Für das Recht Kopftuch zu tragen, immer und überall – Im Gespräch mit Christine Buchholz

24. Juli 2015 - 17:23 | | Politik | 20 Kommentare
Urteilt beendet Kopftuchverbot für Lehrerinnen – mhobl CC BY-ND 2.0

Das Kopftuch sorgt in Deutschland immer wieder für Diskussionen, mal wird es Symbol der Unterdrückung bezeichnet, mal verhindert es die Anstellung. Von konservativer Seite wird es als Zeichen mangelnder Anpassung gesehen, von Rechten als Symbol der Islamisierung. Wir haben mit Christine Buchholz, Bundestagsabgeordnete der Linken und Verteidigerin der Religionsfreiheit, über das Kopftuch und das Recht dieses zu tragen gesprochen.

Die Freiheitsliebe: Du hast vor wenigen Tagen einen Text verfasst zum Recht überall das Kopftuch tragen zu dürfen, was war der Auslöser?

Christine Buchholz: Es gibt schon lange eine Diskussion zum Kopftuchverbot in der Gesellschaft, im April gab es dann eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes, dass das pauschale Kopftuchverbot an Schulen nicht verfassungskonform ist. Cornelia Möhring, die frauenpolitische Sprecherin der Linken im Bundestag, und ich haben das zum Anlass genommen um einzufordern, dass die Linke sich zu diesem Thema positioniert und in die Debatte eingreift. Wir haben das Papier jetzt veröffentlicht, um die Debatte zu eröffnen.

Die Freiheitsliebe: Du schreibst in deinem Text, dass die Linke für die Trennung von Staat und Religion ist, dass das allerdings aber nicht bedeuten kann, dass man Menschen zwingt, ihre Glaubenssymbole abzunehmen. Grade bei diesem Fall wird argumentiert das Lehrer und Lehrerinnen auf religiöse Symbole verzichten sollten, wie passt das zusammen?

Christine Buchholz: Wir sind für die Trennung von Staat und Religion, das bedeutet wir sind dafür das alle religiösen Symbole aus öffentlichen Gebäude entfernt werden. Wir sind aber auch der Meinung, dass man keinem Menschen verbieten kann religiöse Symbole zu tragen. Wir wollen also das jede und jeder das Recht hat ein Kreuz, Kopftuch oder Kippa zu tragen, denn das ist Religionsfreiheit. Das ist etwas ganz anderes, als wenn eine öffentliche Gebäude mit religiösen Symbolen ausgestattet ist. Wir sind auch für die Freiheit seine Weltanschauung und seine politische Meinung auszudrücken, auch für Lehrerinnen und Lehrer. Wir gehen nicht davon aus, dass eine Lehrerin, weil sie ein Kopftuch trägt, ihre Schüler missionieren will. Es kommt nicht darauf ankommt was auf dem Kopf drauf, sondern was in ihm drin ist. Es gibt gute Lehrerinnen mit Kopftuch, wie auch schlechte, es gibt gute Lehrer mit Kippa und auch schlechte, wie es auch gute und schlechte Lehrerinnen und Lehrer gibt, die keine religiösen Symbole tragen.

Die Freiheitsliebe: Du sagst auch, dass es verschiedene Gründe gibt ein Kopftuch zu tragen, unter anderem emanzipatorische oder antisexistische, wie ist das zu verstehen?

Christine Buchholz: Da sollte man natürlich am besten die Frauen selbst fragen und ihre Motivation anerkennen. Es gibt Frauen, die das Kopftuch aus rein religiösen Gründen tragen, es gibt Frauen, die das aus traditionellen Gründen machen, aus ästhetischen Gründen oder aus Protest gegen Rassismus oder Sexismus und es gibt natürlich, auch welche, die es gegen ihren eigenen Willen tragen. Das ist aber nur ist eine kleine Minderheit.

Die Freiheitsliebe: Bei dir im Text geht es vor allem um das Kopftuch, warum glaubst du, dass grade dieses für so viel Aufregung sorgt?

