Klimawandel: Dürre, Hitzewelle und Revolution

Globale Erwärmung, extreme Dürre in Europa, Hitzewellen, Verbindungen und Kettenreaktionen zwischen all diesen Krisenfaktoren, die Gefahr einer plötzlichen Veränderung der Meeresströmungen mit unabsehbaren Folgen … Dieser Artikel behandelt drei Punkte: die Erklärung dieser unbestreitbaren Tatsachen, die mögliche weitere Entwicklung und die erforderlichen Gegenmassnahmen.

Es ist überflüssig, in diesem Artikel Fakten und Zahlen aufzuführen, die die extreme Dürre auf dem europäischen Kontinent zeigen. Sogar wer den Nachrichten nur wenig folgt, hat die erschreckenden Bilder des ausgetrockneten Po, der auf ein Rinnsal reduzierten Loire, der an der Quelle und auf acht Kilometern ausgetrockneten Themse und des Rheins gesehen, dessen Wasserstand so niedrig ist, dass die Schifffahrt unmöglich wird. Diese beispiellose Situation ist das Ergebnis eines schweren Niederschlagsdefizits, das sich seit dem Ende des Winters nach mehreren aufeinanderfolgenden Jahren der Dürre akkumuliert hat. Wasser ist knapp geworden und in einigen Regionen sehr knapp.

Genauso wenig ist es nötig, Daten über die Hitzewelle anzuführen. Zu sagen, dass die Temperaturen „über dem langjährigen Mittel liegen“, wie es im Fernsehen heißt, ist eine starke Untertreibung: sie liegen weit darüber. Die 40 °C-Marke wurde in vielen Regionen mehrfach überschritten – auch in Gebieten mit gemäßigtem Meeresklima wie Großbritannien. Die Hitzewelle verschärft natürlich die Dürre. Die derzeitige Kombination der beiden Phänomene ist in ihrer geografischen Größe, Intensität und Dauer außergewöhnlich.

Drei Punkte sollen kurz angesprochen werden: die Erklärungen und Ursachen, die mögliche Entwicklung und die erforderlichen Gegenmaßnahmen.

Erklärungen und Kausalitäten

Beginnen wir mit den Erklärungen. Wir werden uns sinnvoll auf diesen guten populärwissenschaftlichen Artikel der Website „RTBF-Info“ beziehen. Er erklärt einfach und mit Grafiken, wie die Aufspaltung des polaren Jetstreams in zwei Äste einen Antizyklon (ein Hochdruckgebiet) in einer geografischen Region umschließt, so dass eine warme Luftmasse dauerhaft blockiert bleibt.

Die Beschreibung des Doppel-Jets mit Verschiebung des Azorenhochs nach Norden ist Gegenstand von Debatten unter Wissenschaftlern. Wie der Autor dieses Artikels sagt: für einige „ist es der Antizyklon, der den Doppel-Jet verursacht“, für andere ist es „die Verdopplung, die die Verschiebung des Antizyklons fördert“. Eines ist sicher: „Die Verdopplung ist wirklich eine Realität, die das Ausmaß von trockenen und heißen Perioden in unseren Breiten erhöht.“

Eine weitere Gewissheit: Es besteht kaum ein Zweifel daran, dass die globale Erwärmung die zugrunde liegende Ursache für den doppelten Jetstream ist. Denn seine Stabilität wird durch die Temperaturdifferenz zwischen Pol und Äquator bedingt. Da die Erwärmung in der Arktis stärker ist als der globale Durchschnitt, schwächt sich die Differenz ab und der Jetstream wird unregelmäßiger, langsamer, launischer, was zu seiner Verdoppelung führen kann.

