Journalisten werden in Dortmund bedroht

8. Februar 2015 - 20:18 | | Gesellschaft,Politik | 1 Kommentare

Vor knapp einer Woche erhielten Journalisten und Aktivisten gegen Neonazis aus Dortmund Todesdrohungen. In den Todesanzeigen wurde ein Online-Shop für rechtsextreme Kleidung, Bücher und Musik mit einem eindeutig rechtsextremen Namen empfohlen, den der DIE RECHTE-Funktionär Michael Brück betreibt. diefreiheitsliebe.de sagt: Bleibt standhaft! Lasst euch nicht einschüchtern! Macht weiter!

Dortmund hat ein Neonazi-Problem. Das ist seit Jahren bekannt und eigentlich nichts neues. Ein ganzer Stadtteil ist für Skinheads, autonomen Nationalisten und anderen Neonazis über die Jahre ein wichtiger Ort geworden. Systematisch wird dort versucht, Ausländer, linke Aktivisten und andere Personen, die nicht in das Weltbild der Rechten passen, aus dem Viertel zu bekommen. Mit der Partei „DIE RECHTE“ sitzt seit 2014 eine Partei im Dortmunder Stadtrat, dessen Dortmunder Ableger sich vor allem aus dem seit 2012 verbotenen „Nationalen Widerstand Dortmund“ entwickelte. Als klar war, dass sie einen Sitz im Stadtrat bekommen würden, versuchten sie mit Gewalt die Wahlparty im Rathaus zu stürmen, bekleidet mit T-shirts, die Solidarität mit dem Nationalen Widerstand Dortmund ausdrückten. Nur den Personen auf der Wahlparty und der später eintreffenden Polizei war es zu verdanken, dass sie nicht ins Rathaus kamen. Zuletzt sorgte die Partei bundesweit für Aufsehen, als sie im Dortmunder Stadtrat einen Eintrag einbrachte, in dem gefordert wurde, dass man Auskunft darüber geben solle, wie viele Juden es in Dortmund gebe und wie sie hinsichtlich ihres Wohnorts aufgeteilt wären. Die Neonaziszene in Dortmund hat schon öfters versucht, Journalisten und Andersdenkende einzuschüchtern. Einmal wollten sie Demonstrationen vor den Häusern von Politikern und Journalisten durchführen, ein anderes mal warfen sie Farbbeutel an die Fassade des Hauses eines Journalisten. Auf einer Demo riefen sie antisemitische Parolen, die Symbolfiguren der Shoa wie zum Beispiel Anne Frank verhöhnten. 

 

Die Todesdrohungen kamen in Form von gefälschten Todesanzeigen, worin Dinge standen wie „…nehmen wir fröhlich bald Abschied“ und dann der Name des betreffenden Journalisten. Trotzdem: Einschüchtern lassen sich die Aktivisten, Journalisten und Politiker nicht. Einer der Personen sagte den passenden Satz „bellende Hunde beißen nicht“. Es wurde Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet. Viele Involvierte gehen jedoch von einem Einzeltäter aus, der nicht „geplant“ handelte. Die Neonazis nehmen die regionalen Blogs wohl nun auch mehr war. Blogger von Ruhrbarone.de und Nordstadtblogger.de wurden bedroht. Ruhrbarone.de hat einen eigenen Dortmunder Teil, Nordstadtblogger sogar einen eigenen Teil namens „Rechtsextremismus“.

Wir hoffen, dass auf die Todesdrohungen nichts folgt und dass der oder die Urheber schnell ausfindig gemacht werden. So etwas kann und darf nicht toleriert werden! Wir als Journalisten und Blogger werden selbst immer wieder bei unserer Berichterstattung vor Ort oder im Internet von Rechts bedroht. Doch auch wenn es nicht so wäre: Es ist im Interesse unserer demokratischen und freien Gesellschaft, dass solche Einschüchterungsversuche nicht geduldet und auf das schärfste verfolgt werden. Lasst euch nicht unterkriegen!

 

 

 

Über den Autor

Themenschwerpunkt: Demos (aktuell vor allem Pegida), Gesellschaft, Antisemitismus, Flüchtlinge Ich schreibe für die Freiheitsliebe, da ich auf gesellschaftliche Probleme aufmerksam machen will. Zum Beispiel Antisemitismus. Etwas, was eigentlich seit 70 Jahren nichtmehr existieren sollte, wird wieder salonfähig. Die vielen Anschläge auf Synagogen in Deutschland beweisen das. Außerdem geht mir der Rassismus, der vielen Flüchtlingen entgegenschlägt, ziemlich auf die Nerven. Dort will ich aufklären und zeigen, dass Leute, die Asylsuchende „Sozialschmarotzer“ nennen eindeutig rechte Parolen nachplappern. Daher mag ich so Aktionen, wo Flüchtlingen mit Blumen und dem Satz „Nice to have you here“ begrüßt werden. In ihrem Herkunftsland hatten sie schon genug Leid, das muss nicht in Deutschland weitergehen!

Ein Kommentar

  • 1
    Florian Hohenwarter sagt:

    Passt nicht gerade zur Überschrift, aber ich möchte dieses Video hier trotzdem nochmal reinstellen, da mich es immer noch wundert, warum es so wenig verbreitet ist.

    Der ehemalige Spiegel Journalist Harald Schumann redet Klartext und prangert die Interne Pressefreiheit in Deutschland an.

    Schumann: “… das ist in der deutschen Presse Gang und Gäbe, dass Chefredakteure oder Resortleiter ihren Untergebenen sagen, wie sie zu denken haben. Dass Vorgaben gemacht werden, was sie recherchieren dürfen und was nicht, und dass viele junge Kollegen daran gehindert werden überhaupt kritische Journalisten zu werden weil ihre Vorgesetzten das gar nicht wollen.”

    Interviewer: “Sie nehmen ausdrücklich die ÖR-Anstallten nicht aus, warum?”

    Schumann: “Weil ich genügend Kollegen aus ÖR-Anstallten kenne, die mir genau solche Geschichten berichtet haben und mir das hundertfach bestätigt haben. Insofern, die sind da nicht aus zunehmen.”

    https://www.youtube.com/watch?v=d1ntkEbQraU