Wer sich der Revolution verschreibt, pflügt das Meer

23. Juli 2015 - 19:17 | | Kultur | 4 Kommentare
Cover: Carlsenverlag
Cover: Carlsenverlag

Fidel Castro ist wohl eine der schillerndsten und umstrittensten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Gemeinsam mit Che Guevara führte er die kubanische Revolution an und entmachtete die alten Eliten unter Batista. Seine Geschichte ist eine, wie sie kein Schriftsteller hätte erfinden können. Sie ist es Wert, gezeichnet zu werden.

Der deutsche Journalist Karl Mertens reist in Kuba an, es ist 1958 gegen Ende der kubanischen Revolution. Er will ein exklusives Interview mit Fidel Castro, dem charismatischen Anführer der Rebellen gegen das USA-Treue Batista-Regime. Doch was wollen die Revoluzzer? „Was wir wollen ist: Keiner soll in Armut leben, alle sollen zu Essen haben, keiner soll Barfuß oder nackt gehen, jeder soll eine Schule besuchen können, keiner soll Krank sein, ohne mit Medikamenten versorgt zu werden, jeder soll ein eigenes Heim haben“, erklärt Castro bei strömenden Regen dem deutschen Journalisten. Dieser nickt anerkennend.

In der Graphic Novel Castro von Reinhard Kleist wird die Geschichte von Fidel Castro aus den Augen von Karl Mertens erzählt. Als junger, engagierter Journalist kam er einst nach Kuba, um völlig gefesselt von Castro, Guevara und der Revolution sein Leben auf der Insel zu verbringen. Als deutscher Staatsbürger machte er alle Höhen und Tiefen der Kubanischen Geschichte mit, doch seinen Glauben an eine bessere Welt gab er nie auf.

Castro war bereits als Jugendlicher Aufmüpfig

Die Geschichte erzählt uns, wie Castro bereits als Kind die Arbeiter seines Vaters gegen ihn aufbringen wollte. Weil er der Meinung war, dass die Kinder und Erwachsenen ungerecht bezahlt wurden, stachelte er sie an zu streiken. Sein Vater schickt ihn zur Strafe auf ein katholisches Internat. Anstatt die Bibel zu lesen, blieb Castro lieber bei Jose Marti, dem kubanischen Nationalheld sowie Symbol für den Unabhängigkeitskampf des Landes. Als Student legte er sich mit dem Staat an und führte einen großen Studierendenprotest an. Nach seinem Jurastudium versucht er sich als Aufständischer, jedoch führte dieser Weg zuerst nur ins Exil.

Cover: Carlsenverlag

Reinhard Kleist zeichnet das gesamte Leben Fidels nach

Reinhard Kleist ist ein Meister seines Fachs. Seine Zeichnungen schaffen es, die Stimmung der Zeit einzufangen, irgendwo zwischen Aufbruch und Unsicherheit. Die bekannten Gesichter der Geschichte sind gut getroffen, vor allen Dingen Fidel und Raul Castro. Che Guevara hingegen ist erst auf den zweiten Blick zu erkennen. Vielleicht, um den im Vordergrund stehenden Castro nicht zu überspielen. In jeder Zeichnung merkt man das Feuer, das Castro und seine Truppe antrieb: Die Leidenschaft und die Sehnsucht nach einer besseren Welt, frei von Armut und Unterdrückung.

Die Revolution ist Allgegenwärtig

Schnell kommt das kleine Kuba, nachdem es sich vom Joch der USA befreite, in der Wirklichkeit an. Die USA sanktionieren das Land hart und die kubanische Regierung sieht im Kalten Krieg nur in der Zusammenarbeit mit der Sowjetunion einen Ausweg. Fidel Castro löste David aus den Klauen Goliaths, aber es steht heute noch vor gewaltigen Problemen: Demokratiemangel, Defizite in der Gleichberechtigung und die noch immer andauernde Blockade der Wirtschaft durch die USA sind Herausforderungen, vor denen der kubanische Wandel steht. Doch selbst der deutsche Karl Mertens, der mehr als sein halbes Leben in Kuba verbracht hat, würde sein Leben nicht ändern wollen: Ein Leben für die Revolution.

Das 285 Seiten dicke Graphic Novel erschien im Carlsen Verlag und ist auf booklooker.de ab 14,10 Euro erhältlich.