Hitzewellen und Dürre sind daher ganz klar auf den Klimawandel zurückzuführen, vor dem der Weltklimarat (IPCC) seit dreißig Jahren warnt. Laut dem jüngsten IPCC-Bericht (AG1) „ist es praktisch sicher, dass die Häufigkeit und Intensität von Hitzewellen seit 1950 (auf globaler Ebene) zugenommen hat und in Zukunft weiter zunehmen wird, selbst wenn die globale Erwärmung bei 1,5 °C stabilisiert wird“. In dem Bericht heißt es, dass „die Kombination von Hitzewellen und Dürre wahrscheinlich zugenommen hat“ und dass „sich dieser Trend fortsetzen wird“. In Bezug auf Europa prognostiziert der Bericht (mit hohem Vertrauen) eine Zunahme der Starkregen-Überschwemmungen im Nordosten des Kontinents und eine Zunahme der Dürren im Mittelmeerraum mit einer Verringerung der Sommerniederschläge im Südosten.

Keine Überraschungen: Die beobachtete Realität stimmt mit den wissenschaftlichen Projektionen überein. Abgesehen davon, und das ist keine Kleinigkeit, geht sie weit darüber hinaus. Sehr weit.

In Wirklichkeit geht alles viel schneller, als mathematische Modelle vorhergesagt haben. Die von der Presse interviewten Klimaforscher verbergen nicht ihre Überraschung angesichts der Temperaturen, die plötzlich 4 oder 5 °C über die saisonalen Durchschnittswerte springen. Solche Extreme wurden eher gegen 2030 oder später erwartet – für den Fall, dass die Regierungen (fast) nichts getan hätten.

Diese Feststellung muss man im Hinterkopf haben, um den zweiten Punkt anzugehen: die mögliche Entwicklung.

Was die Zukunft an Risiken für uns bereithält

Wie andere auch habe ich oft auf eine relativ neue wissenschaftliche Publikation aufmerksam gemacht, die viel Aufsehen erregt hat. Unterzeichnet von führenden Persönlichkeiten des Fachgebiets, befasst sie sich mit den positiven Rückwirkungen der Erwärmung (d. h. den erwärmungsfördernden Auswirkungen der Erwärmung). Ihre Originalität besteht darin, zu untersuchen, wie sich positive Rückkopplungen in einer Art Lawineneffekt oder Kettenreaktion gegenseitig antreiben könnten.

Das folgende Zitat macht es deutlich: „Eine Kaskade von Rückkopplungen könnte das Erdsystem zu einer planetaren Schwelle treiben, deren Überschreiten die Stabilisierung des Klimas bei mittleren Temperaturanstiegen verhindern und eine kontinuierliche Erwärmung in Richtung eines ‘Treibhaus Erde’ verursachen könnte, selbst wenn die menschlichen Emissionen reduziert werden.“

Den Autor:innen des Artikels zufolge könnte der Prozess bei einer relativ niedrigen Erwärmung zwischen +1 °C und +3 °C beginnen.

Eine der wahrscheinlichsten Rückkopplungen, die den Prozess auslösen, ist die Destabilisierung des grönländischen Eisschildes. Diese Kappe ist ein besonders empfindlicher Punkt. Experten gehen davon aus, dass der Kipp-Punkt ihrer Auflösung irgendwo zwischen +1° (+1,5 °C nach IPCC) und +3 °C durchschnittlicher Erwärmung liegt. Wir wären also bereits in der Gefahrenzone oder nähern uns ihr schnell an (bei unveränderter Politik werden die +1,5 °C nach Angaben des IPCC vor 2040 überschritten).

Was wären die Folgen beim Überschreiten dieses Kipp-Punkts? Einerseits würde der Zustrom von Wasser in den Ozean den Anstieg des Meeresspiegels beschleunigen. Der Prozess würde lange dauern, bis er an sein Ende kommt, ein neues Gleichgewicht, aber er wäre unumkehrbar. Auf der anderen Seite könnte dieser Zustrom zu einem abrupten, plötzlichen Zusammenbruch der Ozeanzirkulation namens AMOC (Atlantic Middle Ocean Circulation) führen, die das Klima der Regionen am Atlantik beeinflusst. Und dann wären die Folgen sofort spürbar.