Christine Buchholz: Beim Kopftuch kreuzen sich zwei Tendenzen. Es gibt einerseits einen wachsenden antimuslimischen Rassismus, dabei werden Muslime aufgrund religiöser oder auch nicht religiöser Merkmale wie Aussehen, Namen, Akzent oder Kopftuch mit Verweisen auf ihre Mentalität, Religion und Tradition kategorisiert. Dieses geschaffene Bild vom Islam wird verbunden mit negativen Eigenschaften Attributen wie Terror, Gewalt und Frauenunterdrückung.

Zum zweiten gibt es eine sehr paternalistische Art, wie Frauen für diesen rassistischen Diskurs und mitunter für das Führen von Kriegen instrumentalisiert werden. Nicht selten macht sich das am Kopftuch fest.

Laura Bush, die Ehefrau von George W. Bush hat die Bombardierung Afghanistans 2001 damit begründet, die die unterdrückte muslimische Frau befreien wollen. , Alice Schwarzer hält das Kopftuch für ein Zeichen, das die Frauen zu Menschen zweiter Klasse macht und meint, dass es eine Art >Branding<, vergleichbar mit dem Judenstern sei.

Beide stehen führen einen Kampf zur angeblichen Befreiung der muslimischen Frau, dabei bekämpfen sie nicht Frauenunterdrückung, sondern die muslimische Frau, der sie das Recht absprechen zu entscheiden.

Das nützt weder den Frauen, die Frauen, die gezwungen werden ein Kopftuch zu tragen, weil sie aus dem öffentlichen Leben verdrängt werden, noch nützt es der großen Mehrheit der Frauen, die ihr Kopftuch freiwillig tragen, weil sie eines fundamentalen Freiheitsrechts beraubt und diskriminiert werden.

 

Die Freiheitsliebe: Siehst du antimuslimische Demonstrationen und die stärker werden rechten Parteien, als Ursachen für die zunehmenden Angriffe gegen Muslime?

Christine Buchholz: Die Hemmschwelle sich erniedrigend zu äußern oder auch zu tätlichen Angriffen sinkt, je stärker der Rassismus in der Gesellschaft wird. Wenn Leute wie Sarrazin rassistische Parolen verbreiten oder Politiker meinen, der Islam gehöre nicht zu Deutschland, wundert es nicht, wenn auf dem Parteitag der AfD islamfeindliche Parolen gegrölt werden,. Die antimuslimische Stimmung bricht sich immer wieder Bahn im Mainstream und das spüren Rechte und greifen diese natürlich noch stärker auf. Linke und Sozialisten sollten sich konsequent vor jeden zu stellen der rassistisch angegriffen oder diskriminiert wird.

Die Freiheitsliebe: Damit sprichst du einen Punkt an, der auch in linken Kreisen umstritten ist, denn auch dort wird immer wieder bezweifelt, dass wir uns vor alle Muslime stellen können, weil da auch Reaktionäre bei sind. Können wir es uns wirklich aussuchen, wen wir vor Rassismus verteidigen?

Christine Buchholz: Ich wir sollten uns vor jede und jeden stellen sollten, die oder der von Rassismus betroffen ist. Es ist eine Strategie der Rechten die Trennung aufzumachen zwischen bösen und guten Muslimen. Es gibt Glaubens. Und Bekenntnisfreiheit in Deutschland. Auch wenn ich den Glauben nicht teile, Genauso wie ich orthodoxe Juden gegen Antisemitismus verteidige, verteidige ich konservative Muslime gegen antimuslimischen Rassismus. Ich verteidige übrigens auch konservative Schule und Lesben gegen Homophobie.

