Aus der Vergangenheit für die Gegenwart lernen

1. September 2017 - 16:14 | | Kultur | 0 Kommentare
Arbeiter in Bremen – Foto: Barth, Staatsarchiv Bremen, CC BY-SA 3.0, via wikimedia

Der Kampf für eine andere Gesellschaft, für bessere Lebensverhältnisse und Gleichberechtigung wirken so aktuell wie die letzten Jahrzehnte nicht mehr. Die Bewegung in Deutschland hat wichtige Entscheidungen zu treffen, bei denen ein Blick in die Vergangenheit der deutschen Arbeiterbewegung helfen könnte. Der Weg zu einer sozialistischen Gesellschaft kann durch einen kritischen Blick auf das 19. und 20 Jahrhundert erleichtert werden.

Den Blick auf die Zeit vor dem ersten Weltkrieg, will Ralf Hoffrogge mit seinem Buch “Sozialismus und Arbeiterbewegung in Deutschland” (Verlag: Theorie.org) schärfen. Sein Werk soll nicht nur über die Vergangenheit informieren, sondern auch ein Ratgeber für die Zukunft sein. Der Beginn der deutschen Arbeiterbewegung wird meist auf 1848 datiert, Hoffrogge beginnt mit seiner Erzählung deutlich früher und erklärt warum auch Maschinnenstürmer und andere, nicht organisierte, Kämpfe eine wichtige Basis für die Bewegung geschaffen haben.

Organisationen und Entwicklung

Er stellt die Organisationen, ihre Entstehungsbedingungen und LeiterInnen vor und zeigt dabei deren Debatten und Handlungsmöglichkeiten auf. Die Geschichte der Organisationen beginnt mit dem “Bund der Geächteten”, in dem sich Gesellen und linke Intellektuelle zusammenschloßen um eine Organisation zu schaffen, die die Basis für die Überwindung des Kapitalismus legen soll. Aus dem “Bund der Geächteten” wurde später der “Bund der Gerechten”, der als Vorläuferorganisation des “Bund der Kommunisten” gilt. Die Entwicklung vom Bund zur SPD und ihre Rolle in der Gesellschaft beschreibt Hoffrogge in seinem Buch ausführlich.

Er geht nicht nur auf die wirtschaftlichen Kämpfe der Arbeiterbewegung ein, sondern beschäftigt sich auch mit wichtigen Debatten des Alltags. So wird der Rolle des Alkohols innerhalb der Arbeiterbewegung und die Entstehung der Kneipenkultur ein ganzes Kapitel gewidmet.

Obwohl die Bewegung in Deutschland große Niederlagen erlitten hat, ist die Chance für Veränderungen real. Die letzten Worte, seines 202 Seiten starken Buchs, sollten wir bei all unseren Handlungen berücksichtigen: “Mehr denn je dominieren die Widersprüche von Kapital und Arbeit das Alltagsleben von Menschen überall auf der Welt, weniger denn je können wir es uns leisten, die Erfahrungen der Vergangenheit in den politischen Auseinandersetzung der Gegenwart zu vergessen.”

Das Buch ist ein guter Einstieg für alle, die Interesse an der Geschichte der Bewegung haben. Die Sprache ist leicht verständlich ohne plump zu wirken, die einzelnen Kapitel werden durch Leseempfehlungen ergänzt.

Über den Autor

Ich habe 2009 die Freiheitsliebe gegründet aus dem Wunsch, einen Ort zu schaffen, wo es keine Grenzen gibt zwischen Menschen. Einen Ort an dem man sich mitteilen kann, unabhängig von Religion, Herkunft, sexuelle Orientierung und Geschlecht. Freiheit bedeutet immer die Freiheit von Ausbeutung. Als Autor dieser Webseite streite ich für eine Gesellschaft, in der nicht mehr die Mehrheit der Menschen das Umsetzen muss, was nur dem Wohlstand einiger Weniger dient.
Ihr findet mich auf: Facebook