Juden gegen antimuslimischen Rassismus

29. Dezember 2015 - 12:12 | | Gesellschaft | 4 Kommentare
Alle Muslime werden unter Generalverdacht gestellt – Quelle: Karsten

In Europa nimmt der Rassismus, sei es in Form der Pegida-Bewegung in Deutschland, dem Aufstieg rechter Parteien in den Niederlanden und Frankreich oder der Zunahme rassistisch motivierter Angriffe in fast allen Teilen Europas. Die französische und belgische Sektionen der „Jüdischen Stimme für Frieden“ haben einen Aufruf verfasst, der sich klar gegen den wohl am stärksten zunehmenden Rassismus, den antimuslimischen, richtet.

Der Aufruf, der von der deutschen Sektion übersetzt wurde, setzt ein klares Zeichen:

Wie alle Bürgerinnen und Bürger, die sich der Gerechtigkeit und Menschlichkeit verpflichtet fühlen, waren wir angesichts der Massaker, die Paris am 13.November heimsuchten und deren Schockwellen über die französischen Grenzen hinaus wirkten, fassungslos und entsetzt.
Emotionen dürfen diskriminierende Maßnahmen gegen einen seit 2001 konstruierten «Feind» und den sogenannten «Kampf der Kulturen» nicht befördern.

Weil wir Europas Paria waren, von denen es hieß, sie seien unfähig, sich zu integrieren und für alle Probleme verantwortlich, und weil Antisemitismus noch immer existiert und
auch heute tötet; daher sprechen wir unsere Brüder und Schwestern an, die hier geboren und aufgewachsen sind oder hierhin kamen, ob AraberInnen, TürkInnen, MuslimInnen oder jene, denen ein „anscheinend muslimisches Aussehen“ zugeschrieben wird::

Wir sind alle hier zu Hause. Gleiche Rechte, Respekt und Würde steht allen zu.

Niemand hat das Recht, die diskriminierenden Gesetze und Regeln zu vermehren, deren erste Opfer heute ihr seid.

* Niemand hat das Recht, Abgrenzungen zwischen uns vorzunehmen, die auf Nationalitäten basieren und die viele von euch zu BürgerInnen zweiter Klasse machen würden. 

* Niemand hat das Recht, euch wegen eurer Religion, eurer äußeren Erscheinung oder vermeintlichen Herkunft zu verdächtigen. 

* Niemand hat das Recht, irgendeine Rechtfertigung von euch zu verlangen. 

* Niemand hat das Recht, Islam, Islamismus und Terrorismus bei jeder Gelegenheit zu vermischen – genauso wenig wie Juden und Jüdinnen mit ZionistInnen zu verwechseln.

* Niemand hat das Recht, zu behaupten, wir befänden uns in einer Notstandssituation, die euch in potentielle Schuldige verwandelt. 

* Niemand hat das Recht, euch zu diskriminieren, weder am Arbeitsplatz, in Wohnungsangelegenheiten, im Bildungsbereich oder bei der Staatsbürgerschaft.
* Niemand hat das Recht, mehr Kriege zu führen und mehr Mauern und Lager am Eingang nach Europa und auf dem Territorium Europas selbst zu errichten. 

* Es gibt keine Alternative zum Konzept des Zusammenlebens mit gleichen Rechten, sei es in Europa oder in Palästina/Israel. Jüdinnen und Juden, Musliminnen und Muslime – dies ist unsere Gesellschaft. Es liegt an uns, sie schöner und gerechter zu Machen – gemeinsam mit allen Menschen, die es ebenso gut meinen.

Über den Autor

Ich habe 2009 die Freiheitsliebe gegründet aus dem Wunsch, einen Ort zu schaffen, wo es keine Grenzen gibt zwischen Menschen. Einen Ort an dem man sich mitteilen kann, unabhängig von Religion, Herkunft, sexuelle Orientierung und Geschlecht. Freiheit bedeutet immer die Freiheit von Ausbeutung. Als Autor dieser Webseite streite ich für eine Gesellschaft, in der nicht mehr die Mehrheit der Menschen das Umsetzen muss, was nur dem Wohlstand einiger Weniger dient.
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4 Kommentare

  • 1
    aziz sagt:

    Es stimmt, dass der Islam von -rassisten angefeindet wird. Mein Problem ist, dass sogar die gemäßigten Muslime keine Minderheiten haben, weder gegenüber den Juden, noch den Agnostikern. Ich verstehe, wenn man mir vorwirft, dass ich verallgemeinere, doch diese Verallgemeinerung habe ich in 47 Jahren meines Lebens immer wieder bestätigt. Ich wünsche, er wäre nicht so . Christen und Juden sind mehr und minder ebenso. Ich denke, dass man diesen Religionen weiterhin sehr kritisch sein sollte, denn sie profitieren von freiheitlichen Gesellschaft, ohne sie wirklich zu verstehen. Betone, auch die Christen.

  • 2

    Eigentlich ist es ganz einfach. Wir sind ALLE Kinder dieser einen Erde. Niemand hat etwas dazu beigetragen, in welchem Land, in welcher Kultur er geboren wurde. Alle haben das Recht auf ein würdevolles Leben. Die Achtung und Würde aller Menschen untereinander ist das Fundament für den Fortbestand der Welt. Das haben wir immer mehr aus den Augen und aus den Gedanken verloren. Schaffen wir es nicht dahin zu kommen, haben alle Kinder dieser Welt verloren

  • 3
    Weber sagt:

    Nun ja, dies ist wirklich ein Aufruf an uns Menschen. Hat die jüdische Stimme für Frieden diesen Aufruf auch in Israel veröffentlicht? Ich nehme an, die jüdische Stimme für Frieden hat schon jahrelang Aufrufe in Israel, insbesondere für die fanatischen Juden, veröffentlicht? Hoffentlich, denn wir alle stehen ja für Gerechtigkeit und Toleranz. Gemischte Ehen, gemischte Religionen, gemischte Esskulturen, gemischte Sprachen, gemischte Kulturen, gemischte Ethnien, all dies sind sicher Werte, die euch heilig sind.
    Da ist noch eine andere Sache, die mir wichtig scheint. Unsere Wurzeln, unsere Kultur und unser Selbstverständnis. Alle Welt spricht über Respekt, Rechte und Pflichten. Gleichzeitig mit Globalisierung, Einheitswährung, weltweite Verträge und gigantische Firmen, Überwachung, Sicherheit, Nullnummernspiel in der Politik, chirurgische Kriege, Völkerwanderung resp. Flüchtlinge etc, etc. Das Volk ist degeneriert, entmachtet und verängstigt resp. am verblöden. Und dies ist das Ergebnis des Zerfalls eigener Kulturen, nicht nur in Europa. Mit Ihrem Aufruf, auf die Rechte der ethnisch fremden Gäste in einer ihnen fremden Kultur zu pochen heisst kulturelle Respektlosigkeit, denn als Gast in einem fremden Land lebe ich mit Demut, Dank, Respekt und Anpassungsfähigkeit. Alles andere empfinde ich als Zumutung gegenüber meinen Gastgebern. Ach so, wir sind schuld am Desaster der Flüchtlingstragödie! Dies ist hingegen wahr, wenn wir die Kriegsmaterialausfuhr und unsere pervertierte Neutralität und die Unantastbarkeit fremdem Eigentum betrachten und die Handelsgepflogenheiten vieler menschenverachtenden Weltfirmen in Betracht ziehen. Wir sind in der Schuld, jedoch nicht, in dem wir unsere Kultur und unser Land aufgeben. Das Leben ist Vielfalt und nicht ein Einheitsbrei.