Wo bleibt die Hilfe für den Jemen?

18. Mai 2016 - 10:59 | | Politik | 0 Kommentare

Die Vereinten Nationen (Uno) beklagen sich offiziell darüber, dass die zugesagte humanitäre Hilfe für den Jemen nur schleppend anliefe und die bisherige Geldgeber*innen-Unterstützung nicht ankäme. Erst 16 Prozent der 1,6 Milliarden Euro zugesagten Gelder seien geflossen, so John Ging im Spiegel. Doch bei wem genau beschwert sich die Uno? Ist sie nicht die Gesamtheit eben jener Staaten, die sie kritisiert – irgendwie Schizophren.

180.000 Kinder leiden an Mangelernährung, über zwei Millionen Einwohner*innen des kleinen Landes sind auf der Flucht. In der Weltöffentlichkeit nimmt dieser Konflikt, in dem Saudi-Arabien eine wichtige Rolle spielt, keine große Rolle ein. Während das saudische Königshaus die Jahrtausende alten Kulturobjekte und die Gesellschaft in die Steinzeit zurück bombt, schweigen die meisten anderen Staaten. Über 6.000 Menschen sind seit der Intervention Saudi-Arabiens ums Leben gekommen, darunter fast 1.000 Kinder. Nun sucht der Uno-Direktor für humanitäre Hilfe, John Ging, Hilfe bei der weltweiten Staatengemeinschaft. Die Uno beklagt sich also bei sich selbst?!

Auf den ersten Blick wirken solche Aussagen stets so, als ob die Uno ein freischwebendes Radikal wäre, das nichts mit der staatlichen Politik einzelner Länder zu tun hat. Doch die Vereinten Nationen sind ein zwischenstaatlicher Zusammenschluss von 193 Staaten dieser Welt und können daher auch nur jenes Interesse vertreten, die sich eben aus jenen 193 Staaten ergeben. Soll heißen: Die Uno ist keine neutrale Instanz, die nichts mit machtpolitischen Interessen einzelner Mitgliedsstaaten zu tun hat.

Wenn nun der Uno-Direktor John Ging mangelnde Unterstützung für humanitäre Hilfe im Jemen beklagt, beklagt er sich über die eigenen Mitgliedsstaaten, über die eigene Organisation. Einige Parteien in Deutschland glauben, man könne diesen Zusammenschluss kapitalistischer Staaten reformieren. Doch wie das gehen soll, erklärt keiner genau. Die Veto Mächte des Uno Sicherheitsrates können fast jede Änderung blockieren. Die Staaten haben zudem kein Interesse, ihre eigene Machtfülle zu bescheiden.

Die Schizophrenie an der gesamten Geschichte ist, dass die Uno eben nicht ein freischwebendes Radikal ist, sondern die Gesamtheit der Interessen seiner marktwirtschaftlich organisierten Mitgliedsstaaten.

Über den Autor

Bundessprecher der linksjugend ['solid] und Wortakrobat für die Freiheitsliebe, Balkan21 und andere Medien.
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