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Über den Autor

Graswurzel-Aktivist bei die Linke und Redakteur für Freiheitsliebe & Balkan21. Wortakrobat für Medien wie Marx21 und junge Welt.
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4 Kommentare

  • 1
    günter meisinger sagt:

    dies ist eine der geschönten darstellungen von castro. mit der versorgung haperte es ja öfter (immer rationierungs-gutscheine für alle) und zwar auch wegen eigener fehler und nicht nur wg. des boykotts von außen.
    fidel ließ immer auch linke kritiker einsperren, nicht nur die US-finanzierten konterrevolutionäre aus miami.
    als in den siebziger jahren der schriftsteller herbert padillo, ein ehemaliger unterstützer, grundlos eine hohe haftstrafe erhielt, protestierten viele linke europ. intellektuelle, darunter jean-paul sartre &rossana rossanda. die durften fortan alle nicht mehr einreisen.
    der schriftsteller reinaldo arenas kam damals noch wg. seiner homosexualität ins lager; wenigstens in diesem punkt sieht es mittlerweile viel toleranter aus in kuba.
    erschossen wurden hohe, aus angola zurückkehrende offiziere, die im auftrag ihrer regierung der führung der MPLA halfen, eine parteiinterne „opposition“ (die ebenso moskautreu war wie die andere fraktion) zu tausenden oder zehntausenden zu töten- nach furhtbaren foltereien. (siehe dazu das buch „kommision der tränen“ des portugiesen antonio lobo-antunes, ex-KP).
    ebenso hatte kuba die von der UdSSR &DDR gestützte äthiopische militärdiktatur derg mit napalm gegen das für seine unabhängigkeit kämpfende eritrea unterstützt, das von äthiopien annektiert war. (ein punkt, den die z.b. heute eritrea unterstützende dkp völlig wegläßt, wenn sie vom US-gestützten äthiopien spricht.)
    letztendlich war/ist auch die kubanische politik mehr oder weniger stalinistisch; die momentane selbstumwandlung a la markt ist da überhaupt kein widerspruch dazu, im gegenteil. (siehe china.) stalinistische und/oder revisionistische-sozialdemokratische politik sind 2 seiten einer nichtrevolutionären medaille.

  • 2
    Habnix sagt:

    Es ist Sinnlos ein Meer zu pflügen.

    Die Revolution war die Erfindung des Buchdrucks.
    Die Revolution war die Erfindung der Machinen und die Lohnabhängigkeit als Folge davon.Der Weberaufstand viele ohne Lohn und Brot.
    Die Revolution war die Erfindung der Selbstbewegenden Machienen(Auto,Fliesband)
    Die Revolution war die Erfindung des sich selbst steuernden Machienen(Computersteuerung,Programmierung).Die Revolution hat fast alle zu Sklaven gemacht.

    Die, die die Mehrheit des Kapitals besitzen behalten es auf ewig und sind ewiglich unsere Herren aber keine Götter.

    Verwechseln wir bitte nicht unseren vom Kapital erlaubten Freiaum nicht mit Freiheit,denn der erlaubte Freiraum ist nur ein Knast ohne Gitter der mit Freiheit nichts zu tun hat, aber die Kunst zu beherrschen sich Unabhängig zu versorgen ist die wahre Freiheit.Wir, das sind über 90% der Weltbevölkerung, dürfen nicht von Freiheit reden, da über 90% der Weltbevölkerung Lohnabhängig sind,was gleichbedeutend ist mit Versklavung durch Lohnabhängigkeit.

    • 2.1
      Doris Day sagt:

      Zitat Habnix:
      Die, die die Mehrheit des Kapitals besitzen behalten es auf ewig und sind ewiglich unsere Herren aber keine Götter.

      Stimmt, Götter sind diese aufgeblasenen Teufel nicht. Dieses widerwärtige Pack hält sich zwar für Gott gleich, wird aber untergehen wie General Custer mit seinen Truppen am Little Bighorn oder wie der aufgeblasene Zwerg Napoleon bei Waterloo.

      • 2.1.1
        Habnix sagt:

        Deine Antwort gefällt mir, zeigt sie doch Kampfgeist.

        Die beste Demo gegen Kernkraft ist,wenn man sich den Strom mit Solar oder/und Wind oder Bachlauf,wenn möglich selbst macht.Der beste Widerstand gegen eine Diktatur ist es, wenn man sich so viel wie möglich das nötige zum Leben selbst macht.