Altes Bier in neurechten Schläuchen

18. November 2018 - 12:00 | | Politik | 0 Kommentare

Ob 1968 oder Heute: Auch wenn sich Rechte modern geben, bleibt ihr rassistischer Kern bestehen.

Ein Juni morgen an der Universität Düsseldorf: Vor dem Campus stehen drei Männer vor einem Biertisch. Sie sprechen Studierende an, die auf dem Weg zur nächsten Vorlesung sind. Dabei verteilen die Drei Bierflaschen und Grundgesetze. Kurz darauf kommen zwei Studis und informieren ihre vorbeilaufenden Kommilitoninnen: „Leute, hier verteilt die rechte Burschenschaft Rhenania! Geht nicht auf sie ein!“ Die Aktion gelingt. Die Drei packen darauf ein, ihr Material bleibt unverteilt.

Wie viele Burschenschaften hat auch die Düsseldorfer Rhenania Verbindungen mit der rechten Szene. Sich selbst ordnet sie der sogenannten Neuen Rechten zu. Sie alle wenden sich gegen die Idee der Gleichheit aller Menschen. Sie ersetzen den „klassischen“ Rassismus durch das Konzept eines sogenannten Ethnopluralismus. Damit meinen sie, dass alle Völker und Kulturen eine vermeintlich homogene Identität hätten und diese bewahrt werden müsse – immer noch „Ausländer raus“ aber moderner ausgedrückt. Das erklärt den Namen einer relativ kleinen Gruppe, die in den letzten Jahren einige medienwirksame Aktionen durchführte: Die Identitäre Bewegung.

Jung, hipp und heimattreu

Diese Gruppe vertritt völkisches Gedankengut, das sie meist in eine harmlosere Sprache kleidet. Heimat, Volk, Kultur und Tradition sind zentrale Schlagworte. Im Auftreten zelebrieren sich die Identitären mittlerweile weniger als noch zu Anfang als hippe, zu Techno tanzende Jugendliche, sondern stellen häufig eine kitschige bis mythische Heimatverbundenheit in den Vordergrund“, berichtet Johannes Hartwig im antifaschistischen Lotta-Magazin. Er beobachtet die Identitäre Bewegung in NRW,die seit 2012 in Deutschland aktiv ist.

Die alte Neue Rechte

Doch auch, wenn es sich danach anhört: Das Phänomen „NeueRechte“ ist gar nicht so neu. Ihre Anfänge jähren sich ebenfalls wie die 68er-Bewegung zum 50. Mal. In Deutschland war es eine Antwort auf den gescheiterten Bundestagseinzug der NPD 1969, der nach großen Wahlerfolgen bei Landtagswahlen erwartet worden war. Danach verschwand sie in der Bedeutungslosigkeit.Als Reaktion darauf wurde aus den Reihen der NPD 1972 die „Aktion Neue Rechte“(ANR) gegründet. Die ANR forderte neue politische Konzepte abseits des Dogma seines Fortbestehens des Dritten Reichs.

Schulterschluss zwischen Rechten Kräften

Der Einfluss der ANR und weiterer Nachfolger blieb vergleichsweise klein. Aber seitdem Pegida und die Alternative für Deutschland in der BRD erstarken und vermehrt rechte Positionen in den politischen Mainstream einfließen, gewinnt die „Neue Rechte“ wieder an Zulauf. Sie arbeitet dabei mit Gruppierungen aus der „klassischen“ rechten Szene zusammen. Das beweist zum Beispiel der Schulterschluss zwischen der AfD und Neo-Nazi-Gruppen bei den Demos in Chemnitz. Das war auch schon in den 70er Jahren der Fall als Alt-Nazis bei der ANR ein-und ausgingen.

Die Studierenden der ‘68er-Bewegung wehrten sich gegen neue und alte Nazis. Sie verurteilten Bundeskanzler Kiesinger, der NSDAP-Mitglied war und kämpften gleichzeitig gegen rechte Studierendengruppen am Campus, wie den Nationaldemokratischen Studentenbund. Damals wie heute bleibt antifaschistisches Engagement ein wesentlicher Bestandteil auf dem Weg zu einer demokratischen Gesellschaft. Die Burschenschaft Rhenania tauchte übrigens nicht wieder vor dem Campus der Uni Düsseldorf auf. Ihr Bier mussten sie wohl alleine trinken.

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Critica ist die Studierendenzeitung des SDS (http://www.linke-sds.org/media/critica/)