Das Problem einer Radikalisierung von einigen jungen Muslimen bekämpft man nicht durch Repression, sondern indem man die Ursache bekämpft. Zum einen die Diskriminierung. Das tun LINKE indem sie sich z.B. für anonyme Bewerbungsverfahren oder die Einführung von Islamfeindlichkeit als Strafbestand einsetzen. Und in dem sie Muslime gegen die Übergriffe von Rassisten und Nazis schützen. Dafür muss man endlichen diesen fatalen Krieg gegen den Terror im Mittleren und Nahen Osten beenden, wie auch die Zusammenarbeit mit den dortigen Regime .

Die Nazis schlagen die Salafisten und meinen alle Muslime, sie schlagen die Muslime und meinen alle Migranten, wir müssen deutlich machen, dass sie damit nicht durchkommen indem wir jegliche Form von Rassismus bekämpfen.

Die Freiheitsliebe: Danke dir für das Interview

Über den Autor

Ich habe 2009 die Freiheitsliebe gegründet aus dem Wunsch, einen Ort zu schaffen, wo es keine Grenzen gibt zwischen Menschen. Einen Ort an dem man sich mitteilen kann, unabhängig von Religion, Herkunft, sexuelle Orientierung und Geschlecht. Freiheit bedeutet immer die Freiheit von Ausbeutung. Als Autor dieser Webseite streite ich für eine Gesellschaft, in der nicht mehr die Mehrheit der Menschen das Umsetzen muss, was nur dem Wohlstand einiger Weniger dient.
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20 Kommentare

  • 1
    rote_pille sagt:

    dann will ich für alle arbeitgeber auch das recht solche leute ablehnen zu können ohne wegen diskriminierung verklagt werden zu können.

    • 1.1
      ? sagt:

      Genau das ist doch Diskriminierung? Warum sollte man jemand nicht einstellen dürfen, nur weil einem die Religion nicht passt?

  • 2
    stefan edel sagt:

    Ich halte es für hochgradig lächerlich, das Kopftuch NICHT als Symbol der Frauenunterdrückung zu sehen und abzustreiten daß es viele nicht freiwillig tragen. Frauen die das nicht tun müßten in isl. Ländern mit Repressalien rechnen, wurden während der iranischen Revolution mit Säureattentaten der „Revolutionswächter überzogen.
    Neulich an der Straßenbahnhaltestelle einer deutschen Großstadt: ältere türkische Frau reißt eine junge türkische Frau heftigst an den Haaren, weil diese kein Kopftuch trägt. Merke: Leute die sich Sozialist(inn)en nennen, haben nicht „für das Recht auf Kopftuch“ zu agitieren, sondern „für das Recht darauf, kein Kopftuch tragen zu müssen“. Zumal dahintersteckt, daß Männer sich ohne Kopftuch „sexuell provoziert“ fühlen. Dann müssen diese Männer lernen sich zu beherrschen und die Frauen das von denen fordern statts den bequemen, aber unfreien Weg der Anpassung zu gehen.
    Und rassist. Angriffen auf Muslimen kann man mit allgemeinen Parolen gegen Ausländerfeindlichkeit begegnen, one dabei extra die Religion zu schützen („Muslime schützen“) wie es die Gruppe von Bchholz, „Marx 21“ macht, deren pseudorevolutionäre, reformistische Politik freilich wenig mit Marx zu tun hat.

    • 2.1
      Richard sagt:

      es wurde nicht abgestritten, dass jede frau das kopftuch freiwillig trägt, sondern nur betont dass jede frau das recht hat selber zu entscheiden ob sie das will oder nicht. und natürlich setzt sich christina buchholz auch dafür ein für das rechte kein kopftuch tragen zu müssen ein.

      und im gegenteil: jeder der eine grossenteil der arbeiter_innen ausschliess nur weil er/sie was falsches anziehen, ist pseudorevolutionär, denn wer auf die reine sozialistische revolution wartet, der wird ewig warten, nur gemeinsam können wir es schaffen.

      und natürlich muss man in zeiten von massiver islamfeindlichkeit auch geziehlt den islam ansprechen. genauso wie man z.b. in den usa gezielt die polizeirepression an schwarzen ansprechen muss und nicht über polizeirepression im allgemeinen (also #blacklivesmatter und nicht #alllivesmatter)

  • 3
    hubi stendahl sagt:

    Leider haben die Menschen verlernt in den ihnen angeborenen freiheitlichen Denkweisen zu kommunizieren. Angelernte Moral und links-/rechts – Dogmen werden stattdessen als Basis ihrer Positionen ersetzt.

