Gaza - Bild Motaz Azaiza

Gaza: Meine Tante und 20 Verwandte wurden getötet – Doch ihr Tod wird ignoriert

Der 21. November veränderte mein Leben für immer, eine israelische Bombe traf das Haus meiner Tante und nahm 21 Leben. Der einzige Überlebende versucht bis heute tagtäglich die Leichen zu bergen, doch er kann es nicht, denn Bomben fallen weiterhin und Bergungsgeräte fehlen.

Suheila, meine geliebte Tante, war die älteste Schwester meines Vaters. Sie lebte mit ihrer Familie in Sheikh Radwan, einem Stadtteil in der Mitte des Gazastreifens. Sie lebte mit ihren Söhnen, deren Frauen und Kindern in einem großen Mehrfamilienhaus.

Ich erinnere mich, als ich klein war und bei ihr war, hat sie mir und meinen kleinen Geschwistern vorgelesen, auf ihrem Tisch stand immer Knafeh, ein palästinensischer Kuchen. Ihre Kinder, die deutlich älter waren als wir, spielten mit uns draußen oder wir gingen alle zusammen zum Strand. Seit dem 21. November 2023 weiß ich, ich werde sie nie wieder sehen. Denn Israel bombardierte ihr Haus und tötete fast die ganze Familie.

Einzig ein Sohn überlebte. Mein Cousin wurde durch den Einschlag der Bombe aus dem Haus geworfen, er brach sich etliche Knochen, doch er überlebte und musste mit ansehen, wie seine Frau und Kinder durch die Bombe getötet wurden, die ihn schwer verletzt alleine ließ. Er wartet seit dem 21. November auf die Möglichkeit einer Operation, die die Reste seiner Beine rettet. Er wird nie wieder richtig laufen können, doch immerhin lebt er.

Sein Schicksal teilen viele in Gaza. Nach Angaben der WHO werden in Gaza zahlreiche Amputationen vorgenommen, obwohl die Gliedmaßen unter anderen Umständen gerettet werden könnten, doch es fehlt an Krankenhäusern, medizinischer Ausrüstung und Strom. „Ich habe noch nie so viele Amputierte gesehen, auch viele Kinder“, sagte Rik Peeperkorn, Vertreter der WHO für das Westjordanland und den Gazastreifen.

Die Leiche meiner Tante Suheila konnte bis heute nicht geborgen werden. Seit mehr als 50 Tagen liegt sie unter den Trümmern, eine Beerdigung ist nicht möglich, ebenso wie bei Tausenden anderen Opfern in Gaza, deren Leichen nicht geborgen werden können, weil es an Mitteln fehlt und Israels Bomben weiter fallen. Ich hätte gerne Abschied genommen von Suheila, von meinen Cousins, ihren Frauen und ihren Kindern. Ich wünschte, ich hätte Gaza noch einmal besuchen können, bevor es dem Erdboden gleichgemacht wurde. Ich wünschte, ich wüsste, wo meine Familienmitglieder sind, von denen ich seit Wochen nichts höre, und ich bete dafür, dass sie noch leben.

Mein Leid ist kein Einzelfall, ich kenne niemanden aus Gaza, der keine Toten in seiner Familie hat. Doch unser Leid wird hier in Deutschland ignoriert. Die Bundesregierung beklagt zu Recht die israelischen Toten und trauert um sie. Doch warum trauert niemand um meine Tante Suheila, warum hilft niemand meinem Cousin, damit er eine Operation bekommt, warum stoppt niemand die Bomben, damit wir nach meinem kleinen Cousin Fuad suchen können, der seit der Bombardierung des Hauses seiner Eltern in Dschabalija verschwunden ist?

Liebe Annalena Baerbock, unser Leben ist nicht weniger wert!

Ich erwarte nicht, dass sich die deutsche Politik auf die Seite der Palästinenser stellt, ich erwarte nur, dass sie ihren eigenen Ansprüchen gerecht wird und sich für Menschenrechte einsetzt. Frau Baerbock redet von feministischer und menschenrechtsorientierter Außenpolitik, wenn sie es ernst meint, dann müsste sie sich starkmachen für ein Ende der Gewalt im Nahen Osten. Denn nicht nur die 1200 Toten in Israel sind 1200 Tote zu viel, auch die 25.000 Toten in Gaza sind 25.000 zu viel.

Unser Leben ist nicht weniger wert. Eine menschenrechtsbasierte Außenpolitik würde Leben gleichbehandeln. Sie würde einen Waffenstillstand fordern, sich für die Freilassung der Geiseln einsetzen und dafür sorgen, dass die Verletzten in Gaza behandelt werden und die Blockade beendet wird.

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5 Antworten

  1. Dieser Beitrag spricht mir aus
    dem Herzen !!
    Er berührt und erschüttert so
    sehr …
    Alle Menschen sind gleich viel
    wert !!
    Warum stoppt Keiner die Gewalt?
    Kristina Pleier (geb.1956 in Ffm)
    Pazifistin. Katholikin. Sozialistin

  2. An alle Mitleidenden an diesem Krieg, von Israel gewollt, um die Palästinenser zu vertreiben…um sich selbst, wie Diebe des palästinensischen Landes widerrechtlich zu bereichern:

    Ich, als Bürgerin deutschlands will zum 2. Mal keine Deutsche mehr sein!!!
    Zum 1. Mal, als ich begriff, was die deutschen Hitlerdeutschlands mit den Juden, den Russen und etlichen anderen Volksgruppen engerichtet hatten.
    Mein Spruch: Nie wieder so ein Krieg, wie der 1. Weltkrieg.. u n d nicht im geringsten Maße so wie der Hitlerkrieg

    Heute sagte ich zum 2. Male: Nie wieder ein Krieg, wie der jetzige , von dem Opfervolk…nämlich I s r a e l i s gewollt.

    Möge Israel voll und ganz vom IGH verurteilt und von der ganzen Welt geächtet werden.
    Möge aber auch Deutschland, mein Heimatland, nicht mehr mein Heimatland sein!! Zu sehr schäme ich mich Deutsche zu sein. Es muss für seine entmenschte Politik und die Waffenlieferungen auch verurteilt werden. Der Handel in der gesamten Welt sollte soch von Israel und Deutschland zurück ziehen.
    Wie sagte Tuchholsky: Der Deutsche war schon immer ein Knecht. Deutschland ist der schleimigste und untertänigste Knecht der USA/Israels. Das alles von den Hauptakteuren dem Kanzler Olaf Scholz, dem Wirtschaftsminister Robert Harbeck und der Außenministerin Annalena baerbock iniziiert.
    Ich wende mich voller Abscheu ab und lebe bereits in Italien.

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