Der große Raub im Süden – Die Folgen der Globalisierung

27. Dezember 2014 - 14:17 | | Kultur,Wirtschaft | 3 Kommentare

Michael Pröbsting beschäftigt sich in dem Buch „der große Raub im Süden“ mit der zunehmenden Ausbeutung des globalen Südens durch den Norden. Er stellt dabei die Ausbeutung durch multinationale Konzerne in den Vordergrund und versucht, die inneren Gesetze dieses Prozesses aufzuzeigen. Eine grundlegende Basis der Standpunkte ist die Analyse des Kapitalismus, wie sie von Karl Marx und Friedrich Engels erarbeitet wurde, jedoch zieht er auch die Imperialsimus-Theorie Lenins heran.

Ausgehend von der Tatsache, dass nie zuvor ein derart grosser Anteil des weltweiten Wirtschaftsproduktes im Süden entstanden ist und, dass der Norden niemals zuvor so abhängig von der „Überausbeutung“ des Südens war, versucht Pröbsting mit Hilfe einer Vielzahl von Statistiken und Grafiken den Weg, der dorthin geführt hat, darzustellen.
Er legt dar, wie stark die multinationalen Konzerne die Weltwirtschaft beherrschen. Er zitiert den französischen Sozialwissenschaftler Eric Toussaint, der z.B. feststellte, dass 6 Konzerne 85% der weltweiten Reifenproduktion, zwei Konzerne mehr als 95% der weltweiten Produktion für die zivile Luftfahrt und ein Konzern 60% der Mikroprozessorproduktion kontrollieren.

Im weiteren beschäftigt sich der Autor mit der Entwicklung der kapitalistischen Weltwirtschaft in den 70er Jahren und stellt fest, dass die durchschnittliche Profitrate langfristig gesehen sinkt. Seine Beobachtung und Stellungnahmen untermauert er mit zahlreichen Statistiken und Grafiken aus verschiedensten Quellen. Er zeigt auf, dass sich die Kluft zwischen dem Wachstum der Reallöhne und der Produktion in Lateinamerika und den aufstrebenden Ländern Asiens sehr viel weiter aufgetan hat, als dies in den reichen Industriestaaten der Fall war. Er hinterfragt die Verlagerung des Schwerpunktes der Produktion und der Lohnabhängigen in den Süden und das Sinken des Wertes der Arbeitskraft und stellt seinen Erkenntnissen die marxistische Theorie gegenüber.

Ein Unterkapitel widmet er der Frage nach Migration und Überausbeutung. So stellt er fest, dass das Kapital MigrantInnen z.B. dadurch ausbeutet, dass es keine oder nur geringe Kosten für deren Ausbildung zu tragen hat, da diese häufig in ihrer Heimat ausgebildet werden und auch geringere Kosten für Pensionen und Sozialversicherung zu tragen hat, da diese häufig nur beschränkten Zugang zu Sozialleistungen haben. MigrantInnen sind, seiner Ansicht nach, Diskriminierungen in verschiedenster Form ausgesetzt, gehören also in der grossen Mehrheit der unteren Schicht der Arbeiterklasse an und sollten sie ins Kleinbürgertum aufgestiegen sein, der ärmsten Schicht dieser Klasse an. Er definiert MigrantInnen als eine „national unterdrückte Schicht überausgebeuteter Arbeitskräfte“ und sieht in der migrantischen Arbeitskraft eine wichtige Quelle Extraprofite. Laut Pröbsting erkannte bereits Karl Marx, die Konsequenzen der Migration hinsichtlich der Spaltung der Arbeiterklasse. Der Autor stellt fest, dass das Kapital die Migranten dazu benutzt, die Löhne unter den Wert der Arbeitskraft zu drücken, da durch Migration eine grosse industrielle Reservearmee zur Verfügung steht, ähnliches gilt, seiner Ansicht nach, auch für Arbeitslose.
Im Anschluss beschäftigt sich Pröbsting mit einer detaillierten Analyse der verschiedenen Formen der Überausbeutung des Südens. Er gibt einen Überblick über die finanziellen Nettotransfers, betrachtet die Situation bei Nahrung und Rohstoffen, wobei er feststellt, dass es eine starke Abhängigkeit der reichen Länder von den Importen aus dem Süden gibt, sowie die Rolle der Kapitalexporte aus den halbkolonialen Ländern. In diesem Zusammenhang stellt er dar, dass die Kapitalexporte nach China zwischen 1990 und 2011 leicht gesunken sind, während nach der Jahrtausendwende die getätigten Auslandsinvestionen Chinas erheblich anstiegen. China ist demnach zu einem gröβern Kapitalexporteur geworden. Er sieht darin die Bestätigung seiner Überzeugung, dass China sich zu einer aufstrebenden imperialistischen Macht entwickelt.

