Freihandelsabkommen dienen nur dem Kapital, nicht den Arbeitenden

30. September 2015 - 16:15 | | Wirtschaft | 0 Kommentare

Gegen TTIP, TISA und Ceta sind alle Linken, allerdings gibt es einige die der Meinung sind, dass der Freihandel abseits der aktuellen Abkommen positiv gesehen werden kann, dabei beziehen sie sich auf Marx. Doch ihre Positionierung ist weit entfernt von einer marxistischen Einschätzung von Freihandel, denn Marx analysierte klar, dass Freihandelsabkommen niemals ein Mittel sind, dass der Mehrheit der Arbeitenden dient.

Marx kann und darf nicht als Freihandelsbefürworter verstanden werden und seine Positionierung bei der Auswahl „Freihandel oder Protektionismus“ war geprägt von dem Wunsch einer möglichst schnellen sozialistischen Revolution, die eher beim Freihandel schneller kommen sah. So sagte er in seiner Rede zum Freihandel: „aber im allgemeinen ist heutzutage das Schutzzollsystem konservativ, während das Freihandelssystem zerstörend wirkt. Es zersetzt die bisherigen Nationalitäten und treibt den Gegensatz zwischen Proletariat und Bourgeoisie auf die Spitze. Mit einem Wort, das System der Handelsfreiheit beschleunigt die soziale Revolution. Und nur in diesem revolutionären Sinne, meine Herren, stimme ich für den Freihandel.“
Gleichwohl sah er aber auch, dass der Freihandel als solcher der arbeitenden Bevölkerung keine Vorteile bringt und so sagte er über den Protektionismus, dass dieser Schutz biete vor „alle[n] destruktiven Erscheinungen, welche die freie Konkurrenz in dem Innern eines Landes zeitigt“ und sich in „noch riesigerem Umfang auf dem Weltmarkt [wiederholt]. Seine Aussprache für den Freihandel war somit eher ein Beispiel für die bei ihm sonst selten auftretende Eile.

Ursachen der marxchen Positionierung zum Freihandel

Auslöser seiner Rede war eine Debatte über die Abschaffung von Schutzzöllen auf Getreide und Brot in England, die die Freihandelsbefürworter für sich entscheiden konnte. In seiner Rede stellt Marx auf humoristische Weise klar, dass es den Freihandelsbefürwortern nicht um das Wohl der Arbeiter ging, auch wenn sie das noch so oft behaupteten, sondern um die Mehrung des eigenen Profits. Marx wird zum Ende seiner Rede sehr deutlich und erklärt, wem der Freihandel dient und wer ihn deswegen auch am stärksten befürwortet: „Die Brüderlichkeit, welche der Freihandel zwischen den verschiedenen Nationen der Erde stiften würde, wäre schwerlich brüderlicher; die Ausbeutung in ihrer kosmopolitischen Gestaltung mit dem Namen der allgemeinen Brüderlichkeit zu bezeichnen ist eine Idee, die nur dem Schoß der Bourgeoisie entspringen konnte.“
Es wird also deutlich, dass der Bezug auf Marx beim Freihandel nur möglich ist, wenn man der Ansicht ist, dass die Revolution unmittelbar bevorsteht und der Freihandel der letzte Funken ist, den es braucht um den revolutionären Geist in der Gesamtbevölkerung zu entzünden. Wenn diese Perspektive nicht eingenommen wird, dann sollte man seine ganze Rede lesen, denn sie verdeutlicht, das Marx sorgfältig herausgearbeitet hat, warum der Freihandel der arbeitenden Bevölkerung nicht dient.

Über den Autor

Ich habe 2009 die Freiheitsliebe gegründet aus dem Wunsch, einen Ort zu schaffen, wo es keine Grenzen gibt zwischen Menschen. Einen Ort an dem man sich mitteilen kann, unabhängig von Religion, Herkunft, sexuelle Orientierung und Geschlecht. Freiheit bedeutet immer die Freiheit von Ausbeutung. Als Autor dieser Webseite streite ich für eine Gesellschaft, in der nicht mehr die Mehrheit der Menschen das Umsetzen muss, was nur dem Wohlstand einiger Weniger dient.
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