Ablenkung Co2-Fußabdruck

Durch den sogenannten Co2-Fußabdruck wird die Verantwortung für den Klimawandel Individuen zugeschoben und die Verantwortung auf das Konsumverhalten gelegt, eine erfolgreiche Kampagne des Öl-Unternehmens BP, welches damit die Verantwortung von sich und anderen Großkonzernen weggeschoben hat.

„People start pollution. People can stop it.” Mit diesem Slogan endet der Werbespot der Gruppe Keep America Beautiful aus den 1970ern. Gegründet und finanziert wurde die Gruppe von Unternehmen der Verpackungsindustrie und Größen wie Coca-Cola. Dass gerade Unternehmen wie Coca-Cola, welches letztes Jahr erneut von Break Free From Plastic zum größten Plastikverschmutzer der Welt gekürt wurde, seit der Gründung an den Kampagnen beteiligt sind, zeigt worum es eigentlich geht. Die Message ist klar: Umweltverschmutzung ist dein Problem und nicht das der Konzerne, die massenhaft Plastikmüll produzieren.
Und auch CO2-Verschmutzung ist nicht das Problem der Konzerne, die in die Erde bohren, um kohlenstoffhaltige Brennstoffe zu fördern und zu verkaufen, sondern das der Endverbraucherinnen und Endverbraucher . Das versuchen die großen Ölkonzerne der Öffentlichkeit durch geschickte Werbekampagnen immer wieder einzutrichtern. Vorreiter des Greenwashings ist wohl British Petroleum, kurz BP.

Beyond Petroleum

Bereits in den 1980ern prägte BP mit Werbekampagnen den Begriff „Carbon Footprint“. Im Jahr 2000 startete BP eine Umwelt-Werbekampagne um sich selber aus der Verantwortung zu ziehen und die Schuld an der Klimakatastrophe auf die Endverbraucherinnen und Endverbraucher zu schieben. Seit 2004 ist auf der Homepage von BP ein „Carbon Footprint Calculator“ zu finden, mit dem sich in wenigen Klicks herausfinden lässt, wie der eigene Alltag, der Weg zur Arbeit und die jährliche Urlaubsreise das Klima negativ beeinflussen. Mit „Beyond Petroleum“ und klugen Marketingschachzügen ist es BP gelungen, dass der Begriff „ökologischer Fußabdruck“ heute omnipräsent ist. Es ist also ein großer Ölkonzern, der maßgeblich darüber bestimmt, wie wir über die Klimakrise sprechen und wer dafür verantwortlich gemacht wird. Ein Ölkonzern, der vor elf Jahren noch dafür gesorgt hat, dass über 800 Millionen Liter Öl in den Golf von Mexiko flossen. Ein Ölkonzern, der dem Climate Accountability Institute zufolge zu den 20 Unternehmen gehört, die in den letzten 50 Jahren für ein Drittel der Treibhausgasemissionen verantwortlich waren.

Propaganda

Durch die Werbekampagnen und das Framing des „ökologischen Fußabdrucks“ sollte und wurde die Klimakrise zum individuellen Problem gemacht. Pro Jahr verbraucht eine Österreicherin in etwa 7,1 Tonnen CO2 (Stand 2017), ein deutscher Staatsbürger 7,75 um von Klimagerechtigkeit sprechen zu können, dürften es maximal 2,5 Tonnen sein.

Vor einigen Jahren berechneten MIT-Forscher die Kohlenstoffemissionen eines Obdachlosen in den USA. Sie fanden heraus, dass es eine „Untergrenze“ an Emissionen gibt, die keine Amerikanerin unterschreiten kann. Denn selbst eine Person ohne Wohnung und Auto, die nur in Suppenküchen isst und in Obdachlosenunterkünften schläft, ist indirekt für etwa 8,2 Tonnen CO2 pro Jahr verantwortlich. Das kommt daher, dass staatliche Dienstleistungen, wie Straßen, Polizei oder Bildung, den Fußabdruck jeder Person erhöhen. Daher braucht es nicht noch mehr Verantwortungsverlagerung an diejenigen, die durch ihre individuellen Entscheidungen nur kleinste Veränderungen erwirken können. Es müssen diejenigen zur Verantwortung gezogen werden, die seit Jahrzehnten wissen, dass sie der Umwelt schaden, die daraus Profit ziehen und maßgeblich an der Klimakrise Schuld tragen: Konzerne und Ölfirmen.

Ein Beitrag von Carolin Coutinho, der in der Linkswende erschien.

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