Wegen ihres Kopftuch wird Juristin trotz Zusage die Stelle verweigert

5. Juni 2015 - 12:05 | | Gesellschaft | 16 Kommentare

Betül Ulusoy ist eine bekannte muslimische Aktivistin und Bloggerin, die Jura studiert und im Bezirksamt Berlin Neukölln ein Praktikum als Rechtsrefendarin machen wollte. Bis zum vergangenen Mittwoch ging sie auch davon aus, dass dem nichts im Wege steht, da sie telefonisch eine Zusage erhalten hatte, als sie allerdings vor Ort das Formular unterzeichnen wollte, wurde die Zusage zurückgenommen, weil sie ein Kopftuch trägt.

Sie schildert auf Facebook ihre Erlebnisse im Bezirksamt Neukölln „Er selbst sei da zwar „völlig leidenschaftslos“, das Bezirksamt fahre da aber eine „ganz klare Linie“ und stelle selbst Praktikanten mit Kopftuch im höheren Dienst nicht ein. Darum müsse er nun doch noch einmal mit der Personalabteilung und „höheren Stellen“ sprechen, das würde nun wohl „ganz hoch diskutiert“ werden und ich solle mich doch morgen noch einmal bei ihm melden.“ Bis heute hat sich das Bezirksamt Neukölln allerdings noch nicht klar zu dieser Praxis geäußert und auch nur auf Druck der Medien bekannt gegeben, dass der Fall noch einmal geprüft werden soll. „Würde mir das verweigert werden, käme das einem Berufsverbort gleich“, so die angehende Juristin im Gespräch mit Radio Berlin Brandenburg

Im Gespräch mit dem Berliner Sender rbb machte sie deutlich, warum sie das Kopftuch trägt: „Ich trage das Kopftuch auch aus emanzipatorischen Gründen. Oft wird die Frau auf ihren Körper reduziert, vor allem in unserer Werbe-, Film- und Musikindustrie und ich glaube die Bedeckung ist eine Art zu sagen: Mit mir nicht!“ Ihre Antwort zeigt deutlich, dass das Tragen des Kopftuch wenig mit Unmündigkeit zu tun hat, sondern eine ganz bewusste Entscheidung, die sich gegen den Sexismus im Alltag richtet.

All diejenigen, die Betül und alle anderen muslimischen Frauen, die wegen ihrem Kopftuch diskriminiert werden, unterstützen wollen, haben die Möglichkeit dies mit einer Mail an das Bezirksamt zu tun:
Mail: bzbm@bezirksamt-neukoelln.de
Post: Dr. Franziska Giffey
Karl-Marx-Str. 83
12040 Berlin

Über den Autor

Ich habe 2009 die Freiheitsliebe gegründet aus dem Wunsch, einen Ort zu schaffen, wo es keine Grenzen gibt zwischen Menschen. Einen Ort an dem man sich mitteilen kann, unabhängig von Religion, Herkunft, sexuelle Orientierung und Geschlecht. Freiheit bedeutet immer die Freiheit von Ausbeutung. Als Autor dieser Webseite streite ich für eine Gesellschaft, in der nicht mehr die Mehrheit der Menschen das Umsetzen muss, was nur dem Wohlstand einiger Weniger dient.
Ihr findet mich auf: Facebook

16 Kommentare

  • 1
    Peter sagt:

    Ein wenig ungutes Gefühl….. event. Muslimische Richter & Staatsanwälte die über Deutsche Bürger richten oder Recht sprechen sollen, irgendwann vielleicht einmal……Nee Danke

    • 1.1
      Jan sagt:

      @Peter: Wieso? Was soll an Moslems schlimmer sein als an Christen? Etwa, dass sie nicht deinen arischen Rassenidealen entsprechen??

  • 2
    biersauer sagt:

    Als fanatische Kopftüchlerin muss man sich zwischen Beruf und seinem Glauben entscheiden können.
    Ist der Glaube stärker als der Beruf, da hat man seine freie Wahlbereits bereits getroffen.
    Glauben ist geistige Unfreiheit im Denken und für einen Zivilberuf hinderlich.
    Sich von Unfreiheit loszulösen bedarf es eigener Sozieller Intelligenz, welche aber für den Beruf erforderlicjh wäre.

  • 3
    Mustafa Kemal sagt:

    Das fehlt uns noch in Deutschland! Ich muss schon kotzen, wenn ich diese Kopftücher auf der Strasse sehe (Wo sie in Europa überhaupt nicht erwünscht sind), muss ich jetzt würgen, wenn ich in einer Behörde zu tun habe? Ausserdem, religiöse Überzeugung trägt man im Herzen, nicht auf dem Kopf! Wir sind ein laizistischer Staat, religiöse Symbole (auch getarnt als „modisches Assessoire“) haben in Behörden nichts, aber nichts verloren!

  • 4
    rote_pille sagt:

    warum haben sie nochmal die kreuze aus den schulen entfernt? war da nicht so ein prinzip…?

