Ein Hoch auf den Busfahrer, Busfahrer…

4. August 2016 - 12:48 | | Wirtschaft | 3 Kommentare
Schlechte Arbeitsbedingungen im Reisegeschäft?, Foto: Pixabay

Die Deutsche Post hat ihre Fernbussparte an den Marktführer Flixbus verkauft. Flixbus erhofft sich durch den Zukauf einen jährlichen Gewinnzuwachs von bis zu 20 Millionen Euro. Doch wie steht es um die Rechte der dort Beschäftigten?

Die Meldung über die Übernahme ist nun bereits ein paar Tage alt. Der Branchenprimus baute mit dieser Übernahme seinen Marktanteil auf 80 Prozent aus, eine Monopolstellung. Und überall wo Monopole entstehen, geht es den Arbeiterinnen und Arbeitern zumeist an den Kragen. Auch bleibt offen, wie viele Menschen durch das zusammenlegen der Verwaltung ihren Job verlieren werden.

Das Geschäftsmodell

Flixbus betreibt seine Busse nicht selber. Vielmehr hat es hunderte von Busunternehmen unter Vertrag, die die Strecken für Flixbus befahren. Laut FAZ sind es mittlerweile 200 „mittelständische Busunternehmen.“ Flixbus selbst beschäftigt lediglich 1.000 Mitarbeiter in ihrer Berliner-Zentrale. Seit der Deutsche Fernbusverkehr 2013 geöffnet wurde, hat sich das Unternehmen durch die Zukäufe von Meinfernbus, Megabus und nun die Deutsche Post zum größten Anbieter entwickelt.

Kritik an Arbeitsbedingungen

Dass es Kritik an den Arbeitsbedingungen in der Fernbusbranche gibt ist nicht neu. Das Unternehmen stand 2015 in der öffentlichen Kritik als herauskam, dass Subunternehmer ihre Fahrerinnen und Fahrer bis zu 29 Tage am Stück arbeiten lassen, ohne Ruhetage. So berichtete der NDR vom Fall Matthias Schmidt, der nicht nur einen Bandscheibenvorfall erlitt, sondern sich auch nicht traute einen weiteren Krankenschein zum Zweck einer Reha einzureichen. Im besagten Fall, den der NDR aufdeckte, erreichte den Fahrer durch den Subunternehmer eine Kündigung aus einem scheinheiligen Grund: Er hätte Geld unterschlagen. Doch der NDR und der Busfahrer können das Gegenteil beweisen.

Gegenüber dem Spiegel kritisierte Mira Ball, Leiterin der Fachgruppe Verkehr bei Verdi, die gesamte Busbranche: „Arbeitszeiten werden oft sehr großzügig definiert.“ Busfahrerinnen müssen nicht nur fahren, sondern auch die Kunden bespaßen, Tickets verkaufen und Koffer ein- und ausladen. Für einen durchschnittlichen Lohn von 2.028 Euro Brutto. Wenn man bedenkt, dass die Arbeitszeit der Fahrerinnen und Fahrer häufig deutlich länger als die bloße Lenkzeit ist, gleicht der Lohn einem Witz.

Der Verein Mobifair stellte für 2014 fest, dass bei 27 Beobachteten Fahrten für jede vierte Fahrt Verstöße gegen Lenk- und Ruhezeiten vorlagen. In einer vor kurzem veröffentlichten Pressemitteilung warnt der Verein, dass Polizeikontrollen von Reisebussen und Fernbussen im Linienverkehr erschreckend hohe Zahlen von Verstößen zu tage brachten. „So lange derartige Mängel festgestellt werden, ist Busfahren nicht sicher“, stellt Helmut Diener, Vorstand von mobifair, fest.

Mindestlohn oder knapp darüber

Der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer (bdo) scheint zudem nicht der Ansicht zu sein, dass seine Busfahrerinnen und Busfahrer viel mehr Wert wären als der gesetzliche Mindestlohn. Dies bemängelt zumindest ebenso Mobifair wie Verdi. Allem Anschein nach kommt es zudem recht häufig vor, dass der gesetzliche Mindestlohn, der kaum zum Leben reicht, unterlaufen wird.

Die Branche steht mit ihrem Lohndumping nicht alleine – in vielen Bereichen der Arbeitswelt werden Löhne gedrückt, gekürzt oder bei der Wochenarbeitszeit getrickst. Die Leittragenden sind die Lohnabhängigen. Hier müsste Verdi ansetzen und versuchen so viele Menschen wie möglich zu organisieren. Kein Co-Management sondern kämpferischer Aktivismus wären die Mittel der Wahl, um bessere Arbeitsbedingungen zu erkämpfen. Damit am Ende Menschen, die sich wären, nicht einfach gekündigt und entlassen werden. Damit stets das Ziel verfolgt werden kann, die Rechte und Mitbestimmungen der arbeitenden Menschen auszuweiten.

Über den Autor

Bundessprecher der linksjugend ['solid] und Wortakrobat für die Freiheitsliebe, Balkan21 und andere Medien.
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3 Kommentare

  • 1
    Illoinen says:

    Solange sich die Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen, auf andere verlassen, ist man verlassen. Egal ob Gewerkschaften, oder ähnliche Verbände, die Interessen der Mehrheit haben sich jedenfalls nicht mehr im Blick.

  • 2
    peter kraus says:

    ich bin dreimal mit megabus gefahren. es war so, dass 2 busfahrer die strecke von barcelona bis köln teilten. An den Einstiegsstellen haben sie noch das ganze gepäck ein und ausgeladen. Die Doppeldeckerbusse haben einen Kofferraum, der 1,30 hoch ist. Da ist jeder Koffer in der Hand eine Qual und schadet den Knochen. Zudem musste der Fahrer noch die Fahrkarten kontrollieren. Alle Mitarbeiter waren Franzosen.
    Wenn die gesetzlichen Regelungen konsequent überprüft werden würden, würden die Lizenzen vieler Anbieter Hinfällig. Ich lernte eine Busfahrerin der BLB Berlinlinienbus kennen, einer DB Tochter. Sie verdient 9,38 Euro die Stunde. SIe ist seit 20 Jahren Buslenkerin.
    Schöne Schnäppchen….

  • 3

    […] häufig deutlich länger als die bloße Lenkzeit ist, gleicht der Lohn einem Witz…”  Artikel von Daniel Kerekeš vom 4. August 2016 auf diefreiheitsliebe.de – auf diesen Beitrag hatten wir gewartet, sonst hätten wir selbst dazu schreiben müssen, […]