Unterwerfung als Freiheit – Leben im Neoliberalismus

30. Juni 2015 - 14:49 | | Kultur | 3 Kommentare
Leben im Neoliberalismus - Unterwerfung als Freiheit
Leben im Neoliberalismus - Unterwerfung als Freiheit

Der Neoliberalismus als Wirtschaftsideologie wird von den meisten Menschen als Symbol für Ausbeutung und weniger staatliche Fürsorge verstanden, dass diese Idee sich aber auch auf fast alle anderen Bereiche des Lebens auswirkt wird höchstens indirekt gespürt. Mit seinem Werk „Unterwerfung als Freiheit – Leben im Neoliberalismus“ liefert der Gewerkschafter Patrick Schreiner einen Beitrag zum neoliberalen Gesellschaftssystem.

Der Neoliberalismus basiert auf einer rein wirtschaftlichen Freiheit, die auch „die Freiheit“ arm zu sein einschließt. „Ein solcher Freiheitsbegriff hat merkwürdige Konsequenzen: Ein verarmter Mensch, der Arbeit für Hungerlöhne annehmen muss, weil andernfalls seine Existenz gefährdert wäre, ist aus dieser Perspektive frei… Ein reicher Mensch hingegen, dem staatliche Strukturen Geld wegnehmen, um es Ärmeren zu geben, ist aus dieser Perspektive nicht frei.“ erklärt Schreiner die merkwürdigen Folgen, die die neoliberale Wirtschaftsideologie und ihr Freiheitsbegriffen haben. Dieser Freiheitsbegriff, so beschreibt Schreiner, wirkt sich aber auch auf andere Bereiche des Alltags aus, so fühlen wir uns frei, weil wir die Entscheidungsmöglichkeit haben, in welchem Laden, wir welches Tshirt oder welches Handy kaufen. Ein weiterer Bereich, in dem die neoliberale Lehre voll zum Tragen komme, seien die Selbsoptimierungs- und Lebensmanagmentratgeber, in denen die Behauptung „jeder Mensch sei für sein Leben verantwortlich“ immer wieder wiederholt wird und Chancenungleichheit negiert wird.“Menschen werden in dieser Denke auf sich selbst zurückgeworfen – von Staat und Gesellschaft haben sie nichts zu erwarten“ erklärt er die Konsequenz. Auch die Auswirkungen des Neoliberalismus auf Sport, den eigenen Körper werden nachvollziehbar nachgezeichnet und deutlich gemacht, wie statt gemeinschaftlichem Mannschaftssport die Fokussierung auf die Selbstoptimierung des eigenen Körpers durchgesetzt wurde.

Staat und Wirtschaft werden aus der Verantwortung entlassen

Sein Buch zeigt deutlich, wie der Abbau des Sozialstaats auf allen Ebenen einhergeht mit einer Ideologie, in der jeder einzelne seines Glückes Schmied ist und Ausgangsbedingungen und alltägliche Diskriminierungen als nicht existenz betracht werden. Besonders interessant ist auch sein Kapitel zu Konsum und dabei der Abschnitt zum ökologischen Konsum, der auch von vielen sich als progressiv-verstehenden Menschen gelebt wird, immer mit dem indirekten Appell, dass alle die dem nicht folgen schlecht(er) sind. Der nachhaltige Konsum erreicht nach Schreiner „nur das genaue Gegenteil.. was er zu erreichen vorgibt: Er entlastet Politik und Unternehmen von ihrer Verantwortung für eine ökologisch und sozialverträgliche Produktion. Er überträgt jedem einzelnen Menschen die Verantwortung für den eigenen Konsum. Echte gesellschaftliche Veränderung gerät so einmal mehr aus dem Blick.“ Wünschenswert wäre es gewesen, hätte er grade an dieser Stelle noch einmal deutlich gemacht, wie auch mit diesem Bild der Sozialchauvinismus hofiert wird, denn die Kritik richtet sich immer an die Finanziellschwächern. So wird von Ökoboheme derjenige kritisiert, der wegen mangelndem Geld bei Primark kaufen muss und sich nicht die ökologisch produzierte Kleidung holt, dass nicht der Arme Schuld ist, dass er dort kauft, sondern der Staat, weil er die Wirtschaft so produziert lässt, wird vergessen.

Neoliberalismus ist Unfreiheit, soviel dürfte den meisten schon vorher klar gewesen sein, zumindest im Bezug auf die Wirtschaft, Schreiner macht allerdings deutlich, wie umfassend diese Unfreiheit wirklich ist und wie stark die alltägliche Einschränkung. Wirtschaftlich bietet es zwar wenig neues, dafür macht es umso deutlicher wie die Wirtschaft unseren Alltag betriff. Sein Buch ist daher klar zu empfehlen, für alle, die nicht nur über Wirtschaftsanalysen reden wollen, sondern auch deren Auswirkungen auf unseren Alltag im Blick haben.
Bestellen kann man es hier.

Über den Autor

Ich habe 2009 die Freiheitsliebe gegründet aus dem Wunsch, einen Ort zu schaffen, wo es keine Grenzen gibt zwischen Menschen. Einen Ort an dem man sich mitteilen kann, unabhängig von Religion, Herkunft, sexuelle Orientierung und Geschlecht. Freiheit bedeutet immer die Freiheit von Ausbeutung. Als Autor dieser Webseite streite ich für eine Gesellschaft, in der nicht mehr die Mehrheit der Menschen das Umsetzen muss, was nur dem Wohlstand einiger Weniger dient.
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3 Kommentare

  • 1
    Habnix sagt:

    „Ein reicher Mensch hingegen, dem staatliche Strukturen Geld wegnehmen, um es Ärmeren zu geben, ist aus dieser Perspektive nicht frei.“

    Nach jeder Landtagswahl oder Bundestagswahl gewinnt immer die Parteid der Konzern-Lobbyisten.

    Da gibt es keine Staatlich Struktur die den Reichen Geld weg nehmen könnte,den wen diese Staatliche Struktur auch nur daran zu denken wagt, ist der Reiche mit dem Geld weg oder das Geld ist weg über alle Grenzen.Das Kapital ist flüchtig.

    Was für ein Witz, das die Griechen ihr Geld unter dem Kopfkissen stecken würden.Es ist nur von Reichen Griechen irgendwo ins Ausland verbracht worden,wo es eine andere Staatliche Struktur schützt.

  • 2
    pepe sagt:

    Danke für den Buchtipp – bin gerade dabei es zu lesen.

  • 3

    […] Die Werbung und die Gesellschaft versuchen uns weiß zu machen, dass es wichtig ist sich den herrschenden Ideen und Idealen unterzuordnen. So gelten Arbeitslose bei vielen Menschen als faul und nicht willens zu […]