Pakistan – Die Realität des Klimachaos

Kapitalismus bedeutet Tatenlosigkeit beim Klimaschutz. Die Konsequenzen daraus lassen sich in Pakistan beobachten. Die Flutkatastrophe in Pakistan überzog ein Drittel des Landes und kostete mehr als tausend Menschenleben. Es ist eine angsteinflößende Voraussicht auf die Auswirkungen des Klimawandels im globalen Süden.

Hohe Temperaturen brachten die Gletscher im Nordosten des Landes zum schmelzen und brachten die Flüsse bereits an den Rande der Überschwemmungen. Nach den folgenden acht Wochen Monsunregen in historischem Ausmaß, traf die Flutkatastrophe dann große Teile des Landes von Khyber Pakhtunkhwa, im Norden an der Grenze zu Afghanistan und Kashmir, bis nach Sindh und Balochistan am Arabischen Meer im Südwesten.

33 Millionen Menschen sind bereits jetzt von der Flut betroffen, mehr als 1000 Menschen wurden in den Tod gerissen. Millionenfach verloren die Ärmsten der Welt ihr zu Hause, während nicht einmal modernste Gebäude den Wassermassen gewachsen waren. Viele suchen derzeit in provisorischen Lagern auf höhergelegenem Gelände Schutz, andere haben weniger Glück und leben immer noch zwischen den überfluteten Ruinen.

In hüfthohem, schmutzigem Wasser versuchen die Pakistanis nun zu überleben und versuchen verzweifelt die Bambusbalken zu bergen, welche einst in ihren Häusern verbaut waren. Sie hoffen, dass sie ihre Häuser nach der Flut wiederaufbauen können, doch erst wenn die Flut vorbei ist, wird man die wahren Ausmaße der Zerstörung zu Gesicht bekommen.

Tod und Zerstörung

Die Ernten in vielen Teilen des Landes sind zerstört und mehr als 710.000 Nutztiere sind verloren. Überlebende sind durch weggeschwemmte Straßen und Wege abgeschnitten. Unter denen, die von der Flut am härtesten getroffen wurden, macht sich das Gefühl breit alleingelassen zu werden.

In Manoor Valley, in den Bergen von Kaghan, wurde die einzige Betonbrücke, die umliegende Dörfer mit der lokalen Stadt verbindet, von einer Sturzflut weggeschwemmt. Eine Frau, die am Flussufer saß, verriet dem Nachrichtensender BBC, dass sie ihr Haus sehen könne, es aber so nicht mehr erreichen kann. „Mein Haus und meine Kinder sind auf der anderen Seite des Flusses,“ sagte sie.

„Ich warte hier seit zwei Tagen und hoffe, dass die Regierung die Brücke reparieren lässt, aber stattdessen sagen sie uns, dass wir um den Berg herumlaufen sollen, um nach Hause zu kommen. Das sind acht bis zehn Stunden Fußweg. Ich bin eine alte Frau. Wie soll ich so weit laufen?“

Die Flutkatastrophe von 2010 sollte ein „einmaliges“ Ereignis gewesen sein. Nur zwölf Jahre später, ist es jedoch schon wieder geschehen. Klimaforscher warnen, dass diese Ereignisse in der Ära der Erderwärmung, der schmelzenden Gletscher und der unvorhersehbaren Monsunregen ein Teil der „neuen Normalität“ wären und man sie nun vermehrt erwarten solle.

Sherry Rehman, eine pakistanische Senatorin und die angesehenste Klimapolitikerin des Landes, stimmt den Klimaforschern zu. Sie sagt: „Wir sind an der vordersten Front der extremen Wetterereignisse: unerbittliche Hitzewellen, Waldbrände, Sturzfluten, zahlreiche Gletscherseeausbrüche, Flutkatastrophen und Monstermonsune werden nicht aufhören diesem Land verheerenden Schaden anzurichten.“

Pakistan ist der Beweis dafür, dass die Menschen, die am wenigsten zum Klimawandel, der durch fossile Energien vorangetrieben wird, beigetragen haben, nun am meisten mit dessen Auswirkungen zu kämpfen haben. Die Armen, die ohnehin schon nicht viel mehr als ein bisschen Vieh, Saatgut, Getreide und grundlegende Haushaltsartikel besitzen, werden so auch noch aus ihren Häusern und von ihrem Land vertrieben.

Sie zahlen den Preis für gezielte Sabotageakte an jeder kleinsten Reduktion von fossilen Energieträgern durch Politik- und Konzerngrößen weltweit. Westliche Politikerinnen und Politiker werden in den nächsten Tagen wieder ihr Bedauern für die pakistanische Bevölkerung ausdrücken. Sie werden Gelder und Unterstützung als Zeichen der Solidarität versprechen. Worauf es aber wirklich ankommt sind radikale und sofortige Maßnahmen gegen den Klimawandel – die Art von Maßnahmen, zu dessen Umsetzung die herrschende Klasse vollkommen unfähig ist.

Der Beitrag von Yuri Prasad (erschienen bei Socialist Worker am 29. August 2022), übersetzt von Nils Feldhaus

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