Wir kämpfen alle für ein gutes Leben für wirklich ausnahmslos jeden Menschen – Ein Gespräch

21. April 2016 - 12:04 | | Politik | 0 Kommentare

Am 3. Mai findet in Essen eine Demonstration für Flüchtlinge und eine solidarische Gesellschaft statt. Das Bündnis ruft Studierende und Schüler dazu auf an dem Tag zur Demonstration zu kommen und dafür auch zu streiken. Wir haben mit Nadine, Landessprecherin der Linksjugend NRW, und Laura, Fachschaftsrat Sozialwissenschaften der Uni DuE, über ihre Unterstützung der Demo, die Ziele und die Motive für einen Streik gesprochen.

Die Freiheitsliebe: Vor wenigen Wochen wurde in Essen das „Bündnis für ein gutes Leben für alle – Refugees Welcome“ gegründet, warum?

Nadine: Der Rechtsruck in Deutschland (und Europa) ist erheblich, Rassist*innen wird regelrecht eine Bühne geboten, um ihre menschenverachtenden Ansichten kundzutun, die Stimmung innerhalb der Bevölkerung aufzuheizen und verschiedene gesellschaftliche Gruppen gegeneinander auszuspielen – wenn es einen Gegenprotest gibt, scheint dieser meist nur minimal oder wird im Keim erstickt. Rassistische Äußerungen sind wieder salonfähig geworden und werden von den meisten Menschen toleriert. Das Bündnis aus den verschiedensten Jungendorganisation hat sich gegründet, um einer gesellschaftlichen Spaltung entgegenzuwirken und zu zeigen, dass sie die Jugend sehr wohl für Politik interessiert. Wir lehnen eine Unterscheidung nach Herkunft, Religion, Geschlecht, sexuelle Orientierung, Hautfarbe und anderen Merkmalen entschieden ab! Wir kämpfen alle für ein gutes Leben für wirklich ausnahmslos jeden Menschen!

Die Freiheitsliebe: Was ist das Ziel des Bündnisses?

Laura: Mit dem Bündnis wollen wir in erster Linie ein gemeinsames Zeichen gegen Rassismus setzen. Darüber hinaus wollen wir aufzeigen, dass wir in der herrschenden Flüchtlingspolitik keine Lösung für die so titulierte „Flüchtlingskrise“ sehen. Die Problemlösung muss an den Wurzeln erfolgen und entsprechend fordern wir u.a. einen Stopp der Waffenexporte, die die Ursachen von Flucht lediglich forcieren. Weiterhin kann nicht von Lösungen gesprochen werden, sofern diese auf eine Verlagerung der „Krise“ an Europas Außengrenzen abzielen. Zudem widerspricht die herrschende Politik den Grund- und Menschenrechten. Die Einteilung in ‚gute‘ und ‚schlechte‘ oder ‚richtige‘ und ‚falsche‘ Flüchtlinge muss beendet werden. Mit Unbehagen sehen wir außerdem, dass die Politik darauf abzielt, verschiedene sozial benachteiligte Gruppen in der Gesellschaft gegeneinander auszuspielen und fordern entsprechende Korrekturen für ein wirklich gutes Leben und zwar für ausnahmslos alle.

Die Freiheitsliebe: Streiken Schülerinnen und Schüler wirklich für die Rechte von Geflüchteten oder nur für bessere Bildung oder hofft ihr beides zu verbinden?

Nadine: Dass wir beides miteinander verbinden können steht wohl außer Frage. Die Schüler*innen sind sich größtenteils über die Situation von Geflüchteten in Deutschland im Klaren und wissen, dass die Strapazen nach der Flucht nicht beendet sind und hier in Deutschland vielmehr ein erneuter Kampf für ein menschenwürdiges Leben beginnt. Dass die Schüler*innen für bessere Bildung UND für die Rechte von Geflüchteten streiken ist nur konsequent, da die herrschende Politik beiden Gruppen kein Gehör schenkt und nicht für voll nimmt. Die finanziellen Ressourcen(, die momentan anderweitig regelrecht verschwendet werden) und personellen Möglichkeiten beiden Personengruppen eine adäquate Bildung in Gebäuden zu ermöglichen, die nicht marode sind, und insbesondere Geflüchteten ein Leben in würdigen Umständen zu garantieren, sind vorhanden – wir müssen uns sie nur holen.

