Garten und Auto zur Normalität proletarischen Lebens werden konnte. Auch das US-amerikanische Kapital als erfolgreichster imperialistischer Player des 20. Jahrhunderts schenkte seiner heimischen ArbeiterInnenklasse nichts. Erfolg eines Kapitalblocks auf dem Weltmarkt mag im imperialistischen Weltsystem Voraussetzung für den Wohlstand der ArbeiterInnen in der imperialen Metropole sein – ob aus dieser notwendigen eine hinreichende Bedingung für Massenwohlstand wird, hängt aber in den USA wie anderswo davon ab, wie stark und entschlossen die dortige ArbeiterInnenbewegung ist. Es waren massenhaft wilde Streiks und Demonstrationen (Viele davon mit Todesopfern), die in den 30er Jahren zunächst die Legalisierung der Gewerkschaften und dann ihre zunehmende Integration in der Ära des New Deal erzwangen, als Roosevelt und seine demokratische Partei sich angesichts der in den USA besonders krassen sozialen Verwerfungen der Weltwirtschaftskrise gezwungen sahen, der ArbeiterInnenbewegung entgegenzukommen, um ihr revolutionäres Potenzial einzuhegen. Und es waren diese legalisierten und zunehmend ins amerikanische politische System integrierten Großgewerkschaften, die von den 30er bis 60er Jahren ihren hohen Organisationsgrad und ihre sich daraus ergebende Macht nutzten, ein Lohnniveau zu erkämpfen, das damals weltweit quasi einzigartig war.

Errosionsprozesse

In den 70er/80er Jahren setzte aber eine Wende ein. Die Mitgliedszahlen der US-Gewerkschaften erodierten (In der Privatwirtschaft allerdings wesentlich stärker als in den erst in den 60ern geschaffenen Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes, wo der Organisationsgrad bis heute ziemlich hoch ist), ihr Ansehen und ihre politische und gesellschaftliche Bedeutung sank. Die Probleme waren teilweise hausgemacht – die ins herrschende politische System integrierten Gewerkschaften waren in den USA wie anderswo in der westlichen Welt opportunistisch, bequem und konfliktscheu geworden, sie wurden von Korruptionsskandalen und Verwicklungen mit der Mafia erschüttert, und in dem Maße, in dem die in den Jahrzehnten zuvor erkämpften Fortschritte als selbstverständlich empfunden wurden, sank die Bereitschaft, sich selbst noch zu organisieren. Andererseits war dieser Verfall der amerikanischen ArbeiterInnenbewegung aber auch Ergebnis einer massiven reaktionären Gegenoffensive, um die Uhren wieder auf die Zeit vor dem New Deal zurückzudrehen. Diese reaktionäre Gegenoffensive – zunächst von der republikanischen Partei geführt, später aber (Stichwort: Clinton) auch von den Demokraten kräftig fortgesetzt – hatte zwei Säulen.

Einerseits eine lange Kette neuer gewerkschaftsfeindlicher Gesetzgebung, die das Recht zur gewerkschaftlichen Organisierung und die Befugnisse der Gewerkschaften schrittweise wieder beschnitt. Andererseits die Schaffung der berüchtigten „Union busting agencies“, hochbezahlte Agenturen, die Unternehmen professionelle juristische, organisatorische und PR-Beratung anbieten, wie man gewerkschaftliche Organisation in seinem Betrieb im Keim ersticken bzw. schon vorhandene gewerkschaftliche Zellen vernichten kann. Der kombinierte Angriff von Union busting-Agenturen und gewerkschaftsfeindlicher Gesetzgebung führte schließlich in den 80er/90er Jahren zum bisherigen Tiefpunkt der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung mit den allgemein bekannten traurigen Zuständen im amerikanischen Arbeitsrecht. Und dieser Zerfall der Gewerkschaftsbewegung führte prompt zu einer Explosion der sozialen Ungleichheit: McAlevey belegt mit einer Reihe eindrucksvoller Zahlen, wie eng gewerkschaftlicher Organisationsgrad und Einkommensverteilung in den USA miteinander zusammenhingen – die relative Verarmung der arbeitenden Bevölkerung und der explosionsartige Anstieg der Vermögen der US-Oligarchie nehmen genau in dem Moment Fahrt auf, in dem die Gewerkschaften durch Mitgliederschwund und zunehmend beengte rechtliche Rahmenverhältnisse weitgehend ihre Handlungsfähigkeit verlieren.

