Warum wundert ihr euch über acht Superreiche?

16. Januar 2017 - 09:30 | | Wirtschaft | 0 Kommentare

That‘s capitalism, baby – die acht reichsten Menschen der Welt besitzen so viel, wie die ärmeren 3,5 Milliarden zusammen. Laut der neusten Oxfam-Studie sind es Satte 426 Milliarden Dollar. Doch das ist kein Fehler im System, sondern der gewollte Gang der Dinge. In Deutschland besitzen 36 Milliardäre so viel, wie die ärmeren 40 Millionen des Landes.

Oxfam bringt in regelmäßigen Abständen Vermögens- und Reichtumsberichte heraus. „Eine Wirtschaft für die 99 Prozent“, so lautet der Titel der heute erschienenen Studie. Waren es im vergangenen Bericht noch 62 Personen, die so viel besaßen wie die ärmere Hälfte der Welt, sind es nun nur noch acht. Acht Menschen, quasi ein Mehrfamilienhaus, ist so reich wie 3,5 Milliarden Menschen. Man kann es so oft wiederholen wie man möchte, es will einem nicht in den Kopf gehen.

Die Süddeutsche Zeitung bestreitet die Richtigkeit dieser Zahlen. „Würde die Oxfam-Berechnung stimmen, wäre mancher deutsche Rentner ärmer als ein mittelloser Bauer in Burundi“, schreibt Bastian Brinkmann in der Süddeutschen Online. Dieser bemängelt vor allem die Daten Quellen. Für das Vermögen der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung wird dabei eine Analyse der fünf größten Schweizer Bankhäuser genutzt. Für den Reichtum der Superreichen die Forbes Liste. Beides sind Schätzungen.

Nun könnte man zwei Sachen daraus herleiten: Entweder wird das Vermögen der Menschen weltweit kleingerechnet, das wäre möglich, aber eher unwahrscheinlich. Auch wenn die Süddeutsche zurecht bemängelt, dass ein deutsche Rentner mit Kredit für diese Statistik quasi Mittellos ist. Es könnte aber auch sein, dass die SZ hier einfach zur dunklen Seite der Macht gewechselt ist. Denn das Vermögen der Wohlhabendsten Menschen der Welt wird fast immer auch nur geschätzt. Denn wo keine Vermögenssteuer, dort keine exakten Angaben. Wo keine Kontrolle, dort kein Richter.

Und so kommt es, dass sich das Kapital in immer weniger Händen konzentriert und der Kapitalismus seinen Weg weiter geht: Zu mehr Krisen und größerer Kapitalkonzentration. Es ist kein Fehler im System, es ist ein Automatismus. Der, der Geld hat, wird reicher, weil das Geld „für ihn arbeitet“. Es erwirtschaftet Zinsen, wird in Aktien investiert und wirft Dividenden ab.

Egal ob 8, 62 oder 200 Menschen so viel besitzen wie der Großteil der Menschheit – es bleibt inhuman und ungerecht. Denn die Kleinbauern in Afrika, Arbeiterinnen in den Textilfabriken Asiens, den Internet-Sweatshops der Philippinen, Verkäuferinnen und Pfleger leisten mehr, als jeder Milliardär, der nichts tun muss, außer herum zu sitzen. „Die „Megamaschine“ Kapitalismus produziert systematisch Mangel und Überfluss, tödliche Armut und perversen Reichtum gleichermaßen – und das von Beginn an im globalen Maßstab.“ Wer die Ungerechtigkeit überwinden will, muss den Kapitalismus überwinden. Um es mit den Worten von Papst Franziskus zu sagen: „Dieses System ist unerträglich. Das Wirtschaftssystem sollte im Dienst des Menschen stehen. Aber wir haben das Geld in den Mittelpunkt gerückt, das Geld als Gott.“

Photo by eriwst

Über den Autor

Bundessprecher der linksjugend ['solid] und Wortakrobat für die Freiheitsliebe, Balkan21 und andere Medien.
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