Die Freiheitsliebe: Werden Geflüchtete Teil der Demo sein?

Laura: Ja. Integration ist kein einseitiger Prozess und daher kann dieser nicht gelingen, wenn nur über Geflüchtete gesprochen wird. Vielmehr muss mit ihnen gesprochen und Strukturen entwickelt werden, um sie in solche Prozesse mit einzubinden. Demnach hoffen wir auf eine große Teilnahme auch von Geflüchteten und hoffen darüber hinaus, sie zu ermutigen, ihre Forderungen und Wünsche offen zu formulieren und artikulieren.

Die Freiheitsliebe: Was ist nach der Demonstration geplant?

Nadine: Selbstverständlich wollen wir es nicht nur bei einer Demonstration belassen. Momentan ist das Bündnis in der Planung für eine Nachfolgeveranstaltung, um allen Interessierten ein theoretisches und praktisches Wissen mitzugeben. Unteranderem soll Geflüchteten der Raum geboten werden, um von ihren Strapazen auf der Flucht nach Europa zu berichten und die Jugendlichen somit für dieses Thema zu sensibilisieren. Aber auch die vielseitigen Ursachen für eine Flucht sollen in einem Workshop näher beleuchtet werden.
Zudem soll es praktische Workshops zum richtigen Verhalten auf Demonstrationen geben und zusätzlich einen kreativen, künstlerischen Part.

Die Freiheitsliebe: Laura, du vertrittst die Fachschaft Sozialwissenschaften im Bündnis, welche Motivation gibt es für Studierende sich am Bündnis zu beteiligen, wie passt das zu den Zielen eurer Fachschaft?

Laura: Der Fachschaftsrat Sozialwissenschaften versucht so unpolitisch wie möglich zu sein. Dennoch beziehen wir in einigen Punkten offen und konkret Stellung. Rassismus, Antisemitismus, Islamophobie, Sexismus, Homophobie, Transphobie und jegliche Form von Diskriminierung lehnen wir entschieden ab.
So rufen wir die Studierendenschaft wöchentlich dazu auf, sich an Gegenprotesten zu den PEGIDA-Aufmärschen am Duisburger Hauptbahnhof zu beteiligen. Wir wollen deutlich machen, dass fremdenfeindliche Hetze in den Städten unserer Universität und auch andernorts keinen Platz hat. Die Beteiligung von Studierenden an dem Bündnis bietet jedoch die Möglichkeit, sich auch außerhalb der Gegenproteste aktiv und offen gegen Rassismus zu positionieren und nicht nur als Reaktion. Darüber hinaus bietet sich die Möglichkeit eines Austauschs mit verschiedenen (Jungend-)Organisationen, um gemeinsam Stellung zu aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen und herrschender Politik zu beziehen.

Die Freiheitsliebe: Danke euch für das Gespräch

Über den Autor

Ich habe 2009 die Freiheitsliebe gegründet aus dem Wunsch, einen Ort zu schaffen, wo es keine Grenzen gibt zwischen Menschen. Einen Ort an dem man sich mitteilen kann, unabhängig von Religion, Herkunft, sexuelle Orientierung und Geschlecht. Freiheit bedeutet immer die Freiheit von Ausbeutung. Als Autor dieser Webseite streite ich für eine Gesellschaft, in der nicht mehr die Mehrheit der Menschen das Umsetzen muss, was nur dem Wohlstand einiger Weniger dient.
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