Notwendige Wiederbelebung

Es ist also klar, dass eine Wiederbelebung der Gewerkschaften und ein starker Wiederanstieg des Organisationsgrades notwendig sind, um diese Entwicklung umzukehren und den amerikanischen ArbeiterInnen die Rückgewinnung ihrer Errungenschaften aus der „goldenen Zeit der Gewerkschaftsbewegung“ der 30er-60er Jahre zu ermöglichen. Die Frage ist nur, wie das vonstatten gehen soll – darum geht es im zweiten Teil der Buches, in dem das „Organizing“-Konzept erklärt und anhand konkreter Arbeitskämpfe verdeutlicht wird. Eine ausführliche theoretische Darlegung des Organizing-Ansatzes hat McAlevey schon in „No shortcuts“ (dtsch. „Keine halben Sachen“) geliefert und eine längere Zusammenfassung dieser Ausführungen findet man in meiner Rezension dieses Buches. An dieser Stelle daher nur eine knappe Rückschau. „Organizing“ bedeutet in McAleveys Verständnis, wie oben schon erwähnt, den Aufbau oder die Wiederbelebung gewerkschaftlicher Zellen in den Betrieben, indem GewerkschaftsaktivistInnen monatelang in einem bestimmten Betrieb intervenieren, um die Beschäftigten zum eigenständigen Aufbau neuer gewerkschaftlicher Strukturen zu motivieren und, wenn das gelungen ist, mit ihnen gemeinsam die ersten kollektiven Arbeitskämpfe zu organisieren in der Hoffnung, dass solche Erfolgserlebnisse, die den ArbeiterInnen ihre eigene Handlungsmacht zeigen, zur dauerhaften Etablierung gewerkschaftlicher Basen in diesem Betrieb führen.

Zentral für dieses Modell ist es, unter der Belegschaft sogenannte „organic leaders“ zu identifizieren, diese gezielt anzusprechen und für sich zu gewinnen – Menschen, die unter ihren KollegInnen ein besonders großes Ansehen, besondere Autorität oder Beliebtheit besitzen und die, wenn sie sich klar für den Aufbau gewerkschaftlicher Strukturen aussprechen, dadurch ganze Abteilungen und Betriebe mitreißen können. Der Aufbau der neuen Gewerkschaftszellen soll den Beschäftigten nicht als etwas von der Gewerkschaftsbürokratie von außen Implementiertes erscheinen, sondern als ihr eigenes Werk erfahren werden, und dafür ist es notwendig, dass die Initiative möglichst bald von den von außen kommanden OrganizerInnen auf solche für die gewerkschaftliche Sache gewonnenen „organic leaders“ in den Betrieben selbst übergeht. Um zu illustrieren, wie das in der Praxis aussieht, schildert McAlevey, die jahrzehntelang selbst als Organizerin aktiv war, den Prozess eines solchen Aufbaus bzw. Wiederaufbaus von Gewerkschaftsstrukturen ausführlich vor allem in zwei Branchen: Als Beispiel für Organizing im öffentlichen Dienst den Fall von LehrerInnen im ländlichen, strukturschwachen und republikanisch regierten West Virginia und als Beispiel für Organizing in der Privatwirtschaft den Fall von KrankenpflegerInnen in einem großen Krankenhaus in Philadelphia (Fast alle amerikanischen Krankenhäuser sind ja profitorientierte Privatunternehmen).

