Eine Liebeserklärung an die GDL

7. November 2014 - 17:34 | | Wirtschaft | 6 Kommentare
Foto: Die Freiheitsliebe

‚Machtgeil‘ und ‚Selsbstverliebt‘ sind wohl zwei der schönsten Begriffe mit denen von ARD über BILD bis Springer alle gegen die  Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hetzen. Doch warum ist die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft, die größere der beiden EisenbahnerInnen Gewerkschaften so still und wieso schießt eigentlich die SPD ständig gegen die mutigen Streikenden der GDL? Mir egal, ich liebe dich GDL – Ihr bewirkt was mit eurem Streik!

So langsam habe ich das Gefühl, die Republik ist gespalten. Nicht nur Ossis und Wessis, Bayern und der Rest, Fußball- und Bayern München Fans, nein: Sondern solidarische BahnfahrerInnen und unsolidarische BahnfarerInnen, jene die Verständnis dafür haben das Menschen für ihre Grundrechte eintreten und jenen, die von Bild und Co. so lange zu gebombt wurden bis ihr Großhirn die Funktion einstellte und nur noch monoton das vorgebetete wiederholt, dabei ins leere starrend. Ja auch ich bin Bahnfahrer und auch ich muss mit den ausfallenden Zügen kämpfen, aber was soll‘s? Ich unterstütze die Streikenden trotzdem. Schließlich tun sie etwas, was in Deutschland kaum einer noch tut: Das Maul aufmachen und für die eigenen Rechte eintreten, gegen „die da Oben“ und wen sonst noch alles!

„Ist doch nicht mein Problem“

Viele vergessen das unsere heutigen Rechte und ArbeitnehmerInnenstandards, also acht Stundentag, Mittagspause, Krankenversicherung, Arbeitsplatz-, Überstundenschutz etc., in Jahrzehnte lang andauernden Kämpfen gegen die Interessen der Bosse durchgesetzt wurden: Mit Blut, Schweiß und Lebensjahren! Wie kann es da sein, dass man so desinteressiert ist wenn es nicht um den eigenen Arsch geht? Eins ist doch klar: Die ArbeitgeberInnen verstehen sich zumeist untereinander bestens, das bezeugen die gut florierenden Arbeitgeberverbände. Doch warum lassen sich viele Menschen, die eigentlich nicht auf der dunklen Seite der Macht stehen davon mittreißen? Da wäre zunächst natürlich die Übermacht des Fernsehens und weiterer etablierten Medien. Aber auch die gelernte Gleichgültigkeit hilft da. Die anonyme Großstadt lässt Menschen zudem die Solidarität häufig vergessen. Das beginnt bereits bei Kleinigkeiten wie dem Tragen einer Tüte, dem Aufstehen im Bus für eine ältere Dame oder Herren und eben, bis hin zur Ignoranz bei Arbeitskämpfen: Solidarität, ein Fremdwort. Auch das ist von einer Gesellschaft gewollt, in der nur die Harten in den Garten kommen und der Ellbogen einem näher ist als die ausgestreckte Hand. Selbst in Ländern wie Großbritannien wird doppelt so häufig gestreikt wie in Deutschland. In den USA gab es zwischen 2000 und 2007 gar achtmal so viele Streiks. Hierzulande nehmen die Zahlen erst seit 2011 leicht zu: 15 Streiktage pro 1 000 Beschäftige gibt es pro Jahr in Deutschland – da können wir uns von den 123 in Dänemark, 145 in Kanada und 162 in Frankreich noch einiges abgucken. Kein Wunder dass gutlaufende Streiks in Deutschland immer so viel Aufmerksamkeit bekommen.

Abnehmende Streiktage

In den letzten Jahren hat die durchschnittliche Arbeitszeit zugenommen, Leiharbeit, Kurzarbeit, Werksverträge etc. sind zum Standard geworden – Kettenverträge mit Befristung auch nicht ungewöhnlich. Der Reallohn in Deutschland sank im Vergleich zu allen anderen europäischen Ländern. Während wir also mehr arbeiten, weniger verdienen, zu schlechteren Bedingungen, scheffeln die Bonzen von VW, Deutsche Bank & Co. Millionen und Milliarden von Euros. Wenn sich Mal einer verspekuliert, rettet ihn die Europäische Union bzw. die Europäische Zentralbank mit milliardenschweren Rettungspaketen. Schließlich sind das alles Systemrelevante Personen und Konzerne: Doch was sind wir? Nicht Systemrelevant? Natürlich nicht. Wir müssen uns jeden Zentimeter Recht und Freiheit erkämpfen. Auch deshalb muss in Deutschland wieder mehr gestreikt werden.

GDL

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I‘m the Boss: Klar haben Eigentümer was gegen Streiks

Dass private Konzerne ein Problem mit den Rechten von ArbeitnehmerInnen haben ist klar: Sie wollen ArbeiterInnen die die Fresse halten, wenig verdienen und dabei möglichst produktiv sind. Es ist nicht verwunderlich das Arbeitgeberverbände und von ihnen dominierte Organisationen in dasselbe Horn blasen. Wie ihre hauseigenen Zeitungen – Das dürfen wir dabei ja schließlich nicht vergessen: Auch Zeitungen gehören in der Regel einer Person. Auch diese verfolgen ihre eigenen Interessen und Journalisten werden zumeist nicht an ihrem eigenen Stuhl sägen. Die Streikzeitung zur Unterstützung des GDL-Streiks ist da ziemlich Präzise, was die Streikgeschichte der BRD angeht: „Die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland ist auch eine Geschichte der Infragestellung des Streikrechts. 1953 wurden „politische Streiks“ von mehreren Landesarbeitsgerichten für „rechtswidrig“ erklärt. 1955 legte das Bundesarbeitsgericht fest, dass Streiks nur als „ultima ratio“, als letztes Mittel, eingesetzt werde dürften, und dass Streiks „sozial adäquat“, also „angemessen“, sein müssten. Schließlich wurde das Streikrecht 1968 durch eine erste Große Koalition eingeschränkt, als diese Grundgesetz- Änderungen für den „Notstand“ durchsetzte.“

Und was is‘ nu mit DGB und SPD?

