Rehabilitierung ist eine Illusion: Ein Kollaborateur bleibt ein Kollaborateur

25. Mai 2015 - 12:34 | | Balkan21 | 2 Kommentare
Draža Mihailović: Das Foto wurde 1943 geschossen.
Draža Mihailović: Das Foto wurde 1943 geschossen.

In Serbien wurde vor kurzem der Führer der königlichen Streitkräfte Jugoslawiens im Zweiten Weltkrieg, Draža Mihailović, rehabilitiert. Dabei hat das Gericht jegliche Zusammenarbeit mit deutschen und italienischen Nazis zwischen 1942 – 1945 ignoriert. Es ist ein Teil der Geschichtsumschreibung, wie sie in Serbien, Kroatien, Bosnien und anderen Ländern seit Jahren vorangetrieben wird.

Betrügt euch nicht selbst, wir leben im magischsten Zeitalter aller Zeiten. Es ist so magisch, das mit einem Wink des Zauberstabs der Richter aus einer Wahrheit eine Lüge wird und die Lüge eine Wahrheit – So wie einst Frösche zu Prinzen wurden. So ist es auch im Fall Draža Mihailovićs. Magie ist am Ende trotzdem nur eine Aneinanderreihung von Tricks, die dem Magier ermöglichen, die Wahrheit zu verstecken. Serbische Magier sind da nicht besonders clever. Deswegen ist es hier am einfachsten die Täuschung des Hohen Gerichts Serbiens zu durchschauen, die Draža Mihailović rehabilitiert haben, ohne ihn als Person wirklich zu rehabilitieren. Er wurde vom Hohen Gericht nur aus einem einzigen Grund rehabilitiert: Das damalige Gerichtsverfahren wäre nach heutigen Standards nicht fair gewesen. Die gerichtliche Entscheidung beruht daher auf dieser dünnen, technischen Decke und gibt der gesamten Entscheidung die Illusion der Richtigkeit. Das Hohe Gericht hat vergebens versucht die Tatsache zu leugnen, dass es die Hauptfrage ignoriert hat: Hat Mihailović mit den Faschistischen Besatzern kollaboriert?

Diese Frage ignorierend, hat das Hohe Gericht Serbiens die grundlegenden Pflichten eines jeden Gerichts verletzt, das etwas auf sich hält. In der Tat hatte das Gericht eine der Grundvoraussetzung für ein faires Verfahren ignoriert – Die Berge an Beweisen die vor ihnen Lagen und bereits 1946 genutzt wurden. Unabhängig von allem, was man sonst noch über das Mihailović-Verfahren von 1946 sagen könnte, ist eine Sache dabei bis heute absolut klar: Dokumente und Zeugenaussagen über die Zusammenarbeit Mihailovićs mit den Besatzern standen im Mittelpunkt der damaligen Entscheidung. Dies lässt nur den Schluss zu, dass der Umgang mit Mihajlović 1946 gerechter war, als der Umgang mit den Männern und Frauen heute, die aufopfernd gegen die faschistische Besatzung und die Kollaboration der Četničks gekämpft haben.

Wir sollten nicht der Argumentation des Hohen Gerichtes folgen, dass die Frage über Draža Mihailovićs Verfahren nur eine Frage der juristischen Prozedur ist. Denn wir alle wissen, dass diese Frage immer eine politische war. Denn das Verfahren und die Entscheidung des Hohen Gerichtes waren von der Politik vorgegeben. Durch den engstirnigen und dogmatischen serbischen Nationalismus und vorangetrieben von wichtigen Figuren der serbischen Regierung, wurden Beweise über Mihailovićs Kollaboration ignoriert. So ist zum Beispiel allgemein bekannt, dass der enge Berater des serbischen Präsidenten, Oliver Antić, den Prozess begleitet und Einfluss genommen hat.

Antić war unter den ersten, die die Entscheidung des Hohen Gerichtes begrüßt haben. Seine Erklärung verschlägt einem beinahe den Atem: „Dies ist ein großer Tag. Nicht nur für das serbische Volk, sondern für alle Menschen des ehemaligen Jugoslawien.“ Glaubt Antić wirklich selber was er da sagt? Glaubt er wirklich das KroatInnen und BošnjakInnen, welche zahlreich von Mihailovićs Četniks überall in Jugoslawien massakriert wurden, diese Entscheidung begrüßen? Wir sind eigentlich gar nicht überrascht. Antić repräsentiert die herrschende Klasse, welche die Beweise ignorieren muss. So wie es jede herrschende Elite tun muss, die die Ideologie ihrer Machtbasis bedient. Deswegen ist die Rehabilitierung Mihailovićs nur eine von vielen Lügen, die Serbien nun erdulden muss.

Es ist eine Lüge, dass serbische Reiche die Erzeuger unseres Reichtums sind; Es ist eine Lüge, das es keine Alternative zur freien Marktwirtschaft gibt; Es ist eine Lüge, das ArbeiterInnen die Sparpolitik mit Gehaltskürzungen und Entlassung schultern müssen; Es ist eine Lüge, dass Serbien seinen RenterInnen keine vernünftige Rente zahlen kann; Es ist eine Lüge, dass Serbien EU-Mitglied werden muss; Es ist eine Lüge, dass Serbien in die NATO muss; Und heute ist es eine Lüge, dass Kosovo noch immer Serbien ist.

Serbiens-Linke muss alles dafür tun, um diese Lügen aufzudecken. Aber Beweise alleine werden nicht ausreichen. Nur durch den Kampf der Mehrheit, wird das Land in der Lage sein die Lügen der herrschenden Minderheit aufzudecken. Dies ist die Einzige Magie die wir heute brauchen: Die Magie des Klassenkampfes. Dies ist die beste Anerkennung die wir denen zukommen lassen können, die vor 70 Jahren heroisch für unsere Befreiung gekämpft haben, die das Hohe Gericht, lieber heute als morgen, vergessen will.

Zuerst erschienen auf Marks21.info und aus dem serbischen Übersetzt von Daniel Kerekeš.

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2 Kommentare

  • 1
    Chezus sagt:

    Draza ist ein Faschist.

  • 2
    Mike sagt:

    Er ist kein Faschist, er hat gegen die Faschisten gekämpft und in gewissen Fällen taktiert um die eigene Zivilebevölkerung zu schützen. Er war für viele ein Helld, Roosevelt lobte ihn, Eisenhowerbezeichnete ihn ihn als „waffenkamerd“. Anthony Edensah ihn als grossen Helden. Er erhielt folgende Orden: Miltary Cross (UK) Croix de guerre (Frankreich), Legion of merit (USA) usw. Ganz so einfachist es nicht, wie ihn manche darstellen wollen 😉