KKE alleine und verlassen – Griechenlands Linke weiterhin uneinig

11. Juni 2013 - 18:00 | | Politik | 1 Kommentare

Antarsya

In Griechenland existieren dutzende kleinere und größere linke Gruppen, die drei wichtigsten dürften die KKE (Kommunistische Partei Griechenlands), SYRIZA (Koalition der radikalen Linken) und Antarsya (Front der antikapitalistischen Linken). Bis zum Ausbruch der Krise war die KKE die dominierende Kraft in Griechenland, sie zog seit dem Ende der Diktatur in jedes Parlament ein und hatte durch ihre Gewerkschaft einen soliden Rückhalt in der ArbeiterInnenschicht.

In den letzten Jahren hat sich die Situation verändert, seit dem Ausbruch der Krise hat Syriza an deutlichem Rückhalt in der Bevölkerung gewonnen, während die KKE auf 4-5% gezungen ist. Als Hauptgrund für den Abstieg der Kommunistischen Partei gilt deren Festhalten an der Sozialfaschismustheorie. Die KKE versagt, wenn sie, ähnliche wie KPD in den dreißiger Jahren, die Sozialdemokraten, die Links-Sozialisten und die Faschisten in einen Topf wirft. Das beste Beispiel war der  Besuch der im vergangenen Jahr streikenden Arbeiter der Stahlwerke Halyvourgiki durch eine starke Delegation der “Morgenröte”. „Diese Arbeiter führen seit fünf Monaten einen sehr kämpferischen Streik unter der ausschließlichen Führung der Gewerkschaft der KKE, der PAME“, so schreibt zumindest die KKE

Sozialisten und Faschisten als gemeinsamer Feind!

Das Politbüro der Partei veröffentlichte, nachdem der Besuch bekannt wurde, eine Erklärung, in der es “die Pseudorevolutionäre der Morgenröte und von SYRIZA” abkanzelte!  Die Erklärung erntete in der Öffentlichkeit heftigen Widerspruch, weil die KKE nach guter alter Manier die Neonazis und SYRIZA in einen Sack gesteckt hatte. Die griechische KKE ordnete der SYRIZA dabei eine ähnliche Rolle zu, wie der neofaschistischen Chryssi Avgi (Goldene Morgenröte). Die Bezeichnung als pseudorevolutionäre Partei wird sicher der Morgenröte gerecht und auch Teilen der SYRIZA. Das Hauptproblem aber liegt nicht in dieser Bezeichnung, sondern in der Gleichsetzung beider Parteien. Während SYRIZA eine Gesellschaft aufbauen will, in der die Menschen die gleichen Rechte haben, in der Konzerne vergesellschaftet werden und der neoliberalen Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung ein Ende bereitet wird,  möchte die Morgenröte ein Griechenland, in dem nur Griechen leben, sie hat kein Interesse an der Arbeiterklasse oder an deren Ziel, sie möchte ihre nationalistische und menschenfeindliche Propaganda in Taten umsetzen. Während eine SYRIZA eine linke Regierung gegen das Kapital fordert, bezieht sich die “Goldene Morgenröte” positiv auf Hitler und dessen faschistisches Weltbild.

In der griechischen Öffentlichkeit sorgte der Text der KKE für Entsetzen, doch er zeigt eines der Hauptprobleme der griechischen Linken im Kampf gegen die aktuelle Wirtschaftsordnung.

SYRIZA, Antarsya gemeinsam – KKE allein

Auffallend ist dabei, dass die KKE nicht nur den Fehler begeht Sozialisten, die nicht der eigenen Ansicht entsprechen, und Faschisten gleichzusetzen, sie beteiligt sich auch nicht an Festivals und Veranstaltungen der griechischen Linken auf den alle anderen Organisationen vereint sind. Während AnarchistInnen kein Problem damit haben mit anderen AktivistInnen den gemeinsamen Kampf gegen die Krise zu bestreiten, sondert sich die KKE immer mehr ab. SYRIZA hat trotz der sektiererischen Haltung der KKE diese erneut aufgerufen gemeinsam gegen die Faschisten vorzugehen, ein Aufruf, der von der KKE abgelehnt wurde.

Die griechische Linke scheint in den letzten Monaten gewillt gemeinsam gegen die FaschistInnen zu kämpfen, die dadurch in einigen Regionen deutlich zurückgedrängt wurden. Das Fernbleiben der KKE und der Unwille an keinen Aktionen teilzuhaben, bei der sie nicht die federführende Kraft ist, dürfte zu einem weiteren Bedeutungsverlust der Partei führen. Antarsya schreibt daher vollkommen richtig in ihrem Gründungsaufruf:

Mehr als wie je zuvor brauchen die Beschäftigten, das Volk und die Jugend:

Eine starke und vereinigende Linke, die zur kämpferischen Einigkeit der Beschäftigten und der Jugend beitragen wird und die gemeinsame Tätigkeit organisieren wird.

Diese vereinigende Linke, auch über die Grenzen der Parteien, bräuchte die Unterstützung der KKE und ihrer Gewerkschaft der PAME, es wird Zeit für ein Umdenken beider Organisationen.

Bericht aus Griechenland Teil 1

Über den Autor

Ich habe 2009 die Freiheitsliebe gegründet aus dem Wunsch, einen Ort zu schaffen, wo es keine Grenzen gibt zwischen Menschen. Einen Ort an dem man sich mitteilen kann, unabhängig von Religion, Herkunft, sexuelle Orientierung und Geschlecht. Freiheit bedeutet immer die Freiheit von Ausbeutung. Als Autor dieser Webseite streite ich für eine Gesellschaft, in der nicht mehr die Mehrheit der Menschen das Umsetzen muss, was nur dem Wohlstand einiger Weniger dient.
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