Argentinische Abgeordnete verzichten auf 80% ihres Gehalts

1. April 2015 - 15:28 | | Politik | 5 Kommentare
Nicolás del Caño – Quelle: http://www.pts.org.ar

Im argentinischen Parlament sitzen drei Abgeordnete, die durch ihre Taten deutlich machen, dass es ihnen nicht um ihren individuellen Vorteil geht, sondern um die Durchsetzung der großen Mehrheit der Menschen im Land. Die 3 Abgeordneten der „Linken Front der Arbeiter“ haben nicht nur auf ihre Diätenerhöhung im vergangenen Jahr verzichtet, sie spenden auch 80% ihres Gehalts an Streikende, Familien in Not oder an Entlassene.

Nicolás del Caño (33), Abgeordneter der „Front der Linken und ArbeiterInnen“ (FIT), für die Provinz Mendoza im argentinischen Kongress erklärte in einem Interview welche Auswirkungen die Diätenerhöhungen haben: „Alle Abgeordneten und SenatorInnen werden auf 50.000 Pesos im Monat (4620 Euro) kommen. Darüber hinaus gibt es weitere Privilegien für Abgeordnete wie Flug- und Bustickets sowie Zuschüsse für Personal, Büros usw.“ Er machte außerdem deutlich, dass die Abgeordneten der FIT nur 8.500 Pesos behalten wollen. In dem Interview nennt er einige Beispiele, was er mit und seine Kollegen mit dem Rest der Diät machen: „Wir spendeten 10.000 Pesos für den Kampf der Kommunalbeschäftigten des Departamentos Lavalle in Mendoza. Auch die jungen ArbeiterInnen der Elektronikfabrik Liliana SRL bekamen 10.000 Pesos. Spenden gab es ebenfalls für die Entlassenen aus dem Textilunternehmen Elemento oder dem deutschen Autozulieferer Kromberg und Schubert, die ihre Arbeitsplätze verloren, weil sie sich gegen schlechte Arbeitsbedingungen organisiert hatten.“ Die drei Abgeordneten folgen damit dem Beispiel des ehemaligen Präsidenten von Uruguay, der 90 Prozent seines Präsidentengehalts spendete. Die Front der Linken und ArbeiterInnen hat im Parlament auch beantragt, dass die Gehälter der Abgeordneten denen von LehrerInnen angepasst werden, damit keine zu große Kluft zwischen den Beschäftigten und den ParlamentarierInnen entsteht. Diese mehr als symbolische Spende alleine reicht noch nicht aus um wirklich etwas zu verändern, zeigt allerdings dennoch, dass es auch nach dem Ende der Amtszeit von José Mujica als Präsident Uruguays, PolitikerInnen in Südamerika gibt, die auf viel Geld verzichten für ihre Ideale.

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Ich habe 2009 die Freiheitsliebe gegründet aus dem Wunsch, einen Ort zu schaffen, wo es keine Grenzen gibt zwischen Menschen. Einen Ort an dem man sich mitteilen kann, unabhängig von Religion, Herkunft, sexuelle Orientierung und Geschlecht. Freiheit bedeutet immer die Freiheit von Ausbeutung. Als Autor dieser Webseite streite ich für eine Gesellschaft, in der nicht mehr die Mehrheit der Menschen das Umsetzen muss, was nur dem Wohlstand einiger Weniger dient.
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5 Kommentare

  • 1

    Die Arbeit der Abgeordneten der FIT im argentinischen Parlament ist auf jeden Fall ein interessantes Beispiel für die internationale Linke.

    Dennoch hinkt der Vergleich zu José Mujica ein bisschen: Die FIT-Abgeordneten sind sozialistische RevolutionärInnen, während Mujica der Chef eines bürgerlichen Staatsapparates ist.

    • 1.1
      Julius Jamal sagt:

      Lieber Wladek,

      was die Arbeit angeht hast du vollkommen Recht, wenn du es ermöglichen kannst, würden wir auch gerne mal ein Interview mit denen machen 🙂

      Der Vergleich bezog sich aufs Gehalt!

  • 2
    rote_pille sagt:

    argentinien ist auf demselben weg wie venezuela – inflation, preiskontrollen, verstaatlichungen. diese linken dort meinen es sicherlich gut, aber ohne das verständnis grundlegender ökonomischer zusammenhänge werden sie trotzdem scheitern.

    • 2.1
      Adolfo Pérez sagt:

      Hier in Lateinamerika sind 80% der Linken nur zur Image, kassieren tun sie immer noch mit der Rechten und wenn es Korruptionsgelder sind besser weil die Beträge grösser sind.

  • 3
    KUNO sagt:

    Das Einsparen der Abgeordnetenvergütungen ist reiner Populismus!
    Mit einem Taschenrechner kann das jeder nachrechnen.
    Egal wie das Wirtschaftssystem dann aussieht, es muss effizient sein!
    Es ist zwar nützlich und gut wenn es auch sozial ist, aber wenn es nicht effizient ist, dann wird es scheitern. Alle Experimente müssen letztlich vom Volk bezahlt werden.
    Das Volk bezahlt immer für die Folgen der Reformen linker oder marktferner Spinner.
    Ein bisschen Marktwirtschaft und ein bisschen Planwirtschaft hatte die Welt auch schon.
    Alle Experimente sind gescheitert. Am Ärmelaufkrempeln und auch harter geistiger Arbeit führt kein Weg vorbei. Das muss Griechenland gerade lernen. Man kann ökonomische Gesetze eine Weile ignorieren, aber nicht auf Dauer. Linke, die warum auch immer, Gefallen an ihren Ideen gefunden haben, werden meine Ansicht sofort als „rückständig“ deklarieren. Damit kann ich leben, denn meine Ansicht ist die Wahrheit.