  • 5
    Infoliner sagt:

    Ein irreführender Titel. Aus dem Text geht hervor, daß die Sache überprüft werden soll und sie durchaus die mögliche Stelle noch nicht verloren hat. Auch wenn es für den Artikelschreiber keinen Unterschied zu machen scheint, so sehe ich wohl ein Problem darin, immer mehr Gutmenschen, Emanzen usw. an öffentlichen Stellen auftreten zu lassen. Wer da Symbole tragen möchte, hat ganz sicher noch nicht die Reife für eine verantwortungsvolle Aufgabe. Leider gilt das wohl auch für die meisten symbollosen anderen Anwärter auf derartige Stellen. Es ist sicher keine leichte Suche, wo Grenzen zu setzen sind, solange die moralische Entwicklung der Mehrheit da keinen Hinweis gibt, also wo willst Du die Grenzen setzen? Roboter als Juristen? intelligente Krokodile? Symbolträger? Nach Geschlecht? Herkunft? Denk nur an dasselbe Problem bei der „sexuellen Orientierung“: Heute ist im Mainstream gerade Homo cool und Pädo nicht cool. Wo ist die Grenze? Dankenswerterweise hast Du mich daran erinnert, wie schwierig Maßstäbe in einer völlig verdrehten Welt zu finden sind, darin liegt der Wert vieler Beiträge von Dir.

  • 6
    greenhorn sagt:

    Yepp,
    gegen ein Kopftuch nebst darin eingewickelten Kopf kann doch wirklich niemand ernsthaft sein. Ich möchte zudem daran erinnern, dass es in old Germany, und das ist noch nicht einmal lange her, üblich war, dass Frauen Kopftücher trugen. Aufgeregt hatte sich da wohl niemand. Mit den aufkommenden Emanzen, die irgendwo Männer sein wollen, ist das Kopftuchtragen wohl in Vergessenheit geraten.

  • 7
    Tuch runter sagt:

    „… Kommt einem Berufsverbot gleich…?“

    Nimm im Dienst das Tuch ab und setze es abends und wochenends zuhause, im Keller oder sonstwo wieder auf.

  • 8
    wolf wanninger sagt:

    WANN WIRD ENDLICH DIE ISLAMOPHOBE PRAXIS WENIGSTENS AUS ‚DEMOKRATISCHEN‘ BEHÖRDEN VERSCHWINDEN !!!???
    !!! SCHÄMT EUCH !!!

  • 9
    Deicke sagt:

    Ich habe folgende Mail gesendet und dem habe ich eigendlich nicht mehr hinzuzufügen:
    Betr.: Vorgang Betül Ulusoy

    Mit Entsetzen habe ich gelesen wie ihr Amt mit andersgläubigen Menschen umgeht.
    Zieht sich die Verlogenheit und Schizoprenie nun nicht mehr nur durch höchste Regierungsstellen sondern auch deurch die Amtsstuben .
    Vor nicht allzulanger Zeit hieß es in Deutschland „Juden raus“ nun haben sich die Zeiten geändert und es heißt „Muslime raus“
    Wie ist das mit den Aussagen der Bundeskanzlerin zu vereinbaren die Deutschland als einen Garanten für Demokratie und Menschenrechte sieht ?

    Linke Politiker und Pazifisten werden in diesem Land an Leib und Leben bedroht,andersdenkende werden ausgegerenzt und als „Verfassungsfeinde“ geheimdienstlich observiert,Menschen anderer Hautfarbe auf offener Strasse zusammengeschlagen und ermordet und eine studierte Juristin,eine Muslima darf in einer Behörde dieses so demokratischen Staates kein Praktikum machen.
    Es sitzen wahrscheinlich sehr viele verkappte Rassisten in deutschen Amtsstuben.
    Man schämt sich ein Bürger dieses Staates zu sein.

    D.Deicke

    • 9.1
      DerVerwalter sagt:

      „JUDEN RAUS“ hieß es zur Nazi-Zeit tatsächlich aus rassistischen Gründen – nur weil die Menschen jüdischer Abstammung waren, wurden sie entlassen, nicht eingestellt, von Behörden terrorisiert … – nicht weil sie sich weigerten, ihre religiösen Symbole oder besondere Kleidungsstücke, die nicht dem Standesetikett hier entsprechen (wie in diesem Fall), abzunehmen. „JUDEN RAUS“ der Vergangenheit und dass die Dame hier den Hinweis bekommt, dass das Kopftuch der Verwaltung nicht passt, sind gänzlich verschiedene Sachen. Wäre sie lediglich aus dem Grunde nicht eingestellt, weil sie türkischer Abstammung ist, dann wäre ein Vergleich mit der Nazi-Ideologie angebracht.

  • 10
    Manno sagt:

    Oh Mann „JAN“ halt doch einfach dein Gutmenschliches bei Dir.

  • 11
    DerVerwalter sagt:

    Können Frauen z. B. in Saudi-Arabien oder in den VAE ohne Kopftuch Tätigkeiten als Juristinnen in der Verwaltung ausführen? Ich rede in dem Fall von nicht-muslimischen Frauen, die Interesse an sowas haben könnten. Selbstverständlich nicht! Dort müssen ALLE Frauen bedeckt herumlaufen, schon wenn sie einfach auf die Straße wollen (sonst gibt es für sie drastische Strafen), das entspircht dem kulturellen Kreis und ist dort auch in Ordnung. Hier in Europa ist die Kultur nun mal anders. Daher kann ich die Aufregung aus diesem Artikel nicht teilen.

  • 12
    Meh sagt:

    Die Frau scheint gerade zu bessenen von ihrem Kopftuch zu sein, wenn man sich ihren Blog ansieht.
    Und „zufällig“ fühlt sie swich jetzt deshalb benachteiligt…

    Kommt mir so vor, als suche sie bewusst die Konfrontation. Hoffentich wird sie abgewiesen!

  • 13
    Uwe sagt:

    Herr Jamal, Sie vergessen (ich will ihnen keine Verschweigung unterstellen, wobei dann wohl schlechte Recherche die Ursache wäre) in ihrem Artikel einen ganz entscheidenden Aspekt. Und zwar den des Neutralitätsgebotes für Beamte.

    Ich bitte um Korrektur