Weihnachten ohne Rassismus, bitte!

24. Dezember 2014 - 14:00 | | Politik | 4 Kommentare

Ach ja, dat selbe wie jedes Jahr, wa? Weihnachten steht vor der Tür. Für die meisten einfach nur Stress, weil sie ihre Familie ertragen, unnötige Shoppingtouren hinter sich bringen müssen und an jeder Ecke daran erinnert werden, doch für jenes oder wat andres zu spenden: Das hat alte „jute“ christliche Tradition: Die Münze im NGO Kasten klingt, die linke Seele aus dem Fegefeuer springt, oda so ähnlich. Gleichzeitig marschieren stramme Nachkommen der alten Zweifinger-Oberlippenbarträger zusammen mit unbescholtenen BürgerInnen gegen die Unverfrorenheit der Behörden, Märkten die Entscheidung zu überlassen, ob und und überhaupt sie sich Weihnachtsmarkt nennen wollen, oder halt Wintermarkt wie sie manchmal heißen. Dahinter steckt jedoch, so die DüGeDiDoFreFraKöKaHaBeGida Menschen, eigentlich eine allgemeine Lügenmedien- und Islamverschwörung, die in Wahrheit alle Flüchtlinge der Welt nach Deutschland bringen will – und mit Flüchten und Asyl kennt sich Lutz Bachmann, der Pegida Vorsteher, bestens aus: Schließlich floh er auch einmal als kriminelles Außengeländer nach Südafrika. Ob er sich dort so ungezogen verhalten hat, dat er dat jetzt auch für Deutschland befürchtet? Würd‘ zumindest so einiges erklären. 

Liebe Pegida-Fans und Abendlandverteidiger die ihr doch alle Weihnachten retten wollt: Bei einer Weihnachtskrippe ohne Araber, Afrikaner, Juden und Flüchtlinge bleiben nur noch Ochs und Esel übrig. Ich weiß ja nicht, ob dat euer normales Umfeld is‘, aber meines is‘ et nicht. Da gibt es doch für Menschen aller Nationen wat Geiles auf’m Weihnachtsmarkt: Glühwein, Feuerzangenbowle, Bratwurst, Crêpes und alle anderen Leckereien. Da muss ich ja nich‘ Mal an irgendwas glauben außer an volle Mägen und den heiligen Apostel Alkoholismus. Wenn wir uns die Weihnachts-, Christkindl- und Wintermärkte genauer anschauen, stellen wir fest: Da laufen Menschen mit vielen verschiedenen Religionen, Nationalitäten und Lebensvorstellungen herum. Top, selbst in Bayern! Aber der CSU ist das wahrscheinlich nicht genug. Die christliche Partei der täglich verweigerten Nächstenliebe will erst dann ruhen, wenn alle Menschen in Deutschland Zuhause und in der Öffentlichkeit Deutsch sprechen. Die Bayern? Ernsthaft? Bei so einer Androhung müssen wir uns keine Sorgen machen, denn selbst der Weischwurscht-Staat wird in 500 Jahren noch kein sauberes Hochdeutsch sprechen, janz anders als wie im Pott.

