Wir brauchen eine soziale Revolution – Im Gespräch mit Felix Dettmann (Revolutionärer 1 Mai)

27. April 2012 - 18:00 | | Gesellschaft,Politik | 2 Kommentare

Der erste Mai ist der wohl wichtigste Tag für ArbeiternehmerInnen, GewerkschafterInnen und Sozialisten weltweit. Viele Forderungen der AktivistInnen bleiben Forderung, die innerhalb des Systems stehen. Wir sprachen mit Felix Dettmann dem Pressesprecher des“ revolutionären 1. Mai Bündnis Berlin“

Die Freiheitsliebe: Euer Bündnis ruft zum revolutionären ersten Mai auf. Was unterscheidet den revolutionären Block auf den Demos von den anderen Demonstranten?

Felix Dettmann: Wir rufen zur revolutionären 1. Mai Demonstration in Berlin auf, die dieses Jahr unter dem Motto „Der Druck steigt – für die soziale Revolution!“ steht. Die Demonstration selber wird aus einer organisierten Demospitze, dem klassenkämpferischen Block, der auch am Morgen bei der DGB-Demo dabei ist, einem internationalistischen Block, sowie einem Mobiblock von „Blockupy“ bestehen. Letztere mobilisieren zu den anstehenden Protesten und Aktionen Mitte Mai in der Bankenhauptstadt Frankfurt am Main.
Thematisch verknüpfen wir unsere ganz generelle Kritik am Kapitalismus mit aktuellen Themen, so spielt in diesem Jahr die Kritik des deutschen Krisenimperialismus in der EU und der autoritären Krisenlösungspolitik im Mittelpunkt. Nachdem hier zu lande massiv Löhne gekürzt, der Druck auf Arbeitslose erhöht und ein Billiglohnsektor eingeführt wurde um den Wettbewerbsstandort BRD „fit für die Krise“ zu machen, soll dieses Modell nun auf Willen der Troika und EZB in ganz Europa umgesetzt werden. Dieser massive Angriff auf die Lebensgrundlage vieler Menschen in den südeuropäischen Ländern ist abzulehnen und mit einer generellen Kritik am Kapitalismus zu verbinden.

Die Freiheitsliebe:  Welche revolutionären Forderung stellt ihr für diesen Tag?

Felix Dettmann: Wir sind ein Bündnis aus klassenkämpferischen, autonomen, antifaschistischen und linken Zusammenhängen. Uns eint, dass wir den
Kapitalismus und seinen Zwang zur Profitmaximierung auf Kosten der Menschen ablehnen und durch eine Gesellschaft ersetzen wollen, in dem jeder Mensch genügend Zugang zu den in Absprache produzierten Lebensmitteln hat. Generell treten wir für eine solidarische Gesellschaft ein. Forderungen an die Herrschenden stellen wir nicht, wobei auch Abwehrkämpfe gegen Lohnkürzungen ihre Berechtigung haben. Der klassenkämpferische Block verknüpft z.B. den Protest vieler KollegInnen im Betrieb mit einer generellen Kritik am Kapitalismus und dem Werben für eine revolutionäre Perspektive.

Die Freiheitsliebe: In eurem Aufruf sprecht ihr davon, dass der Kapitalismus auch Krieg bedeutet. Welche Zusammenhänge seht ihr zwischen Kapitalismus und Militarismus?

Felix Dettmann: Wie Marx schon seinerzeit richtig feststellte, ist das Kapital immer auf der Suche nach Möglichkeiten zur Profitmaximierung. Auch das scheinbar friedliches Erschließen neuer Märkte etwa durch diplomatische Einigungen bedürfen immer noch einen Gewaltapparat im Rücken, der notfalls die Interessen der imperialistischen Zentren umsetzt. Das Kapital weiß sehr genau, was es an der Seite kriegsführender Staaten zu finden hat: Ländermit zerstörter Infrastruktur, darbender Bevölkerung und damit die besten
Voraussetzungen, eine Menge Profit mit dem Leid vieler Menschen zu machen.

Die Freiheitsliebe: Der Aufruf erwähnt auch den Krieg in Libyen, den ihr kritisiert. Wie hättet ihr den Revolutionären in Libyen geholfen, bei ihrem Kampf gegen Gaddafi?

Zunächst einmal gilt es die dortigen Verhältnisse, konfliktführenden Parteien und Interessen zu analysieren. Gerade die Motive der libyschen Opposition waren eher unklar, auch wenn es in der Linken dazu ja bekanntlich geteilte Ansichten gibt. Eine klare Ablehnung
imperialistischer Kriege durch die Linke, dazu gibt es aus unserer Sicht keine Alternative. Ob die Nato-Bombardements eine so positive Rolle für die Emanzipation der dortigen Bevölkerung gespielt haben, wagen wir zu bezweifeln.

Die Freiheitsliebe: Ihr greift den Satz „Der Hauptfeind steht im eigenen Land“ von Karl Liebknecht auf. Wieso ist grade der deutsche Kapitalismus eine Gefahr für die ArbeiterInnen in Deutschland?