Hier ist es, was der jüngste Bericht der IPCC-Arbeitsgruppe 1 über das Risiko des Zusammenbruchs der AMOC sagt: „Die Abnahme der AMOC wird nicht zu einem abrupten Zusammenbruch vor 2100 (mittleres Vertrauen) führen. Ein solcher Zusammenbruch könnte aber möglicherweise (might) durch einen unerwarteten Zustrom (von Wassermassen) aus der grönländischen Eiskappe verursacht werden. Im Falle eines Zusammenbruchs würde dieser höchstwahrscheinlich zu abrupten Umwälzungen des regionalen Klimas und des Wasserkreislaufs führen: eine Verschiebung des tropischen Regengürtels nach Süden, eine Schwächung der Monsune in Afrika und Asien, eine Verstärkung der Monsune in der südlichen Hemisphäre und eine Austrocknung in Europa“ (AG1, Technical summary, S. 73, eigene Hervorhebung).

Alles steckt offensichtlich in diesem „aber“, das die Möglichkeit eines „abrupten Kippen“ eröffnet. Fest steht: Die Folgen dieses Kippens wären für Ökosysteme und Populationen äußerst gravierend. Vor allem für die verarmten Massen in Asien und Afrika. Hunderte Millionen Menschen würden vor einer dramatischen Situation stehen.

Wie wir gelesen haben, wird Europa nicht verschont bleiben. Besonders gefährdet ist die Iberische Halbinsel. Die Wüstenbildung schreitet dort seit Jahren voran. Sie würde eine qualitative Schwelle überschreiten, die nach menschlichen Maßstäben irreversibel ist.

Was ist der mögliche Zusammenhang mit der aktuellen Dürre und Hitzewelle, wenn man bedenkt, dass Grönland nicht vom doppelten Jetstream umflossen wird, der diese erklärt? Die Verbindung besteht darin, dass die Erwärmung in der Arktis aus einer Reihe von Gründen doppelt so groß ist wie die im globalen Mittel. Laut IPCC ist es „praktisch sicher“, dass die grönländische Kappe seit 1990 an Masse verliert: Experten schätzen, dass zwischen 1992 und 2020 4890 (± 460) Gigatonnen (Milliarden Tonnen) Eis geschmolzen sind, was zu einem Anstieg des Meeresspiegels um 13,5 mm führte.

Der IPCC unterstreicht (wieder einmal!) einen wichtigen Punkt: diese Projektionen basieren ausschließlich auf Schätzungen der Eisschmelze: sie schließen keine dynamischen Prozesse ein, die den Massenverlust beschleunigen würden (die Ablösung riesiger Bruchstücke der Kappe, die in den Ozean gleiten), weil ihre „Quantifizierung sehr unsicher ist“, schreibt der IPCC.

Angesichts dessen, was sich anderswo auf der Welt abspielt, ist es nicht unvernünftig zu befürchten, dass sich die Entwicklung auch in Grönland schneller vollzieht, als von den Modellen projiziert. Das ist eine Untertreibung! In der Tat gibt es eine Reihe von Hinweisen, die eindeutig in diese Richtung weisen.

So lag Ende Juli 2022 die Temperatur in Grönland weit über den langjährigen Durchschnittswerten. Die Eisschmelze war im gleichen Zeitraum doppelt so hoch wie in den anderen Jahren. Innerhalb von drei Tagen wurden schätzungsweise 18 Milliarden Tonnen Eis in Wasser umgewandelt. Wissenschaftler haben berechnet, dass diese Menge an freigesetztem Wasser das Gebiet von West Virginia (62 259 km²) mit einer Wasserschicht von etwa dreißig Zentimetern bedecken würde. Diese Beschleunigung der Schmelzprozesse ist beispiellos.

Man muss dies nicht weiter vertiefen: die Zukunft des Klimas ist bedrohlicher denn je. Die Lichter leuchten rot und blinken eindringlich; die Ärmsten und die Schwächsten laufen Gefahr, das voll abzubekommen.

