„Ich hasse die Gleichgültigen“ – Warum wir Antonio Gramsci lesen sollten

27. Juni 2015 - 09:00 | | Kultur,Politik | 9 Kommentare
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„Ich glaube, dass leben bedeutet, Partei zu ergreifen. Gleichgültigkeit ist Apathie, ist Parasitismus, ist Feigheit, ist das Gegenteil von Leben. Ich lebe, ich bin parteiisch. Deshalb hasse ich den, der nicht eingreift, ich hasse die Gleichgültigen.“

Antonio Gramsci hat sein Leben aufopferungsvoll dem Kampf für eine bessere Gesellschaft, für eine Welt ohne Krieg, Armut und Unterdrückung verschrieben. Zum Dank dafür, wurde er von den italienischen Faschisten ins Gefängnis geworfen und ist dort verrottet. Doch seine Ideen haben den Faschismus, das 20. Jahrhundert und vieles Mehr überdauert. Mit seinen „Gefängnisheften“ hat er einen der wichtigsten Schriften zur Weiterentwicklung des Marxismus geliefert und damit geholfen, die Welt zu erklären und Ansatzpunkte zu liefern, diese zu verändern. Mit „Antonio Gramsci – Gefängnishefte und Philosophie“, hat der verstorbene britische Sozialwissenschaftler Chris Harman einen großen Beitrag dazu geliefert, den begnadeten Philosophen und Revolutionär neu zu entdecken, um Strategien für das hier und jetzt zu entwickeln.

Chris Harman verteidigt Gramsci gegen die Vereinnahmung durch sogenannte Reformer. Jene „sozialistischen“ und „sozialdemokratischen“ Politiker, die glauben, man könne den Kapitalismus qua Parlamentarismus und Stellvertretung überwinden oder Zähmen. Vielmehr hat Gramsci mit dem Modell der Hegemonie, wohl ein leninscher Ansatz des Klassenkampfes, auf alle gesellschaftlichen Bereiche ausgedehnt. Nicht nur auf das des politischen Kampfes, sondern auch auf die Zivilgesellschaft, um so für die eigenen Ideen, eine „Mehrheit zu organisieren“. Der Kampf um die Hegemonie ist für Gramsci ein doppelter: „Zum einen die Arbeiterklasse von den Ideen zu befreien, die sie an den bestehenden Ausbeutungsordnung binden, und zum anderen die übrigen ‚Subalternen‘ Klassen in einen „Block“ mit der Arbeiterklasse zu führen.“ Der Kampf um eine andere Gesellschaft ist somit auch immer ein Kampf um andere Ideen.

„Einer der wichtigsten Sozialisten, die den Marxismus gelebt haben.“ Azad Tarhan, Mitglied im Landesvorstand der Linkspartei in Nordrhein-Westfalen.

Die Ideen für eine „sozialistische Gesellschaft“ schlummern im Schoß der arbeitenden Massen. Sei es die Solidarität unter Nachbarn, der Opa, der seinem Enkel erklärt das man Spielzeug teilt oder die weitverbreitete Abneigung gegen Krieg. Diese Ideen, so Gramsci, müssen von organisierten, sich dessen bewussten Menschen, gefördert und herausgefiltert werden. Der Kampf um eine andere Gesellschaft beinhaltet daher auch den die Organisieren in einer revolutionäre Partei. Gramsci hebt dabei den Wert der Basisarbeit massiv hervor!

„Werde niemals müde, die Argumente zu wiederholen“

Für jeden, der die Welt nicht nur „verschieden beschreiben will“, sondern diese auch verändern möchte, ist Antionio Gramsci ein Muss. Und die Broschüre von Chris Harman ist ein guter Einstieg. Die Broschüre ist im Aurora Verlag erschienen und auf booklooker.de oder beim Verlag für 2.50 erhältlich.

Über den Autor

Graswurzel-Aktivist bei die Linke und Redakteur für Freiheitsliebe & Balkan21. Wortakrobat für Medien wie Marx21 und junge Welt.
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9 Kommentare

  • 1
    Cource sagt:

    Leider war der DDR-Sozialismus auch nur eine Form des Materialismus mit den gleichen absurden: „bauet auf bauet auf reisset nieder und so hab’n wir für uns Arbeit immer wieder“ Zwängen. Deshalb Sklaven aller Länder vereinigt euch und zurück zur Natur!!!

