Mehr als Chauvinismus – Kroatiens AntifaschistInnen

16. Dezember 2014 - 12:32 | | Balkan21 | 0 Kommentare

In Kroatien ist mit der Arbeiter Front (Radnicka Fronta) eine neue Partei entstanden, die den Erfolgen von Syriza und Podemos nacheifert. Sie möchte mit Druck den Kapitalismus überwinden und direkte Demokratie in Wirtschaft und Politik einführen. Doch die Arbeiter Front ist nicht im Luftleeren Raum entstanden. Ihr gingen zahlreiche linksradikale Institute und antifaschistische Bewegungen voraus, wie die Rote Aktion (Crvena Akcija). Die Rote Aktion ist eine Antifa Bewegung, die sich in einer durch und durch neokonservativen und chauvinistischen Gesellschaft bewegt.

Die Rote Aktion existiert nun seit sechs Jahren. Seit sechs Jahren kämpfen sie gegen Rassismus, Antisemitismus, Unterdrückung und für eine sozialistische Gesellschaft. Auslöser war die sogenannte Transformationsökonomie: Der Wechsel von einer nicht marktwirtschaftlichen Form zu einer neoliberalen Wirtschaftsstruktur. Dabei versprachen die PolitikerInnen, wie in allen Ländern Südosteuropas, Demokratie und Prosperität, doch es kam anders: „Im Gegenteil, wie alle anderen südosteuropäischen Staaten ist Kroatien Arm, Deindustrialisiert und mit einer großen Anzahl arbeitsloser junger Menschen. Nach Griechenland und Spanien hat Kroatien die dritthöchsten Arbeitslosenquote unter jungen Erwachsenen“, erklärt uns einer der Sprecher, Antonio Bubalac (Anm. d. A. Name geändert).

Das Problem ist diesem Prozess der Transformation war, so die Gruppe, das es kein Gegengewicht gab. Es gab zwar formal linke Gruppierungen, aber diese haben sich nur mit Jugonostalgie und Linksliberalismus befasst, nichts was sie interessiert hätte. „Das Land befindet sich in einer Katastrophalen Situation und wir brauchen einen Sozialismus der die Probleme lösen kann.“ Konkret bedeutet das für die Gruppe den Aufbau von revolutionären Strukturen und das Engagement in sozialen Protesten. Denn viele der Mitglieder müssen anonym agieren, da sie sonst auf ihren Arbeitsplätzen und in ihrem sozialen Umfeld Probleme bekommen würden.

Viel aus Deutschland und Kurdistan gelernt

Die Gruppe ist International fest verankert. So hat vor allem die Form der deutschen Antifa Einflüsse auf die Gruppe in Zagreb gehabt: „Die Kontakte nach Deutschland hatten vor allem Einfluss auf unsere Methoden und unsere Organisierungsform“. Auf der anderen Hand hat vor allem die kurdische Linke. „Wir glauben nicht dass die parlamentarische und NGO Arbeit der neuen Linken Westeuropas eine Lösung ist, genauso wenig aber ist es eine Lösung sich in Autonomen Strukturen und Subkulturen zurückzuziehen. Wir wollen alte Traditionen im neuen Kontext erneuern.“, erklärt die Gruppe Rote Aktion weiter.

Kroatien: Gegen alles was links ist als Staatsräson

Der Nationalismus Kroatien, der in den 90ern herrschte, ist zu großen Teilen abgeflacht. „Heute gehört der Großteil der Wirtschaft ausländischen Firmen und es existiert auch kein ernstzunehmendes Programm, das einen faschistischen oder nationalistischen Staat fordert. Was jedoch allgegenwertig ist, ist der Chauvinismus als Versuch einen Keil zwischen den Völkern des Balkans zu treiben.“ Da wundert es nicht, dass kroatische Chauvinisten gegen Bosniaken und Serben hetzen, gleichzeitig jedoch eng mit deutschem und amerikanischen Reichen zusammenarbeiten. Ein gutes Beispiel für den Chauvinismus in Kroatien sind die beiden größten Fußballklubs: Hajduk Split und Dinamo Zagreb: Dort herrschen nationalistischen Idee vor und linke Gegenkräfte fehlen völlig.

Kroatien wird ständig Ärmer

„Kroatien befindet sich in einem Prozess in dem es ständig Ärmer wird“, so Antonio Bubalac weiter. Während des Integrationsprozess in den Kapitalismus, so Antionio, haben die Menschen Kroatiens erst die Arbeitsplätze durch die Privatisierung verloren und nun, durch die erneute Krise, werden nach und nach das Gesundheitssystem, Bildung und soziale Absicherung gestrichen. Erst die Integration in den „Westen“ hat viele Südosteuropäische Staaten an den Rand der Existenz gebracht: Westeuropäische Firmen haben Firmen in ihren Ländern geschlossen, Westeuropäische Banken die Wohnungen und Häuser gepfändet und die Gesundheits- und Sozialsysteme werden aufgrund von Anweisungen aus Brüssel und Deutschland zusammengestrichen: Für all das ist die EU und der Kapitalismus Hauptverantwortlich.

Über den Autor

Bundessprecher der linksjugend ['solid] und Wortakrobat für die Freiheitsliebe, Balkan21 und andere Medien.
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