Max Uthoff, Kabarettist der „Anstalt“ im Zweiten, betitelte die SPD treffend: „Die Sammelbewegung zur Proletarier Demütigung“ – Sie setzt sich, konträr zu ihrem Image und ihren guten Verbindungen zu den Gewerkschaften dafür ein, dass „kleine Gewerkschaften“ nicht mehr richtig streiken dürfen. Doch das alles hat Kalkühl – Hier geht es der SPD einzig und allein um ihre Vormachtstellung in der Sozialpartnerschaft mit den großen Konzernen. Die „Genossen der Bosse“ sind fest verankert im DGB, der Dachorganisation der Einzelgewerkschaften. Dort sind, mehr oder weniger, die größten Gewerkschaften Deutschlands versammelt. Und hier kommt das, was die SPD nicht mittragen will: Die GDL ist kein Mitglied im DGB, die EVG (Eisenbahnergewerkschaft) schon – Was bedeutet das konkret? Konkret heißt dies, dass es der SPD darum geht, der EVG den Rücken zu stärken, um so die eigene Position innerhalb der Gewerkschaften zu halten und zu verbessern. Der SPD geht es somit weder um ArbeitnehmerInnenrechte noch um Streiks, sondern um ihre Gewerkschaftsinteressen. Der DGB spielt hierbei mit. Ist ja auch kein Wunder, sind DGB Sekretäre häufig SPD Mitglieder oder ihr nahestehend. Bei dieser! Machtgeilheit könnte man doch glatt im Dreieck springen – Aber Menschen die für ihr Recht eintreten, sind Machthungrig? Ich höre da nur die Wirtschaft sprechen.

We love you GDL

Der Streik ist Gerechtfertigt. Ende, Aus, Basta – Wer nach 20 Jahren Arbeit nur 1.700 Euro im Monat bei bis zu 50 bis 60 Wochenarbeitsstunden verdient, der soll streiken. Streiken bis die Bahngleise glühen, die Bahn endlich einknickt und endlich erklärt ‚Ja, ihr habt Recht‘. Und an die anderen Gewerkschaften: Nehmt euch an Beispiel am Kampfwillen der GDL!

Über den Autor

Bundessprecher der linksjugend ['solid] und Wortakrobat für die Freiheitsliebe, Balkan21 und andere Medien.
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6 Kommentare

  • 1
    Ottmar sagt:

    Die ungeheure Hetze der gleichgeschalteten Medienhuren auf die Lokführer ist ein Skandal ohnegleichen.
    Das sich dabei insbesondere die Bild-Zeitung hervor tut, wundert eigentlich nicht. Von der selbsternannten „Zeitung des kleinen Mannes“ erwarte ich auch nichts anderes. Das sie jetzt aber, hetzerisch sogar die Telefonnummer des GdL Gewerkschaftschefs und dessen Wohnadresse veröffentlicht hat, geht aber zu weit. Der Focus hat übrigens auch die Wohnadresse und das Haus abgebildet und gedruckt.
    Ich empfehleGewerkschaftschef Weselsky, die Telefonnummer des Chefredakteur der Bild-Zeitung Kai Diekmann einfach in der nächsten Gewerkschafts- Publikation zu veröffentlichen..

    Die ausgesprochen negative und einseitige Propaganda,ja Volksverdummung der sog. „Qualitätsmedien“, bei der sogar die staatlichen Parteiorgane ARD und ZDF mitmachen, beeinflusst die Meinung der Unwissenden Deutschen natürlich und ist auch so von den Neoliberalen Kräften und auch von der Politik geplant.

    Siehe z.B. gerade auch das neu geplante „Streikgesetz“, welches den kleinen Gewerkschaften praktisch das Streikrecht weg nimmt, aus der Hand der SPD kommend..!

  • 2
    ribi sagt:

    daniel: als linker dauer-unzufriedener scheinst du eins nicht zu sehen, der beamtenbund ist nicht menschenfreundlich, liebt nur seine mitglieder, will die lokfüher wieder zu beamten machen. arbeitsvermittler, lokfüher, postboten werden nicht mehr verbeamtet, freiheit muss halt auch mal sein!höhere löhne für die lokfüher gerne, aber keine vertretung des anderen personals, weil sonst bitte umbenennen!

  • 3

    […] Veränderung des Streikrechts und verweist dabei auch darauf, dass kleine Gewerkschaften wie die GDL in ihrer Ausübung eingeschränkt werden, während die DGB-Gewerkschaften angeblich davon profitieren würden. Die zweitgrößte […]

  • 4
    Werner sagt:

    Man sollte die Schweiz raus lassen. Da bezahlst Du für eine Schokolade das Dreifache

    • 4.1
      Alexander sagt:

      Dann sollte man Griechenland einbinden. Da verdiente ein Lokführer 3600€ netto. Und eine Schokolade kostet 0,39€.