Felix Dettmann: Für das Kapital sind die ArbeiterInnen nichts weiter als Kosten, die es bei gleichzeitiger Steigerung der Produktivität zu minimieren gilt. Gerade das deutsche Kapital hat besonders im letzten Jahrzehnt so massiv Druck auf die Politik ausgeübt, dass sowohl Sozialleistungen geschröpft wurden, als auch die Ausweitung eines Billiglohnsektor möglich wurde. In der Logik des Kapitals hat sich damit die BRD einen Konkurrenzvorteil erschaffen, der auf Kosten der Lohnabhängigen und Erwerbslosen realisiert wurde. Dieser Klassenkampf von Oben ist ein organisierter Angriff auf die Lebensbedingungen der Bevölkerung und damit zu bekämpfen.

Die Freiheitsliebe: Ihr sprecht über die deutsche Politik des Sozialabbaus und ihre Vorbildfunktion für andere neoliberale Regierungen. Als deren Folge seht ihr die Demonstrationen in Griechenland, aber auch die Riots in England. Was hatten die Riots mit Aktivismus zu tun, handelte es sich nicht auch zu einem großen Teil um Randale und Vandalismus?

Felix Dettmann: In Zeiten der immer mehr zunehmenden Zumutungen von Staat und Kapital gegen die Menschen, bricht sich eben auch mal die Wut Bahn. Gerade die Riots in Englands im Sommer 2011 sind ein Ausdruck von Widerstand gegen Polizeigewalt und ganz allgemein eben auch ein Signal an die Herrschenden im Sinne von „bis hierhin und nicht weiter“. Das es in solchen Situation vereinzelt zu kritischen Aktionen kommt, ist vor Allem der Tatsache geschuldet, dass die durch den Kapitalismus Individiualisierten ersteinmal wieder lernen müssen, kollektiv zu kämpfen. Es gilt für die radikale Linke die Gründe des Protestes zu benennen und Ohnmachtserfahrungen der Individualisierten in kollektiven Widerstand zu überführen. Positiv ist es in jedem Fall, wenn sich Betroffene von Polizeigewalt, Gentrifizierung oder eben Verarmung organisieren und Widerstand ausüben. Der 1. Mai 1987 in Berlin Kreuzberg, dessen 25. Jubiläum wir ebenfalls in diesem Jahr thematisieren, wird bisweilen auch durch die Herrschenden verunglimpft und desssen politischen Gehalt beraubt. Der 1. Mai steht besonders in der BRD für diese kollektiv entwickelte widerständige Praxis gegen
Verarmung, Krieg und andere Zumutungen der kapitalistischen Gesellschaft.

Die Freiheitsliebe: Ihr fordert den Kapitalismus abzuschaffen und durch ein menschenfreundliches System auszutauschen. Wie sollte dieses aussehen und kann der Kapitalismus nicht auch der Mehrheit der Menschen dienen?

Felix Dettmann: Der Kapitalismus hat eben genau genommen nur einen Zweck: die Profitmaximierung. Alles, was den Kapitalismus

Kapitalismus tötet

für Teile der Menschheit lebenswert macht, ist entweder der inneren Logik der Herrschaftssicherung oder emanzipatorischen Kämpfen vieler Generationen vor uns geschuldet. Der Mensch ist nur ein Mittel zum Zweck für das Kapital, was z.B. auch daran sichtbar wird, dass eben genug von Allem da wäre, und trotzdem Milliarden Menschen auf der Erde hungern und ihnen rudimentäre Gesundheitsversorgung vorenthalten wird. Unsere Vorstellung ist eine Ökonomie, in der die Menschen solidarisch und in Absprache die Güter ihres Bedarfs produzieren. Das Ziel ist eine klassen- und herrschaftslose Gesellschaft.

Die Freiheitsliebe: Vervollständige zum Abschluss noch diesen Satz: Der erste Mai dient …

Felix Dettmann: … weltweit Millionen Menschen, um ihre Wut auf ein System, das Kriege, Elend, Armut und die Zerstörung der Umwelt verursacht, zum Ausdruck zu bringen. Der 1. Mai ist ein Anlass, um gegen die Folgen der Weltwirtschaftskrise, imperialistische Kriege, rassistische Morde und Hetze, Verschlechterungen der Arbeits- und Lebensbedingungen und die Verdrängung im Stadtteil zu protestieren. Der 1. Mai steht aber auch international für den Kampf für eine Perspektive jenseits des Kapitalismus für eine befreite und solidarische Gesellschaft ohne Ausbeutung und Unterdrückung.

Die Freiheitsliebe: Wir danken dir für dieses Interview und hoffen auf eine hohe Beteiligung und Gewaltfreiheit!

 

Über den Autor

Ich habe 2009 die Freiheitsliebe gegründet aus dem Wunsch, einen Ort zu schaffen, wo es keine Grenzen gibt zwischen Menschen. Einen Ort an dem man sich mitteilen kann, unabhängig von Religion, Herkunft, sexuelle Orientierung und Geschlecht. Freiheit bedeutet immer die Freiheit von Ausbeutung. Als Autor dieser Webseite streite ich für eine Gesellschaft, in der nicht mehr die Mehrheit der Menschen das Umsetzen muss, was nur dem Wohlstand einiger Weniger dient.
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