    Das führt dazu, dass man völlig natürliche Dinge des Alltags behandelt, als seien es Relikte einer Religion, die wiederum dazu benutzt werden, um die Freiheit weiter zu unterdrücken.

    Dabei ist es eigentlich ganz einfach.

    Ein Kopftuch ist eine Bedeckung, die in sonnenreichen Gegenden zum Schutz benutzt wird. Später wurde es instrumentalisiert und religiös verklärt. So schlagen wir uns heute einerseits mit verblendeten Verrückten herum und andererseits mit degenerierten Gutmenschen, die das Kopftuch als Symbol für ihre moralische Überlegenheit nutzen.

    Beide Sichtweisen werden nicht überleben können, weil sie der Natuir der Dinge nicht entsprechen.

  • 4
    Witzkommraus sagt:

    Genial – die Toleranten sind so damit beschäftigt, sich gegenseitig zu beweisen, wie tolerant sie doch sind, dass sie gar nicht darauf kommen sich zu fragen, wie tolerant eigentlich die Tolerierten sind.

    Ihr werdet in Buntland noch viel Spaß miteinander haben.

    • 4.1
      Richard sagt:

      es gibt tolerante muslime und intolerante, aber das spielt überhaupt keine rolle, denn es geht darum eine angegriffene minderheit zu verteidigen. genauso wie es mir egal wäre ob ein jude tolerant oder nicht tollerant ist, was er oder sie am kopf trägt, ist es mir egal was muslime anziehen oder denken, es ist pflicht für jeden linken so eine angegriffene minderheit zu verteidigen.

      • 4.1.1
        Witzkommraus sagt:

        Lieber Richard, ich prophezeie dir und allen anderen Kämpfern für Meinungsfreiheit und Toleranz, dass sich gewisse Mehrheitsverhältnisse in den nächsten Jahren gewaltig umkehren werden. Ob euch dann Gleiches mit Gleichem vergolten werden wird…? Ich frage mich oft, wieviel Einblick ihr wohl in die Strukturen und Denkweisen eurer schützenswerten Minderheit habt – allem Anschein nach aber minimal.

  • 5
    Dorothee sagt:

    ich solidarisiere mich mit diesen Frauen: My Stealthy Freedom آزادی یواشکی زنان در ایران

  • 6
  • 7
    FreeSpeech sagt:

    Gilt das dann auch für Nazis?
    Also auch Symbole und so?
    Oder Flaggen des IS mit dementsprechenden Kampfsprüchen?

  • 8
    Gutenmorgen sagt:

    Ich stimme den Positionen im Interview größtenteils zu, allerdings sollte sich DIE LINKE (und ihr natürlich auch!) dann genauso für die Frauen einsetzen, für die das Kopftuch tatsächlich Unterdrückung bedeutet, weil sie eben nicht die freie Wahl haben es zu tragen oder nicht.
    Das mag in Deutschland nur eine kleine Minderheit betreffen, in vielen anderen Ländern ist das jedoch nicht der Fall.

    Dass Menschen religiöse Symbole in öffentlichen Einrichtungen tragen dürfen halte ich für sinnvoll. Vor allem die „Konfrontation“ in Schulen dürfte dazu beitragen, dass früh erkannt wird, dass es nunmal sehr verschiedene Menschen gibt. Das zählt aber auch für alle anderen öffentlichen Institutionen. Dann besteht auch eine größere Hoffnung, dass sich Intoleranz und rassistisches Denken nicht reproduzieren.
    Wenn aber versucht wird Menschen zu „missionieren“ sollte das geahndet werden. Auch religiöse Symbole ansich sollten in den Gebäuden keine sein. Genauso wie der Religionsunterricht meiner Meinung nach abgeschafft gehört.

