Naxaliten in Indien – Agrarrevolten und kapitalistische Modernisierung

22. April 2019 - 12:00 | | Kultur | 0 Kommentare

Berichte über Indien zu finden ist in Zeiten des Internets deutlich einfacher geworden. Viel schreiben die großen Medien über diese wirschaftliche Großmacht und den rasanten Aufstieg den die Nation Ghandis erlebt. Zahlen werden genannt zum Wirtschaftswachstum, zu der Anzahl an Multimillionären und zu dem Einfluss von indischen Konzernen auf den Weltmarkt, wenig bis nichts hört man dagegen über die dramatische Situation der Massen in Indien.

“Indien und die Naxaliten” so lautet der Titel eines Werkes von Lutz Getzschmann, dass sich mit den sozialen Problemen Indiens beschäftigt und die Situation der Unterschichten beschreibt. Getzschmann geht schon in der Einleitung seines Werkes auf die Naxaliten ein, die Bewegung, die nicht nur den Ausgebeuteten und Unterdrückten eine Heimat bietet, sondern auch den Kämpfern für eine gerechtere Gesellschaft!

Marx und die Naxaliten

“Die Naxaliten-Bewegung hat politische Subjekte aktiviert, denen der traditionelle produktivistische, aufs Industriproletariat fixierte Marxismus-Leninismus keine Beachtung schenkt: arme, unterprivilegierte, marginalisierte Gruppen,” zitiert Getzschmann ein Werk Bökes. Dieses Zitat lässt sich im Verlauf des Werkes bestätigen. So beschäftigt sich der Autor mit der speziellen Entwicklung, welche Indien durchgemacht hat und die kein Staat auf dieser Welt mit ihm teilt. Durch das vorherschende Kasten-System war es nicht möglich Indien mit China oder anderen asiatischen Staaten zu vergleichen und erst recht nicht mit dem Europa des 18. und 19 Jahrhunderts.

In Indien lebten selbst in den 60er und 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts noch mehr als 80% der Bevölkerung auf dem Land, eine Situation, welche es für die kommunistischen Aktivisten unmöglich machte, sich mit den Industrienationen und deren kommunistischen Bewegungen zu vergleichen. So beschreibt der Autor, wie die kommunistischen Aktivisten gradezu gezwungen waren sich am Maoismus zu orientieren.

Die Naxaliten und der Aufstand!

Während die ersten beiden Kapitel sich mit der historischen Einordung des Kommunismus in Indien und seiner besonderen Situation beschäftigen, geht das dritte Kapitel auf die Entstehung der Naxaliten ein und den Aufstand von Naxalipur. Jenes Ereignis, welches der kommunistisch/maoistisch geprägten Bewegung ihren Namen gab. Der Autor beschreibt nicht nur die Situation der Landbevölkerung Indiens, er zeigt auch auf, wie es zur Spaltung der  CPI kam und wie sich innerhalb dieser ein maoistisch-geprägter Flügel bildete! Somit zeigt der Autor in den ersten drei Kapiteln des Werkes schon deutlich, wie die Naxaliten geprägt sind und wie es zu ihrer Entstehung gekommen ist.

In den weiteren Kapiteln erfolgt eine genaue Analyse der sozialen Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten in Indien und die dadurch gestärkten naxalistischen Bewegung. Dieses Werk überzeugte durch seine Genauigkeit bei der Beschreibung der einzelnen indischen kommunistischen Parteien und der verschiedenen Naxaliten-Gruppen, wobei der Autor natürlich nicht auf alle unterschiedlichen Gruppierungen und deren Unterschiede eingehen kann.

“Indien und die Naxaliten” eröffnet den Blick auf Probleme Indiens und zeigt den klassenkämpferischen Charakter den der Widerstand gegen Ausbeutung und Vertreibung hat. So wenig die Medien in Europa über diese Bewegung berichten, so ausführlich ist dieses Werk. Für all jene Menschen, die sich mit Indien beschäftigen und die sich für die soziale Frage interessieren, ist dieses Werk absolut lesenswert, denn es dürfte das ausführlichste und mit Sicherheit das aktuelleste Werk über Indiens größte Guerilliabewegung sein!

Über den Autor

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Ich habe 2009 die Freiheitsliebe gegründet aus dem Wunsch, einen Ort zu schaffen, wo es keine Grenzen gibt zwischen Menschen. Einen Ort an dem man sich mitteilen kann, unabhängig von Religion, Herkunft, sexuelle Orientierung und Geschlecht. Freiheit bedeutet immer die Freiheit von Ausbeutung. Als Autor dieser Webseite streite ich für eine Gesellschaft, in der nicht mehr die Mehrheit der Menschen das Umsetzen muss, was nur dem Wohlstand einiger Weniger dient.
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