Was tun? (bekanntes Muster)

Kommen wir nun zu den erforderlichen Gegenmaßnahmen. Die Katastrophe entwickelt sich und der IPCC sagt uns, dass sie weiter voranschreiten wird, „auch wenn die Erwärmung auf 1,5 °C begrenzt wird“. Übrigens ist die gegenwärtige Katastrophe das Produkt einer Erwärmung von „nur“ 1,2 °C im Vergleich zum vorindustriellen Niveau. Es ist nicht schwer, sich die weitere Entwicklung vorzustellen…

Angesichts der Situation kann man sich natürlich nicht damit begnügen, radikale Maßnahmen zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen zu fordern: diese Maßnahmen sind unabdingbar – mehr denn je! – aber sie müssen mit einer unmittelbaren und sehr konkreten Politik zur Anpassung an die beobachtete und vorhersehbare Erwärmung einhergehen.

Was ist angesichts der immer häufigeren und intensiveren Kombination von Dürre und Hitzewelle zu tun, um Menschen, Pflanzen und Tiere zu schützen? Eine kurz-, mittel- und langfristige Vision ist notwendig. Sie muss darauf abzielen, einen öffentlichen Anpassungsplan zu entwerfen, der sowohl verbindlich (um wirksam zu sein) als auch flexibel (um an das Unvorhergesehene anpassbar zu sein) ist.

Dieser Plan muss vorrangig Aspekte in den Bereichen Wasserbewirtschaftung, Prävention der gesundheitlichen Auswirkungen extremer Hitze (für gebrechliche Menschen und in städtischen Regionen, die mit dem Phänomen der „Wärmeinseln“ konfrontiert sind), Land- und Forstwirtschaft, Raumplanung, Infrastruktur und Energie umfassen.

Der jüngste Bericht der zweiten IPCC-Arbeitsgruppe kann Anregungen geben, wie der Plan zu gestalten wäre. Dieser Bericht ist natürlich nicht antikapitalistisch, aber man liest darin, dass „die vorherrschenden Entwicklungsstrategien einer klimaschonenden Entwicklung zuwiderlaufen“. Die genannten Gründe sind: die zunehmende Einkommensungleichheit, die wilde Verstädterung, die erzwungene Migration und Vertreibung, der anhaltende Anstieg der Treibhausgasemissionen, die anhaltenden Landnutzungsänderungen, die Umkehr des langfristigen Trends zur Verlängerung der Lebenserwartung … (IPCC, AR6, WG2, full report, 27/2/2022).

Die Verurteilung der neoliberalen Politik ist implizit, aber ziemlich klar.

Positiv ist, dass der IPCC-Bericht zu Recht betont, dass die Anpassung an den Klimawandel ganzheitlich, sozial, demokratisch, partizipativ sein muss; sie soll Ungleichheiten abbauen, sich auf die schwächsten sozialen Gruppen stützen, die sozialen Positionen von Frauen, Jugendlichen und Minderheiten stärken usw. Aber der Ansatz konzentriert sich auf die Entscheidungsträger, die er zu überzeugen versucht, nicht auf soziale Bewegungen und ihre Kämpfe. Von diesen sozialen Bewegungen hängt alles ab, nicht von den Regierungen.

Hier ist nicht der Ort, um einen Forderungskatalog zu erstellen, sondern wir werden uns mit einigen Hinweisen und Überlegungen begnügen.

Die Wasserbewirtschaftung ist ein wichtiger Punkt. Wie der IPCC (AG2) schreibt, „steht die Aufrechterhaltung des Status von Wasser als öffentliches Gut im Mittelpunkt der Fragen der Gerechtigkeit“. Das ist die Richtschnur.

Insbesondere geht es darum, die Monopolisierung und Privatisierung der natürlichen Ressourcen durch Konzerne zu begrenzen: Anzugreifen sind jene, die Wasser in Flaschen abfüllen und verschiedene Getränke produzieren, die Wälder durch die Herstellung von Zellstoff, Pellets oder anderen Gütern (beispielsweise die ökologischen und menschlichen Schäden der Eukalyptusplantagen in Portugal!) privatisieren oder das Grundwassers verschmutzen (beispielsweise die Agrarindustrie in Andalusien).

