Araber und Juden gemeinsam gegen die Besatzung – Im Gespräch mit einem israelischen Kommunisten

15. Dezember 2020 - 12:30 | | Neue Linke,Politik | 0 Kommentare
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Die politische Landschaft in Israel scheint, sich immer mehr nach rechts zu verschieben. Mit der endlos fortwährenden Besatzung der Palästinensischen Gebiete und der Behandlung der Palästinenserinnen und Palästinenser in Israel als Bürgerinnen und Bürger zweiter Klasse sind progressive Ansätze von links möglicherweise so wichtig wie nie zuvor – ausgehend sowohl von politischen Parteien als auch von der außerparlamentarischen Opposition.

Um die israelische Politik aufzudröseln und nach einem gangbaren Weg in die Zukunft zu suchen, sprachen wir mit einer*m kommunistischen Aktivist*in aus Israel.[i]




Die Freiheitsliebe: Der altgediente israelische Kolumnist Gideon Levy schrieb im Januar 2019: „In Israel gibt es keine Linke mehr. Es gibt einzig eine Rechte in verschiedener Gestalt.“ Levy argumentiert, dass alle Parteien bloße Iterationen oder Abspaltungen der Likud seien und dass die linken Parteien entweder unbedeutend klein (Meretz, sozialdemokratisch-linke Partei) oder stark geächtet und somit isoliert seien (Gemeinsame Liste, Bündnis arabischer und/oder linker Parteien). Hat Levy Recht mit seiner Einschätzung?

Aktivist*in: Levys Kritik vollständig abzuschreiben, wäre unehrlich. Ich denke aber, Levy erkennt an, dass eine israelische Linke existiert, da er schließlich selbst dazugehört. Die israelische Linke hat sowohl Schattenseiten (über die Levy im oben genannten Artikel nachdenkt) als auch einen großen Vorteil. Während die Opposition gegen Premierminister Netanjahu weiter wächst, haben wir eine große Anzahl äußerst unzufriedener Israelis, die nach einer Richtung suchen.

Wir als Aktivistinnen und Aktivisten, als Gegnerinnen und Gegner der Besatzung und Befürworterinnen und Befürworter des Friedens, als wahrhaft linker Flügel, müssen diese Menschen erreichen und sie unter all unseren gemeinsamen Vorstellungen versammeln. Während sich einige Teilnehmer der Proteste gegen Netanjahu ausschließlich auf seinen Rücktritt konzentrieren, drängen immer mehr Aktivistinnen und Aktivisten auf radikale Pläne für den Tag, an dem Netanjahu Geschichte ist. Aktivistinnen und Aktivisten von Hadash, Zazim, All That‘s Left, Free Jerusalem, Gush Neged Hakibush („Anti-Besatzungsblock“) und anderen bilden innerhalb der jüngsten Proteste einen linken Block und fordern in ihren Parolen lautstark Gerechtigkeit für den Palästinenser Eyad Al-Hallaq ein, der von der israelischen Polizei ermordet wurde, sowie „Demokratie für alle“ (nicht nur die [aschkenasischen] Juden) und ein Ende der Besatzung Palästinas. Wir haben zwar noch nicht das ganze Land bei der Linken versammeln können, das ist natürlich wahr, doch sind tatsächlich linke Israelis sowohl durch die Gemeinsame Liste im Parlament als auch durch ihre Parteien und andere Organisationen auf der Straße vertreten.