Flüchtlingsdrama: Kroatien schließt Grenze zu Serbien

18. September 2015 - 07:50 | | Balkan21,Politik | 2 Kommentare
Grenze Zaun Stacheldraht Pixabay

Das Innenministerium Kroatiens hat erklärt, dass alle Grenzübergänge zwischen ihrem Land und Serbien bis auf weiteres geschlossen sind. Dies ist die Reaktion auf die Flüchtlingsströme, die seit dem vollendeten Grenzzaun in Ungarn nach Kroatien „übergesiedelt“ sind. Das Innenministerium erklärte weiter, dass alleine in den letzten 48 Stunden mehr als 11.000 Flüchtlinge aus Serbien nach Kroatien einreisten.

Der Westbalkan wird allein gelassen. Alleine mit Tausenden Flüchtlingen, die Länder wie Kroatien, Serbien und Mazedonien nicht versorgen können. Ein Blick auf die Wirtschaftsleistung der Länder verrät warum.  Serbien reagierte mit Entsetzen auf die Schließung der Grenzen. Der serbische Minister für Soziales und Arbeit, Aleksander Vulin, versteht die Reaktion des Nachbarlandes nicht: „In Serbien waren bisher über 140.000 Flüchtlinge und Kroatien schließt die Grenzen wegen 5.000?“ Serbien werde sich gegen jede Schließung von internationalen Grenzübergängen vor dem internationalen Gerichtshof wehren, so Vulin weiter. Der Höhepunkt der Ironie ist jedoch, dass der Minister des ärmeren Landes Kroatien Hilfe anbietet, sollte sich der Nachbar mit den Flüchtlingen überfordert fühlen. Flüchtlinge und Reporter berichten, dass sie seit der Schließung um 22 Uhr über Feld und Wiesen nach Kroatien einreisen.

Auch in Slowenien sind bereits zwischen 150 und 300 Flüchtlinge angekommen. Doch das Land ist bereits mit dieser kleinen Menge überfordert. Ein Teil der Personen wird in Zügen am Grenzpunkt festgehalten und das Land verhandelt mit Kroatien über eine direkte Wideraufnahme der Flüchtlinge. Der slowenische Premierminister Miro Cerar erklärte, man müsse das Schengen-Abkommen schützen und könne deswegen keine Flüchtlinge ins Land lassen. Der Innenminister Kroatiens schlug zuvor vor, man könne einen sicheren Korridor durch Kroatien und Slowenien schaffen, durch den Flüchtlinge legal nach Österreich und Deutschland reisen könnten. Dies lehnt Cerar bisher ab.

 

Routen müssen offen bleiben

Sollte es zu weiteren Schließungen von Grenzübergängen kommen, könnte Serbien bald einen Kollaps erleben. Täglich reisen bis zu 8.000 Flüchtlinge aus Griechenland und Mazedonien in Serbien an. Der Premierminister des Landes betonte bisher, das Land würde seine Grenzen nicht wie Ungarn und Kroatien schließen. Kommt es bald tatsächlich zu dem von der EU geplanten „Außenlager“ vor der EU Grenze, in dem bis zu 400.000 Menschen leben könnten?

 

 

Über den Autor

Graswurzel-Aktivist bei die Linke und Redakteur für Freiheitsliebe & Balkan21. Wortakrobat für Medien wie Marx21 und junge Welt.
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2 Kommentare

  • 1
    Peggy sagt:

    Sprachlos–über diese unmenschlichen politischen Machenschaften. Mensch ist Mensch, Europa ist so reich an Euro–hier wäre es gut ausgegeben.– Anstatt konstruktiv zu handeln, wird hin und her diskutiert, in Talk Shows, in den Medien. Warum sind die Politiker ständig vor der Kamera, anstatt ihren Pflichten, als gewähltes Organ des Volkes, im Sinne der Mehrheit der deutschen Bevölkerung, aktiv, praktisch, lösungsorientiert zu handeln?
    Die Flüchtlinge sind eine Chance für die Menschheit auch in Europa den Frieden zu erhalten.
    Handelt menschlich, öffnet die Korridore und beschützt diese Menschen.
    Wir in Europa sind mit verantwortlich für die Fluchtursachen der armen Menschen.
    Ergreift die Chance und entlastet den Balkan, die EU-Außengrenze(Menschen ausgrenzen) und holt die Menschen sicher nach Europa.- Es ist beschämend wie sich jeder Verantwortliche windet und ständig Ausflüchte sucht und dabei Ängste bei den Nicht Informierten Bürger schürt.—Denkt in Frieden und handelt friedlich. Mensch-Wikipedia-verstehender, verständiger bzw. weiser, gescheiter, kluger, empathisches Wesen.——? Frieden, Peggy

  • 2
    polaroid sagt:

    Eine entsetzliche Vorstellung ist es, dass die Europäischen Demokratien, die sich ja immer als sooo musterdemokratisch und sooo wertetreu darstellen, einmauern und lieber zulassen, dass vor ihren Grenzen Lager entstehen und Menschen bei dem Versuch auf vermeintlich sicheren Boden zu gelangen ihr leben lassen müssen. Das erinnert frappierend an die Mexikanisch-Amerikanische Grenze, die von den Republikanern gerne mal ein Schlachtfeld genannt wird.
    Wollen wir das Wirklich? Einen Krieg an der Grenze Europas gegen die Flüchtlinge führen, die uns ja eigentlich gar nichts Böses wollen. Wie können wir behaupten in einem sozialen und gerechten Europa zu leben, wenn wir zulassen das an den Grenzen so etwas passiert?