Neue VW-Werbung spielt mit Rassismus

19. Mai 2020 - 15:00 | | Politik | 6 Kommentare

Auf Instagram ist seit Kurzem Werbung für den neuen VW-Golf zu finden, so weit, so unspannend. Die neue Werbung aber fällt auf, denn sie lässt Rassismus mindestens erahnen.

Anlass für die Werbung ist der Verkaufsstart eines neuen Golfs durch Volkswagen. Zu diesem Anlass sind verschiedene Werbungen entstanden. Eine davon ist jedoch mehr als problematisch und sorgt deswegen auf Instagram aktuell für Unmut und Wut. In dem Video, das einen gelben Golf vor einem Restaurant mit Namen „Petit Colon“ zeigt, sieht man einen schwarzen Mann, der von einer übergroßen weißen Hand durchs Bild geschoben wird. Danach fasst eine andere weiße Hand den schwarzen Mann am Kopf, positioniert ihn hinter dem Auto. Anschließend wird der schwarze Mann von der Hand aus dem Bild gekickt und die Worte „Der neue Golf“ eingeblendet. Allerdings erschienen nicht alle Buchstaben gleichzeitig, sondern zu erst erscheinen drei Buchstaben, dann weitere zwei, die zusammen das „N-Wort“ ergeben. Das nur etwa 10 Sekunden lange Video verrät kaum etwas über den beworbenen neuen Golf – außer, dass es ihn in gelb gibt –, aber viel über das Spielen mit Klischees. Das ganze Video kann man der Insta-Story von Xanax_attax sehen (oder hier auf Twitter).

Was der schwarze Mann mit dem Golf zu tun hat und warum er von der Hand von dem Golf wegbefördert wird, bleibt nach der Werbung unklar. Die Darstellung des Gesamten hat wenig mit Autos zu tun, viel aber mit dem Spielen mit Klischees, in denen weiße Menschen schwarze Menschen einfach rumschubsen können.

Ebenso wenig nachvollziehbar ist es, warum ein riesen Unternehmen wie VW es nicht schafft, eine Werbung für ein Auto zu schalten, in der mit Buchstaben gespielt wird, ohne dass diese das N-Wort ergeben.

Kommentare in den sozialen Medien fragen daher auch nur „Was zur Hölle soll dieses rassistische Video?“ oder „Wow – Ich habe mir das Video grade nochmal angeschaut und da steht in einer kurzen Sequenz einfach das N-Wort ausgeschrieben drauf. … Ich bin schockiert.“

Update: 10:43 am 20.05 inzwischen hat Volkswagen bestätigt, dass die Werbung vom Unternehmen stammt und erklärt: „Wie ihr euch vorstellen könnt, sind wir überrascht und schockiert, dass unsere Instagram Story derart missverstanden werden kann. Volkswagen positioniert sich klar gegen jede Form von Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung. Die gezeigten Inhalte stellen einen kreativen Umgang mit dem Format Instagram Story dar. Die Herkunft der dargestellten Personen spielt dabei keine Rolle. Um derartige Interpretationen zukünftig auszuschließen, haben wir uns entschieden, die Story ab sofort nicht weiter auszuspielen.“


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Ich habe 2009 die Freiheitsliebe gegründet aus dem Wunsch, einen Ort zu schaffen, wo es keine Grenzen gibt zwischen Menschen. Einen Ort an dem man sich mitteilen kann, unabhängig von Religion, Herkunft, sexuelle Orientierung und Geschlecht. Freiheit bedeutet immer die Freiheit von Ausbeutung. Als Autor dieser Webseite streite ich für eine Gesellschaft, in der nicht mehr die Mehrheit der Menschen das Umsetzen muss, was nur dem Wohlstand einiger Weniger dient.
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6 Kommentare

  • 1
    Wladimir Borkow says:

    Früher kam zuerst das Fressen, dann die Moral. Heute wird die Moral zu „Fressen“.
    Sehr schön am Beispiel Eures Artikels zu sehen.
    VW hält das Stöckchen hin, Ihr springt und ich erfahre vom neuen Golf. (auf den ich sonst sicher kaum aufmerksam geworden wäre)
    Hannibal Smith würde jetzt sagen: „Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert!“ 😉

    • 1.1
      Jakob Reimann says:

      Kann man dir im Grundsatz kaum widersprechen. Doch erstens ist es unser Anspruch, Rassismus aufzudecken und anzuprangern, wann immer wir ihn beobachten. Und zweitens wird hoffentlich der Umsatzverlust, den VW jetzt erleidet, weil viele, viele Leute auf ewig und immer VW wegen dieser rassistischen Werbung boykottieren, um Längen größer sein als die zusätzlichen Einnahmen, die sie jetzt nach dem Motto „Jede PR ist gute PR“ machen werden.

      Peace.

      • 1.1.1
        Dhhrrfg says:

        „weil viele, viele Leute auf ewig und immer VW wegen dieser rassistischen Werbung boykottieren“
        looool!
        Eher im Gegenteil, VW würde schon immer von rechten gekauft. Jetzt noch lieber. eine Firma die durch den Nationalsozialismus groß geworden ist und 2020 immer noch mit diesem spielt! Über Facebook beschwert sich auch keiner, obwohl wir alle wissen wie der Vorstand funktioniert. 👊

  • 2
    Stefan Teschner says:

    Liebe Leser, schaut Euch den Film an solange er noch verfügbar ist und bildet Euch selbst ein Urteil. Wer alles darauf abscannt, ob es eventuell einen rassistischen Subtext haben könnte wird vermutlich noch an ganz anderen Stellen fündig. Die Hautfarbe des Mannes ist auf dem Smartphone nur mit Mühe erkennbar und für den Bruchteil einer Sekunde erscheinen in drei Spalten, von oben nach unten gelesen ganz kurz die Buchstaben „er“, „ne“ und „g“ bevor zu dem Satz „Der“ „neue“ „Golf“ vervollständigt wird. Meine Interpretation: Ein cleveres Suchspiel für die o.g. Moralisten und ein Test für die eigene Erwartungshaltung. Hier wurde subtil mit den entsprechenden Stereotypen gespielt – dass musste in unseren hysterischen Zeiten mit der allgegenwärtigen hohen Empörungsbereitschaft (vorsichtig ausgedrückt) natürlich schiefgehen. Da der „Rassismus“ sich hier, wie so oft, hauptsächlich in den Köpfen der Betrachter abspielt ist die unterwürfige Reaktion des Konzerns eine wieder mal überflüssige Bestätigung für den Furor der wohlfeil Erregten…

    • 2.1
      The Joker says:

      Der Spot ist klar rassistisch. Bitte beweisen Sie das Gegenteil.

      • 2.1.1
        Philip says:

        Wo ist diese Werbung rassistisch? Das Wort Neger (welches übrigens keinen rassistischen Ursprung hat)
        schreibt man doch N-E-G-E-R und nicht E-R-N-E-G. Außerdem wollte das Unternehmen doch nur politisch korrekt den „neuen europäischen“ Durchschnitt widerspiegeln. Hätten die einen Weißen genommen, wäre es wahrscheinlich auch wieder nicht richtig gewesen, oder?
        Ich kann mich da nur einem anderen Kommentar anschließen. Wem ständig so etwas auffällt, etwas falsch hineininterpretiert und deswegen ein Faß aufmacht, sollte sich einmal überlegen, ob er selber nicht vielleicht das Problem ist und ob es nichts wichtigeres gibt als überall einen Rassismus zu konstruieren, wo es gar keinen gibt und andere damit zu belästigen. Das ist krank. Aber anscheinend Mode in der heutigen Zeit.