Schwierige Prozesse

Sehr anschaulich zeigt McAlevey, wie schwierig es einerseits ist, den Widerstand gegen Gewerkschaftsgründungen nach Jahrzehnten neoliberaler Indoktrination und Atomisierung zu überwinden, aber auch, ein wie begeisterndes, euphorisches Gefühl es ist, wenn sich erste Erfolge einstellen und die Beschäftigten sehen, wie mächtig kollektive Organisierung sie machen kann. Gerade der von McAlevey begleitete Arbeitskampf der KrankenpflegerInnen in Philadelphia hatte dabei auch direkte Rückwirkungen in die deutsche ArbeiterInnenbewegung: In Berlin waren Arbeitskämpfe im Gesundheitswesen kurz darauf dezidiert von diesem Beispiel beeinflusst.

Eine Frage, die sich nach Lektüre des Buches für deutsche LeserInnen stellt, ist freilich die, inwiefern McAleveys in den USA erfolgreich erprobtes Organizing-Konzept auf Deutschland übertragbar ist. Die Struktur der Gewerkschaftsbewegung in den USA und Deutschland unterscheidet sich erheblich, wie auch aus dem Anhang in der deutschen Ausgabe von Florian Wilde hervorgeht. Tarifverträge werden in den USA fast durchweg auf Ebene des einzelnen Betriebs geschlossen, einheitliche Tarifverträge für ganze Branchen sind nicht üblich oder gar rechtlich kaum möglich. Die Ebene des Kampfes ist also jeweils ein bestimmter Betrieb, und dementsprechend zielt das Organizing in den USA auch darauf ab, gezielt in einem bestimmten Betrieb mit aussichtsreichen Bedingungen zu intervenieren, um durch einen dort erzielten punktuellen Erfolg Inspiration für die Belegschaften anderer Betriebe zu sein.

Die von den OrganizerInnen rekrutierten „organic leaders“ in den Betrieben sind direkt und unmittelbar diejenigen, die mit dem Rückhalt ihrer KollegInnen einen Tarifvertrag erkämpfen. Dadurch wird eine sehr hohe persönliche Identifikation der Beschäftigten mit dem jeweiligen Arbeitskampf erreicht, dadurch ist es andererseits aber auch sehr schwierig, flächendeckende Verbesserungen für die arbeitende Bevölkerung insgesamt zu erkämpfen und nicht nur unverbundene kleine Einzelsiege hier und da – viele amerikanische Arbeitskämpfe der letzten Jahre werden deswegen einerseits viel leidenschaftlicher und kämpferischer geführt als es in Deutschland üblich ist, andererseits ist die Reichweite solcher Siege aber auch viel kleiner als die eines guten Tarifabschlusses der deutschen Riesengewerkschaften, die Tarifverträge für ganze Branchen mit Millionen Beschäftigten aushandeln statt für ein- zweihundert persönlich eng miteinander vertraute KollegInnen eines Betriebes. Tarifverhandlungen in Deutschland haben dementsprechend einen vergleichsweise anonymen, unpersönlichen Charakter, sie werden geführt von GewerkschaftsfunktionärInnen, denen die meisten der von ihnen vertretenen ArbeiterInnen noch nie begegnet sind, sie werden irgendwo weit weg in Berlin oder sonstwo geführt und ihr Ergebnis erfährt man abends in der Tagesschau.

Gewerkschaften in Deutschland

Dieser Charakter macht die deutsche Gewerkschaftsbewegung potenziell viel mächtiger, aber es ist auch viel schwerer, sich persönlich mit ihr zu identifizieren – die Gewerkschaft wird von den meisten organisierten deutschen ArbeiterInnen wohl kaum als ihr persönliches Werk empfunden, sondern als eine äußere, ins staatliche Machtgefüge integrierte Institution, mit der man kaum über Zahlung des Mitgliedsbeitrags hinausgehende regelmäßige Beziehungen hat. Es ist gerade einerseits die Kleinteiligkeit der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung, andererseits der heftige Widerstand, dem sie auf jedem Schritt begegnet, die dazu führt, dass ihre Kämpfe oft so heftig ausgetragen werden und zu so starker Identifikation der ArbeiterInnen mit ihr führen können – wer in einem derart gewerkschaftsfeindlichen Staat wie den USA GewerkschafterIn werden will, muss das mit Leidenschaft, Opferbereitschaft und Idealismus tun. In Deutschland dagegen tragen die Gewerkschaften trotz aller neoliberalen Offensiven und trotz der unheilvollen Rolle der Regierung Schröder (des deutschen Bill Clinton, gewissermaßen) immer noch in hohem Maße den Charakter einer nicht nur akzeptierten, sondern tief ins institutionelle Machtgefüge integrierten Organisation, einer eher konservativen als kämpferischen Institution.