    „Das Problem einer Radikalisierung von einigen jungen Muslimen bekämpft man nicht durch Repression, sondern indem man die Ursache bekämpft.“
    Ein zentraler Satz in diesem Interview.
    Das zählt im übrigen teilweise auch für die Radikalisierung von Rassisten.

    Das Problem heißt Rassismus.

  • 9
    Meh sagt:

    Die Linke, hier in Person von Frau Buchholz hat leider nicht zu Ende gedacht, wenn die Meinung vertreten wird, man dürfe Staatsbediensteten keine religiösen Symbole oder politische und weltanschauliche Bekenntnisse verbieten. Denn kosequenterweiser dürfte dann auch eine Lehrerin mit Niqab oder ein Lehrer mit einer schwarzen Sonne auf dem Hemd unterrichten,
    Und es kann ja nicht im Sinne der Linken sein, dass junge Menschen in der Schule mit soclhen Zeichen konfrontiert werden, die darauf schließen lassen, dass der Träger unsere Grundordnung ablehnt und eine rassistische Gesinnung hat.

    Beim Kopftuch ist es selbstverständlich nicht so drastisch. Dennoch ist es durchaus nachzuvollziehen, dass Eltern skeptisch auf eine Lehrerin reagieren, die auf das Tragen besteht.
    Das religiöse Symbol ist einfach derart sichtbar, dass man sich fragt, wie stark der Glaube ist und ob womöglich Schüler beeinflusst werden könnten.
    Aber wenn so der Schulfriede gestört wird, sollte der Einzelfall betrachtet werden, von einem generellen Kopftuchverbot halte ich nichts.

    • 9.1
      Richard sagt:

      es gibt auch eltern die vielleicht skeptisch sind wenn ein mensch mit schwarzer hautfarbe ihre kinder unterrichtet, dass sollte aber nun wirklich kein grund ein auch nur darüber zu diskutieren ob schwarze lehrer werden dürfen. oder wie wäre es wenn der lehrer durch seinen style als schul zu erkennen wäre, sollte man dann auch die sorgen der eltern eingehen? genauso verhält es sich mit kopftuchtragende frauen – wenn eltern dem gegenüber skeptisch sind ist es das problem der eltern nicht das problem der lehrerin, man darf bei sowas auf keinen fall nachgeben.

      schliesslich loben wir doch immer säkularismus, vergessen aber leider dabei immer wieder dass dieser begriff symetisch gemeint ist. eine religion darf dem staat nicht vorschreiben wie er auszusehen hat (z.b. sind staatlich verordnete kreuze an schulen absolute nicht säkular), aber umgekehrt darf der staat auch den anhängern und anhängerinnen einer religion nicht vorschreiben wie sie auszusehen haben. das tragen eines kopftuches sollte genauso erlaubt sein wie das tragen eines kruzifix. kopftuchverbote in staatlichen instituationen sind daher nicht säkular sondern anti-säkular.

      • 9.1.1
        Meh sagt:

        Ein Kopftuch kann man ablegen, seine Hautfarbe und sexuellen Vorlieben nicht.

        Dir mag es vielleicht egal sein, wie sich Leute kleiden, aber wenn Lehrkräfte ihre besondere Erkennungszeichen auffällig tragen, muss man sich fragen, welcher Gesinnung sie sind und inwieweit sie diese kundtun.
        Ich wäre auch skeptisch, wenn ein Lehrer dauernd mit Thor-Steinar-Klamotten auftritt.

