Der GDL-Streik sollte ein Vorbild sein

6. November 2014 - 14:40 | | Wirtschaft | 3 Kommentare

Deutschland treibt eine neue Sau durchs Dorf, den Vorsitzenden der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), Claus Weselsky. „Der Rechthaber“ (Süddeutsche), „Der Bahnsinnige“ (Bild), „Die GDL pervertiert das Streikrecht“ (Tagesschau) oder „Wer kann diesen Mann noch aufhalten“ (Frankfurter Allgemeine Wirtschaft) heißt es in den bürgerlichen Medien über ihn. Grund für diese Hysterie ist der Streik der GDL, der es tatsächlich wagt, die deutschen Eliten an die Macht von Streiks zu erinnern.

Das Vergehen der GDL ist eines, das vom Grundgesetz gedeckt ist, nämlich das Streikrecht, dies soll zwar durch die aktuelle Regierung beschnitten werden, ist aber noch intakt. Vorgeworfen wird der GDL und vor allem ihrem Chef, der nun Opfer der personalisierten Medienkampagne geworden ist, sie wollen nicht nur höhere Löhne, sondern auch ihre Verhandlungsmacht ausbauen.  Als Grundlage für diese Behauptung muss die Tatsache herhalten, dass die GDL auch für die bei ihr organisierten Rangierführer, Disponenten und anderes Zugpersonal Tarifverträge abschließen will. Die Deutsche Bahn hat daran kein Interesse, weil die GDL höhere Tarifverträge abschließt, als die EVG, Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft, die bisher die Verhandlungen in diesem Bereich führt. Der Abschluss von Tarifverträgen in diesem Bereich hat allerdings weniger mit Egoismus zu tun, als mit dem Wunsch, dass auch diese Beschäftigten höhere Abschlüsse erzielen, ein vollkommen legitimer und nachvollziehbarer Grund.

Es geht um die Berechtigung von Streiks

Bei der aktuellen Auseinandersetzung geht es daher weniger um einen egoistischen Chef oder Machtkämpfe innerhalb der Gewerkschaften, als um die Frage wie kämpferisch Gewerkschaften sein sollen. Wenn der SPD-Fraktionsvorsitzende, Thomas Oppermann, nun behauptet „die GDL nervt das ganze Land“, dann zeigt dies nur wie wenig Interesse die SPD an kämpferischen Gewerkschaften hat. Dabei sollte die Partei eigentlich praktische Solidarität mit den Streikenden aufbauen und deutlich machen, dass wir mehr Streiks brauchen, wenn wir die immer ungerechtere Vermögensverteilung in diesem Land bekämpfen wollen. Der GDL-Streik erinnert an die Macht der ArbeitnehmerInnen. Er wird von den Eliten so scharf bekämpft, damit er bloß kein Vorbild für andere Gewerkschaften wird.  Die DGB-Gewerkschaften sollten sich, wenn sie wirklich Interesse an erfolgreichen Streikaueinandersetzungen haben, anschauen wie die GDL mit dem Druck fertig wird und welche Erfolge kämpferische Streiks haben, denn nur dann kann sich etwas verändern. Die GDL und ihr Streik sind ein Vorbild, die anderen Gewerkschaften sollten ihr Rückenwind geben gegen die mediale Hetze.

Über den Autor

Ich habe 2009 die Freiheitsliebe gegründet aus dem Wunsch, einen Ort zu schaffen, wo es keine Grenzen gibt zwischen Menschen. Einen Ort an dem man sich mitteilen kann, unabhängig von Religion, Herkunft, sexuelle Orientierung und Geschlecht. Freiheit bedeutet immer die Freiheit von Ausbeutung. Als Autor dieser Webseite streite ich für eine Gesellschaft, in der nicht mehr die Mehrheit der Menschen das Umsetzen muss, was nur dem Wohlstand einiger Weniger dient.
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3 Kommentare

  • 1
    Thomas sagt:

    So sehe ich das auch! Weselsky bietet mit seiner Gewerkschaft den Regierenden und Hinternkriechern dieses Landes Paroli!

    Ich wünsche mir, dass die GDL diesen Weg lange durchhalten kann und wird. Ich wünsche mir, dass die, die Herrn Weselsky und „seine“ Streikenden bedrohen zur Rechenschaft gezogen werden. Wir habe ALLE was von diesem Streik, wenn dabei begriffen wird, wie die Regierenden auf Kosten der Arbeitenden dieses Landes Ihr bisschen Lebensberechtigung sichern. Die haben genug Geld in den Taschen. Lokführer, Produktionsarbeiter, Kindergärtnerinnen, Pfleger und Krankenschwestern usw. müssen jeden Tag schwer schindern, um die Kohle für die Kritiker dieses Streiks mit zu verdienen. Wenn die Arbeitgeber alle Arbeitnehmer würdig und gut bezahlen würden und die Arbeitsbedingungen gut wären, bräuchte und würde NIEMAND streiken. Machen die Arbeitgeber im Einvernehmen mit den Regierenden dieses Landes und der EU nicht! Deshalb – STREIK bis zum Abwinken.
    Hoffentlich nehmen sich noch viele andere Gewerkschaften an der GDL ein Vorbild. Danke Gewerkschaftsmitglieder der GDL; Danke Herr Weselsky! Weiter so!

  • 2
    giovanni gruen sagt:

    …nun muss man doch auch mal die buergerliche Seite verstehen. Sie haben soviel Zeit und vorallem Geld investiert um die DGB – Pest zu korrumpieren und jetzt kommt da dieser GDL-Hansel daher und versaut denen das Return on Investment logisch sind die sauer, und lassen vor lauter Wut ihre Maske fallen. Freiheit ist nun mal die Freiheit der Geschaeftemacher und Abzocker, Rechte hat nur der zu beanspruchen der Kapitalbesitzer ist – das ist auch schon die ganze westliche „Demokratie“…

  • 3

    […] welche Macht die ArbeitnehmerInnen haben, wenn sie für ihre Rechte eintreten, dient nicht nur der GDL (Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer) er dient uns allen, denn er richtet sich gegen die […]