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Praktikantin rausgemobbt, weil sie ein Kopftuch trägt

Es ist seit 2015 bundesweit erlaubt, mit Kopftuch zu unterrichten, doch an vielen Schulen nicht akzeptiert. Sarah, eine Master-Studentin im 3. Semester, hat während ihres Praktikums in einer Hamburger Schule Erfahrungen gemacht, die auf ein tiefergreiferendes Problem in der Bildungseinrichtung hinweisen: Diskriminierung unter Kollegen.

An Sarahs erstem Tag auf einer Hamburger Stadtteilschule, wurde sie in eine Klasse eingeteilt, bei der in Doppelbesetzung unterrichtet wurde. Eine Lehrerin und eine Sonderpädagogin haben während der Herbstferien 2023 einen Flyer zu Israels Krieg in Gaza erarbeitet, obwohl sie dort völlig fachfremd waren. Sarahs Frage, wie es den beiden vor dem Hintergrund einer einseitigen Berichterstattung ergangen sei an diese Informationen zu gelangen, führte zu einem verbalen Schlagabtausch bei dem sie von der Sonderpädagogin mit den Vorwürfen der Arroganz und angeblicher Parteilichkeit konfrontiert wurde. Die Sonderpädagogin entgegnete Sarah, dass es ja ganz einfach wäre an Informationen zu kommen und Sarah so aussehe als würde sie AfD wählen und in ihrer eigenen Blase leben. Sie fuhr damit fort, dass die Praktikantin aufgrund ihres „Auftretens“, also ihrem Kopftuch, niemals neutral unterrichten könne. Als Folge dieser Auseinandersetzung beschloss die Schuldirektorin gemeinsam mit einer weiteren Lehrerin, dass Sarah nicht mehr an der Schule unterrichten dürfe.

Bildungsexpertin Prof. Yasemin Karakasoglu bestätigt: „Wenn wir an die Schule denken, ist da das Kopftuch bei den Lehrern immer noch eine große Ausnahme und auch immer noch mit Missfallen und Missbehagen verbunden bei einigen Schulleitungen, bei Kollegien. Unsere Lehramtsstudierenden, die Praktika machen in den Schulen, erleben immer wieder, dass man ihnen mit Misstrauen und auch mit abfälligen Bemerkungen begegnet.“

Sarahs Geschichte ist kein Einzelfall. Interviews mit anderen Lehramtsstudentinnen und einem Lehrer enthüllen weitere Fälle von Diskriminierung im Bildungsbereich. Die meisten Lehrerinnen mit Kopftuch erleben Diskriminierung schon in der Universität. Eine Studentin gibt an, dass ein Dozent sie aufgrund ihres Kopftuches bewusst durchfallen ließ. Ein Gymnasiallehrer bestätigt, dass es an vielen Schulen an Lehrkräften mit Kopftuch mangelt. Eine weitere Lehrerin bejahte bei einer telefonischen Bewerbung die Frage, ob sie ein Kopftuch trägt. Daraufhin wurde sie abgelehnt. Die Schule würde nur neutrale Lehrkräfte einstellen wollen. Die abgelehnte Lehrerin berichtet: „Ich versuche es gar nicht erst in noblen Stadtteilen wie Blankenese, sondern bleibe lieber in Stadtteilen wie Billstedt“.

TikTok-Kommentare als Spiegel der Gesellschaft

Kommentare auf TikTok zeigen, dass Vorurteile und falsche Annahmen über Menschen mit Kopftuch in der Gesellschaft weiterhin existieren. Aussagen wie „Ein Kopftuch ist ein Zeichen der Unterdrückung von Frauen […], wenn du Lehrerin sein möchtest, solltest du dessen bewusst sein“ verdeutlichen die tief verwurzelten Vorurteile, die Lehrerinnen mit Kopftuch in Schulen erleben müssen. Die Geschichte von Sarah ist nicht nur eine persönliche Angelegenheit, sondern ein Spiegel für strukturelle Probleme im Bildungssystem, die bereits im Studium beginnen, dann die Praktikumszeit erschweren und somit auch Unsicherheiten bei Lehrerinnen mit Kopftuch wecken.

Ein Beitrag von Juliet Krawczyk.

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2 Antworten

  1. Man muß sich entscheiden, ob man neutral Kinder unterrichten oder mit aller Gewalt seine Religion vor sich hertragen will. Wir haben den Einfluß der Religion weitgehend zurückgedrängt, sie muß jetzt nicht durch die Hintertür wieder zurückkehren. Außerdem erschließt es sich dem denkenden Menschen nicht, warum ein offen getragenes Frauenhaar auf Männer stimulierend wirken soll (=Begründung für Kopftuch) .

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