Der Kapitalismus hat kein Problem, er ist das Problem

18. Januar 2016 - 19:13 | | Wirtschaft | 0 Kommentare
Quelle - Fotograf: Frank Weber (CC BY 2.0)
Quelle - Fotograf: Frank Weber (CC BY 2.0)

„62 Superreiche besitzen so viel wie die Hälfte der Weltbevölkerung.“ Ein Skandal, was der NGO Oxfam heute veröffentlichte. Doch mehr als ein angesagtes Hashtag bei Twitter und müde Nachrichtenströme in Print und Fernsehen hat die Nachricht nicht ausgelöst. Keine Menschen auf der Straße, keine breiten Proteste, nichts. Es wird Zeit das Problem beim Namen zu nennen: Es heißt Kapitalismus.

Die Nachricht verbreite sich wie ein Lauffeuer in sozialen Medien und Nachrichtenportalen. Als wäre es eine neue Nachricht, dass sich der Reichtum in der marktwirtschaftlich organisierten Wirtschaft bei einigen wenigen konzentriert.

Das reichste Prozent der Welt besitzt mehr als der Rest

Anfangs ging Oxfam davon aus, dass im Verlaufe des Jahres 2016 das reichste Prozent der Weltbevölkerung mehr besitzen wird, als die restlichen 99 Prozent gemeinsam. Doch dieser Wert wurde bereits 2015 erreicht – es ist die logische Konsequenz des Kapitalismus, der aufgrund seiner Ausrichtung darauf ausgelegt ist, das sich der Reichtum in den Händen immer weniger Menschen konzentriert. Es muss also nicht verwundern, dass die Konzentration von Jahr zu Jahr zunimmt: 2014 waren es 80 Personen, 2015 62, die so Reich wie die „ärmeren“ 3,5 Milliarden Menschen auf der Erde. Was genau können 62 Menschen eigentlich leisten und erarbeiten, dass sie dem Gegenwert von 3,5 Milliarden Personen entsprechen? Ich behaupte nichts. Weder können sie mehr arbeiten, produzieren oder erfinden. Es ist schlichtweg unmöglich.

Wer betrügt, fliegt?

Neun von Zehn der größten Unternehmen weltweit haben Firmensitze in Steueroasen. Oxfam geht davon aus, dass diese Firmen damit alleine in Entwicklungsländern 100 Milliarden Dollar am Fiskus vorbei schmuggeln. Geld, das zur Bekämpfung von Armut, Hunger, Krankheit und Krieg dringend benötigt wird. Diese Unternehmen tragen damit direkt zu den Fluchtursachen bei und sind verantwortlich, wenn Menschen ihre Heimat verlassen müssen. Doch wenn finanziell schwache Länder versuchen dagegen vorzugehen, drohen großen Volkswirtschaften mit Konsequenzen die in bilateralen Freihandelsabkommen festgehalten wurden. Oxfam fordert daher richtigerweise die Trockenlegung von Steueroasen und ein „Wirtschafts- und Finanzsystem“, das sich an den Bedürfnissen der Mehrheit der Menschen orientiert. Man könnte es auch einfach beim Namen nennen: Weniger Kapitalismus, mehr demokratischen Sozialismus. Schließlich wurde dieser noch nie ausprobiert und die massive Zunahme von Krieg, Wirtschaftskrisen und Umweltzerstörung zeigt, dass es mit dem Kapitalismus nicht weiter geht.

Folge des Neoliberalismus

Diese Entwicklung setzte in den 80ern ein, als private Banken gemeinsam mit dem Internationalen Währungsfond begannen, den Neoliberalismus überall in der Welt zu implementieren. Michael Moore zeichnet diese Entwicklung in seinem Film „Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte“ für die USA sehr gut nach. Mit dem Einsetzen des Neoliberalismus ist die Private Verschuldung um ein vielfaches gestiegen, die Reallöhne stagnieren oder sinken gar und die Arbeitslosigkeit nahm drastisch zu. Dem ganzen gingen Deregulierungen von Banken, Börsen und Wirtschaft voraus. Arbeitnehmerinnenrechte wurden abgebaut, Unternehmerinnenrechte gestärkt. Um es mit den Worten von Papst Franziskus zu sagen: „Dieses System ist unerträglich. Das Wirtschaftssystem sollte im Dienst des Menschen stehen. Aber wir haben das Geld in den Mittelpunkt gerückt, das Geld als Gott.“

Über den Autor

Graswurzel-Aktivist bei die Linke und Redakteur für Freiheitsliebe & Balkan21. Wortakrobat für Medien wie Marx21 und junge Welt.
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