Aber die Richtschnur des Wassers als öffentliches Gut führt auch zu einer Vielzahl konkreter Sofortforderungen:

  • Stopp der Flächenversiegelung, der Kanalisierung von Regenwasser, der Begradigung von Bächen, der Zerstörung von Feuchtgebieten;
  • Förderung land- und forstwirtschaftlicher Techniken, mit denen Böden und ihre Aufnahmefähigkeit durch Begrenzung des Abflusses wiederhergestellt werden;
  • die Landwirtschaft ist viel radikaler auf die Agrarökologie auszurichten;
  • ganz zu schweigen von den Investitionen in das Verteilungsnetz (in Wallonien zum Beispiel werden 20 % des produzierten Wassers nicht in Rechnung gestellt – Lecks im Netz sind daher verbreitet).

Rationale, soziale und ökologische Wasserbewirtschaftung erfordert eine andere Preispolitik. Die liberale Politik der „tatsächlichen Kostenpreise“ ist sozial ungerecht, da alle Verbraucher für die Reinigung des Abwassers bezahlen, das in großen Mengen durch die Industrie verbraucht wird. Darüber hinaus fördert die neoliberale Politik die Verschwendung der Ressource, da die Einnahmen der Verteiler teilweise davon abhängen, dass die Nutzer auch für die – unnötige! – Reinigung des Regenwassers, das in die Kanalisation geleitet wird, bezahlen …

Es muss ein anderes System eingeführt werden: kostenloser Verbrauch für Haushalte, sofern er der angemessenen Befriedigung der tatsächlichen Bedürfnisse entspricht (Trinken, Waschen, Hausreinigung, Geschirrspülen und Wäschewaschen), dann schnell steigende Preise für den Verbrauch über dieses Niveau hinaus.

Der Schutz von Menschen sollte eine weitere Priorität sein. Doch das ist nicht der Fall. Unter der Leitung des Klimaforschers JP van Ypersele stellt die wallonische Plattform für den IPCC fest, dass die Hitzewelle von 2003 mehr als 1200 Tote forderte, während die Hitzewelle von 2020 mehr als 1400 Tote forderte. Zwischen den beiden Jahren wurde also nichts unternommen … trotz aller Versprechungen.

Ein öffentlicher Plan zur Anpassung an die extreme Hitze sollte zumindest die systematische Begrünung von Ballungsräumen (überall Bäume, um Schatten zu spenden) sowie die Wärmedämmung aller Krankenhäuser, Schulen, Alters- und Behindertenheime vorsehen.

Generell muss die dringende Notwendigkeit bekräftigt werden, alle Wohnungen zu isolieren und zu sanieren. Nicht nur, um die Emissionen von Heizungen (und Klimaanlagen!) drastisch zu reduzieren, sondern auch, um Gesundheit und Wohlbefinden zu schützen. In diesem wie auch in anderen Bereichen ist folgendes festzustellen: neoliberale Marktanreize sind ökologisch ineffizient und sozial ungerecht. Diese Klein-Klein-Politik muss einer öffentlichen Initiative weichen, da sonst individuelle Lösungen wie der Kauf von Klimaanlagen die Oberhand gewinnen, was zu einem Anstieg des Energieverbrauchs und der CO2-Emissionen führt.