      • Richard sagt:

        zum vergleich mit dem schwarzen: es geht darum, dass man nicht auf intolerante eltern rücksicht nehmen soll.

        und zum vergleichmit dem schwulen-style den man sehr wohl ablegen kann: wenn es ein schwuler dennoch nicht tut, besteht für mich nicht der geringste grund ihn dazu zu zwingen, denn es ist seine entscheidung was er trägt, genauso wie die entscheidung der muslimin ein kopftuch zu tragen.

        und ein kopftuch mit rechtsextremen symbolen gleichzusetzen finde ich wirklich nicht notwendig.

      • Richard sagt:

        anders gefragt: wenn ein lehrer mit einem t-shirt mit der überschrift „regenbogenparade“ und dem untertitel „i am gay“ trägt und gewisse eltern empören sich darüber, würdest du dann einem gesetzt zustimmen welches das zurschaustellen der sexuellen neigung verbieten soll? würdest du argumentieren dass der lehrer ja eh schwul bleiben darf, aber das bitte verheimlichen soll?

        wenn nein, warum gilt das nur für schwule neigungen, nicht aber für religiöse neigungen? eine religiöse überzeugung kann man ja auch nicht einfach ablegen.

      • Meh sagt:

        Wie ich bereits schrieb, bin ich gegen ein generelles Verbot, sondern für eine Einzelfallprüfung.

        Du bist bestimmt so toll tolerant und lässt auch offentsichtliche Extremisten und Rassisten deine Kinder unterrichten. Wenn nicht, bist du ein Heuchler.

  • 10
    stefan edel sagt:

    @richard:
    deinen beitrag 2,1 als antwort auf mich halte ich für dummes geschwätz.
    wer keine reaktionären menschen ausschließen will -ob arbeiter oder sonstige- hätte auch in die nsdap gehen können, da waren nämlich die Volksmassen.
    nach deine rauffassung müßte Marx der größte Sektierer sein, da er alle Religionen bekämpfte, also auch „islamfeindlich“ war.
    ich denke ja nicht daran, in Zeiten islamistischer anschläge wie bei Charlie hebdo was von „Islam verteidigen“ zu propagieren. der Islam als solcher mit seinem Alleinvertretungsanspruch und weltherrschaftsanspruch (wozu auch Marx sich negativ äußerte) ist faschistisch. eine linke, die es immer ablehnte, eine eigenständige islamkritik zu entwickeln die von einer rassistischen (die das islamthema nur als vorwand für Ausländerfeindlichkeit nimmt) unterscheidbar ist, hat der rechten das Feld überlassen und ist schuld, wenn heute gruppen wie pegida das Thema besetzen können. ich vermute, daß du zur selben schrottgruppe gehörst wie buchholz, die auch schonmal die frage aufwarfen, ob man mit al kaida zusammenarbeiten sollte. solche leute verwechseln eine Ablehnung jeder form von moderne mit „anti-Imperialismus“ und haben nichts aus der Tragödie der iranischen linken gelernt die einst die Mullahs so lange unterstützten bis sie aufgehängt wurden.

  • 11

    Die deutsche Rechtsprechung ist voller Inkonsequenzen, keine Frage. Das Kruzifix-Urteil brillierte durch juristische Trickserei auf hohem Niveau. (Roman Herzog fiel damit unter den Konservativen so sehr als raffinierter Kopf auf, dass sie ihn bald zum Bundespräsidenten wählten.)
    Daher verstehe ich in gewissem Maße die Haltung der Autorin, ein Kopftuch-Verbot als Einschränkung der Freiheit einer bestimmten Minderheit empfinden zu können.
    In Frankreich ist jedoch die Trennung von Staat und Religion im säkularen Staat konsequent und für Europa vorbildlich geregelt:
    Ob der Sikhs seinen Turban trägt, die Nonne ihren Schleier etc. ist in der Öffentlichkeit ungehindert möglich. Aber in der Repräsentation des Staates, für Lehrende an staatlichen Schulen, für Mitarbeiter in Ämtern und sonstigen staatlichen Einrichtungen ist das Kreuz um den Hals oder an der Wand ebenso verboten wie das Kopftuch.
    Wer sollte sich bei gleichem Recht diskriminiert fühlen?