Polizeieinsatz in Hamburg: Wenn der G20 Gipfel in Russland wäre…

6. Juli 2017 - 13:57 | | Politik | 5 Kommentare
Polizisten rüsten auf

Der Balken im eigenen Auge: Angenommen, der G20 Gipfel fände nicht in Hamburg, sondern im russischen St. Petersburg statt.

Stellen wir uns nun vor, die russische Polizei würde einen riesigen Bereich der Innenstadt für alle Versammlungen sperren. Sie würde mit Wasserwerfern gegen Menschen vorgehen, die abends Bier auf der Straße trinken. Sie würde ein Protestcamp bei Nacht und Nebel räumen, obwohl sogar ein russisches Gericht es vorher erlaubt hatte. Journalisten, die vor Ort berichten wollen, würden attackiert von Polizisten. Die Polizeiführung würde Anwälte der Demonstranten öffentlich als Gefahr für die Sicherheit darstellen. Der russische Innenminister würde zero tolerance ankündigen. Ein Kriegsschiff der russischen Marine würde vor Anker gehen. Man würde eine Hexenjagd machen und laufend öffentlich vor den Gefahren durch linke Kräfte, Umweltaktivisten, Autonomen, Gewerkschaftlern usw. warnen.

Frage: Was würde wohl hier los sein? Die Medien würden vom autokratischen Putin berichten, der Demonstrationen gegen den G20 Gipfel verunmöglicht. Sie würden die Menschenrechtsverletzungen durch die russische Polizei detailliert darstellen. Aber natürlich: In Deutschland kann nicht sein, was nicht sein darf. Und daher wird nur sehr zaghaft über die massiven Eingriffe in die Versammlungs- und Pressefreiheit sowie die Attacken gegen rechtsstaatliche Grundsätze berichtet. Das ist der eigentliche Skandal: Der Balken im eigenen Auge.

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Bundestagsabeordneter der Linken.

5 Kommentare

  • 1
    Walter Otto-Holthey says:

    Mir aus dem Herzen gesprochen. Aber man kann sich auch mal vorstellen: Die Innenminister der Länder kündigen eine zentrale Übung mit 20.000 Polizisten aus den Bundesländern an, um für evtl. eintretende soziale Unruhen (oder erwartete) zu trainieren. Das gäbe wahrscheinlich eine öffentliche Diskussion. Also benutzt man die selbstgeschaffene Gelegenheit (warum Hamburg?), um dafür zu trainieren. Ansonsten ist es ja nicht das erste Mal (s. z. B. Frankfurt EZB Demo), dass alle rechtsstaatlichen Kriterien außer Kraft gesetzt und Gerichtsurteile ignoriert werden.

  • 2
    waterboardet says:

    „… der Balke im Augen“, stimmt, das ist das Grundproblem.
    Als die GG-garantierte Versammlungsfreiheit der AfD in Köln gefährdet wurde durch aSPD/Grün/Linke/ Antifa u.a., wo war da der Aufschrei der demokratischen Presse ?
    Ach so, da war das auch mit dem Balken – na dann !

  • 3
    Thomas says:

    Noch etwas: In Venezuela gelten Vermummte und Mollie-Werfer gemäß unseren Nachrichten als „Freiheitskämpfer“. Und: Wie war das noch mal auf dem Maidan?

  • 4
    Merkelchen says:

    Krass, Deutschland ist so voll von kleinen Klemmnazis, selbst hier in den Kommentaren ist einer.

  • 5
    Mr. Youseeks says:

    Hört doch bitte auf mit diesem „was-wäre-wenn-Scheiß“!
    Auch in Russland wären die Gewaltexzesse gewaltsam niedergeschlagen worden – vermutlich sogar effizienter als in Hamburg.
    Das Gewaltmonopol liegt nunmal beim Staate – und NICHT bei euren linken gewaltgeilen Genossen!