Der IPCC unterstreicht die Bedeutung einer ganzheitlichen Politik, die sowohl die Anpassung an die Erwärmung als auch die Reduzierung der Emissionen (im Fachjargon „mitigation“ / „Minderung“) vorsieht. Typischerweise bewegt sich der Energiesektor in beiden Bereichen. Es fehlt an Wasser, um die Atomkraftwerke zu kühlen. Angesichts der Projektionen kann sich diese Realität in den kommenden Jahren nur noch verschlimmern, so dass die Anpassungspolitik in einer Zwickmühle steckt: soll das Wasser vorrangig zur Kühlung der Kraftwerke (verbunden mit weiterer Erwärmung der Flüsse!), also zur Stromerzeugung genutzt werden? Zum Trinken? Oder zur Bewässerung der Nutzpflanzen? (Und welcher Nutzpflanzen?) Ein Grund mehr (es gibt viele andere!), nicht auf die Atomenergie zur „Minderung“ der Klimakatastrophe zu setzen …

Ich komme hier nicht auf die Maßnahmen zur strukturellen Verringerung der Treibhausgasemissionen zurück, da ich bereits zahlreiche Schriften darüber geschrieben habe. Kurz: Energie und Finanzen müssen vergesellschaftet werden, ebenso wie das Wasser; man muss aus dem Agrobusiness aussteigen und das rasche Ende der Mobilität auf Basis des Individualautos organisieren. Dieses Bündel tiefgreifender struktureller Veränderungen ist die notwendige – aber nicht ausreichende – Voraussetzung für eine rasche und effektive Dekarbonisierung der Weltwirtschaft.

Ohne diese antikapitalistische Rosskur wird es sich als absolut unmöglich erweisen, die von den Wissenschaftlern begründeten klimatischen Grenzwerte einzuhalten. In diesem Fall wird das „Treibhaus Erde“ von Johan Rockström und den anderen oben erwähnten Autoren:innen ganz sicher irreversibel werden. Dies würde eine menschliche und ökologische Katastrophe von unvorstellbarem Ausmaß bedeuten.

„Rechnerische“ Klimapolitik oder Ökosozialismus?

Etwas Gutes hat das Unglück: alle können sich heute der extremen Schwere der Situation und der schrecklichen Gefahr bewusst werden, vor der wir stehen. Ich zitiere hier aus einem am 11. August in den sozialen Netzwerken veröffentlichten Beitrag über die Dürre in Europa:

„Mit den Überschwemmungen (2021 in Belgien und Deutschland) hat uns der Klimawandel sozusagen einen Schlag auf den Kopf gegeben. Ein Schlag mit dem Knüppel tut weh, er kann diejenigen töten, die in der ersten Reihe stehen. Mit der Dürre zeigt uns die Erwärmung, dass sie uns an die Kehle gehen und langsam, jeden Tag ein wenig mehr, ohne Eile erdrosseln kann, so dass wir alle Zeit haben, zu spüren, dass der Tod näher kommt – die Aufmerksamsten sehen es bereits: der Tod der Pflanzen, der Tod der Flüsse, der Tod der Tiere, unser eigener Tod. Denn wie können wir überleben, wenn alles verschwindet? “

Angesichts dieser Aufgabe kann sich auch jeder und jede der Tatsache bewusst werden, dass die Regierungspolitik völlig unzureichend und, um ehrlich zu sein, kriminell ist.

Diese Politik ermöglicht es nicht, die Emissionen schnell zu reduzieren (die Emissionen steigen weiter!), um im Jahr 2050 „Nullemission“ zu erreichen. Vor unseren Augen spielt sich stattdessen das Gegenteil ab: Die Erholung nach der Pandemie und Putins Krieg gegen das ukrainische Volk haben einen hemmungslosen Ansturm auf fossile Brennstoffe ausgelöst (Kohle in China, Russland und der Türkei; Braunkohle in Deutschland; Schiefergas in den Vereinigten Staaten; Erdgas in der Europäischen Union). Das Ergebnis sind ein Rausch neokolonialer Monopolisierung, zunehmende Rivalitäten zwischen den Mächten und barbarische Maßnahmen gegen die Migration.

Die Klimapolitik der Regierungen ist nicht nur ineffektiv, sie erhöht nicht nur die soziale Ungleichheit, sondern sie versäumt es auch, die Menschen vor Katastrophen zu schützen. Dieser Schutz der Bevölkerung ist jedoch theoretisch die elementare Verfassungsaufgabe jeder Regierung, eines jeden Staates.

