„Du Schlampe“ – Ein Begriff und seine Auswirkungen

26. November 2017 - 11:40 | | Politik | 0 Kommentare

Viel reden Politiker und Wissenschaftler über die Gleichberechtigung von Frauen und Männern. Bei den ganzen Auseinandersetzungen geht es allerdings eher um Benachteiligungen aus der wirtschaftlichen Sicht, also bei Einstellungen, die Unterschiede bei Gehältern oder auch die unterschiedlichen Aufstiegsperspektiven. Bei Jugendlichen sind diese Themen meist nicht so akut, viel wichtiger wäre eine Auseinandersetzung mit der eigenen Sprache.

Ein Junge, der mit vielen Frauen etwas hatte, wird meist dafür von seinen Freunden gelobt und auch von den Mädchen in seinem Bekanntenkreis wird dies nicht als negativ angesehen. Wenn ein Mädchen oder eine junge Dame aber etwas mit vielen Jungs hatte, dann wird sie sowohl von Freundinnen als auch von Jungs als Schlampe bezeichnet.

Gleichberechtigung auch in der Realität?

Das Mädchen auch von anderen Mädchen als Schlampe bezeichnet werden, wenn sie mit verschiedenen Jungs etwas hatten, zeugt davon wie die Einstellung in unserer Gesellschaft ist. Man mag noch so viel über Gleichberechtigung reden und diese von der Wirtschaft fordern, auf die jungen Menschen wird sie keine großen Auswirkungen haben, wenn sich nicht auch endlich in den Köpfen etwas ändert. Die Bezeichnung von Frauen als Schlampen geht ein her mit einem veralteten Rollenbild, in dem viele Jugendliche noch verankert sind. In diesem Rollenbild ist die Rolle der Frau durch andere Rechte und eine andere Stellung in der Gesellschaft bestimmt.

Schlampe ist eine Bezeichnung, die die meisten Jugendlichen schon benutzt oder gehört haben, von den meisten wird aber nicht die Frage gestellt, wieso dieser Begriff verwendet wird und wenn er benutzt wird warum nur für Frauen. Dieses Rollenbild ist noch so stark in den Köpfen von vielen Jugendlichen verhaftet, dass die meisten Mädchen und jungen Frauen sich anders verhalten als sie es vielleicht wollten, nur um nicht beschimpft zu werden. Die Bezeichnung als Schlampe ist Teil eines Rollenbildes, welches besonders unter männlichen Jugendlichen vertreten ist, da diese sich damit eine Vormachtsstellung sichern können.

In der heutigen Zeit sollte es außer Frage stehen, das Frauen das Gleiche verdienen wie ihre männlichen Kollegen und sie sich auch genauso verhalten können wie Männer, wenn sie das wollen. Der Begriff Schlampe scheint wie ein Relikt aus einer vergangenen Zeit, doch seine Verwendung ist inflationär und viele junge Frauen müssen ihn wegen ihrem Aussehen oder ihrem Verhalten ertragen, während man über selbiges bei jungen Männern schweigt oder dies positiv herausstellt. Der Kampf für die Gleichberechtigung der Frau in jedem Bereich, kann nur erfolgreich sein, wenn sich auch in der Jugend genug Menschen für diese stark machen. Viele Jugendliche sind sich selbst nicht bewusst in welchen Rollenmustern sie verhaftet sind und welche Auswirkungen ihre Ausdrucksweise auf junge Frauen hat. Etliche Frauen sind sich selbst ebenfalls nicht bewusst, dass sie durch ihre Ausdrucksweise der Gleichberechtigung einen Bärendienst erweisen, der ihren eigenen Interessen nur schaden kann.

Eine emanzipatorische Gesellschaft kann sich nur entwicklen, wenn sie in den Köpfen der Menschen ankommt, eine Auseinandersetzung mit der eigenen Sprache, welche einen Schluss auf die eigenen Gedanken ermöglicht, ist zwingend notwendig. Es reicht nicht aus nur gegen den Begriff “Schlampe” vorzugehen, sondern auch gegen die damit verhafteten Rollenklischees. Keine Frau hat es verdient als “Schlampe” bezeichnet zu werden und weiterhin andere Rechte zu haben als ihre männlichen Altersgenossen. Ziel muss es sein, die freie Auslebung der eigenen Ideale für jeden möglich zu machen und im Zuge dessen veraltete Rollenklischees abzubauen.

Über den Autor

Ich habe 2009 die Freiheitsliebe gegründet aus dem Wunsch, einen Ort zu schaffen, wo es keine Grenzen gibt zwischen Menschen. Einen Ort an dem man sich mitteilen kann, unabhängig von Religion, Herkunft, sexuelle Orientierung und Geschlecht. Freiheit bedeutet immer die Freiheit von Ausbeutung. Als Autor dieser Webseite streite ich für eine Gesellschaft, in der nicht mehr die Mehrheit der Menschen das Umsetzen muss, was nur dem Wohlstand einiger Weniger dient.
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