Montenegro: Marodes Gesundheitssystem und die Korruption

Vergangenes Jahr infizierten sich im Krankenhaus von Bijelo Polje (Montenegro) mehrere Babys mit potentiell tödlichen Keimen, eines der Neugeborenen starb an der Infektion. Der damals verhaftete und entlassene Direktor des Krankenhauses sowie der Oberarzt der Gynäkologie wurden nun erneut im selben Krankenhaus eingestellt, allem Anschein nach aus politischem Druck. Die Eltern des damals verstorbenen Babys sind in den Hungerstreik getreten.

Mit gerade einmal 250 Euro pro Kopf hat Montenegro die niedrigsten Ausgaben im Gesundheitswesen des gesamten Balkans. In 16 Krankenhäusern wurden eklatante Hygienemängel und in hohem Maße antibiotikaresistente Bakterien gefunden. Doch die 170 Millionen Euro die Montenegro zur Verfügung stehen sind, nach aktuellem Stand, zu wenig. Neben einem eklatanten Finanzierungsproblem kommt in dem Balkanstaat die sehr lebendige Korruption hinzu: „Nach etlichen Untersuchungen zu urteilen erleben die BürgerInnen das Gesundheitssystem als Hort der Korruption“, erklärt der Journalist Esad Krcić.

Eltern setzen Politik unter Druck

Nach den Vorfällen im vergangenen Jahr in Bijelo Polje, starteten die Eltern des verstorbenen Babys eine Petition, woraufhin die zuständigen Ärzte entlassen wurden. Seit der Wiedereinstellung vergangene Woche, sind die Eltern in den Hungerstreik getreten und kampieren vor dem Krankenhaus.

NGOs sehen kein Entkommen aus dem Teufelskries

Dejan Cvijanović ist Vorsitzender des NGO „Krug života“ (Circle of Life) und kritisiert die Verantwortlichen des Gesundheitsministeriums stark: „Wenn sich ein Patient in einer montenegrinischen Klinik beschwert oder Probleme hat, sollte er sich in offiziell an den Ombudsmann des Ministeriums wenden. Doch dieser leitet die Anfragen zumeist an die Leitungen der Kliniken weiter. Diese müssen nun selbst über die Beschwerden der Patienten befinden und Untersuchungen zeigen, dass in der Praxis kein Arzt gegen einen anderen vorgeht. Auch Gerichtsverhandlungen gehen in den seltensten Fällen zugunsten der Patienten aus.“

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