Diese gewaltige Verschwendung ist ein potenzieller Faktor für die dramatische Vertiefung der Legitimitätskrise der Mächtigen dieser Welt, unabhängig von dem „Lager“, zu dem sie gehören.

Die so geschaffene Instabilität sollte ideologische Auswirkungen haben. Ein Beispiel dafür hatten wir kürzlich in Belgien mit einem Kommentar in Form einer Selbstkritik, den Bruno Colmant in La Libre veröffentlichte.

In diesem Text glaubt der ehemalige Stabschef des ultraliberalen Didier Reynders, des Ökonomen, der den Betrug der „fiktiven Zinsen“ entworfen hat, dass „der neoliberale Kapitalismus nicht mehr mit der Aufgabe des Klimaschutzes vereinbar ist“.

Herr Colmant hat Recht: Der „freie Markt“ wird uns nicht aus der Sackgasse herausholen. Die Bewältigung des Klimawandels erfordert zwingend einen öffentlichen Plan, andere soziale und ökologische Ziele als Profit, öffentliche Mittel und damit eine radikale Umverteilung des Reichtums – anstelle „neoliberaler Reformen“.

Nachdem Herr Colmant jedoch den „neoliberalen Kapitalismus“ kritisiert hat, befindet er sich in der unbequemen Position desjenigen, der mitten in der Furt stehen bleibt. Tatsächlich ist das neoliberale Dogma des freien Marktes nicht das einzige Hindernis auf dem Weg zu einem rationalen Umgang mit der Klimakatastrophe: Der Wachstumszwang des Kapitalismus ist eine weitere, noch grundlegendere, und eine, die Herr Colmant nicht zu überwinden bereit ist. Ein nicht-liberaler, keynesianischer oder neo-keynesianischer Kapitalismus kann vielleicht existieren. Ein Kapitalismus ohne Wachstum ist jedoch, wie Schumpeter sagte, ein Widerspruch in sich. Ohne einen Rückgang des Endenergieverbrauchs – und damit ohne einen Rückgang der Produktion und des Verkehrs – wird es unmöglich sein, im Jahr 2050 „Null-Emissionen“ zu erreichen. Selbst wenn Kohlenstoff mit „Kompensationen“, „Abscheidung und Speicherung (CCS)“ und anderen „rechnerischen Emissionsreduktionen“ unter den Teppich gekehrt wird, ist das ausgeschlossen.

Es ist eine objektive Notwendigkeit: Es ist notwendig, weniger zu produzieren, weniger zu arbeiten, weniger zu transportieren, Reichtum zu teilen, sorgfältig und demokratisch auf Lebewesen und Dinge zu achten. Mit anderen Worten, die produktivistische kapitalistische Maschine muss gebrochen werden. Produktivistisch? Man sollte „destruktivistisch“ sagen, da klar ist, dass „das Kapital die einzigen beiden Quellen allen Reichtums ruiniert: die Erde und den Arbeiter“ (wie Marx nach seiner antiproduktivistischen Wendung sagte).

Der Klimakrieg hat begonnen und er ist ein Klassenkrieg. Damit meine ich, dass man sich auf den Standpunkt der wirklichen Bedürfnisse von Männern und Frauen stellen muss, das heißt, einen Standpunkt, der von der Entfremdung des Marktes und dem Wettlauf um egoistischen Profit befreit ist, der die Realität auf den Kopf stellt.

Außer einer ökosozialistischen, internationalistischen, feministischen Orientierung wird es keine Rettung geben. Um dies auszusprechen und in dieser Perspektive zu handeln, müssen wir uns organisieren, über Grenzen, „Lager“ und „Blöcke“ hinweg. Kurz gesagt, dies ist die Zeit, um es zu wagen, revolutionär zu sein.

Der Artikel von Daniel Tanuro, wurde aus dem Französischen übersetzt von: Björn Mertens. Auf Deutsch auf der Seite der ISO publiziert. (Sprachliche Überarbeitung: Eva L. Blum, BfS Zürich).

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