Vielleicht gibt es Einigen zu denken, dass Menschen mit nicht deutschen Pässen hierzulande einen Überschuss im Bundesrepublikanischen Haushalt von 22 Milliarden Euro erwirtschaften. Passt nicht ganz zu Glühwein-Stammtisch-Parolen von faulen und arbeitsplatzklauenden Ausländern, wa? Aber selbst dat is‘ für mich keen Argument mit dem ich arbeiten will. Wir sollten doch schließlich Menschen aufnehmen, die Hilfe brauchen und nicht nur diejenigen, die den Firmen in Deutschland bessere Ausbeutungsmöglichkeiten geben. Stellt euch Mal vor, damals, als die junge dreiköpfige Familie mit Jesus nach Ägypten floh wäre ein Frontex Grenzer an der ägyptischen Grenze mit Schlagbaum gewesen und hätt jesacht: „So, wat haben wa denn hier? Wat für ne Ausbildung haben sie? Haben se scho ne Stelle oder bringen Geld mit? Wie sie werden verfolgt? Haben sie Papiere oder Belege dafür? Ne? Und Tschüss, der nächste Bitte!“ Da sähe die heutige Weihnachtsgeschichte wahrscheinlich auch ein wenig anders aus. Klar liegt das nun zweitausend Jahre zurück, aber der Umgang mit Menschen, die in Not sind wird nach wie vor mit dem gleichen Maßstab gemessen: Wenn jemand deine Hilfe braucht, dann hilf ihm. Alles andere ist gegen die Würde des Menschen, jedoch häufig im Interesse von Konzernen. Wir sollten alle ein wenig mehr wie Jose Mujica sein, der ehemalige Präsident Uruguays nahm in der PräsidentInnenvilla mehr als 100 syrische Flüchtlinge auf, er selbst lebte in seinem kleinem Haus am Stadtrand. Doch es gab dieses Jahr noch mehr positive Lichtblicke, wie die Verleihung des Friedensnobelpreises an Malala Yousafzai.

Egal welcher Religion oder eben auch keiner wir angehören – Nächstenliebe, Solidarität und Frieden sind universelle Werte, die auch dem Humanismus in anderen Worten nicht fremd sind. In diesem Sinne: Inshallah, möge die Macht mit euch sein, nachträglich Happy Hannukah, Buddha soll euch den Weg erleuchten, Heil dem Spaghetti Monster, ein schönes Nichtarbeiten an alle Atheisten und natürlich: Frohe Weihnachten!

PS. Und all die gepeinigten Seelen da draußen, die die letzten Woche im Einzelhandel oder der Logistik arbeiten mussten: Unsere Herzen sind bei euch und euren unzähligen Überstunden, den unfreundlichen Kunden und Chefs, dem krassen Weihnachtsstress und sie werden auch während Weihnachten bei den Tankstellen- und KrankenhausmitarbeiterInnen sein und darüber hinaus auch bei den Umtauschwellen und im Kampf gegen schlechte Bezahlung, Ausbeutung und den ganzen anderen kapitalistischen Scheiß.

 

Über den Autor

Bundessprecher der linksjugend ['solid] und Wortakrobat für die Freiheitsliebe, Balkan21 und andere Medien.
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4 Kommentare

  • 1
    hubi stendahl sagt:

    Der Artikel veranlasst mich auch einmal eine realistische, statt einer traumtänzerischen Sichtweise Gestalt zu geben.

    Soziologisch betrachtet ist der Mensch keine separate Gattung für die er sich hält, sondern eine Entwicklung im ständigen Transformationsprozess, wie wir dies auch bei Tieren und Pflanzen sehen. Ein Unterschied ergibt sich lediglich in der Macht gestalterische Fähigkeiten einsetzen zu können. Bedauerlicherweise sind wir derzeit ( seit ungefähr 4000 Jahren ) in einem Prozess des Irrglaubens ( auch Verblendung ) gefangen, in dem wir an einen schöpferischen monothistischen Gott glauben und damit Tür und Tor für Verwerfungen öffnen, bis hin zu weltweiten Kriegen.

    Warum ist das so?

    Der wichtigste Grund liegt in der Tatsache begründet, dass der Mensch nach Erfindung der arbeitsteiligen Wirtschaft und dem kurz danach eingeführten Tauschmittel Geld keine Antwort darauf fand, warum es immer wieder zu Kriegen und Auseinandersetzungen kommt, die vorher nahezu unbekannt waren. Das Problem der Hortung eines „Wertspeichers“ ( Geld ) führte bereits in der Zeit vor Jesus zu Verwerfungen.

    So erfand das Judentum zuerst den monotheistischen JHWE, der als Ersatz für alles verantwortlich gemacht werden konnte. Der erste, ohne Zweifel besondere Mensch, der diesen Zusammenhang entdeckte, war Jesus von Nazareth, der den dummen Zeitgenossen dies in Gleichnissen und Predigten versucht hat beizubringen.