    • 1.1

      Die DDR war kein Sozialismus!

      • 1.1.1
        Cource sagt:

        Auf jeden Fall hatte es die DDR verstanden, mit relativ geringen Mitteln den sozialen Frieden aufrecht zu erhalten, woran die BRD ja bis heute, trotz der Milliarden aufwendungen kläglich scheitert, siehe exorbitante Steigerung in der kriminalitätsrate u.a. Einbruchdiebstal, da muss jetzt auch der Bisher verschonte Mittelstand dran glauben und die Zeche zahlen, Strafe muss sein für deren Gleichgültigkeit

    • 1.2
      Felix sagt:

      Was hat „bauet auf bauet auf reisset nieder und so hab’n wir für uns Arbeit immer wieder“ mit dem historischer und dialektischen Materialismus zu tun. Das ergibt keinen Sinn. Das ist vollkommen unmarxistisch. Vielleicht doch noch mal die Klassiker lesen.

  • 2
    matrixen sagt:

    Lieber Daniel,

    wenn wir Hass in uns tragen,
    gegen was auch immer,
    sollten wir nicht vergessen,
    dass wir es sind, die den Hass mit sich rumschleppen und den er belastet.

    Wenn jemand Hass in sich spürt oder hoch kommt,
    ist das immer ein Zeichen, dass man aus dem Gleichgewicht gekommen ist,
    bzw. dass in einem noch was brodelt. Da gibt es dann immer etwas aufzuräumen, in einem selber, aus der Vergangenheit. Alles was wir an anderen nicht mögen, verurteilen wir an uns selbst und es schadet nicht den anderen, sondern immer nur uns selbst.

    Ich glaube das Leben beinhaltet alles, dazu gehören auch die Gleichgültigen.

    Mein Buch wird dieses nicht werden.
    Vielleicht sollten wir uns etwas mehr mit den Gesetzen der Anziehungskraft beschäftigen, dann fängt das Leben auch wieder an zu fließen.

    MFG matrixen

    • 2.1
      Felix sagt:

      Das gesellschaftliche Sein bestimmt das Bewusstsein. Hass wird auch dadurch definiert. Dialektisch gesehen ist hier der Widerspruch, zwischen dem organisierten Gramsci, der die historische Notwendigkeit sieht und Personen, die trotz ihres gesellschaftlichen Platzes, Gleichgültig bleiben, nicht zu Gunsten ihrer Emanzipation Partei ergreifen.

    • 2.2
      Cource sagt:

      Ohne die starken Gefühle wie Hass und Wut würden wir noch heute unter der Fuchtel von Kaiser und Co zu leiden haben–aber es gibt eben erstaunlicherweise immer noch ewig gestrige Leute die nichts sehnlicher wünschen als die Zucht und Ordnung eines Zarenreiches

  • 3
    Kellermann sagt:

    Auch er gehört auf den Müllhaufen der Geschichte .Allein die NÄHE zum Marxismus disqualifiziert ihn total . Es ist die eine Krankheit die ein Volk befallen kann und sie ist tückischer und verlogener als jeder andere Ungeist.

  • 4
    Mario sagt:

    Gramsci lesen. Einstiege in die Gefängsnishefte

    Für alle, die nicht gleich 2.000 Seiten lesen wollen oder können, um das abenteuerliche Terrain von Gramscis Hegemonietheorie zu erkunden, ist jetzt ein neuer Sammelband mit ausgewählten Textstellen aus Gramscis Gefängnisheften erschienen. 12 Kapitel mit Auszügen aus den Gefängnisheften und kurze „Gebrauchshilfen“ der HerausgeberInnen geben Einblick in Zusammenhänge von Gramscis Gesellschaftstheorie und politischer Strategie.

    Die Text-Auswahl wurde im Zusammenhang mit dem RLS-Kurs „Gramsci Lesen“ von den HerausgeberInnen entwickelt und in der politischen Bildungspraxis erprobt. Der von der Rosa-Luxemburg-Stiftung geförderte Band richtet sich an alle Gramsci-Interessierten, besonders an BildungsarbeiterInnen in der politischen Bildung (ob in Gewerkschaften, Partei oder Bewegung) sowie an selbstorganisierte Lesegruppen.

    http://www.rosalux.de/news/40061/neuerscheinung-gramsci-lesen-einstiege-in-die-gefaengsnishefte.html