Im Zusammenhang mit den Kapitalexporten analysiert der Autor die verschiedenen Formen, wie etwa Profite durch Kapitalexporte als produktive Investitionen oder als Geldkapital, den Werttransfer durch Migration und versucht sich in einer Gesamtberechnung des Raubes im Süden, wobei er zu dem Ergebnis kommte dass der Werttransfer aus den Ländern des Südens bei mindestens 30% des jährlichen BIP der halbkolonialen Länder liegt.
Ein Exkurs über die Rolle der Plünderung der Kolonien für die Herausbildung des Kapitalismus in Westeuropa im 16.-18. Jahrhundert vervollständigt diese Analyse.

Ein letztes, sehr ausführliches Kapitel widmet Pröbsting dem Wandel Chinas zur imperialistischen Groβmacht. Er stellt fest, dass es China gelungen ist, eine Dominanz seiner Wirtschaft durch ausländische Konzerne zu verhindern. Vielmehr haben sich starke chinesische Monopole entwickelt, die heute eine weltweite Rolle spielen. 121 chinesische Konzerne haben z.B. ihren Weg auf die Liste der weltgröβten Konzerne, The Forbes Global 2000, gefunden. Diese Zahl wird nur von der Anzahl der US-amerikanischen und japanischen Konzerne übertroffen. Der Autor sieht neben der zentralistischen Verwaltungsstruktur auch in der inneren Migration innerhalb Chinas einen Grund für den Aufstieg des Landes, da auch interne Migranten einer Überausbeutung unterliegen. Abschlieβend stellt der Autor in diesem Kapitel die Frage, warum China eine so wesentlich erfolgreichere Entwicklung gelang als Russland, obgleich Russland stärker industrialisiert war, eine fortschrittlichere Technologie und besser ausgebildete Arbeitskräfte besaß.
Den Abschluss des Buches bildet eine ausführliche Bibliographie.

Es handelt sich bei „Der grosse Raub im Süden“ um eine sehr interessante, informative Lektüre, die dem Leser detaillierte Einblicke in Investitionsstrukturen und Wirtschaftsentwicklungen gibt. Die groβe Zahl der Statistiken und Grafiken, die dies belegen, erschwert jedoch manchmal das Gesamtverständnis.

Der große Raub im Süden: Ausbeutung im Zeitalter der Globalisierung kann hier bestellt werden

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3 Kommentare

  • 1
    Mäx sagt:

    was ist denn bitte bei euch nicht in ordnung?
    ihr schreibt einen relativ guten artikel über ein ungemein wichtiges thema.
    und dann verweist ihr am ende auf eine amazon-seite zum kauf des buches?
    schickt die menschen in die buchläden, anstatt sie zu lakaien kapitalistischer
    menschenfresser zu machen.

  • 2
    ethik sagt:

    nölen aber keine gute hand um kritik zu reichen.ich denke aber auch das amazon die erste und einfachste wahl war.
    richtig, die kleine läden! die „guten“ noch unkonventionellen nicht kapitalistisch ausgelegte läden.! nur zu wenig. sterben aus! in fast jeder stadt gibt es einen. müssen gehegt und gepflegt werden! auf das sie klein bleiben wie ameisen.
    immer, immer mehr werden und mit selbstbestimmten leben das zahnrad an misst löschern.
    nur dafür muss man für sich eine neue „zeitpolitik“ im wert seiner souveränität und glaubhaftigkeit konsequent setzen, weniger internet „touch handy“ und co viel mehr zeit gebrauchen. doch viel gelebter, als all die schnellen trips die die schnelllebigkeit des uhrwerks an arbeitswelt, bürokratie, medien,
    politik und seine wirtschaft ratenscharf fix tickt! dann die lebensader täubt und die schwachen mächlich erstickt.
    ……“gutes ding und gut ding will weile haben……“
    so hoffe ich doch und werden sehen.