    Die herrschende Klasse, die auch über die wesentlichen Geldmittel verfügte, interpretierte seine Erkenntnisse in naive Geschichten um, die heute noch Gültigkeit haben. Der nächste uns bekannte Prophet, der dies durchblickte war Mohammed, der in einigen Aussagen die Ideen von jesus neu aufnahm und im zeitlichen Kontext interpretierte. Aber auch hier hat die Geldelite es zeitig verstanden, diese Aussagen ihren Bedürfnissen anzupassen. Nur waren es hier diejenigen, die man heute Moslems nennt.

    In Zeiten von Massenvernichtungswaffen wird es Zeit für den Menschen zu erkennen, dass die naive Darstellung des Autors zu Nichts führt, weil die Natur des Menschen einfach übergangen wird. Es ist sogar kontraproduktiv, weil es die Sicht für die Wahrheit versperrt ( Verblendung ).

    Der Mensch ist soziologisch kein Weltenbürger, wie es Grüne Traumtänzer gerne sehen; er ist zunächst mit einer Reichweite von vielleicht 150 km naturgemäß ausgestattet, mit der er sich identifizieren kann und für die er die Bereitschaft hat Vorleistungen zu erbringen.

    So ist die Globalisierung in Verbindung mit unserem Geldsystem das Grundübel unserer Zeit und die große Gefahr, dass sich die Menschheit nicht mehr aus dieser Verblendung löst und zugrunde geht.

    Eine freie Marktwirtschaft ( regionalisiert ) und weltweite Partnerschaft wo nötig ( nicht „möglich“ ) wäre mit einem Geldsystem ohne Zinseszins die wohl einzige Lösung, unsere zunehmenden Kriege zu beenden und endlich das Paradies auf Erden entstehen zu lassen, wie es viele Propheten von Jesus über Mohammed predigten.

    Die heutigen PEGIDA Demonstrationen sind in diesem Kontext nicht der Ausdruck von Fremden hass, sondern das kollektive Signal, dass die derzeitige Lebensart, hervorgerufen durch die immer wiederkehrende Schieflage im Geldsystem, unverzüglich geändert werden muss. In Tel Aviv genauso, wie in Bagdad, Berlin, Paris oder New York.

    Beeilen wir uns mit der Umsetzung der wahren Erkenntnisse von Jesus, Mohammed und einiger weiterer Propheten nicht, werden diesmal auch die Geldeliten dran glauben. Das läßt hoffen.
    Wacht auf!!!

  • 2
    Hans sagt:

    Hat der Kerekes denn auch die Bertelsmann-Studie mal richtig durchgelesen ?

    Demnach kostet jeder Einwanderer 79100 €, denn nicht nur die Kosten für Sozialleistungen müssen berücksichtig werden, sondern auch die Kosten für die Infrastruktur.

    Aber gerade zur PEGIDA-Diskussion müssen die Lügenmedien die Studie dazu benutzen, nicht vorhandene wirtschaftliche Vorteile hinsichtlich der Masseneinwanderung als Gewinn für Deutschland darzustellen.

  • 3
    Tacheles! sagt:

    Hört auf zu heucheln! Sozialchauvinismus ist Teil des rechten Gedankengutes. Wer jetzt aufsteht und gegen Rassismus demonstriert kommt leider 10 Jahre zu spät und den kann ich wirklich nicht mehr ernst nehmen.

  • 4
    Michael Bruemmer sagt:

    Hallo Herr Kerekes,

    Sie schreiben, dass die meisten Ihre Familie ertragen muessen. In meinem Umfeld sind die alle gerne mit Ihren Familien zusammen. Also diese Verallgemeinerungen und dieses Familien bashing sollte man unterlassen, nur um zu zeigen, das man „modern“ ist, sollte man die Familie nicht demontieren.

    Viele Gruesse Michael Bruemmer