Es scheint zweifelhaft, ob Organizing-Kampagnen in Deutschland angesichts dieser Verhältnisse leicht „organic leaders“ in den Betrieben finden können, die sich mit ähnlichem Feuer und ähnlicher Kampfbereitschaft mit der Sache der Gewerkschaft identifizieren wie es die von McAlevey porträtierten KrankenpflegerInnen oder LehrerInnen in den USA tun. Und es stellt sich auch die Frage, was genau die kurz- bis mittelfristige Zielsetzung von Organizingkampagnen in deutschen Betrieben sein soll. In den von McAlevey nachgezeichneten Organizingkampagnen in den USA besteht dieses kurz- bis mittelfristige Ziel ziemlich deutlich darin, durch Gewinnung von „organic leaders“ die Belegschaften zu befähigen, erfolgreiche Tarifabschlüsse für ihren Betrieb zu erkämpfen und durch einen solchen persönlich erfahrenen Sieg eine dauerhafte Kultur gewerkschaftlicher Organisation in diesem Betrieb zu etablieren. In Deutschland werden Tarifabschlüsse ja nun aber nicht auf Betriebsebene, sondern für ganze Branchen mit tausenden Betrieben durchgesetzt, „organic leaders“ können in Deutschland ihren KollegInnen also keine so unmittelbaren, konkret auf ihr persönliches Engagement zurückgehenden Siege verschaffen.

Die Arbeitskämpfe im Berliner Gesundheitswesen haben freilich gezeigt, dass unter bestimmten Bedingungen Organizing auch Grundlage für große Kämpfe in einer ganzen Branche statt nur in einem bestimmten Betrieb sein kann, und gewiss kann man durch Implementierung von Organizing-Methoden auch in Deutschland in vielen Betrieben den gewerkschaftlichen Organisationsgrad erhöhen – was dann aber bald wieder die Frage des Verhältnisses dieser neuen bzw. vergrößerten gewerkschaftlichen Zellen in den Betrieben zur Gewerkschaftsspitze aufwirft, die von unten ausgehenden kämpferischen Initiativen der Belegschaften oft nur sehr bedingt ermunternd entgegentritt.

Einiges von McAleveys Erfahrungen lässt sich aber uneingeschränkt auf Deutschland und Europa überhaupt übertragen. Beispielsweise die Feststellung, dass Gewerkschaften keineswegs dazu verdammt sind, antiquierte Vertretungen in erster Linie der klassischen männlichen Industriearbeiterschaft im Sinne des frühen 20. Jahrhunderts zu sein – es sind, wie McAlevey in ihrem Buch schön zeigt, heute oft gerade weiblich dominierte Dienstleistungs- Pflege- und Erziehungsberufe, die an der Spitze der ArbeiterInnenbewegung stehen und die leidenschaftlichsten Arbeitskämpfe führen, von Fastfoodlokalen und Logistikzentren bis zu Schulen, Kindergarten, Krankenhäusern und Pflegeheimen. Die Transformation der westlichen Gesellschaften von Industrie- zu Dienstleistungsgesellschaften hat die Notwendigkeit und Möglichkeit gewerkschaftlicher Organisation und erfolgreicher Arbeitskämpfe kein bisschen reduziert. Als Grundlage für Diskussionen über die Rolle der Gewerkschaft in der sich abzeichnenden neuen Weltwirtschaftskrise kann es jedenfalls nicht schaden, McAleveys Buch zu lesen und von ihren Erfahrungen mit dem Wiederaufbau der ArbeiterInnenbewegung der USA zu lernen.

Ein Beitrag von Fabian Lehr, das Buch lässt sich hier bestellen.

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